{"id":800097,"date":"2026-02-15T18:28:11","date_gmt":"2026-02-15T18:28:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/800097\/"},"modified":"2026-02-15T18:28:11","modified_gmt":"2026-02-15T18:28:11","slug":"bremer-kinder-mit-krebs-der-patient-ist-die-familie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/800097\/","title":{"rendered":"Bremer Kinder mit Krebs: &#8222;Der Patient ist die Familie&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Etwa 50 krebskranke Kinder werden in Bremen pro Jahr behandelt. Deutschlandweit gibt es rund 2.300 F\u00e4lle j\u00e4hrlich. (Symbolbild)<\/p>\n<p>Bild: Imago | Pond5 Images<\/p>\n<p class=\"article-intro\">Die Psychologin Angela Duhr therapiert seit zweieinhalb Jahrzehnten an Krebs erkrankte Kinder am Klinikum Bremen-Mitte. Was damit verbunden ist, erkl\u00e4rt sie hier.<\/p>\n<p>Information zum Thema<br \/>\nAngela Duhr<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/psychologin-angela-duhr-100~_v-320x180_c-1771174925092.jpg\" data-gallery-entry-for=\"bremen-kinder-krebs-hilfe-therapie-100\" data-size=\"2560x1440\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Die Psychologin Angela Duhr im Gespr\u00e4ch.\" title=\"Bild: Radio Bremen\" data-image-owner=\"Radio Bremen\" data-image-title=\"Die Psychologin Angela Duhr im Gespr\u00e4ch.\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/psychologin-angela-duhr-100~_v-320x180_c-1771174925092.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/psychologin-angela-duhr-100~_v-640x360_c-1771174925092.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Bild: Radio Bremen<\/p>\n<p>Die Psychologin Angela Duhr arbeitet seit 2001 in der Kinderonkologie des Klinikums Bremen-Mitte. Seit 2012 ist sie dort Leiterin des Psychosozialen Teams. <\/p>\n<p>Ende der Information zum Thema<\/p>\n<p>Deutschlandweit erkranken der Deutschen Kinderkrebsstiftung zufolge etwa 2.300 Kinder und Jugendliche im Jahr an Krebs. Am Eltern-Kind-Zentrum Prof. Hess am Klinikum Bremen-Mitte werden rund 50 dieser jungen Patientinnen und Patienten im Jahr behandelt \u2013 vom S\u00e4ugling bis zur 18-J\u00e4hrigen. Zu den h\u00e4ufigen Krebserkrankungen z\u00e4hlen Leuk\u00e4mien. Aber auch Hirntumore, Nierentumore und Knochentumore werden regelm\u00e4\u00dfig behandelt. Die Psychologin Angela Duhr erkl\u00e4rt, was das f\u00fcr die Kinder und ihre Angeh\u00f6rigen bedeutet.  <\/p>\n<p>Wer auf Ihrer Station einmal ein Kind im Nachthemd, einem Tropfst\u00e4nder und ohne Haare auf dem Kopf an der Hand seiner Mutter \u00fcber die Flure laufen gesehen hat, vergisst das nicht. Mir stellte sich bei diesem Erlebnis die Frage, ob die Kinder wissen, wie schwer sie krank sind. K\u00f6nnen Sie mir das beantworten, Frau Duhr?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Tats\u00e4chlich ist es das, was wir Eltern schon im ersten Gespr\u00e4ch sagen, wenn wir ihnen mitteilen, dass sich die Krebserkrankung leider best\u00e4tigt hat. Denn dann kommt oft die Frage: Oh Gott, was sollen wir jetzt machen? Sollen wir das unserem Kind erkl\u00e4ren oder ihm etwas viel Harmloseres sagen?<\/p>\n<p>Und was raten Sie?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Wir sagen den Eltern, dass ihr Kind es schnell merkt, dass alles anders ist \u2013 eine Anspannung in der Familie, Vater oder Mutter, die verweint ins Zimmer kommen. Wenn Eltern ihrem Kind dann etwas anderes erz\u00e4hlen, wird es ihnen in der oft Monate langen Therapie nicht mehr vertrauen. Wir helfen den Eltern aber auch dabei, es dem Alter des Kindes angemessen zu vermitteln.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/krebserkrankung-kinder-100~_v-512x288_c-1770911893702.jpg\" data-gallery-entry-for=\"bremen-kinder-krebs-hilfe-therapie-100\" data-size=\"2560x1440\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Ein Kind bekommt auf einer onkologischen Tagesklinik eine Chemotherapie\" title=\"Bild: dpa | Matthias Balk\" data-image-owner=\"dpa | Matthias Balk\" data-image-title=\"Ein Kind bekommt auf einer onkologischen Tagesklinik eine Chemotherapie\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/krebserkrankung-kinder-100~_v-512x288_c-1770911893702.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/krebserkrankung-kinder-100~_v-640x360_c-1770911893702.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Vom S\u00e4ugling bis zum Teenager k\u00f6nnen auch Kinder an Krebs erkranken. Viele von ihnen leiden an Leuk\u00e4mie, doch auch verschiedene Tumor-Arten kommen vor. (Symbolbild)<\/p>\n<p>Bild: dpa | Matthias Balk<\/p>\n<p>Was hei\u00dft denn altersgerecht bei einem Kita-Kind?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">F\u00fcr Kita-Kinder haben wir beispielsweise ein Bilderbuch. Es hei\u00dft &#8222;Der Chemo-Kasper&#8220;. Es zeigt den Kindern, wie eine Chemotherapie wirkt. Es gibt da Zeichnungen der b\u00f6sen Krebszellen. Und es wird in einfachen Worten beschrieben, wie die Chemotherapie diese Krebszellen zerst\u00f6rt, um wieder gesund zu werden. Wenn wir oder die Eltern dieses Buch mit den Kindern lesen, ist das eine gro\u00dfe Hilfe. Denn darin sind zum Beispiel auch Tropfst\u00e4nder gezeichnet, so dass die Kinder sehen und verstehen, die geh\u00f6ren einfach dazu. Davor muss man keine Angst haben.<\/p>\n<p>Und wie gehen Sie mit den \u00c4ngsten der Eltern um?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Die Eltern sind in dem Moment, wo sie es erfahren, allein schon vom Wort Krebs schockiert. Viele sehen als erstes das Bild vor Augen, ihr Kind k\u00f6nnte versterben.<\/p>\n<p>Wie begegnen Sie dem?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Wir geben Ihnen Hoffnung. Eine der ersten Botschaften ist, wir k\u00f6nnen bei Kindern den Krebs oft heilen. Und das trifft auf 80 bis 90 Prozent unserer Patienten zu. F\u00fcr Eltern ist diese Botschaft wichtig. Denn in den allermeisten F\u00e4llen rechnen sie gar nicht mit so einer Option.<\/p>\n<p>Gibt es auch Eltern, die sich Vorw\u00fcrfe machen?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Ja, tats\u00e4chlich ist das bei vielen so. Sie erz\u00e4hlen uns dann davon, dass das Kind einfach nie zu \u00fcberzeugen war, Gem\u00fcse zu essen. Oder sie fragen uns, ob sie ihr Kind zu sp\u00e4t zu uns gebracht haben, weil doch die ersten Kopfschmerzen schon vor drei Monaten begonnen h\u00e4tten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/krebserkrankung-kinder-106~_v-512x288_c-1770911954631.jpg\" data-gallery-entry-for=\"bremen-kinder-krebs-hilfe-therapie-100\" data-size=\"2560x1440\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Die Professor-Hess-Kinderklinik im Bremer Hulsbergviertel. \" title=\"Bild: Imago | Eckhard Stengel\" data-image-owner=\"Imago | Eckhard Stengel\" data-image-title=\"Die Professor-Hess-Kinderklinik im Bremer Hulsbergviertel. \" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/krebserkrankung-kinder-106~_v-512x288_c-1770911954631.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/krebserkrankung-kinder-106~_v-640x360_c-1770911954631.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Am Eltern-Kind-Zentrum Prof. Hess am Klinikum Bremen-Mitte wird, wie an anderen Kinderkliniken auch, die gesamte Familie in die Krebs-Therapie mit eingebunden.<\/p>\n<p>Bild: Imago | Eckhard Stengel<\/p>\n<p>Gibt es denn Alarmsignale f\u00fcr Krebs bei Kindern?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Im Grunde nicht. In den allermeisten F\u00e4llen ist es so, dass Eltern \u00fcberhaupt nicht davon ausgehen konnten, dass ihr Kind Krebs hat. Denn jedes Kind hat mal Kopfschmerzen. Das ist nichts Ungew\u00f6hnliches. Auch Bauchschmerzen und Bl\u00e4sse deuten eher auf eine Erk\u00e4ltung hin, nicht aber auf einen Hirntumor. Wir wissen einfach bis heute nicht, was der Ausl\u00f6ser f\u00fcr diese Erkrankung im Kindesalter ist. Nur unsere Therapien sind, Gott sei Dank, jetzt so viel besser, dass wir die Allermeisten wieder gesund kriegen.<\/p>\n<p>In den 1950er Jahren lagen die Heilungschancen noch bei 10 bis 20 Prozent. Wie ist der Sprung auf eine \u00dcberlebensrate von 80 bis 90 Prozent in den 2020er Jahren zu erkl\u00e4ren?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Ein Grund k\u00f6nnte sein, dass sich \u2013 im Gegensatz zur Erwachsenen-Onkologie \u2013 die Kinderkliniken nie als Konkurrenten verstanden haben. Es gibt viel Enthusiasmus und wenig Wettbewerb. In ganz Deutschland haben sich Zentren f\u00fcr bestimmte Krebsarten entwickelt, wo bis heute alle Informationen hingeschickt werden. Dieser Informationsfluss hat zu einer unglaublichen Qualit\u00e4t gef\u00fchrt und ist ein Grund daf\u00fcr, dass die Therapien so gut geworden sind.<\/p>\n<p>Hat sich durch die hohen \u00dcberlebensraten auch der Fokus ver\u00e4ndert, also weg von der reinen Patientenbetrachtung hin zum gesamten Umfeld des Kindes?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Absolut. Das hat aber gl\u00fccklicherweise schon in den 1980er Jahren mit ersten Modellversuchen eingesetzt, heute ist es Standard. Es reicht eben nicht aus, dass wir nur das Kind behandeln. Die ganze Familie ist in einer so gro\u00dfen Krise, dass es psychosoziale Mitarbeiterinnen auf den Stationen braucht, wo Kinder mit Krebs behandelt werden. Der Patient ist die Familie, so kann man das sagen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/krebserkrankung-kinder-104~_v-512x288_c-1770912090490.jpg\" data-gallery-entry-for=\"bremen-kinder-krebs-hilfe-therapie-100\" data-size=\"2560x1440\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"An einer Kinderhand h\u00e4ngt ein Infusionstropf.\" title=\"Bild: Imago | Pond5 Images\" data-image-owner=\"Imago | Pond5 Images\" data-image-title=\"An einer Kinderhand h\u00e4ngt ein Infusionstropf.\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/krebserkrankung-kinder-104~_v-512x288_c-1770912090490.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/krebserkrankung-kinder-104~_v-640x360_c-1770912090490.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>An den Tropf, durch den die w\u00e4hrend der Chemotherapie verabreichten Medikamente ins Blut gelangen, m\u00fcssen sich die Kinder in der Therapie erst gew\u00f6hnen. (Symbolbild)<\/p>\n<p>Bild: Imago | Pond5 Images<\/p>\n<p>Binden Sie die Familien auch in die Therapie ein?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Tats\u00e4chlich ist es so, dass wir schon im ersten Gespr\u00e4ch mit der Familie, wenn ihr die Diagnose er\u00f6ffnet wird, erkl\u00e4ren, dass auf jeden Fall immer ein Elternteil hier auf der Station gebraucht wird. Erstens, um das Kind konstant zu begleiten. Zweitens, um zu lernen, was alles wichtig ist, wenn das Kind zwischendrin nach Hause entlassen wird. Denn es ist ja gl\u00fccklicherweise so, dass die Kinder nicht die vielen Monate am St\u00fcck hier bei uns sind, sondern immer wieder auch ein, zwei Wochen zu Hause. Dort k\u00f6nnen sie sich von der Chemotherapie und f\u00fcr den n\u00e4chsten Chemotherapie-Block erholen.<\/p>\n<p>Auch Nachbarn, Eltern anderer Kita-Kinder, Mitsch\u00fclerinnen und Freunde bekommen das ja mit. Was raten Sie diesen im Umgang mit betroffenen Familien?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Wir empfehlen den Eltern zun\u00e4chst einmal eine gro\u00dfe Offenheit dem Umfeld gegen\u00fcber. Sonst entstehen viele Ger\u00fcchte. Und die sind gar nicht hilfreich.<\/p>\n<p>Den Menschen aus dem Umfeld kann ich hingegen nur empfehlen, den Familien praktische Dinge abzunehmen. Da hilft es sehr, wenn ich das Geschwisterkind der erkrankten Tochter einmal in der Woche zum Reiten bringe oder wenn ich gelegentlich etwas koche oder f\u00fcr die Familie einkaufen gehe. Denn Kinder mit einer Krebserkrankung d\u00fcrfen ja nicht mit in den Supermarkt. Auch die Freunde des Kindes sollten weiter zu Besuch kommen. Denn dass Kinder miteinander spielen k\u00f6nnen, dass nicht alles wegbricht, was das Kind gl\u00fccklich macht, ist wichtig.<\/p>\n<p>Mehr zum Thema:<\/p>\n<p class=\"article-legal-broadcast-reference\"><strong>Dieses Thema im Programm:<\/strong><br \/>\nbuten un binnen, 15. Februar 2026, 19:30 Uhr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Etwa 50 krebskranke Kinder werden in Bremen pro Jahr behandelt. Deutschlandweit gibt es rund 2.300 F\u00e4lle j\u00e4hrlich. 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