{"id":799369,"date":"2026-02-15T11:40:17","date_gmt":"2026-02-15T11:40:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/799369\/"},"modified":"2026-02-15T11:40:17","modified_gmt":"2026-02-15T11:40:17","slug":"licht-am-ende-des-tunnels-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/799369\/","title":{"rendered":"Licht am Ende des Tunnels? \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Unter der \u00dcberschrift ,,Agra-Park \u2013 Verspielen wir gerade eine baukulturelle Megachance? \u201c fand am 12. Februar in der Leipziger Stadtbibliothek eine \u00f6ffentliche Veranstaltung des Netzwerk-Baukultur mit organisatorischer Unterst\u00fctzung der Kulturstiftung Leipzig und hochkar\u00e4tiger Besetzung des Podiums unter der Moderation von Prof. Dr.-Ing. Engelbert L\u00fcdke-Daldrup (Staatssekret\u00e4r a.D.) statt.<\/p>\n<p>Weitere Teilnehmer waren: Dipl.-Ing. Dirk Seelemann, Landschaftsarchitekt vom B\u00fcro fagus Seelemann Landschaftsarchitekten, Markkleeberg, Dipl.-Ing. Gunnar Volkman, Architekt BDA Sachsen vom B\u00fcro W&amp;V Architekten, Leipzig, Dipl.-Ing. Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, Berlin, Prof. Dr. Arnold Bartetzky vom Leibniz-Institut f\u00fcr Geschichte und Kultur des \u00f6stlichen Europa, Leipzig.<\/p>\n<p>Zur Einstimmung wurden von drei Podiumsteilnehmern Kurzreferate gehalten. Anschlie\u00dfend gab es ein Podiumsgespr\u00e4ch und danach wurden Fragen aus dem Publikum beantwortet sowie Meinungen ge\u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p>Dirk Seelemann, Landschaftsarchitekt aus Markkleeberg, referierte zun\u00e4chst \u00fcber die Geschichte der Parkanlage und erl\u00e4uterte seine diesbez\u00fcgliche denkmalpflegerische Zielstellung, die die Grundlage f\u00fcr die von den St\u00e4dten Leipzig und Markkleeberg favorisierte Tunnell\u00f6sung war, zu der es einstmals vom damaligen Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) auch positive Signale aus der S\u00e4chsischen Staatsregierung gegeben haben soll.<\/p>\n<p>Die Tunnell\u00f6sung hat die unbestreitbaren Vorteile, dass der Zerschneidung, der Verl\u00e4rmung und Verschandelung des denkmalgesch\u00fctzten Parks ein Ende gesetzt wird und der urspr\u00fcngliche Zustand wieder weitgehend wahrgenommen werden kann.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/BILD-2-Rosarium1970.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-647567 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/BILD-2-Rosarium1970.jpg\" alt=\"Das Rosarium im Agra-Park 1970. Foto: Archiv Dirk Seelemann\" width=\"2249\" height=\"1500\"  \/><\/a>Das Rosarium im Agra-Park 1970. Foto: Archiv Dirk Seelemann<\/p>\n<p>Die Tunnell\u00f6sung scheint allerdings nunmehr vom Tisch und der Freistaat Sachsen hat nach langem Z\u00f6gern (der Prozess l\u00e4uft seit 2009) in Folge des \u201eCarola-Schocks\u201c \u2013 dem <a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/sachsen\/2024\/09\/nach-einsturz-der-carolabrucke-spd-investitionsprogramm-sachsen-603047\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Einsturz einer \u00e4hnlichen Spannbetonbr\u00fccke<\/a> in Dresden \u00fcber die Elbe am 11. September 2024 \u2013 im vorigen Jahr mit der Objektplanung begonnen.<\/p>\n<p>Danach ist vorgesehen, die Br\u00fccke durch eine baugleiche Br\u00fccke zu ersetzen. Der Freistaat Sachsen hat in Spitzengespr\u00e4chen die St\u00e4dte Leipzig und Markkleeberg davon in Kenntnis gesetzt und im Rahmen eines B\u00fcrgerdialoges der Fachministerin Regina Kraushaar am 22. Januar 2026 in Markkleeberg die B\u00fcrgerschaft informiert.<\/p>\n<p>Der baugleiche Ersatz der Br\u00fccke wird im Wesentlichen mit dem durch den technischen Zustand der Br\u00fccke bestehenden akuten Handlungsdruck und den in den letzten Jahren exorbitant gestiegenen Baukosten begr\u00fcndet. In diesem Zusammenhang muss man auch wissen, dass bei einem schneller zu bewerkstelligenden baugleichen Ersatzneubau langwierige Genehmigungsverfahren sowie gr\u00f6\u00dfere Anpassungen an den Nahtstellen entfallen, allerdings nur f\u00fcr die \u00fcbliche Lebensdauer von 80 bis 100 Jahren.<\/p>\n<p>In guter Tradition Leipziger Architekten der konstruktiven Kritik hat sich der Architekt Gunnar Volkmann des Themas angenommen und im zweiten Referat vier prinzipielle M\u00f6glichkeiten vergleichend dargestellt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/BILD-3-wv-agra-park-bruecke-Varianten.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-647568 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/BILD-3-wv-agra-park-bruecke-Varianten.jpg\" alt=\"Vier verschiedene L\u00f6sungen f\u00fcr die B2 im Agra-Park. Grafik: W&amp;V Architekten\" width=\"2250\" height=\"1500\"  \/><\/a>Vier verschiedene L\u00f6sungen f\u00fcr die B2 im Agra-Park. Grafik: W&amp;V Architekten<\/p>\n<p>Dabei hat er mit seinem Vorschlag einer Absenkung (Trogl\u00f6sung) einen sehr interessanten Kompromissvorschlag unterbreitet, der einerseits die denkmalschutzrechtlichen Belange ber\u00fccksichtigt, der Verl\u00e4rmung entgegenwirkt und trotz technologischer Herausforderungen im Vergleich zum Br\u00fcckenneubau wahrscheinlich sogar kostenneutral zu bewerkstelligen sein wird.<\/p>\n<p>Entscheidend jedoch scheint mir, dass nicht nach 80 bis 100 Jahren das gleiche Spiel vor einem ganz anderen Hintergrund von Neuem beginnen muss. Dazu beunruhigt Gunnar Volkmann zus\u00e4tzlich die Vorstellung, dass wir infolge von Fehlentscheidungen unseren Kindern und Kindeskindern unn\u00f6tige Lasten aufb\u00fcrden und in schlechter Erinnerung bleiben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/BILD-4-wv-agra-park-bruecke-Variante-Absenkung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-647569 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/BILD-4-wv-agra-park-bruecke-Variante-Absenkung.jpg\" alt=\"Die Variante Absenkung als L\u00f6sung f\u00fcr den Agra-Park. Visualisierung: W&amp;V Architekten\" width=\"2251\" height=\"1500\"  \/><\/a>Die Variante Absenkung als L\u00f6sung f\u00fcr den Agra-Park. Visualisierung: W&amp;V Architekten<\/p>\n<p>Daran ankn\u00fcpfend geht Reiner Nagel von der Bundesstiftung Baukultur in seinem Referat anhand von Beispielen auf den Paradigmenwechsel von der einst autogerechten Stadt auf die atmosph\u00e4rengerechte Stadt ein, in welcher der Mensch selbst und nicht seine Werkzeuge im Mittelpunkt stehen.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang verwies er bei gr\u00f6\u00dferen Vorhaben auf die Notwendigkeit einer vorgeschalteten Planungsphase Null, um durch B\u00fcrgerbeteiligung die Akzeptanz bei der Bev\u00f6lkerung zu erh\u00f6hen und die prinzipiellen L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten auf der Grundlage von Wettbewerben besser bewerten und bescheiden zu k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich fehlte auch nicht der Hinweis auf die wie auch immer geartete Nachhaltigkeit!<\/p>\n<p>Bei dem anschlie\u00dfenden Podiumsgespr\u00e4ch gruppierte sich Professor Arnold Bartetzky in die M\u00e4nnerrunde ein und forderte angesichts der zeitlichen Brisanz des Vorhabens dazu auf, nicht dem Fehler einer Fehlerdiskussion zu erliegen, sondern die Problematik l\u00f6sungsorientiert in die Politik und B\u00fcrgerschaft zu tragen.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Engelbert L\u00fcdke-Daldrup brachte es abschlie\u00dfend auf den Punkt, dass es angebracht sei, sich nach der nun erfolgten provisorischen Sicherung der Br\u00fccke Zeit zu nehmen, um die offensichtlich verpasste Planungsphase Null nachzuholen und auf der Grundlage von verifizierten Variantenvergleichen demokratisch zu entscheiden, denn schlie\u00dflich geht es um die n\u00e4chsten 100 Jahre und nach M\u00f6glichkeit dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p>Die anschlie\u00dfenden Nachfragen und Meinungs\u00e4u\u00dferungen aus dem Publikum hinterlie\u00dfen bei mir den Eindruck, dass von den ca. 250 G\u00e4sten im Saal kein Einziger f\u00fcr ein Weiter-so pl\u00e4diert und nicht der nachfolgenden abschlie\u00dfenden Bemerkung eines mir namentlich nicht bekannten Gastes zugestimmt h\u00e4tte: \u201eWarum sollte man sich einen Stuhl, auf dem man jahrelang unbequem gesessen hat, noch einmal kaufen?\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Unter der \u00dcberschrift ,,Agra-Park \u2013 Verspielen wir gerade eine baukulturelle Megachance? \u201c fand am 12. 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