{"id":799884,"date":"2026-02-15T16:30:14","date_gmt":"2026-02-15T16:30:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/799884\/"},"modified":"2026-02-15T16:30:14","modified_gmt":"2026-02-15T16:30:14","slug":"warum-sich-ein-besuch-des-stueckes-amsterdam-in-augsburg-lohnt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/799884\/","title":{"rendered":"Warum sich ein Besuch des St\u00fcckes \u201eAmsterdam\u201c in Augsburg lohnt"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Wenn Amsterdam heute in den Schlagzeilen auftaucht, oft wegen des Massentourismus, der dort zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden soll. Einer der gro\u00dfen Touristenmagnete \u2013 und gleichzeitig auch ein besonderer Erinnerungsort ist dieses Museum an der Prinsengracht, Westermarkt 20. Dort schrieb Anne Frank ihr Tagebuch, bis das Versteck ihrer Familie im August 1944 entdeckt wurde, wahrscheinlich durch Verrat. Das schwingt mit, wenn es am <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/augsburg-ein-neues-haus-fuer-mehrere-millionen-wie-es-mit-dem-roemischen-museum-weitergeht-113446543\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Staatstheater Augsburg<\/a> in der <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/augsburg-was-passiert-mit-der-brechtbuehne-nach-der-rueckkehr-des-theaters-in-die-augsburger-innenstadt-113446195\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Brechtb\u00fchne<\/a> nun \u201eAmsterdam\u201c hei\u00dft. Doch was da in eineinhalb Stunden erz\u00e4hlt wird, ist noch viel tiefgr\u00fcndiger.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die israelische Dramatikerin <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/kultur\/darum-geht-es-in-der-premiere-von-amsterdam-am-staatstheater-augsburg-14-02-113467177\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Maya Arad Yasur<\/a> f\u00fchrt ihr Theaterpublikum an die H\u00e4userzeile gegen\u00fcber, die Keizersgracht. Dort entfaltet sie eine Geschichte, die aus der Gegenwart zur\u00fcck ins Jahr 1944 f\u00fchrt. Es geht um Fremdenfeindlichkeit heute in Amsterdam, um B\u00fcrokratie und das J\u00fcdisch-Sein jetzt, und gleichzeitig auch um die Vergangenheit, um ein Haus, in dem Menschen, auch Juden, vor den Nazis versteckt wurden \u2013 und es geht um Verrat.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Doch Maya Arad Yasur erz\u00e4hlt das nicht mit Figuren und nicht mit Dialogen. Vielmehr mutet ihr Text an wie das Werkstattgespr\u00e4ch von Schauspielern, genauer Erz\u00e4hlern oder Performern, die gemeinsam \u201eAmsterdam\u201c w\u00e4hrend der Auff\u00fchrung entwickeln. Sie tasten sich sprechend, miteinander diskutierend, einander widersprechend hinein ins Handlungsnetz.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Es gibt da eine Hauptfigur, die keinen Namen bekommt, sondern immerfort nur \u201eDu\u201c oder \u201eSie\u201c hei\u00dft. \u201eSie\u201c stammt aus Israel, ist J\u00fcdin, lebt in Amsterdam, erf\u00e4hrt dort aber schmerzlich, was es hei\u00dft, fremd zu sein und anders auszusehen. Von ihrer Umwelt wird sie in Amsterdam nicht einfach als Frau, sondern als J\u00fcdin, Israelin oder einfach unerw\u00fcnschte Fremde gesehen. Das Publikum erf\u00e4hrt, dass sie kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes steht, diese Schwangerschaft eher sp\u00e4t und \u00fcberraschend zustande gekommen ist, der Vater eine Silvesterzufallsbekanntschaft war. Au\u00dferdem handelt es sich bei ihr um eine Musikerin, eine Violinistin und Komponistin. Ihr ber\u00fchmtes Werk hei\u00dft \u201eDas Paradox der Stare\u201c.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    An einer der Schl\u00fcsselstellen fragt ihre Musikagentin sie, warum sie kein Requiem f\u00fcr 17.820 tote Kinder in Gaza komponiere. Das Publikum w\u00fcrde es politisch lieben. Alles drin, in diesen zwei S\u00e4tzen. Die gro\u00dfe Politik, die schwierige Diskussion \u00fcber den Gaza-Krieg und das zynische Kalk\u00fcl im Umgang damit.\n  <\/p>\n<p>            \u201eAmsterdam\u201c vermengt eine Vielzahl wichtiger Themen<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Auch die Augsburger Inszenierung dieses viel gespielten St\u00fccks (uraufgef\u00fchrt 2018) fordert das Publikum heraus, dieses Handlungspuzzle zusammenzusetzen. Denn es gibt noch diese offene Gasrechnung \u00fcber 1700 Euro aus dem Jahr 1944, die sie in die H\u00e4nde gedr\u00fcckt bekommt, weil ihre Vermieterin die Rechnung nicht begleicht. Und nun tauchen Figuren mit Namen auf. Ihr alter Nachbar Jan, der auch alle anderen Rechnungen aus den Vorjahren aufgehoben, aber nie bezahlt hat. Und mit ihm wiederum geht es zur\u00fcck in die Geschichte, weil in ihrem Haus eben auch Menschen vor den Nazis versteckt worden sind.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Mevrouw Ingrid van Heugten war J\u00fcdin, nein, sie war keine J\u00fcdin, sie war behindert, nein, sie war nicht behindert, sie war schizophren, nein, sie hatte eine Hautkrankheit, nein, sie war eine Widerstandsk\u00e4mpferin. Darauf einigen sich die Erz\u00e4hler auf der B\u00fchne. Weil: \u201eNiemand will mehr \u00fcber J\u00fcdinnen und Juden h\u00f6ren, Juden, das ist durchgekaut.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Harter Tobak allenthalben. Die Schauspieler Sarah Maria Grunig, Katja Sieder, Jannis Roth und Mehdi Salim deuten h\u00f6chstens an, wie einzelne Rollen gespielt werden k\u00f6nnten. Sie stellen sich komplett in den Dienst dieses Textes, werden ein vierstimmiges Eins, dann kappeln sie sich wieder. Sie treiben das in einem leicht-lockeren, doch immer auch angemessen bleibenden Ton voran, der es dem Publikum \u00fcberl\u00e4sst, das Existenzielle, das Dramatische, das Abgr\u00fcndige dahinter wahrzunehmen. Dabei entpuppt sich wie in einem Krimi dieser Nachbar Jan als Schl\u00fcsselfigur, der Gegenwart und Vergangenheit in einer Person verbindet.\n  <\/p>\n<p>            Die Regisseurin findet f\u00fcr \u201eAmsterdam\u201c Bilder wie in einer Operninszenierung<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Daf\u00fcr findet die Regisseurin Simone Geyer wie in einer Operninszenierung einzelne Bilder, die sich auf der Netzhaut f\u00f6rmlich festsetzen. Zum Beispiel mit den Videos der Stare, wenn sie schw\u00e4rmen. Geyer hat sie selbst beigesteuert. Zu Streicherkl\u00e4ngen f\u00e4chern sich die V\u00f6gel weit auf, wirkt ihr Naturschauspiel an der Betonwand der Brechtb\u00fchne wie eine Choreografie des Chaos \u2013 mal ballt sich der Schwarm, bis ein schwarzer Kn\u00e4uel entsteht, dann verteilen sich die Tiere wieder in der Breite.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Es sind Muster, die an das Spiel des Wassers erinnern, nur in die Luft gezaubert. Und die Regisseurin und Videok\u00fcnstlerin macht damit plastisch, was im St\u00fcck immer wieder aufgegriffen wird: das Paradox der Stare. Es besteht darin, dass die schw\u00e4rmenden Stare kein Leittier haben, an dem sie sich als Kollektiv orientieren. Vielmehr verhalten sich die einzelnen Stare immer nur zu den bis zu sieben Tieren, die sie umgeben. Das Kollektiv bewegt sich durch Impulse der Individuen \u2013 nicht eines einzelnen Leittiers. Schon allein \u00fcber dieses Ph\u00e4nomen aus dem Tierreich l\u00e4sst sich lange nachdenken, wenn im St\u00fcck als Kontrast Geschichte aus dem Jahr 1944 im nationalsozialistisch besetzten Amsterdam erz\u00e4hlt wird.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/113486380\/crop\/c16_9-w100\/1810722541\/1916362008\/amsterdamfotojan-pieterfuhr0275.jpg\" alt=\"Die Regisseurin und Videok\u00fcnstlerin Simone Geyer findet f\u00fcr die Inszenierung von &quot;Amsterdam&quot; in der Brechtb\u00fchne starke Bilder wie das Schw\u00e4rmen der Stare.\" title=\"Die Regisseurin und Videok\u00fcnstlerin Simone Geyer findet f\u00fcr die Inszenierung von &quot;Amsterdam&quot; in der Brechtb\u00fchne starke Bilder wie das Schw\u00e4rmen der Stare.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Die Regisseurin und Videok\u00fcnstlerin Simone Geyer findet f\u00fcr die Inszenierung von &#8222;Amsterdam&#8220; in der Brechtb\u00fchne starke Bilder wie das Schw\u00e4rmen der Stare.<br \/>\n    Foto: Jan-Pieter Fuhr Staatstheater Augsburg<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Die Regisseurin und Videok\u00fcnstlerin Simone Geyer findet f\u00fcr die Inszenierung von &#8222;Amsterdam&#8220; in der Brechtb\u00fchne starke Bilder wie das Schw\u00e4rmen der Stare.<br \/>\n    Foto: Jan-Pieter Fuhr Staatstheater Augsburg<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Und wie das Gegenbild zu den Vogelschw\u00e4rmen am Beginn wirkt das Schlussbild. Es regnet. Die vier Darsteller werden nass. Ihre wei\u00dfen Gew\u00e4nder saugen sich mit Wasser voll, die Stoffe kleben auf der Haut. Das Uniforme der Kost\u00fcme (Mona Marie Hartmann) wird durchsichtig, das Individuelle zeigt sich, w\u00e4hrend die K\u00e4lte langsam die K\u00f6rper durchdringt.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Geyer und ihr Team haben f\u00fcr diesen herausfordernden Text eine passende Form, starke Bilder und den angemessenen Ton gefunden. Der Applaus ist lang, die Stimmung nachdenklich. Ein Theaterabend, der sich einpr\u00e4gt.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Info Weitere Vorstellungen von \u201eAmsterdam\u201c in der Brechtb\u00fchne am Gaswerk am 11., 18., 22. und 27. M\u00e4rz sowie am 11. und 28. April.\n  <\/p>\n<ul data-module-id=\"DragDropModule\" class=\"flex flex-wrap justify-start group-[.no-bookmarks]:hidden\">\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Richard Mayr<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Amsterdam<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Brechtb\u00fchne<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wenn Amsterdam heute in den Schlagzeilen auftaucht, oft wegen des Massentourismus, der dort zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden soll. 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