{"id":795650,"date":"2026-02-14T00:00:31","date_gmt":"2026-02-14T00:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/795650\/"},"modified":"2026-02-14T00:00:31","modified_gmt":"2026-02-14T00:00:31","slug":"warum-berlins-wohnungskrise-zur-gefahr-fuer-die-gesamte-wirtschaft-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/795650\/","title":{"rendered":"Warum Berlins Wohnungskrise zur Gefahr f\u00fcr die gesamte Wirtschaft wird"},"content":{"rendered":"<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Schon f\u00fcr sich genommen ist Deutschlands Wohnungsmangel ein Desaster. Doch nun zeigt sich, dass die Baukrise kein isoliertes Problem bleiben d\u00fcrfte. J\u00fcngste Entwicklungen zeigen: Sie k\u00f6nnte in Gro\u00dfst\u00e4dten einen Dominoeffekt ausl\u00f6sen, der auch die letzten halbwegs gesunden Sparten der Wirtschaft zum Erliegen bringt.\u00a0<\/p>\n<p>Berlin trifft diese Krise besonders hart: Nirgendwo sonst wird derzeit so wenig gebaut, nirgendwo ist Wohnraum so knapp. Nach aktuellen Studien fehlen in der Hauptstadt rund 56.000 Wohnungen, die n\u00f6tig w\u00e4ren, um Angebot und Nachfrage ann\u00e4hernd auszugleichen. Gleichzeitig meldet der Senat, dass trotz steigender Einwohnerzahlen die fertiggestellten Wohnungen pro Jahr nur im niedrigen f\u00fcnfstelligen Bereich liegen \u2013 etwa 14.000 bis 15.000 in den Jahren 2024\/2025, weit unter dem politischen Ziel von 20.000 Wohnungen j\u00e4hrlich und deutlich unter dem, was \u00d6konomen f\u00fcr ein funktionierendes Marktgleichgewicht veranschlagen.<\/p>\n<p>Gebaut wird nur im High-End-Bereich<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Hohe Baukosten und Bodenpreise sowie steigende Zinsen haben Wohnungsneubauten\u00a0sowie Sanierungsvorhaben auf lange Sicht unrentabel gemacht.\u00a0Wenn \u00fcberhaupt gebaut wird, dann nur noch im High-End-Bereich, gemeint sind Luxuswohnungen, auch bekannt als \u201eTrophy-Objekte\u201c.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Im unteren und mittleren Preissegment geht die Baut\u00e4tigkeit gegen null \u2013 trotz Bauturbo und Schneller-bauen-Gesetz.\u00a0Gleichzeitig steigen die technischen und energetischen Anforderungen an den Geb\u00e4udebestand und Vermieter m\u00fcssen wegen hoher Instandhaltungskosten immer tiefer in die eigene Tasche greifen. So werden dem Markt immer weniger Wohnungen zugef\u00fchrt \u2013 und die Mieten steigen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Was als soziale Frage begann, ist l\u00e4ngst zu einer wirtschaftlichen Schl\u00fcsselfrage geworden. Wohnraum ist Infrastruktur wie Energie- oder Verkehrsnetze. Ohne Wohnungen kommen keine Fachkr\u00e4fte, ohne Fachkr\u00e4fte keine Investitionen, ohne Investitionen kein Wachstum.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der Immobilien\u00f6konom Michael Voigtl\u00e4nder vom IW K\u00f6ln warnt seit Jahren, \u201edass die Angebotsseite str\u00e4flich vernachl\u00e4ssigt wurde und Regulierung allein keinen Quadratmeter schafft\u201c. Auch Konstantin Kholodilin vom DIW Berlin betont, steigende Mieten wirkten wie eine Umverteilung von Konsumspielr\u00e4umen. \u201eSie d\u00e4mpfen die Kaufkraft und wirken damit auch makro\u00f6konomisch.\u201c<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Wie ist es m\u00f6glich, dass die gr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der Europ\u00e4ischen Union an zentralen Fragen der Behausung und des Wohnungsbaus kl\u00e4glich scheitert? Und wie kann es sein, dass in Berlin \u2013 der drittgr\u00f6\u00dften Metropole Europas und Wiege der Moderne \u2013 Menschen wegen hoher Baukosten und Mieten in die Armut getrieben werden?<\/p>\n<p>Mehr Vorschl\u00e4ge als Wohnungen<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden melden sich Politiker aus dem linken Spektrum mit Vorschl\u00e4gen zu Wort. W\u00e4hrend Bundesbauministerin Verena Hubertz von der SPD beschleunigte Verfahren vorschl\u00e4gt und Sonderregeln ins Spiel bringt, erkl\u00e4rt jetzt Justizministerin Stefanie Hubig, ebenfalls Sozialdemokratin, Mieter mit strengeren Vorgaben vor weiter steigenden Preisen sch\u00fctzen zu wollen. Die Linke ist da ganz konsequent: Sie fordert seit Jahren ganz einfach die Enteignung von Wohnungsbaugesellschaften.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Vergangene Woche erst pr\u00e4sentierte die Justizministerin ihren Plan, mit Regeln, die sp\u00fcrbar ins Portemonnaie greifen sollen. M\u00f6blierte Wohnungen sollen nicht l\u00e4nger als Grauzone funktionieren: Vermieter m\u00fcssten offenlegen, um wieviel sie die Miete wegen der M\u00f6bel erh\u00f6hen. F\u00fcr eine vollst\u00e4ndig m\u00f6blierte Wohnung schl\u00e4gt das Ministerium eine Pauschale von f\u00fcnf Prozent der Nettokaltmiete vor. Bei Indexmieten soll eine Preissteigerung k\u00fcnftig maximal 3,5 Prozent betragen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Und weil Hubig wei\u00df, dass jede neue Bremse das Gegenargument sofort mitliefert, setzt sie zugleich einen Anreiz f\u00fcr Modernisierungen: Die Wertgrenze f\u00fcr vereinfachte Mieterh\u00f6hungen nach Ma\u00dfnahmen soll von 10.000 auf 20.000 Euro steigen \u2013 vor allem, um privaten Kleinvermietern den b\u00fcrokratischen Aufwand zu erleichtern. Hubig betont, die Reform behalte \u201eauch die Interessen der Vermieterseite im Blick\u201c.<\/p>\n<p>Krise: Ohne Wohnraum keine Arbeitskr\u00e4fte<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der Wohnungsbau, lange Konjunktur-Zugpferd des Mittelstands, liegt derweil darnieder. Bundesweit steht der Bau- und Baunebensektor f\u00fcr einen erheblichen Teil der Wirtschaftsleistung; Millionen Jobs h\u00e4ngen direkt oder indirekt an Beton, Ziegeln, Baukr\u00e4nen. Doch der Stabilit\u00e4tsanker wird selbst zum Krisenherd: Baugenehmigungen brechen ein, Projekte liegen auf Eis, Entwickler melden Insolvenz an.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Baukosten sind in wenigen Jahren zweistellig gestiegen, Materialpreise schwanken, Kreditzinsen vervielfachten sich zeitweise. \u00d6konomen warnen vor Folgesch\u00e4den: Wenn weniger gebaut wird, trifft es nicht nur Bauunternehmen, sondern auch Architekten, Zulieferer, Handwerksbetriebe, Finanzierer \u2013 eine ganze Wertsch\u00f6pfungskette. Und es trifft Branchen au\u00dferhalb der Bauwirtschaft, weil ohne Wohnraum keine Arbeitskr\u00e4fte kommen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die geldpolitische Zeitenwende versch\u00e4rft die Lage. Auf die Pandemie folgte der Krieg, auf den Krieg die Inflation \u2013 und die Inflation bewirkte steigende Leitzinsen. Die Folgen waren 2023 und 2024 voll sp\u00fcrbar: Bauzinsen zogen kr\u00e4ftig an. Kredite mit zehnj\u00e4hriger Zinsbindung, die zuvor teils unter zwei Prozent zu haben waren, lagen zeitweise deutlich oberhalb von drei Prozent. Was nach einem Prozentpunkt klingt, ist im Wohnungsbau eine tektonische Verschiebung: lange Laufzeiten, Millionenbetr\u00e4ge, enge Margen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Auff\u00e4llig ist zudem, wie stark sich Berlin seit der Pandemie von der Entwicklung anderer deutscher Gro\u00dfst\u00e4dte abgekoppelt hat. W\u00e4hrend die Angebotsmieten in Metropolen wie Hamburg, M\u00fcnchen oder Frankfurt zwar ebenfalls stiegen, verlief der Anstieg in der Hauptstadt deutlich steiler. In Berlin kletterten die durchschnittlichen Angebotsmieten zwischen 2012 und 2025 von rund 7,45 auf 15,77 Euro pro Quadratmeter \u2013 sie haben sich damit nahezu verdoppelt.<\/p>\n<p>Aber das Ende der Fahnenstange ist noch l\u00e4ngst nicht erreicht. Berlin w\u00e4chst weiter: Inzwischen leben fast 3,8 Millionen Menschen in der Stadt, Prognosen zufolge k\u00f6nnte die Vier-Millionen-Marke in drei bis f\u00fcnf Jahren \u00fcberschritten werden. Mehr Einwohner bedeuten zwangsl\u00e4ufig mehr Nachfrage nach Wohnraum \u2013 doch der Neubau h\u00e4lt mit diesem Wachstum nicht Schritt.<\/p>\n<p>Baupreise explodieren, Zinsen steigen<img alt=\"Pandemiebedingt stiegen die Baukosten wegen Liefer- und Materialengp\u00e4ssen ab 2020 rasant an. Infolgedessen wurden zahlreiche Bauprojekte auf Eis gelegt.\" loading=\"lazy\" width=\"2500\" height=\"2500\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/b85a5c04-789f-4296-a5a4-848bde3c40a3.png\"\/><\/p>\n<p>Pandemiebedingt stiegen die Baukosten wegen Liefer- und Materialengp\u00e4ssen ab 2020 rasant an. Infolgedessen wurden zahlreiche Bauprojekte auf Eis gelegt.Grafik: BLZ. Quelle: \u00a9 Sprengnetter<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Und w\u00e4hrend Linke und SPD Mieter und Vermieter gegeneinander aufhetzen, ger\u00e4t die \u00f6konomische Erosion aus dem Blick. In der Bauwirtschaft ist sie l\u00e4ngst angekommen: Projektentwickler melden Insolvenzen, Bauunternehmen berichten von Auftragsl\u00fccken, Handwerksbetriebe von stornierten Vorhaben. Ger\u00e4t diese Kette weiter unter Druck, zieht sie Zulieferer, Handel, Logistik und Finanzierung mit. Und dann frisst sich der Engpass in die Realwirtschaft.<\/p>\n<p><img alt=\"Entwicklung der Bauzinsen mit zehnj\u00e4hriger Zinsbindung: Infolge der Inflation und des Ukraine-Krieges zog der Leitzins auf \u00fcber 3 Prozent.\" loading=\"lazy\" width=\"3333\" height=\"2500\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/dd5b5957-fced-41cb-a49d-399421c2344c.png\"\/><\/p>\n<p>Entwicklung der Bauzinsen mit zehnj\u00e4hriger Zinsbindung: Infolge der Inflation und des Ukraine-Krieges zog der Leitzins auf \u00fcber 3 Prozent.Grafik: BLZ. Quelle: Interhyp<\/p>\n<p>Mieten treiben Berliner in die Armut<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Wegen der schwierigen Bedingungen f\u00fcr Bau- und Sanierungsvorhaben verknappt sich auch das Wohnraumangebot stetig\u00a0\u2013 und die Mieten steigen weiter. Ein Blick auf die bundesweite Mietpreisentwicklung zeigt: Berlin ist l\u00e4ngst kein Einzelfall \u2013 und dennoch fallen die Preissteigerungen in der Hauptstadt besonders stark ins Gewicht.<\/p>\n<p><img alt=\"Berlin verzeichnete von allen deutschen Metropolen den rasantesten Anstieg bei den Quadratmeterpreisen: von 7,45 Euro im Jahr 2012 auf fast 16 Euro im vergangenen Jahr.\" loading=\"lazy\" width=\"3333\" height=\"2500\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/078c052f-b4f6-4fc4-9940-5b9312f3bfb6.png\"\/><\/p>\n<p>Berlin verzeichnete von allen deutschen Metropolen den rasantesten Anstieg bei den Quadratmeterpreisen: von 7,45 Euro im Jahr 2012 auf fast 16 Euro im vergangenen Jahr.Grafik: BLZ. Quelle: Kiel Institut<\/p>\n<p>Lock-in-Effekt blockiert den Markt<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Besonders prek\u00e4r: Die Mietpreisbremse, die den angespannten Wohnungsmarkt eigentlich entlasten sollte und vor kurzem bis 2029 verl\u00e4ngert wurde, hat de facto das Gegenteil bewirkt: Denn sie gilt nur f\u00fcr Bestandswohnungen, nicht jedoch f\u00fcr Neubauten, die nach dem 1. Oktober 2014 bezugsfertig wurden.<\/p>\n<p>Hieraus resultiert eine wachsende Diskrepanz zwischen den Mietpreisen der Bestands- und Neubauwohnungen. Im Ergebnis wagen immer weniger Berliner einen Umzug, weil sie sich die Mieten der Neubauwohnungen nicht leisten k\u00f6nnen. Ein Teufelskreis.<\/p>\n<p><img alt=\"\" loading=\"lazy\" width=\"2500\" height=\"2500\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/527aaaca-026b-482c-8da4-82d6d7955444.png\"\/><\/p>\n<p>Grafik: BLZ. Quelle: Senatsverwaltung f\u00fcr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang vom sogenannten <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/mensch-metropole\/lock-in-effekt-berliner-mieten-steigen-um-74-prozent-investoren-jubeln-mieter-verzweifeln-li.2322577\" rel=\"nofollow noopener\">Lock-in-Effekt<\/a>. Er ist auch eine Ursache daf\u00fcr, weshalb Berlin \u00fcber die bundesweit niedrigste Leerstandsquote verf\u00fcgt. Denn wenn Mieter kaum noch umziehen, werden Wohnungen immer seltener frei.<\/p>\n<p>Die Folge ist eine zus\u00e4tzliche Verkrustung des Wohnungsmarktes. Die Fluktuation sinkt und die Leerstandsquote geht gegen null: Laut Sch\u00e4tzungen liegt sie in Berlin aktuell zwischen 0,8 und 2,1 Prozent. Zum Vergleich: Bundesweit betr\u00e4gt der Wohnungsleerstand noch rund drei Prozent.<\/p>\n<p>Investoren kehren Berlin den R\u00fccken<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Aktuelle Markteinsch\u00e4tzungen zeigen, dass das Wohnraumangebot in Berlin auch in den kommenden Jahren deutlich hinter der Nachfrage zur\u00fcckbleiben wird. Entsprechend hoch wird die Nachfrage nach Neubauprojekten in diesem Segment sein.<\/p>\n<p>Ein wachsender Markt ist f\u00fcr Investoren normalerweise ein positives Signal. Doch f\u00fcr viele Investoren ist der Berliner Markt zu riskant geworden. Und so bewerten Projektentwickler das Investitionsklima trotz des wachsenden Bedarfs als ausgesprochen schlecht.<\/p>\n<p><img alt=\"War die Marktlage im Wohnungsbau aus Investorensicht im Jahr 2015 noch durchweg gut, wurde das Klima im vergangenen Jahr durchgehend als \u201esehr schlecht\u201c bewertet.\" loading=\"lazy\" width=\"3333\" height=\"2500\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/a46ada1c-5104-4ae2-bc6b-f8cd3e94dd1e.png\"\/><\/p>\n<p>War die Marktlage im Wohnungsbau aus Investorensicht im Jahr 2015 noch durchweg gut, wurde das Klima im vergangenen Jahr durchgehend als \u201esehr schlecht\u201c bewertet.Grafik: BLZ. Quelle: IBB Wohnungsmarktbarometer 2025<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">W\u00e4hrend Investoren laut Erhebungen des IBB den Markt 2015 \u2013 mit Ausnahme von Berlin-Mitte \u2013 noch \u00fcberwiegend als positiv einsch\u00e4tzten, zeigen die Bewertungen f\u00fcr 2025 ein deutlich anderes Bild. In Bezirken wie Tempelhof-Sch\u00f6neberg, Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow werden die Rahmenbedingungen inzwischen sogar als \u201esehr schlecht\u201c beurteilt.<\/p>\n<p>Beh\u00f6rden-Ping-Pong blockiert Berlin<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der R\u00fcckgang der Investorent\u00e4tigkeit ist auch den wachsenden technischen und energetischen Anforderungen an Geb\u00e4ude geschuldet, die insbesondere die Ert\u00fcchtigung und den Umbau von Bestandsbauten erschweren\u00a0\u2013 wie auch den schleppenden Genehmigungsverfahren.<\/p>\n<p>Auch in diesem Punkt erweist sich Berlin als Sonder- wenn nicht sogar als H\u00e4rtefall: Der L\u00f6wenanteil der <a target=\"_blank\" data-li-document-ref=\"10006170\" href=\"https:\/\/www.replace-delivery-host.com\/artikel\/zahl-der-baugenehmigungen-steigt-immobilienverbaende-fordern-schnellere-umsetzung-10006170\" rel=\"nofollow noopener\">Baugenehmigungen<\/a> wird hier in den zw\u00f6lf Bezirksverwaltungen bearbeitet \u2013 und die kommen mit der Bearbeitung der Antr\u00e4ge seit Jahren wegen Personalmangel, weitgehend analoger Arbeitsprozesse und langer Abstimmungswege nicht mehr hinterher. Und selbst wenn doch ein Projekt genehmigt wird, kommt es wegen artenschutzrechtlicher Pr\u00fcfungen oder Klagen des Nabu am Ende doch nicht zum Spatenstich.<\/p>\n<p>Der in Berlin so typische \u201eBeh\u00f6rden-Ping-Pong\u201c hat wiederum zur Folge, dass sich selbst kleinere Nachverdichtungs- und Aufstockungsprojekte, womit eigentlich schnell g\u00fcnstiger Wohnraum geschaffen werden k\u00f6nnte, nicht mehr durchf\u00fchren lassen.<\/p>\n<p>Berliner Parteien: \u201eVorstufe zum Mieten-Sozialismus\u201c<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">L\u00e4ngst ist der Ruf nach einer grundlegenden Reform der Berliner Verwaltung laut geworden \u2013 etwa nach dem Vorbild Hamburgs, wo gr\u00f6\u00dfere Wohnungsbauvorhaben von einer zentralen Baubeh\u00f6rde gesteuert werden, Bearbeitungsprozesse geb\u00fcndelt und Abstimmungswege deutlich verk\u00fcrzt sowie Baustandards f\u00fcr Neubauvorhaben gesenkt wurden.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Statt sich vorrangig den strukturellen Herausforderungen einer umfassenden Verwaltungsreform zu widmen, wird die Wohnungskrise bereits im Vorfeld als zentrales Wahlkampfthema aufgegriffen. W\u00e4hrend Die Gr\u00fcnen und Die Linke die Verantwortung vor allem bei Vermietern verorten, betont die SPD sozialpolitische Ma\u00dfnahmen, die unter anderem auf eine st\u00e4rkere Regulierung des Mietmarktes, Einschr\u00e4nkungen von Vermieterrechten sowie Instrumente wie Vergesellschaftung und Enteignung abzielen. F\u00fcr Kritiker eine \u201eVorstufe zum Mieten-Sozialismus\u201c.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">\u00dcberhaupt wird meist nur von einer Mietenkrise gesprochen, dabei ist die Wohnungskrise ebenso eine Krise der Eigent\u00fcmer. Es m\u00fcsse mehr gebaut und deutlich mehr Berliner ins Eigentum gebracht werden \u2013 anders lasse sich die Krise nicht l\u00f6sen, sagen Experten.<\/p>\n<p>Baukrise zerfrisst Berliner Wirtschaft<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Und so ger\u00e4t die eigentliche Krise aus dem Blick: eine \u00fcbergro\u00dfe Insolvenzwelle, die l\u00e4ngst die Berliner Bauwirtschaft und das Handwerk erreicht hat und bald breite Teile der Industrie zerschlagen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Der anhaltende Fachkr\u00e4ftemangel versch\u00e4rft die Situation zus\u00e4tzlich. Mit steigenden Immobilienpreisen und Mieten wird es f\u00fcr Unternehmen in Berlin zunehmend schwieriger, offene Stellen zu besetzen, da potenzielle Besch\u00e4ftigte die Wohnkosten vor Ort h\u00e4ufig nicht tragen k\u00f6nnen. Besonders im Sozial- und Gesundheitswesen zeigt sich eine hohe Abh\u00e4ngigkeit von verg\u00fcnstigten Mitarbeiterwohnungen, da viele Besch\u00e4ftigte auf dem regul\u00e4ren Wohnungsmarkt kaum bezahlbaren Wohnraum finden.<strong\/><\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Sollte es nicht gelingen, das Angebot an bezahlbarem Wohnraum substanziell auszuweiten oder gezielte Entlastungsma\u00dfnahmen umzusetzen, ist mittelfristig mit einer weiteren Versch\u00e4rfung der Personalengp\u00e4sse zu rechnen. Bereits in den kommenden f\u00fcnf bis zehn Jahren k\u00f6nnten zentrale Bereiche der Daseinsvorsorge \u2013 insbesondere Pflege, Gesundheit und soziale Dienste \u2013 an strukturelle Belastungsgrenzen sto\u00dfen, wenn Wohnkostenentwicklung und Fachkr\u00e4ftegewinnung weiter auseinanderdriften.<\/p>\n<p><img alt=\"\" loading=\"lazy\" width=\"3333\" height=\"2500\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/e47d0488-19a5-4721-a997-5df669f2150a.png\"\/><\/p>\n<p>Grafik: BLZ. Quelle: IBB Wohnungsmarktbarometer 2025<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">All das hat schon jetzt zur Folge, dass Firmen Budgets einfrieren m\u00fcssen, Abteilungen schlie\u00dfen oder Betriebe Insolvenz anmelden: Allein im ersten Halbjahr 2025 meldeten rund 1700 Berliner Unternehmen Insolvenz an. Hochrechnungen gehen davon aus, dass die Zahl im Gesamtjahr auf etwa 2200 gestiegen ist.<\/p>\n<p>Wohnungskrise: Es g\u00e4be eine L\u00f6sung<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die L\u00f6sungen liegen l\u00e4ngst auf dem Tisch \u2013 aber sie erfordern konsequentes Handeln aller Beteiligten. Den einen gro\u00dfen Stellhebel gibt es nicht. Der Bund ist gefordert: radikaler B\u00fcrokratieabbau, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, mehr Standardisierung statt Einzelfallpr\u00fcfung, pragmatischer Umgang mit kostenintensiven Standards. Dazu gezielte F\u00f6rderprogramme wie zinsverbilligte Kredite, Abschreibungsmodelle, B\u00fcrgschaften oder Zusch\u00fcsse f\u00fcr bezahlbaren Wohnungsbau, damit Projekte trotz niedriger Renditen wieder kalkulierbar werden.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">\u201eUm den Bau bezahlbarer Wohnungen zu f\u00f6rdern, setzt die Branche ihre Hoffnungen auf wirtschaftspolitische Impulse der Bundesregierung und Ma\u00dfnahmen zur Reduzierung der B\u00fcrokratie\u201c, sagt Sascha Klaus, Vorstandsvorsitzender der Berlin Hyp.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Berlin wiederum muss die Verwaltung reformieren: digitalisieren, Verfahren b\u00fcndeln, Zust\u00e4ndigkeiten kl\u00e4ren, Fristen setzen \u2013 und aus dem Beh\u00f6rden-Ping-Pong eine Bau-Agenda machen. Auch die Finanzwirtschaft kann Anreize schaffen: flexible Modelle, l\u00e4ngere Laufzeiten, risikoangepasste Produkte, damit sich Projekte trotz enger Margen rechnen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ article_paragraph_end-of-article-icon__tzjPO\">Vielleicht geben Investoren Berlin trotz niedriger Renditeerwartungen dann noch einmal eine Chance. Es k\u00f6nnte die letzte sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Schon f\u00fcr sich genommen ist Deutschlands Wohnungsmangel ein Desaster. 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