{"id":787488,"date":"2026-02-10T20:52:19","date_gmt":"2026-02-10T20:52:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/787488\/"},"modified":"2026-02-10T20:52:19","modified_gmt":"2026-02-10T20:52:19","slug":"erwartung-von-arnold-schoenberg-und-der-wald-von-ethel-smyth-in-wuppertal-das-opernmagazin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/787488\/","title":{"rendered":"\u201eErwartung\u201c von Arnold Sch\u00f6nberg und \u201eDer Wald\u201c von Ethel Smyth in Wuppertal \u2013 DAS OPERNMAGAZIN"},"content":{"rendered":"<p>\t\t<a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/spannendes-musikdrama-erwartung-von-arnold-schoenberg-und-der-wald-von-ethel-smyth-in-wuppertal\/01_erwartungderwald__c__bjoern_hickmann\/\" rel=\"attachment wp-att-32587 nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-32587\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/01_ErwartungDerWald__c__Bjoern_Hickmann-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"  \/><\/a>Oper Wuppertal\/ERWARTUNG\/DER WALD\/Foto: Bjoern Hickmann<\/p>\n<p><b>Manuel Schmitt hat 2024 einen Doppelabend in der Oper Wuppertal inszeniert, der unter der Leitung des GMD Patrick Hahn am 7. April 2024 umjubelte Premiere hatte. Zur Wiederaufnahme unter dem Nachdirigat von Yorgos Ziavras bin ich gefahren, weil \u201eDer Wald\u201c als Wiederentdeckung des Jahres 2024 nominiert war. Der Abend hat alles, was ein spannender Opernabend braucht: zwei kurze, zeitlose St\u00fccke, die zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen, hervorragende Protagonist:innen und eine Regie, die Spannung erzeugt. W\u00e4hrend die Mono-Oper \u201eErwartung\u201c von Sch\u00f6nberg als Klassiker der Moderne gilt, ist Ethel Smyths \u201eDer Wald\u201c, eine echte Wiederentdeckung, der Tatsache geschuldet, dass Musik von Komponistinnen fr\u00fcher nicht ernstgenommen wurde. Dabei hatte Ethel Smyth damit den Durchbruch einer komponierenden Frau 1903 an der Metropolitan Opera New York. (Besuchte Vorstellung: Wiederaufnahme v. 8. Februar 2026)<\/b><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Arnold Sch\u00f6nberg, Erfinder der Zw\u00f6lftonmusik, sah bereits 1909 die \u201eEmanzipation der Dissonanz\u201c als intellektuelle Herausforderung. Mit dem Monodram \u201eErwartung\u201c kreierte er eine ganz neue, expressive Form des Musiktheaters. Das<b> <\/b>gro\u00df besetzte Orchester erzeugt mit zum Teil dissonanten Kl\u00e4ngen die d\u00fcstere Waldstimmung, in der <strong>Hanna<\/strong> <b>Larissa Naujoks<\/b> die wahnhaften Gedanken einer namenlosen Frau und ihre eskalierende Panik mit extremen Intervallspr\u00fcngen ausdr\u00fcckt. Das Unheil ist bereits passiert. Entstanden ist das Libretto zu \u201eErwartung\u201c im Sommer 1909. Sch\u00f6nberg lernte die Librettistin, die 26-j\u00e4hrige Marie Pappenheim, eine angehende Dermatologin, kennen, die unter Pseudonym Gedichte ver\u00f6ffentlicht hatte, und die in ganz kurzer Zeit das Libretto verfasste. Wir erleben ein expressionistisches Wechselbad der Gef\u00fchle von Hoffnung und Angst. Dissonanzen im \u00fcppig besetzten Orchester dr\u00fccken die Panik der Frau aus. Das B\u00fchnenbild und die Kost\u00fcme von <b>Julia Katharina Berndt<\/b> verorten die Handlung in einem geschlossenen Raum, es k\u00f6nnte die Rezeption eines Hotels sein, mit dem expressionistischen Gem\u00e4lde eines wuchernden Waldes, das sich mittels einer Projektion auf den gesamten Raum ausbreitet. Die Frau tr\u00e4gt ein langes wei\u00dfes Abendkleid, dar\u00fcber einen dunkelblauen Mantel. Dramatischer H\u00f6hepunkt ist, dass die Frau mit den F\u00fc\u00dfen gegen eine Leiche st\u00f6\u00dft \u2026 derjenigen ihres Geliebten. Das Motiv des Waldes wird zur Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr die Abgr\u00fcnde der menschlichen Seele. Es k\u00f6nnte die Komposition einer posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung sein, die Sch\u00f6nberg 1909 vollendete. Sein Schwager Alexander von Zemlinsky dirigierte die Urauff\u00fchrung 1924 in Prag. Erst im November 1985 folgte eine weitere Auff\u00fchrung unter Ulf Schirmer in der Wiener Staatsoper in der Regie von G\u00f6tz Friedrich zusammen mit Bart\u00f3ks Herzog Blaubarts Burg. Mittlerweile gilt Sch\u00f6nbergs Fr\u00fchwerk \u201eErwartung\u201c als Klassiker der Moderne.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/spannendes-musikdrama-erwartung-von-arnold-schoenberg-und-der-wald-von-ethel-smyth-in-wuppertal\/08_erwartungderwald__c__bjoern_hickmann\/\" rel=\"attachment wp-att-32588 nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-32588\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/08_ErwartungDerWald__c__Bjoern_Hickmann-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"  \/><\/a>Oper Wuppertal\/ERWARTUNG\/DER WALD\/Foto: Bj\u00f6rn Hickmann<\/p>\n<p>Die hochromantische deutsche Oper \u201eDer Wald\u201c wurde am 7. April 2024 erstmals wieder aufgef\u00fchrt. Es ist ein Einakter mit 70 Minuten Dauer und war 1903 die erste von einer Komponistin, die selbst das Libretto schrieb, geschaffene Oper, die mit gro\u00dfem Publikumserfolg an der Metropolitan Opera aufgef\u00fchrt wurde, zuerst als Doppelabend mit Verdis \u201eTroubadour\u201c, sp\u00e4ter mit Donizettis \u201eFille du Regiment\u201c. Nach mehr als 100 Jahren griff Patrick Hahn das Werk auf. Es ist vordergr\u00fcndig eine Wilderer-Geschichte und \u00e4hnelt im Setting Carl Maria von Webers \u201eFreisch\u00fctz\u201c, denn auch hier spielt die Handlung am Vorabend der Hochzeit des jungen Paares, R\u00f6schen und Heinrich. Musikalisch steht es in der Tradition von Brahms und Wagner, denn das gro\u00df besetzte Orchester kreiert klug instrumentierte Stimmungen. Es gibt allerdings keine finsteren M\u00e4chte, sondern nur die sehr fordernde Geliebte des Landgrafen, Jolanthe, die Gefallen an dem jungen Burschen gefunden hat und ihn zu ihrem Leibj\u00e4ger machen will. Grund f\u00fcr die Katastrophe ist, dass Heinrich selbst ein Reh gewildert hat, das als Hochzeitsbraten zubereitet werden soll und ihn ans Messer des strengen, von Jolanthe d\u00fcpierten Landgrafen liefert. Zun\u00e4chst ger\u00e4t der fahrende H\u00e4ndler Peter in Verdacht, aber der hat den Wildfrevel gesehen und verr\u00e4t Heinrich, um selbst nicht hingerichtet zu werden. R\u00f6schen fleht Heinrich an, sich Jolanthe anzuschie\u00dfen, um sein Leben zu retten, aber Heinrich akzeptiert seine Strafe und geht in den Tod. Die M\u00e4nner in dieser Oper wirken eher schwach und blass, R\u00f6schen dagegen sensibel und aufopfernd, Jolanthe fordernd und selbstbewusst. Das Liebespaar R\u00f6schen und Heinrich wird mit wundersch\u00f6nen Lyrismen dargestellt. Umso betroffener ist man, dass Heinrich die Chance, seine Liebe auszuleben, wegen einer gedankenlosen Wilderei aufs Spiel gesetzt hat. Der Chor der Waldgeister am Anfang und am Schluss (Choreinstudierung <b>Ulrich Zippelius<\/b>) reflektiert die Handlung: Die Verg\u00e4nglichkeit des Lebens im Kontrast zur Best\u00e4ndigkeit der Natur steht im Fokus. Der Wald dient als Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr \u00c4ngste. Dieser Aspekt wird in \u201eErwartung\u201c bereits angesprochen.<\/p>\n<p>In der Inszenierung von <b>Manuel Schmitt<\/b> erg\u00e4nzen sich die beiden Werke zu einem einheitlichen Gesamtkunstwerk, das die geheimnisvollen und d\u00fcsteren Seiten der menschlichen Psyche beleuchtet. Die Geschichte, die R\u00f6schen erlebt hat, passt genau zu den Assoziationen der namenlosen Frau, denn der todgeweihte Heinrich und der kecke Hausierer Peter sowie das gewilderte Reh tauchen als Bilder aus \u201eDer Wald\u201c in \u201eErwartung\u201c auf, und die namenlose Frau aus \u201eErwartung\u201c schlie\u00dft sich zitternd dem Schlusschor von \u201eDer Wald\u201c an. Die drei Frauengestalten verk\u00f6rpern mit gleichen Frisuren \u2013 rote Lockenper\u00fccken \u2013 verschiedene Frauentypen. Hier die lyrische Sopranistin <b>Marya Taniguchi <\/b>als das fromme, romantische R\u00f6schen, daneben <b>Edith Grossmann <\/b>Jolanta als die selbstbewusste Frau, die den naiven Holzf\u00e4ller attraktiv findet und ihn als ihren J\u00e4ger verpflichten will. Dazu passt die panische Frau <b>Hanna Larissa Naujoks<\/b> aus \u201eErwartung\u201c, die ein schreckliches Erlebnis in einem psychotischen Schub verarbeitet. Man fragt sich: \u201eWas ist passiert?\u201c Der \u00dcbergang k\u00f6nnte den Hinweis geben, denn die Frau nimmt die Axt, die der herumgeisternde Heinrich liegen gelassen hat, zerhackt das Bild, und es \u00f6ffnet sich die Szenerie des Hochzeitsvorabends.<\/p>\n<p>Musikalisch erinnert \u201eDer Wald\u201c eher an Brahms und Wagner, eine Erholung nach der mit Dissonanzen anstrengenden \u201eErwartung\u201c. Die beiden Musikstile vereint, dass sie ein gro\u00dfes, reich instrumentiertes Orchester verwenden, wie es zu Beginn des 20. Jahrhunderts \u00fcblich war. Dramaturgisch ist die Kombination der beiden Werke ein Geniestreich, denn \u201eDer Wald\u201c gibt eine m\u00f6gliche Antwort. Ethel Smyth war zweifellos eine gute Komponistin, aber die Avantgarde, vertreten durch Arnold Sch\u00f6nberg und Alban Berg, hat sie weit hinter sich gelassen. Der Besuch dieser bemerkenswerten Produktion hat sich gelohnt, denn es war spannend wie ein Krimi.<\/p>\n<p>(Fotos aus der Premierensaison 2023\/24, Anm. d. Red.)<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Rezension von Ursula Hartlapp-Lindemeyer \/ Red. DAS OPERNMAGAZIN<\/strong><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.oper-wuppertal.de\/programm\/detailansicht-auffuehrung\/erwartung-der-wald\/5101\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Oper Wuppertal \/ St\u00fcckeseite<\/a><\/li>\n<li>Titelfoto: Oper Wuppertal\/ERWARTUNG\/DER WALD\/Foto: Bjoern Hickmann<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Oper Wuppertal\/ERWARTUNG\/DER WALD\/Foto: Bjoern Hickmann Manuel Schmitt hat 2024 einen Doppelabend in der Oper Wuppertal inszeniert, der unter&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":787489,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1840],"tags":[175115,3364,29,177712,177713,177176,30,177714,177715,177716,177717,1209,177181,4418,177183],"class_list":{"0":"post-787488","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wuppertal","8":"tag-arnold-schoenberg","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-edith-grossmann","12":"tag-ethel-smth","13":"tag-frau-ursula-hartlapp-lindemeyer-das-opernmagazin","14":"tag-germany","15":"tag-hanna-larissa-naujoks","16":"tag-julia-katharina-berndt","17":"tag-manuel-schmitt","18":"tag-marya-taniguchi","19":"tag-nordrhein-westfalen","20":"tag-oper-wuppertal","21":"tag-wuppertal","22":"tag-yorgos-ziavras"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116048320749384153","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/787488","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=787488"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/787488\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/787489"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=787488"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=787488"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=787488"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}