{"id":8006,"date":"2025-04-04T15:47:31","date_gmt":"2025-04-04T15:47:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/8006\/"},"modified":"2025-04-04T15:47:31","modified_gmt":"2025-04-04T15:47:31","slug":"lieferkettengesetz-bafa-leitet-pruefung-gegen-kupferkonzern-aurubis-ein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/8006\/","title":{"rendered":"Lieferkettengesetz: BAFA leitet Pr\u00fcfung gegen Kupferkonzern Aurubis ein"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>exklusiv<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 03.04.2025 05:01 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Es geht um Umweltzerst\u00f6rung und Menschenrechtsverletzungen bei Lieferanten des Kupferkonzerns Aurubis. Laut SWR hat das Bundesamt BAFA jetzt eine Pr\u00fcfung gegen Aurubis eingeleitet &#8211; wegen eines m\u00f6glichen Versto\u00dfes gegen das Lieferkettengesetz.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Marcel Kolvenbach, SWR\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nLieferanten des Kupferkonzerns Aurubis in Lateinamerika und Bulgarien werden Umweltzerst\u00f6rung und Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Nach Recherchen des SWR hat das Bundesamt f\u00fcr Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) jetzt eine anlassbezogene Pr\u00fcfung gegen die Aurubis AG eingeleitet.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Beschwerde richtet sich laut einem Schreiben des BAFA, das dem SWR vorliegt, gegen das Unternehmen Aurubis AG mit Bezug auf eine Kupfermine des mexikanischen Bergbaukonzerns Grupo Mexico. Demnach erf\u00fcllen die eingereichten Unterlagen die Voraussetzungen des Lieferkettensorgfaltsfplichtengesetzes (LkSG) f\u00fcr eine anlassbezogene Pr\u00fcfung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas LkSG verpflichtet seit dem 1. Januar 2023 Unternehmen, auf Missst\u00e4nde beim Einkauf von Material aus dem Ausland zu reagieren. Bei Verst\u00f6\u00dfen droht Unternehmen ein Bu\u00dfgeld von bis zu zwei Prozent des weltweiten j\u00e4hrlichen Unternehmensumsatzes.<\/p>\n<p>    Toxischer Mix nach Umweltkatastrophe<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEs war die schlimmste Bergbaukatastrophe in der Geschichte Mexikos. Am 6. August 2014 ergossen sich 40.000 Kubikmeter einer sauren Kupfersulfatl\u00f6sung aus einem R\u00fcckhaltebecken der Kupfermine Buenavista del Cobre, einer Tochtergesellschaft der Grupo Mexico (GM) in den Sonora-Fluss &#8211; mit gravierenden Folgen f\u00fcr Umwelt, Landwirtschaft und der Gesundheit von rund 22.000 Menschen. Das geht unter anderem aus einem Gutachten des Sekretariats f\u00fcr Umwelt und Nat\u00fcrliche Ressourcen der mexikanischen Regierung von 2023 hervor.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer gr\u00f6\u00dfte Bergbaukonzern Mexikos und drittgr\u00f6\u00dfte Kupferproduzent weltweit bestreitet einen Zusammenhang zwischen der Schwermetallbelastung im Sonora Fluss und dem Minenunfall. Ein dennoch versprochenes Krankenhaus und Entgiftungsanlagen f\u00fcr die Brunnen wurden vom Konzern nie fertiggestellt &#8211; wie die mexikanische gemeinn\u00fctzige Organisation PODER dokumentiert hat.<\/p>\n<p>    Beschwerdef\u00fchrerin verstorben<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Zehn Jahre der Straflosigkeit und des Missbrauchs&#8220; beklagte Martha Patricia Velarde Ortega, die Beschwerdef\u00fchrerin in dem Verfahren gegen Aurubis und eine der prominentesten Aktivistinnen der Gruppe, die sich um Wiedergutmachung f\u00fcr die Giftm\u00fcllkatastrophe im R\u00edo Sonora bem\u00fcht, noch im vergangenen Herbst. Sie starb laut Medienberichten Mitte Februar an multiplem Organversagen. Martha hatte selbst Schwermetalle im Blut und litt an Leberproblemen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKeine zwei Wochen zuvor hatte sie als Vertreterin des Komitees vom Sonora-Flussbecken gemeinsam mit PODER und der Menschenrechtsorganisation Romero Initiative (CIR) aus M\u00fcnster ihre Beschwerde gegen Aurubis im Rahmen des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes eingereicht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Der Tod Marthas ist ein schwerer Verlust f\u00fcr die betroffenen Menschen, die seit \u00fcber zehn Jahren f\u00fcr Gerechtigkeit k\u00e4mpfen&#8220;, erkl\u00e4rt Christian Wimberger, Referent f\u00fcr Unternehmensverantwortung bei der CIR gegen\u00fcber dem SWR. Doch ihr Kampf gehe weiter.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Von den Rechtsverletzungen sind Tausende Menschen betroffen. Stellvertretend f\u00fcr sie werden zwei Frauen, die ebenfalls erkrankt und von der Zerst\u00f6rung ihrer Lebensgrundlagen betroffen sind, die Beschwerde beim BAFA erneut einreichen und an Marthas Arbeit ankn\u00fcpfen&#8220;, berichtet Wimberger. &#8222;Wir hoffen, dass die Beh\u00f6rde den Fall unmittelbar fortf\u00fchrt, um weitere Verz\u00f6gerungen zu vermeiden. Es ist h\u00f6chste Zeit, dass in Sonora etwas passiert!&#8220;<\/p>\n<p>    Konzern \u00e4u\u00dfert sich zu den Vorw\u00fcrfen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nErst im vergangenen Jahr ist Aurubis &#8211; nach eigenen Angaben einer der gr\u00f6\u00dften Kupferrecycler weltweit &#8211; mit dem 17. Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Branche Metallindustrie ausgezeichnet worden. Der Konzern k\u00fcndigte im November an, deutlich vor 2050 CO2-neutral produzieren zu wollen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKonfrontiert mit den konkreten Vorw\u00fcrfen im Zusammenhang mit dem Zulieferer aus Mexiko erkl\u00e4rt ein Konzernsprecher gegen\u00fcber dem SWR schriftlich: &#8222;Aurubis arbeitet nur mit Gesch\u00e4ftspartnern zusammen, die umfassende Pr\u00fcfungsverfahren gem\u00e4\u00df unseren gesetzlichen und branchen\u00fcblichen Verpflichtungen durchlaufen.&#8220; Zu Lieferanten, konkreten Minen und entsprechenden Bezugsmengen mache das Unternehmen grunds\u00e4tzlich keine Angaben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Wir verfolgen mit unseren Gesch\u00e4ftspartnern stets den Ansatz der kontinuierlichen Verbesserung. Wir halten es f\u00fcr sinnvoll, im Dialog zu bleiben und durch st\u00e4ndigen Austausch Einfluss auf den verantwortungsvollen Abbau und die Produktion von Erzen und Metallen zu nehmen&#8220;, hei\u00dft es weiter.<\/p>\n<p>    Protestaktion vor der Aktion\u00e4rsversammlung angek\u00fcndigt<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Romero Initiative verweist bei ihrer Kritik auf Daten der Handelsdatenbank Panjiva. Demnach lieferte das mexikanische Bergbauunternehmen erst im Februar fast 11.000 Tonnen Kupfererzkonzentrat an Aurubis. Vor der heutigen Aktion\u00e4rsversammlung in Hamburg wird die NGO gemeinsam mit dem Dachverband der Kritischen Aktion\u00e4rinnen und Aktion\u00e4re und anderen Organisationen eine Protestaktion durchf\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nChristian Wimberger will auf der Versammlung vor den Aktion\u00e4ren \u00fcber den Stand der Lieferkettenbeschwerde gegen den Konzern berichten und den Vorstandsvorsitzenden Toralf Haag nach konkreten Abhilfema\u00dfnahmen von Aurubis zum Fall in Mexiko und einem weiteren Fall in Panama befragen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Wenn die Beh\u00f6rde eine Pflichtverletzung feststellt, kann sie dem Unternehmen anordnen, konkrete Ma\u00dfnahmen zur Behebung der Pflichtverletzung umzusetzen. Das BAFA kann auch hohe Bu\u00dfgelder verh\u00e4ngen. Aurubis sollte schon jetzt t\u00e4tig werden.&#8220; Zusammen mit dem Dachverband der Kritischen Aktion\u00e4re fordert Wimberger Aurubis auf, &#8222;einen Teil der Dividendenaussch\u00fcttung an die Aktion\u00e4re f\u00fcr Abhilfema\u00dfnahmen f\u00fcr die betroffenen Menschen zu verwenden.&#8220;<\/p>\n<p>    Lieferkettenverantwortung in den Koalitionsverhandlungen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWirtschaftsverb\u00e4nde hatten vor den Wahlen eine Abschaffung des LkSG gefordert. In ihrem Sofortprogramm f\u00fcr Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Wohlstand forderte die CDU auf ihrem Parteitag vor den Wahlen &#8222;B\u00fcrokratiemonster&#8220; zur\u00fcckzustutzen &#8211; auch das Lieferkettengesetz. Unter dem Titel &#8222;B\u00fcrokratier\u00fcckbau, Staatsmodernisierung, Moderne Justiz&#8220; findet sich diese Forderung auch in den Zwischenergebnissen aus den Koalitionsverhandlungen wieder, warnen Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Fall in Mexiko zeige, dass das Lieferkettengesetz dringend n\u00f6tig sei, wenn wir unsere Wirtschaft nicht weiter auf Menschenrechtsverletzungen in den Lieferketten aufbauen wollen, meint Wimberger. Seine Forderung an die neue Regierung: &#8222;Das Lieferkettengesetz beizubehalten, bis die Lieferkettenrichtlinie der EU in deutsches Recht umgesetzt ist.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"exklusiv Stand: 03.04.2025 05:01 Uhr Es geht um Umweltzerst\u00f6rung und Menschenrechtsverletzungen bei Lieferanten des Kupferkonzerns Aurubis. 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