{"id":791173,"date":"2026-02-12T06:52:25","date_gmt":"2026-02-12T06:52:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/791173\/"},"modified":"2026-02-12T06:52:25","modified_gmt":"2026-02-12T06:52:25","slug":"strategischer-dialog-in-berlin-zentralasien-und-deutschland-ruecken-enger-zusammen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/791173\/","title":{"rendered":"Strategischer Dialog in Berlin: Zentralasien und Deutschland r\u00fccken enger zusammen"},"content":{"rendered":"<p>        Deutschland appelliert an Zentralasien, das Umgehen von EU-Sanktionen gegen Russland nicht zu dulden. Beim dritten Gipfeltreffen in Berlin betonten die Au\u00dfenminister aus Zentralasien zugleich die Chancen f\u00fcr eine engere wirtschaftliche Kooperation, Energiepartnerschaften und den Ausbau logistischer Routen \u2013 die Region wird f\u00fcr ganz Europa zunehmend geopolitisch wichtig.<\/p>\n<p>Beim Treffen im Format \u201eZentralasien\u202f\u2013\u202fDeutschland\u201c haben die Au\u00dfenminister der f\u00fcnf zentralasiatischen Staaten Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan am 11.\u202fFebruar\u202f2026 gemeinsam mit dem deutschen Au\u00dfenminister Johann Wadephul in Berlin Gespr\u00e4che gef\u00fchrt. Derartige Treffen im sogenannten C5+1-Format sind seit ihrer Etablierung im Jahr\u202f2023 zu einem festen Bestandteil der bilateralen Beziehungen geworden und dienen als Plattform f\u00fcr einen regelm\u00e4\u00dfigen Austausch zu politischen und wirtschaftlichen Fragen sowie f\u00fcr das Begleiten einer wachsenden sicherheitspolitischen Kooperation.<\/p>\n<p>Die zentralasiatische Region gewinnt angesichts verschobener globaler Lieferketten, wachsender Energieunsicherheiten und geostrategischer Realignments f\u00fcr die gesamte europ\u00e4ische Politik zunehmend an Bedeutung. Neben Rohstofffragen r\u00fcckt die Lage Zentralasiens als Bindeglied zwischen Europa, Asien, Russland und China ins Blickfeld. Deutschland und die Europ\u00e4ische Union wollen ihre Zusammenarbeit mit diesen Staaten vertiefen, um gemeinsame Antworten auf wirtschaftliche und sicherheitspolitische Herausforderungen zu entwickeln und neue Partnerschaften jenseits traditioneller Abh\u00e4ngigkeiten zu schmieden.<\/p>\n<p>Vertreter aus der deutschen Regierung und aus Europa betonen regelm\u00e4\u00dfig, dass Zentralasien nicht nur Rohstoffe liefert, sondern auch eine strategische Rolle f\u00fcr die Diversifizierung von Energie- und Handelswegen spielt. In diesem Rahmen war die Anwesenheit des Sonderbeauftragten der Europ\u00e4ischen Union f\u00fcr Zentralasien bei dem C5+1-Treffen in Berlin ein Hinweis darauf, dass der Dialog mit der deutschen Bundesregierung Teil einer breiteren europ\u00e4ischen Strategie ist.<\/p>\n<p>Wirtschaftliche Zusammenarbeit im Mittelpunkt<\/p>\n<p>Ein zentraler Schwerpunkt des Treffens war die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Im Anschluss an das Ministertreffen fand ein Wirtschafts und Investitionsforum statt, an dem fast drei\u00dfig deutsche Wirtschaftsvertreter teilnahmen. Dieses Forum wurde gemeinsam mit dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft organisiert und bot Raum f\u00fcr Gespr\u00e4che \u00fcber Energie, Rohstoffe, Digitalisierung, Industrie, Landwirtschaft und Logistik.<\/p>\n<p>Vertreter aus Politik und Wirtschaft betonten, dass sich aus der Kombination der nat\u00fcrlichen Ressourcen Zentralasiens und der technologischen Kompetenz Deutschlands erhebliches Potenzial f\u00fcr langfristige, konkrete Projekte ergebe. Wie ein Sprecher des Wirtschaftsverbands gegen\u00fcber Medien erkl\u00e4rte, entscheide sich \u201eauch in Zentralasien, wer geopolitisch k\u00fcnftig mitgestaltet\u201c und dass deshalb die logistische Anbindung und wirtschaftliche Vernetzung der Region dringend vorangebracht werden m\u00fcsse.<\/p>\n<p>In Gespr\u00e4chen mit Wirtschaftsvertretern wurde wiederholt herausgestellt, dass f\u00fcr Deutschland der Zugang zu Rohstoffen und neuen M\u00e4rkten wichtig ist und dass Investitionen in Infrastruktur, Energieeffizienz sowie digitale Transformation f\u00fcr beide Seiten Chancen bergen. Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und L\u00e4ndern wie Kasachstan und Usbekistan umfassen zahlreiche gemeinsame Projekte mit erheblichen Investitionsvolumina.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-74418 size-large\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/06_Zentralasien-Deutschland_01-1024x538.jpg\" alt=\"\" width=\"696\" height=\"366\"  \/><\/p>\n<p>Energie und Nachhaltigkeit als Kooperationsfelder<\/p>\n<p>Die Kooperation im Energiebereich nahm einen breiten Raum der Gespr\u00e4che ein, in denen neben der Entwicklung traditioneller Energiepartnerschaften auch die Perspektiven f\u00fcr den Ausbau regenerativer Energien er\u00f6rtert wurden. In diesem Zusammenhang wurde der m\u00f6gliche Export von gr\u00fcnem Wasserstoff aus Zentralasien nach Europa als potenzialreiches Kooperationsfeld der Zukunft genannt, das den \u00dcbergang zu nachhaltigeren Energiesystemen sowohl in Europa als auch in Zentralasien unterst\u00fctzen kann.<\/p>\n<p>Ein weiterer Aspekt dieser Gespr\u00e4che war die nachhaltige Entwicklung der Volkswirtschaften. Vertreter sowohl aus Zentralasien als auch aus Deutschland betonten, dass eine abgestimmte Klimapolitik, ein verantwortungsvolles Ressourcenmanagement und realistische Umweltstrategien integrale Bestandteile der Zusammenarbeit sein m\u00fcssen, wenn die wirtschaftlichen Partnerschaften langfristig tragf\u00e4hig sein sollen.<\/p>\n<p>Die wirtschaftliche Zusammenarbeit wurde dar\u00fcber hinaus als ein Motor f\u00fcr Besch\u00e4ftigung, Innovation und Wertsch\u00f6pfung beschrieben. Deutsche Unternehmen berichteten, dass Projekte in den Bereichen Maschinenbau, Chemie, Digitalisierung und Logistik weiter vorangetrieben werden k\u00f6nnten, wenn daf\u00fcr klare rechtliche Rahmenbedingungen und verl\u00e4ssliche Investitionsbedingungen geschaffen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Logistik, Infrastruktur und neue Handelsrouten<\/p>\n<p>Ein weiteres zentrales Thema war die Rolle Zentralasiens als Transitregion zwischen Europa und Asien. Der Ausbau des sogenannten Mittleren Korridors bzw. der Transkaspischen Internationalen Transportroute wird in Fachkreisen und durch Politiker beider Seiten als ein wichtiges Element gesehen, um die Handelswege weiter zu diversifizieren und die Lieferketten widerstandsf\u00e4higer zu machen.<\/p>\n<p>In diesem Kontext nutzten zentrale Akteure ihren Aufenthalt in Berlin auch f\u00fcr bilaterale Gespr\u00e4che mit deutschen Unternehmen. Der kasachische Au\u00dfenminister Ermek Koscherbajew f\u00fchrte Gespr\u00e4che mit deutschen Wirtschaftsvertretern \u00fcber Kooperationen in den Bereichen Infrastruktur, Industrie und Digitalisierung.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-74419 size-large\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/06_Zentralasien-Deutschland_02-1024x538.jpg\" alt=\"\" width=\"696\" height=\"366\"  \/><\/p>\n<p>Auch die kirgisische Seite setzte hier klare Akzente. Der kirgisische Amtskollege Eenbek\u202fKulubajew traf in Berlin mit einem Mitglied des Vorstands der deutschen Logistikgruppe Rhenus SE zusammen, um Perspektiven f\u00fcr die Entwicklung der Eisenbahninfrastruktur sowie den Aufbau moderner Logistik- und Containerzentren zu er\u00f6rtern. Beide Seiten best\u00e4tigten ihre gegenseitige Bereitschaft, konkrete Projekte gemeinsam umzusetzen und die praktische Zusammenarbeit fortzuf\u00fchren. Rhenus SE ist ein international t\u00e4tiger Logistikdienstleister mit Aktivit\u00e4ten in mehr als siebzig L\u00e4ndern und bietet multimodale Transportl\u00f6sungen sowie ein modernes Lieferkettenmanagement an.<\/p>\n<p>Politische Verantwortung und Sanktionen<\/p>\n<p>Neben wirtschaftlichen Themen nahm der politische Dialog einen wichtigen Platz der Gespr\u00e4che ein. In einer gemeinsamen Berliner Erkl\u00e4rung bekr\u00e4ftigten die Au\u00dfenminister die positive Entwicklung der Beziehungen zwischen Deutschland und Zentralasien sowie ihr Bekenntnis zu Frieden, Sicherheit, nachhaltiger Entwicklung und dem V\u00f6lkerrecht.<\/p>\n<p>Ein h\u00e4ufig zitiertes Thema war zudem der Umgang mit internationalen Sanktionen. Bundesau\u00dfenminister Johann Wadephul appellierte an die zentralasiatischen Staaten, ein Umgehen der Sanktionen der Europ\u00e4ischen Union gegen Russland nicht zu dulden, wobei er deutlich machte, dass Versuche, Sanktionen zu umgehen, den russischen Angriffskrieg unterst\u00fctzen und die Sicherheitsinteressen Europas gef\u00e4hrden k\u00f6nnten. Beobachter kommentierten, dass Deutschland und die EU Zentralasien zunehmend als Partner in Fragen der Energie und Rohstoffsicherheit sehen, aber zugleich von ihren Partnern klare politische Positionierungen erwarten.<\/p>\n<p>Im politischen Dialog wurde auch die geopolitische Lage Zentralasiens er\u00f6rtert. Die Region befindet sich in einem komplexen Umfeld zwischen verschiedenen Gro\u00dfm\u00e4chten und muss politische Entscheidungen in einem Balanceakt treffen.<\/p>\n<p>Neben wirtschaftlichen und politischen Aspekten wurde auch der humanit\u00e4re Dialog hervorgehoben. Bildung, Wissenschaft, Fachkr\u00e4fteentwicklung und akademischer Austausch gelten als langfristige S\u00e4ulen der partnerschaftlichen Beziehungen. Initiativen in diesen Bereichen sollen nicht nur die weitere wirtschaftliche Modernisierung f\u00f6rdern, sondern auch das gegenseitige Verst\u00e4ndnis vertiefen und institutionelle Netzwerke st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Solche Ma\u00dfnahmen werden als Grundlage f\u00fcr eine nachhaltige Zusammenarbeit gesehen, die nicht allein auf der politischen Ebene stattfindet, sondern auch die Zivilgesellschaften und kulturelle Verbindungen zwischen ihnen einbezieht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-74422 size-large\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/06_Zentralasien-Deutschland_04-1024x538.jpg\" alt=\"\" width=\"696\" height=\"366\"  \/><\/p>\n<p>Das Treffen in Berlin zeigte erneut, dass sich die Beziehungen zwischen Deutschland und den zentralasiatischen Staaten zunehmend institutionalisieren und strategisch ausrichten. In einer Zeit globaler Umbr\u00fcche, ver\u00e4nderter Handelsrouten und wachsender Konkurrenz um Energie- und Rohstoffressourcen setzen beide Seiten auf einen strukturierten Dialog und eine projektbezogene Zusammenarbeit.<\/p>\n<p>Berlin war damit nicht nur ein Ort diplomatischer Gespr\u00e4che, sondern auch der Ausdruck einer strategischen Neuausrichtung. Zentralasien pr\u00e4sentiert sich als verl\u00e4sslicher Partner zwischen Europa und Asien, sowohl wirtschaftlich als auch politisch.<\/p>\n<p>Annabel Rosin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Deutschland appelliert an Zentralasien, das Umgehen von EU-Sanktionen gegen Russland nicht zu dulden. 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