{"id":788123,"date":"2026-02-11T02:38:09","date_gmt":"2026-02-11T02:38:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/788123\/"},"modified":"2026-02-11T02:38:09","modified_gmt":"2026-02-11T02:38:09","slug":"dresden-gedenkt-victor-klemperer-wie-seine-analysen-zur-ns-sprache-uns-heute-helfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/788123\/","title":{"rendered":"Dresden gedenkt Victor Klemperer \u2013 wie seine Analysen zur NS-Sprache uns heute helfen"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li>Victor Klemperers Aufzeichnungen zur NS-Sprache k\u00f6nnen <a href=\"#Klemperer\">heute als Warnung dienen<\/a>, meint Thomas Stern von der S\u00e4chsischen Landesbibliothek.<\/li>\n<li>Klemperer hatte detailliert festgehalten, wie Ausgrenzung und Terror <a href=\"#Ausgrenzung\">mit der Sprache beginnen<\/a>.<\/li>\n<li>Der Dresdner Historiker Mike Schmeitzner sieht heute <a href=\"#Historiker\">eine neue Zuspitzung<\/a> sprachlicher und auch physischer Gewalt.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Nichts f\u00fchrt uns dichter an die Seele eines Volkes heran als die Sprache&#8220;, schrieb Victor Klemperer. Und obwohl er bereits vor 66 Jahren in Dresden starb, sind seine B\u00fccher heute noch von gro\u00dfem Interesse. Besonders bekannt ist sein Werk &#8222;LTI&#8220; \u2013 &#8222;Lingua Tertii Imperii&#8220; (Sprache des Dritten Reiches). Darin untersucht er die Ver\u00e4nderung der Sprache durch die Nationalsozialisten.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Nichts f\u00fchrt uns dichter an die Seele eines Volkes heran als die Sprache.<\/p>\n<p>Victor Kelmperer in &#8222;LTI \u2013 Notizbuch eines Philologen&#8220; <\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nF\u00fcr Historiker und interessierte Laien gleicherma\u00dfen erkenntnisreich sind au\u00dferdem seine Tageb\u00fccher, in denen er intensiv und emotional seinen Blick auf drei Epochen abbildet: die Weimarer Republik, die NS-Zeit und die Anf\u00e4nge der DDR. &#8222;Das gibt dem Ganzen eine ganz besondere Aura, weil wir hier gelebte Geschichte vor Augen haben&#8220;, sagt Thomas Stern, Leiter des Referats Handschriften und alte Drucke an der <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/dresden\/slub-neue-mediathek-digitalisierungsbar-kultur-news-100.html\" title=\"Dresden: SLUB er\u00f6ffnet neue Mediathek\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">S\u00e4chsischen Landesbibliothek<\/a> (SLUB) Dresden, im Gespr\u00e4ch mit MDR KULTUR. Er betreut dort den Nachlass des Autors.\n<\/p>\n<p><a name=\"Klemperer\">Victor Klemperer<\/a>, Zeitzeuge und Sprach-Analytiker aus Dresden<\/p>\n<p class=\"text\">\nVictor Klemperer hat lange Zeit in Dresden gelebt und schildert anhand seiner eigenen Erlebnisse, wie sich die Gesellschaft in der NS-Zeit grundlegend ver\u00e4ndert. Im besonderen Fokus ist bei Klemperer immer die Sprache. Das mache ihn auch f\u00fcr die heutige Zeit interessant, sagt Thomas Stern, der sich in der Bibliothek um Handschriften und Nachl\u00e4sse k\u00fcmmert.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nKlemperer beschreibe sehr detailliert eine Radikalisierung der Sprache. Das k\u00f6nne eine Warnung f\u00fcr die heutige Zeit sein, &#8222;wo man sehen kann, wohin es f\u00fchrt, wenn eben Sprache bewusst eingesetzt wird, um zu diffamieren, um auszugrenzen&#8220;, so Stern.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Das ist durchaus eine Warnung f\u00fcr die heutige Zeit.<\/p>\n<p>Thomas Stern, Experte f\u00fcr Handschriften und alte Drucke<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nAuch wenn sich Victor Klemperer stets als patriotischer Deutscher empfand: Die Nazis sahen das anders. Ab 1933 wurde er immer st\u00e4rker aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. 1935 wurde er als Professor der Technischen Hochschule entlassen, ab 1938 durfte er die Bibliothek nicht mehr betreten.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nKlemperer berichtet in seinen Tageb\u00fcchern von Nadelstichen, die sich anf\u00fchlen wie Keulenschl\u00e4ge, und meint damit die sprachliche Verrohung und die schrittweise Entrechtung, die er von den Nazis erf\u00e4hrt. Ihm werden das Geld, sein Haus und seine Arbeit genommen.\n<\/p>\n<p><a name=\"Ausgrenzung\">Ausgrenzung<\/a> beginnt mit Sprache<\/p>\n<p class=\"text\">\nMike Schmeitzner, Historiker am Hannah-Arendt-Institut f\u00fcr Totalitarismusforschung, sieht darin eine &#8222;universalistische Geschichte&#8220;. Sie zeige, &#8222;dass man sich h\u00fcten muss, Menschen, die dazu geh\u00f6ren, aus ganz bestimmten Gr\u00fcnden \u2013 ob konfessioneller oder ethnischer Art \u2013 auszugrenzen\u201c.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDiese Ausgrenzung sei besonders stark in der Sprache zu erkennen, betont Schmeitzner: &#8222;Er [Klemperer] spricht von Gift, was so langsam wirkt, was tr\u00f6pfchenweise eingeflossen ist in den Jahren nach 1933&#8220;. Klemperer habe es sehr getroffen, dieses &#8222;unreflektierte \u00dcbernehmen von Sprache durch Menschen, die es gut mit ihm meinen.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nSo hielten in <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/leipzig\/leipzig-leipzig-land\/meuten-tdjw-digitales-archiv-ns-gedenken-kultur-news-100.html\" title=\"Leipzig zur NS-Zeit: Digitales Angebot macht &quot;Leipziger Meuten&quot; erlebbar\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">NS-Zeit<\/a> unter anderem Begriffe aus der Biologie Einzug, um jemanden abzuwerten. Menschen wurden als Parasit, Sch\u00e4dling oder Schmarotzer bezeichnet.\n<\/p>\n<p><a name=\"Historiker\">Dresdner Historiker<\/a> sieht bedenkliche Entwicklung in der Gegenwart<\/p>\n<p class=\"text\">\nEine solche sprachliche Verrohung g\u00e4be es auch heute l\u00e4ngst wieder, sagt Mike Schmeitzner MDR KULTUR: &#8222;Das sieht man ja, das h\u00f6rt man ja, das <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/politik\/landtagswahl\/politik-wahl-kampfbegriffe-afd-cdu-landtag-100.html\" title=\"Was die Kernbegriffe der Parteien in Sachsen wirklich zeigen \" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">bekommt man mit in der Politik<\/a>. Das ist vollkommen klar in den letzten Jahren.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDabei bliebe es inzwischen nicht nur bei verbalen Angriffen. Bei Wahlk\u00e4mpfen w\u00fcrden Politiker auch zusammengepr\u00fcgelt: &#8222;Dieses Ausma\u00df, die Zuspitzung von physischer Gewalt und auch sprachlicher Verrohung, hat es vor Jahren noch nicht gegeben. Da gibt es eine Entwicklung und die ist bedenklich.&#8220;\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Dieses Ausma\u00df, die Zuspitzung von physischer Gewalt und auch sprachlicher Verrohung, hat es vor Jahren noch nicht gegeben.<\/p>\n<p>Mike Schmeitzner, Historiker<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nDieser Entwicklung sind sich auch die Bibliotheksmitarbeiter in der <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/dresden\/dresden-radebeul\/slub-bibliothek-kochbuch-sammlung-wagner-kulinarik-kultur-news-100.html\" title=\"Dresden: SLUB erh\u00e4lt bedeutende Kochbuch-Sammlung aus \u00d6sterreich\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">SLUB<\/a> Dresden bewusst. Umso mehr solle man Klemperer rezipieren, sagt Thomas Stern und verweist auf ein wachsendes Interesse an seinen Werken, insbesondere an der &#8222;LTI&#8220; \u2013 hier beschreibe Klemperer die Institutionalisierung von Sprache, &#8222;wie man sie zum Teil heute auch wieder beobachtet&#8220;. \u00a0\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nRedaktionelle Bearbeitung: lm<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Victor Klemperers Aufzeichnungen zur NS-Sprache k\u00f6nnen heute als Warnung dienen, meint Thomas Stern von der S\u00e4chsischen Landesbibliothek. 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