{"id":793956,"date":"2026-02-13T08:28:14","date_gmt":"2026-02-13T08:28:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/793956\/"},"modified":"2026-02-13T08:28:14","modified_gmt":"2026-02-13T08:28:14","slug":"sicherheitskonferenz-muenchen-wie-hirntot-ist-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/793956\/","title":{"rendered":"Sicherheitskonferenz M\u00fcnchen: Wie hirntot ist Europa?"},"content":{"rendered":"<p>\n        13. Februar 2026<\/p>\n<p>              R\u00fcdiger Suchsland<\/p>\n<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Master_Ruediger-c6757cab6b1df82a.jpeg\"  width=\"1204\" height=\"676\"  alt=\"Macron und Merz bei einem gemeinsamen Auftritt\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"caption akwa-caption__text\">Der franz\u00f6sische Staatspr\u00e4sident Macron und der deutsche Bundeskanzler Merz bei einem gemeinsamen Auftritt in Berlin, Juli 2025.  <a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/image-photo\/berlin-germany-07-23-2025-joint-2657216565?trackingId=c86f99ef-b1ea-4acf-afae-f8a21d7861e4&amp;listId=searchResults\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">Bild<\/a>: Shutterstock.com<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Emmanuel Macrons europ\u00e4ischer Paukenschlag: &#8222;Wir m\u00fcssen Europa als Macht denken&#8220; \u2013 und das Versagen der Merz-Regierung.<\/p>\n<p>&#8222;Die Nato ist hirntot&#8220; \u2013 mit diesem provokativen Satz versuchte der franz\u00f6sische Staatspr\u00e4sident Emmanuel Macron vor Jahren die westliche Allianz aus dem selbstgew\u00e4hlten Dornr\u00f6schenschlaf wachzur\u00fctteln. Jetzt r\u00fcttelt er wieder: &#8222;Wenn wir nichts tun, ist Europa in f\u00fcnf Jahren weggefegt&#8220;, warnt der Politiker.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Europa \u2013 und darunter versteht Macron jedenfalls mehr als die EU, sondern den Kontinent unter Einschluss Gro\u00dfbritanniens und der Schweiz, vielleicht der Balkanstaaten, vielleicht \u2013 m\u00fcsse sich jetzt entscheiden, ob es in der Zuschauerrolle verbleiben oder zum Akteur werden wolle.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">&#8222;Wenn wir Zuschauer sein wollen, dann m\u00fcndet das in eine gl\u00fcckliche Unterwerfung.&#8220;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Diese Krise, die wir erleben, ist ein tiefgreifender geopolitischer Bruch&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Nur wenige Tage vor der heute beginnenden <a href=\"https:\/\/securityconference.org\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz<\/a> bat der Pr\u00e4sident eine Handvoll Korrespondenten renommierter europ\u00e4ischer Tageszeitungen \u2013 neben Le Monde, Financial Times und El Pa\u00eds wurde aus der Bundesrepublik nicht etwa der Deutschlandfunk oder die FAZ, sondern die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/macron-interview-frankreich-praesident-europa-usa-russland-li.3384437\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">S\u00fcddeutsche Zeitung<\/a> gebeten \u2013 zu einem ebenso hochkar\u00e4tigen wie wohl platzierten Gespr\u00e4ch \u00fcber die Herausforderungen f\u00fcr Europa in der gerade entstehenden neuen Weltordnung.<\/p>\n<p>Die entscheidenden Botschaften dieses Interviews d\u00fcrften freilich im politischen Berlin kaum jemandem gefallen: W\u00e4hrend man dort die deutsch-franz\u00f6sische Achse vor sich hin rosten l\u00e4sst, und pl\u00f6tzlich viel st\u00e4rker als je zuvor seit 1945 auf eine nationale Karte und deutsche Alleing\u00e4nge setzt, und auf neue Militarisierung, so sehr, dass man sowohl in Warschau wie in Paris h\u00f6chst beunruhigt auf solche martialischen Gesten der Merz-Regierung blickt, fordert Macron mehr Selbstdisziplin und Einheit.<\/p>\n<p>Der Pr\u00e4sident ist \u00fcberzeugt, dass ein gespaltenes Europa scheitern werde. Allzu oft setze nach einer Krise &#8222;feige Erleichterung&#8220; ein. &#8222;Europa leidet an einem Trauma, die Menschen zweifeln&#8220;.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p>Europa m\u00fcsse &#8222;den Gr\u00f6nland-Moment nutzen&#8220;, verlangt Frankreichs Pr\u00e4sident eine entschlossenere Haltung der Europ\u00e4er:<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">&#8222;Jeder muss sich bewusst werden, dass diese Krise, die wir erleben, einen tiefgreifenden geopolitischen Bruch darstellt.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Au\u00dfenpolitischer Paradigmenwechsel gegen die &#8222;geopolitische Minderj\u00e4hrigkeit&#8220; Europas<\/strong><\/p>\n<p>Darum verlangt der Franzose nun nichts weniger als einen au\u00dfenpolitischen Paradigmenwechsel: Europa m\u00fcsse sich neu definieren, und aus dem &#8222;Zustand der Unm\u00fcndigkeit&#8220; und seiner &#8222;geopolitischen Minderj\u00e4hrigkeit&#8220; entwachsen.<\/p>\n<p>Das bedeutet f\u00fcr den Franzosen <strong>erstens<\/strong>: Man muss die Beziehung zu Russland normalisieren und mit den Russen wieder sprechen, verhandeln, die diplomatischen Beziehungen normalisieren \u2013 Ukraine-Krieg hin oder her.<\/p>\n<p>Macron spricht von der &#8220; Wiederaufnahme einer europ\u00e4ischen Diskussion mit den Russen &#8230; ohne naiv zu sein&#8220;.<\/p>\n<p>Denn:<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">&#8222;Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem dieser Zerm\u00fcrbungskrieg sein Endstadium erreicht hat.&#8220;<\/p>\n<p>Es sei nun &#8222;legitim, sich die Frage zu stellen, wie man diesen Krieg beenden kann&#8220;.<\/p>\n<p>Seine \u00dcberlegung sei &#8222;ganz einfach&#8220;: Verhandlungen und Diskussionen \u00fcber ein Kriegsende sollten nicht ohne Europa stattfinden.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">&#8222;Unsere geografische Lage wird sich nicht \u00e4ndern, ob wir Russland nun m\u00f6gen oder nicht, Russland wird auch morgen noch da sein. Es liegt nun einmal vor unserer Haust\u00fcr.&#8220;<\/p>\n<p>Eine fraglos zutreffende Feststellung. Man fragt sich nur, warum Macron fast vier Jahre zu dieser Erkenntnis gebraucht hat.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Die Chinesen sch\u00fctzen ihre Industrie ja auch.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zweitens<\/strong>: Frankreich will die Abh\u00e4ngigkeit von China und den USA verringern.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">&#8222;Meine Botschaft lautet: Unsere Agenda der europ\u00e4ischen Unabh\u00e4ngigkeit beschleunigen. Investieren, sch\u00fctzen, diversifizieren und vereinfachen \u2013 schneller.&#8220;<\/p>\n<p>Das Wichtigste daran ist, dass Macron die beiden Gro\u00dfm\u00e4chte de facto auf eine Stufe stellt.<\/p>\n<p><strong>Drittens<\/strong> schl\u00e4gt Macron einen \u00f6konomischen Umbau durch vier zentrale Schritte vor, um die europ\u00e4ischen Defizite und die Deindustrialisierung aufzuhalten.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">&#8222;An erster Stelle steht die Vereinfachung der Regeln und die Vertiefung des Binnenmarkts.&#8220;<\/p>\n<p>Macron beruft sich auf den <a href=\"https:\/\/commission.europa.eu\/document\/download\/97e481fd-2dc3-412d-be4c-f152a8232961_de\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Draghi-Bericht<\/a> vom Vorjahr. Der zweite Schritt sei Diversifizierung und Derisking: Beispiel Indien oder Kanada.<\/p>\n<p>Mercosur dagegen sei ein schlechtes, weil veraltetes Abkommen.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">&#8222;Die Strategie ist gut, das geopolitische Signal ist richtig. &#8230; Wichtig ist &#8230; dass es Spiegelklauseln gibt, dass also den au\u00dfereurop\u00e4ischen Produzenten die gleichen Auflagen gemacht werden wie den europ\u00e4ischen. Das ist nur fair.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Viertens<\/strong> will Macron Schutzklauseln f\u00fcr den europ\u00e4ischen Markt. Er meine damit &#8222;nicht Protektionismus, sondern die Bevorzugung europ\u00e4ischer Produkte&#8220;.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">&#8222;Die Chinesen sch\u00fctzen ihre Industrie ja auch. Wenn sich die beiden Gro\u00dfm\u00e4chte, denen wir gegen\u00fcberstehen, nicht mehr an die Regeln der Welthandelsorganisation halten, m\u00fcssen wir uns wehren. Sonst verschwinden wir vom Markt.&#8220;<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich m\u00fcsse Europa bereit sein, gemeinsam Schulden zu machen \u2013 Stichwort: Eurobonds. Der Weltmarkt habe zunehmend Angst vor dem US-Dollar und suche nach Alternativen, so Macron.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">&#8222;Bieten wir ihm europ\u00e4ische Schulden an.&#8220;<\/p>\n<p>F\u00fcr alle Investoren weltweit sei ein demokratischer Rechtsstaat ein enorm attraktiver Faktor.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">&#8222;Es handelt sich also um eine einmalige Gelegenheit, die es auch erm\u00f6glichen w\u00fcrde, die Vorherrschaft des Dollars anzugehen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Das Versagen der Merz-Regierung<\/strong><\/p>\n<p>Die wichtigste Frage ist allerdings die, wie <strong>realistisch<\/strong> diese Pl\u00e4ne des franz\u00f6sischen Staatspr\u00e4sidenten tats\u00e4chlich sind. Europa hat es in den drei Jahrzehnten seit Ende des Kalten Kriegs immer verstanden sich selbst zu l\u00e4hmen.<\/p>\n<p>Und auch die ersten Reaktionen auf das Macron-Interview lassen nichts Gutes erhoffen: &#8222;Die Bundesregierung verwirft Macron-Ideen&#8220; vermeldete die S\u00fcddeutsche am Tag nach dem Interview.<\/p>\n<p>Und das in scharfem Ton: Macron lenke &#8222;von dem ab, worum es eigentlich geht: dass wir ein Produktivit\u00e4tsproblem haben&#8220;, hie\u00df es am Dienstag aus Kreisen der Bundesregierung, ohne dass erg\u00e4nzt wurde, wie man diesem denn begegnen wolle. Aus Sicht Berlins st\u00f6rt Macron den gem\u00e4chlichen Gang der Dinge.<\/p>\n<p>&#8222;Nach den Gepflogenheiten der Diplomatie zeigt sich die Bundesregierung mit dieser Reaktion auf Gedankenspiele Macrons maximal ver\u00e4rgert&#8220;, kommentiert die SZ.<\/p>\n<p>Anstatt den Schulterschluss mit Frankreich zu suchen, experimentiert Friedrich Merz mit der italienischen Rechtskonservativen Giorgia Meloni.<\/p>\n<p>Einmal mehr zeigt sich deutsche Kanzler als au\u00dfenpolitisch unerfahrener, ungeschickter Akteur, als Diplomat in Ausbildung \u2013 die Merz-Regierung l\u00e4sst ihre historische Chance auf einen europ\u00e4ischen Neuanfang ungenutzt und versagt auf ganzer Linie.<\/p>\n<p>Europa wirkt f\u00fchrungslos und hirntot \u2013 wann kommen die Elektroschocks, die das untote Wesen wie vor Jahren die Nato wiederbeleben?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"13. 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