{"id":790543,"date":"2026-02-12T00:58:15","date_gmt":"2026-02-12T00:58:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/790543\/"},"modified":"2026-02-12T00:58:15","modified_gmt":"2026-02-12T00:58:15","slug":"wir-sind-ein-einwandererland-ursula-krechel-in-moenchengladbach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/790543\/","title":{"rendered":"\u201eWir sind ein Einwandererland&#8220; &#8211; Ursula Krechel in M\u00f6nchengladbach"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\"> \u201eWir sind ein Einwandererland\u201c, sagte <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/ursula-krechel\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ursula Krechel<\/a> direkt zu Anfang. Die Sterbequote liege in Deutschland h\u00f6her als die Geburtenquote \u2013 folgerichtig brauche es Menschen, die aus anderen L\u00e4ndern hierherkommen. Diese ben\u00f6tigten zu Beginn vielleicht Hilfe, doch sp\u00e4ter seien wir es, die von ihnen profitierten. Die Autorin war auf Einladung des F\u00f6rdervereins der Stadtbibliothek \u201eLust am Lesen\u201c zu der \u201eTextstationen\u201c genannten Veranstaltungsreihe ins Carl-Brandts-Haus gekommen, um ihr Buch \u201eVom Herzasthma des Exils\u201c vorzustellen. Peter Brollik vom Vorstand des Vereins moderierte den Abend \u2013 und bezeichnete das Buch als eine \u201e200-j\u00e4hrige Geschichte der Migration\u201c, die immer schon da gewesen sei.<\/p>\n<p>Der Titel des Buches ist von Thomas Mann inspiriert      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eVom Herzasthma des Exils\u201c ist ein Buch, das es in sich hat. Der Titel des Buches sei, so die Autorin, von <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/thomas-mann\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Thomas Mann<\/a> inspiriert. Dieser lebte von 1942 bis 1952 im kalifornischen Exil und gab seinem Gef\u00fchl hierf\u00fcr mit \u201eHerzasthma\u201c einen Ausdruck. Kardiologen bekr\u00e4ftigten, dass Menschen an \u201eeinem gebrochenen Herzen\u201c sterben k\u00f6nnten. Die 24 Kapitel kreisen um Geschichten von Menschen, die ihre Heimat verlie\u00dfen, um Geschichten derer, die wiederkamen, sie kreisen um Begriffe, mit denen Politik die Fl\u00fcchtlingsbewegungen und deren Regulierungen in Stein mei\u00dfelt. Dementsprechend hei\u00dft auch ein Kapitel des 176 Seiten umfassenden Buches: \u201eBegriffe\u201c.<\/p>\n<p>Ursula Krechel erhielt 2025 den Georg-B\u00fcchner-Preis      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Hier greift Krechel W\u00f6rter auf und analysiert sie: vom Exodus aus dem Alten Testament, das den Auszug der Israeliten aus <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/aegypten\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u00c4gypten<\/a> beschreibt, \u00fcber das Wort \u201eElend\u201c, das etymologisch f\u00fcr \u201eanderes Land\u201c oder \u201eVerbannung\u201c steht. Hinzu kommen Wortunget\u00fcme der Neuzeit wie \u201eZustrombegrenzungsgesetz\u201c, \u201eZur\u00fcckschiebungshaft\u201c oder das harmlos daherkommende Wort \u201eMa\u00dfnahmen\u201c, das im Falle der kroatisch-bosnischen Grenze aber die gewaltsame Zur\u00fcckweisung von Fl\u00fcchtenden meint. Und dann der Begriff der \u201eRemigration\u201c. Er sei urspr\u00fcnglich eine neutrale Aussage \u00fcber die R\u00fcckwanderung \u2013 und werde nun von Rechtspopulisten instrumentalisiert. Man d\u00fcrfe, so Krechel, \u201esich Begriffe nicht aus der Hand schlagen lassen\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ursula Krechel, geboren 1947, ist Lyrikerin, Romanautorin, Verfasserin von Essays, Theaterst\u00fccken und H\u00f6rspielen. Sie setzt sich in ihren B\u00fcchern mit den Themen Exil und Flucht, Verfolgung und Feminismus auseinander. Im vergangenen Jahr erhielt sie den Georg-B\u00fcchner-Preis f\u00fcr ihr Gesamtwerk.<\/p>\n<p>Krechel berichtete von Ernst Gr\u00fcnfeld und dem Fl\u00fcchtlingsschiff \u201eSt. Louis\u201c      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Leserinnen und Leser lernen in \u201eVom Herzasthma des Exils\u201c Menschen kennen wie Ernst Gr\u00fcnfeld, dessen soziologische Studie \u201eDie Peripheren\u201c nach seinem Tode 1939 in Amsterdam erschien. Darin untersuchte er das Ph\u00e4nomen der Au\u00dfenseiter und Ausgesto\u00dfenen in der Gesellschaft. Die Leser und Leserinnen erfahren auch von der Geschichte der Irrfahrt des Fl\u00fcchtlingsschiffes \u201eSt. Louis\u201c mit dem engagierten Kapit\u00e4n Gustav Schr\u00f6der, das 1939 mit 900 j\u00fcdischen Fl\u00fcchtlingen nach Kuba fahren sollte. \u201eDie historischen Fl\u00fcchtlinge\u201c, so Krechel, seien positiv besetzt. Sie schlug den Bogen in die Jetzt-Zeit, in der die finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr die zivile Seenotrettung im Mittelmeer eingestellt wurde. \u201eIch versuche, Dinge miteinander zu verzahnen und ins richtige Licht zu r\u00fccken\u201c, sagte Krechel.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das Buch ist ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine empathische Haltung gegen\u00fcber Flucht und Exil. Durch die Menschen, die nach Deutschland gekommen seien, sei \u201eenorm viel Welthaltiges in die Welt gekommen, eine gro\u00dfartige Bereicherung\u201c, betonte die Autorin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eWir sind ein Einwandererland\u201c, sagte Ursula Krechel direkt zu Anfang. 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