{"id":796076,"date":"2026-02-14T04:00:12","date_gmt":"2026-02-14T04:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/796076\/"},"modified":"2026-02-14T04:00:12","modified_gmt":"2026-02-14T04:00:12","slug":"startschuss-fuer-theater-prozess-gegen-die-afd-von-milo-rau-panorama","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/796076\/","title":{"rendered":"Startschuss f\u00fcr Theater-Prozess gegen die AfD von Milo Rau | Panorama"},"content":{"rendered":"<p id=\"absatz1\" class=\"em_text\">Ein juristisches Verfahren \u00fcber ein m\u00f6gliches Verbot der rechtspopulistischen AfD wird in Politik und Gesellschaft breit diskutiert. In Hamburg hat nun zumindest eine fiktive, k\u00fcnstlerische Version eines solchen Prozesses begonnen. Die spektakul\u00e4re Pseudo-Verhandlung startete am Abend auf der B\u00fchne des Thalia Theaters &#8211; in einer insgesamt dreit\u00e4gigen Inszenierung des weltweit so erfolgreichen wie umstrittenen Schweizer Regisseurs Milo Rau. Den Vorsitz hat dabei eine echte Spitzenjuristin: die ehemalige Bundesministerin der Justiz, Herta D\u00e4ubler-Gmelin (SPD).<\/p>\n<p id=\"absatz2\" class=\"em_text\">Rau fragte zu Beginn: \u00abWas genau ist die Alternative f\u00fcr Deutschland, die uns die AfD anbietet? Wollen wir diese Alternative, und falls nicht: Sollen wir sie dann nicht verhindern?\u00bb Sollte man das im Zweifelsfall durch ein Verbot machen, wie es der Rechtsstaat vorsehe?, f\u00fchrte Rau weiter aus. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) erkl\u00e4rte in seiner Er\u00f6ffnungsrede: \u00abIch hoffe, dieser Prozess wird uns helfen, uns der Bedeutung und der Schutzw\u00fcrdigkeit unserer Demokratie neu zu versichern.\u00bb<\/p>\n<p>Wer ist dabei?<\/p>\n<p><a class=\"link-img\" href=\"https:\/\/www.mt.de\/_em_daten\/_cache\/image\/1xSkZrbm5qenlidjRuZ05UTUhWYjVSdFJtZ3Z1ZDVxcVgxNERYaUEzZjZraHRDR2l2bEs5OHpKQ0dQZEFHdlBSZTBzYkFTSERYeVRhdVJIQ2JKY1ArTnlLV3BmL2dBd1puR0Y1dnp0aTgrWjlnUDNTQ3h2NTJJTUQzUDFudkR6Mlg\/260214-0226-urn-newsml-dpa-com-20090101-260214-935-1150886.webp\" data-fancybox=\"images\" data-caption=\"Die Idee stammt vom Schweizer Regisseur Milo Rau. - \u00a9 Fabian Hammerl\/Thalia Theater\/dpa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n<img decoding=\"async\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/260214-0226-urn-newsml-dpa-com-20090101-260214-935-1150886.webp.webp\" loading=\"lazy\" width=\"1000\" alt=\"Die Idee stammt vom Schweizer Regisseur Milo Rau. - \u00a9 Fabian Hammerl\/Thalia Theater\/dpa\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Die Idee stammt vom Schweizer Regisseur Milo Rau. &#8211; \u00a9 Fabian Hammerl\/Thalia Theater\/dpa<\/p>\n<p id=\"absatz5\" class=\"em_text\">Unter dem Titel \u00abProzess gegen Deutschland\u00bb argumentieren und debattieren nach Raus Idee keine Schauspieler mit Textbuch. Sondern gut 30 Expertinnen und Experten, Juristinnen und Juristen &#8211; noch an vier weiteren Terminen dieses Wochenendes. Darunter sind die Ex-AfD-Chefin Frauke Petry, die ehemalige AfD-Abgeordnete Joanna Cotar (heute parteilos) und der Publizist Harald Martenstein. Als Prozessberichterstatter fungieren Reporter des \u00abHamburger Abendblatt\u00bb.<\/p>\n<p id=\"absatz6\" class=\"em_text\">Das fiktive Gerichtsszenario wird auch live auf der Website des Theaters ausgestrahlt. F\u00fcr Recherche, Casting und Dramaturgie zeichnen Mia Massmann und Robert Misk bei dieser Versuchsanordnung verantwortlich. Das Gastspiel beschlie\u00dft die Hamburger Lessingtage, ein internationales politisch ausgerichtetes Kunstfestival unter Leitung von Matthias Lilienthal, designierter Intendant der Volksb\u00fchne Berlin.<\/p>\n<p>Was wird verhandelt?<\/p>\n<p id=\"absatz7\" class=\"em_text\">Auf der realen politischen B\u00fchne in Berlin wird schon lange \u00fcber ein AfD-Verbotsverfahren diskutiert. Auch in den bevorstehenden Landtagswahlk\u00e4mpfen d\u00fcrfte es eine Rolle spielen. In Umfragen f\u00fchrt die AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern deutlich. Die SPD ist f\u00fcr eine Pr\u00fcfung eines Verbotsverfahrens, ebenso die Gr\u00fcnen. Die Union warnt davor, dass das der AfD in die H\u00e4nde spielen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p id=\"absatz8\" class=\"em_text\">Das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz war bereits zu der Bewertung gekommen, die AfD als gesichert rechtsextrem einzuordnen. Diese Einstufung ruht jedoch derzeit aufgrund einer Stillhalte-Zusage des Verfassungsschutzes im Zusammenhang mit dem laufenden Verfahren vor dem Verwaltungsgericht K\u00f6ln, vor dem die AfD geklagt hatte.<\/p>\n<p id=\"absatz9\" class=\"em_text\">Die K\u00f6lner Entscheidung d\u00fcrfte f\u00fcr den weiteren Prozess ausschlaggebend sein. So hatte etwa die Hamburgische B\u00fcrgerschaft den rot-gr\u00fcnen Senat erst k\u00fcrzlich aufgefordert, sich im Falle einer gerichtlichen Best\u00e4tigung der Einstufung f\u00fcr die Einrichtung einer Bund-L\u00e4nder-Arbeitsgruppe einzusetzen, die den Weg zum Verbotsverfahren ebnen soll.<\/p>\n<p>Wer ist der Macher?<\/p>\n<p id=\"absatz10\" class=\"em_text\">Der vielfach preisgekr\u00f6nte Theatermacher Rau wirkt seit 2023 als Intendant der renommierten Wiener Festwochen. Sein Kunst und Wirklichkeit vermischendes Prozess-Format hat der studierte Soziologe und bekennende Linksradikale l\u00e4ngst zu seiner Marke gemacht. In Deutschland gastiert der 49-J\u00e4hrige damit jedoch zum ersten Mal. In der \u00f6sterreichischen Hauptstadt prozessierte Rau bereits gegen die rechtspopulistische FP\u00d6. In Russland initiierte er 2013 \u00abMoskauer Prozesse\u00bb, 2015 versammelte er in der Demokratischen Republik Kongo 60 Zeugen und Experten zum \u00abKongo Tribunal\u00bb.<\/p>\n<p id=\"absatz11\" class=\"em_text\">Teile der \u00f6sterreichischen Kulturszene, darunter Literaturnobelpreistr\u00e4gerin Elfriede Jelinek, brachte der \u00abSchauspielregisseur des Jahres\u00bb 2017 zuletzt mit einem Widerstandsaufruf gegen \u00abKriegsverbrechen der israelischen Armee\u00bb gegen sich auf.<\/p>\n<p>Wie geht es weiter?<\/p>\n<p id=\"absatz12\" class=\"em_text\">Im Interview mit dem \u00abHamburger Abendblatt\u00bb betonte Rau, dass sein Anliegen global orientiert sei. \u00abWir beobachten das in vielen L\u00e4ndern: Der Trend geht weg von der liberalen, institutionellen Demokratie zur autokratischen Tech-, Gas-, \u00d6l-, Agrar- bzw. Oligarchie. Dem wollen wir auf den Grund gehen\u00bb, erkl\u00e4rte er. \u00abWir machen ja nicht nur ein AfD-Verbotsverfahren, sondern wir versuchen zu verstehen, was die Wurzeln im Rechtsradikalismus und schlie\u00dflich ersten Faschismus sind.\u00bb<\/p>\n<p id=\"absatz13\" class=\"em_text\">Bei den folgenden Theater-Terminen in der Hansestadt geht es am Sonnabendnachmittag auch um die Frage nach einem Social-Media-Verbot f\u00fcr alle unter 16 Jahren. F\u00fcr die Schlussreden bei der letzten Sitzung am Sonntagnachmittag angek\u00fcndigt sind Frauke Petry sowie Michel Abdollahi, unter anderem TV-Moderator, Performance-K\u00fcnstler und CDU-Mitglied. Eine Hamburger Geschworenenjury soll anschlie\u00dfend das Urteil f\u00e4llen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein juristisches Verfahren \u00fcber ein m\u00f6gliches Verbot der rechtspopulistischen AfD wird in Politik und Gesellschaft breit diskutiert. 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