{"id":796103,"date":"2026-02-14T04:16:11","date_gmt":"2026-02-14T04:16:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/796103\/"},"modified":"2026-02-14T04:16:11","modified_gmt":"2026-02-14T04:16:11","slug":"nils-landgren-in-der-elbphilharmonie-zum-70-ich-lebe-den-traum-von-meinem-papa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/796103\/","title":{"rendered":"Nils Landgren in der Elbphilharmonie zum 70.: \u201eIch lebe den Traum von meinem Papa\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die Posaune sei das einzige Instrument, das er wirklich verstehe. Kurz vor seinem 70. erz\u00e4hlt Nils Landgren von schwedischen Orchesterbl\u00e4sern mit Bierflaschen auf der B\u00fchne und welchen deutschen Geburtstagsbrauch er v\u00f6llig schr\u00e4g findet.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Am 15. Februar feiert <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/musik\/article152263093\/Nils-Landgren-Album-Some-Other-Time-ist-Hommage-an-Leonard-Bernstein.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/musik\/article152263093\/Nils-Landgren-Album-Some-Other-Time-ist-Hommage-an-Leonard-Bernstein.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nils Landgren<\/a> seinen 70. Geburtstag. Zuvor spielt er zweimal in der <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.elbphilharmonie.de\/de\/programm\/nils-70-a-birthday-celebration\/23145\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.elbphilharmonie.de\/de\/programm\/nils-70-a-birthday-celebration\/23145&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Elbphilharmonie<\/a>, beide Konzerte waren innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Was mal wieder zeigt, dass der schwedische Posaunist einer der beliebtesten Jazzmusiker ist. Im \u00dcbungszimmer seines Hauses im Fischerdorf Skillinge gibt der Bundesverdienstkreuztr\u00e4ger Auskunft \u00fcber die Tr\u00e4ume von V\u00e4tern, biertrinkende Orchestermusiker und sein Verh\u00e4ltnis zu den Deutschen.<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Im Booklet Ihres Orchester-Albums \u201eLove of My Life\u201c, das jetzt zu Ihrem Geburtstag erscheint, gibt es ein sehr sch\u00f6nes Bild. Es zeigt Sie als kleinen Knirps mit Ihrem Vater, der leidenschaftlich gerne Kornett spielte. Was f\u00fcr ein Mensch war er?<\/p>\n<p><b>Nils Landgren: <\/b>Ein aufrechter Sozialdemokrat. Mein Papa hat immer gesagt, dass alle Menschen den gleichen Wert haben. Und die Leute, die das nicht verstehen, mit denen wolle er nichts zu tun haben. Er hatte eine hohe Moral und ich hoffe, dass mich das gepr\u00e4gt hat. Er arbeitete als Schwei\u00dfer und hatte immer viel zu tun. Er konnte alles reparieren, Rasenm\u00e4her, Autos, Fahrr\u00e4der, Mopeds, Instrumente, H\u00e4user. Er hat mich sehr inspiriert mit seinem Enthusiasmus und seiner positiven Einstellung. Und seiner Liebe zur Musik. Er hat mir und meinen beiden Br\u00fcdern immer Schellackplatten von Count Basie und Duke Ellington vorgespielt. Papa wollte eigentlich gerne selbst Musiker werden, das war sein Traum. Er ist einmal nach Malm\u00f6 gefahren, um bei einem Profi-Orchester vorzuspielen. Er hat sich aber nicht getraut und ist mit dem n\u00e4chsten Zug wieder zur\u00fcckgefahren. Insofern lebe ich den Traum von meinem Papa.<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Wie sah Ihre erste Begegnung mit der Posaune aus?<\/p>\n<p><b>Landgren: <\/b>Mein Vater hat einmal eine Posaune aus der \u00f6rtlichen Blaskapelle zur Reparatur mit nach Hause gebracht. Die stand im Flur, als ich aus der Schule kam. Ich wollte mal ausprobieren, ob ich einen Ton herausbekomme. Das klappte. Yeah! Ich dachte: Das k\u00f6nnte was werden. Mein Vater hat mir sofort einen Lehrer besorgt. Dass da diese Posaune stand, war ein Gl\u00fccksfall. Weil es das einzige Instrument ist, das ich richtig verstehe.<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Und das Sie sich dann irgendwann mal rot lackieren lie\u00dfen.<\/p>\n<p><b>Landgren: <\/b>Ich fand es langweilig, dass alle Posaunen gleich aussehen. Ich gestehe: Eigentlich wollte ich Popstar werden. Alle haben mir aber gesagt: Das geht nicht, du spielst Posaune, vergiss es. Und sie hatten recht: Popstar bin ich nicht geworden. Aber ich habe es geschafft, als Solist arbeiten zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Sie gehen nun mit verschiedenen Symphonieorchestern auf Tour, spielen unter anderem mit Mitgliedern der Berliner Philharmoniker oder in der Alten Oper Frankfurt mit der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Was bedeutet Ihnen das?<\/p>\n<p><b>Landgren: <\/b>Das ist einer meiner gro\u00dfen Tr\u00e4ume, schon mein ganzes Leben lang. Die Umarmung von so einem gro\u00dfen Orchester zu sp\u00fcren und die Musik zu spielen, die ich selber mag. Ich habe mir daf\u00fcr unter anderem Songs von Kurt Weill, Leonard Bernstein, Joe Sample und Cat Stevens ausgesucht, arrangiert von Vince Mendoza. Meine erste Begegnung mit einem Symphonieorchester war \u00fcbrigens 1972. Wir waren auf Schulausflug mit unserem Gymnasium, zehnte Klasse. Wir durften ein Konzert der Stockholmer Philharmoniker besuchen. Antal Dor\u00e1ti dirigierte Tschaikowskys 4. Sinfonie. Es war total umwerfend. Dann haben wir gesehen, dass die Bl\u00e4ser Bierflaschen unter ihren St\u00fchlen haben. Das fanden wir schon ein bisschen schr\u00e4g.<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Stimmt es, dass Sie an der Musikhochschule keinen Jazz spielen durften?<\/p>\n<p><b>Landgren: <\/b>In unserer Hochschule in Arvika hie\u00df es: Kein unerlaubter Ton vor f\u00fcnf Uhr nachmittags! Sobald die Lehrer nach Hause gegangen waren, konnten wir anfangen, etwas auszuprobieren und zu experimentieren. Aber es gab da keinen Jazzunterricht damals. Man glaubte, wir w\u00fcrden die Instrumente mit diesen Noten vergiften. Ich bin aber happy, dass ich diese Ausbildung geschafft habe. Das hat dazu gef\u00fchrt, dass ich die Posaune einigerma\u00dfen spielen kann.<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Was waren die pr\u00e4gendsten Erlebnisse in Ihrer nun 50 Jahre w\u00e4hrenden Karriere?<\/p>\n<p><b>Landgren: <\/b>Eines der gr\u00f6\u00dften war, als ich mit 20 einen Job bei dem schwedischen Popstar Bj\u00f6rn Skifs bekam. Er hatte gerade einen Nummer-Eins-Hit in den Billboard-Charts in den USA, \u201eHooked On a Feeling\u201c. Mit ihm zu spielen, war wirklich ein fantastisches Erlebnis. In der Zeit, die ich mit ihm gearbeitet habe, habe ich mehr gelernt als in all den Jahren davor. Das konnte ich auch gut f\u00fcr meine eigene Karriere nutzen. Und was das Wichtigste war: 1978 habe ich durch ihn meine Frau getroffen, mit der ich seit 48 Jahren verheiratet bin. Zu erw\u00e4hnen w\u00e4ren auch die gemeinsamen Konzerte mit Pat Metheny und Michael Brecker bei Jazz Baltica. Da bin ich dem damaligen Festivalleiter Rainer Haarmann ewig dankbar, dass ich so etwas erleben durfte.<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Was machen Sie an Ihrem 70.?<\/p>\n<p><b>Landgren: <\/b>Ich wei\u00df, dass man in Deutschland unter keinen Umst\u00e4nden vorher feiern darf. In Schweden habe ich noch nie von so etwas geh\u00f6rt. Meinen 60. habe ich auch vorgefeiert, weil ich an meinem Geburtstag ein Konzert hatte. Hat mir kein Ungl\u00fcck gebracht, soweit ich das sehe. Aber jetzt wird in Deutschland korrekt gefeiert, ich werde in Hamburg eine kleine Party f\u00fcr meine Freunde machen.<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Sie haben sich vorbildlich assimiliert!<\/p>\n<p><b>Landgren: <\/b>Ganz ehrlich: Ich bin unendlich dankbar f\u00fcr all die Jahre in Deutschland und alles, was ich hier erleben durfte. Es gibt kein besseres Land als Deutschland zum Bespielen.<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Haben Sie eigentlich eine Ahnung, wie viele Konzerte Sie schon in Ihrem Leben gegeben haben?<\/p>\n<p><b>Landgren: <\/b>Ich habe dieses Jahr mal versucht, nachzuz\u00e4hlen. Aber schnell wieder aufgeh\u00f6rt. Manchmal ist es vielleicht ein Tick zu viel. Ich habe mir das aber selbst so ausgesucht, und es macht einen Riesenspa\u00df, sobald ich auf der B\u00fchne bin. Das ist fantastisch, da vergisst man alles \u2013 alle diese Stunden, die man im Zug verbracht hat, auf dem Flughafen oder im Hotel. Dann hat man zwei Stunden, in denen alles wunderbar ist. Ein strahlendes Publikum ist besser als jede Anti-Aging-Creme.<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>In der Tat: Wie ein Greis sehen Sie nicht aus.<\/p>\n<p><b>Landgren: <\/b>Danke! Ich bin zwar \u00fcber die Jahre etwas runder geworden, aber hier (deutet auf seinen Kopf) ist kein Unterschied. Das ist immer noch der gleiche Verr\u00fcckte wie fr\u00fcher.<\/p>\n<p>Nils Landgren: \u201eLove of My Life\u201c (ACT\/Edel), Tourtermine: <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.elbphilharmonie.de\/de\/programm\/nils-70-a-birthday-celebration\/23145\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.elbphilharmonie.de\/de\/programm\/nils-70-a-birthday-celebration\/23145&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">14. Februar Hamburg<\/a>, 27. Februar Dessau, 26. M\u00e4rz Frankfurt, 5. Mai Berlin, 30. Mai Baden-Baden, 16.\/17. Juli Essen, 1. August Jena<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Posaune sei das einzige Instrument, das er wirklich verstehe. 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