{"id":800888,"date":"2026-02-16T02:10:37","date_gmt":"2026-02-16T02:10:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/800888\/"},"modified":"2026-02-16T02:10:37","modified_gmt":"2026-02-16T02:10:37","slug":"westjordanland-die-siedler-kommen-von-allen-seiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/800888\/","title":{"rendered":"Westjordanland: Die Siedler kommen von allen Seiten"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der kleine Muhammad spricht nicht mehr viel seit dem vergangenen Sommer. Nur einen Ausdruck benutzt er immer wieder. \u201ePapas Blut\u201c, platzt es aus dem Vierj\u00e4hrigen heraus, wann immer er einen roten Gegenstand sieht. Seiner Mutter steigen Tr\u00e4nen in die Augen, wenn sie davon erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eDann kommen die Bilder in seinem Kopf zur\u00fcck\u201c, sagt Hanady Hathaleen, die in einem schwarzen Vollschleier vor ihrer Blechh\u00fctte in Umm al Kheir, einem pal\u00e4stinensischen Dorf im S\u00fcden des <a data-rtr-index=\"0\" title=\"Westjordanland\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/westjordanland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Westjordanlandes<\/a>, sitzt. Auch sie kann den Anblick aus dem vergangenen Juli nicht vergessen. Wie die israelischen Siedler mit ihrem Bagger durch das Dorf fuhren, bis einer von ihnen seine Waffe z\u00fcckte und auf ihren Mann, Awdah \u00adHathaleen, richtete. Wie Awdah nach dem Schuss zu Boden sank, die rote Blutlache um ihn immer gr\u00f6\u00dfer wurde. Die Schreie der Kinder, die h\u00e4mischen Blicke der israelischen Soldaten, das Warten auf den Krankenwagen, der Awdah schlie\u00dflich abtransportierte.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eDort, auf dem Boden, hat Muhammad seinen Vater zum letzten Mal gesehen\u201c, sagt Hathaleen. Als die israelische Armee ihr zehn Tage sp\u00e4ter die Leiche ihres Mannes \u00fcbergab, sei der K\u00f6rper in einem noch schlimmeren Zustand gewesen. Den letzten Abschied wollte sie Muhammad und seinen zwei Br\u00fcdern nicht zumuten.<\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" class=\"Sonntagszeitung\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1771207832_459_fas_latest.jpg\"\/><\/p>\n<p>Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.<\/p>\n<p>        <a href=\"https:\/\/zeitung.faz.net\/\" class=\"Button\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">&#13;<br \/>\n          &#13;<br \/>\n         <\/a><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Gewalt durch j\u00fcdische Siedler im Westjordanland, das zeigt nicht nur der Fall von Awdah Hathaleen, ist in den vergangenen Monaten explosionsartig in die H\u00f6he geschossen. Wo immer man in diesen Tagen in dem Gebiet unterwegs ist, erz\u00e4hlen Bewohner von dem\u00fctigenden Schikanen, brutalen \u00dcberf\u00e4llen, angez\u00fcndeten Autos. Ganze Olivenhaine werden zerst\u00f6rt, Viehherden gestohlen, M\u00e4nner, Frauen und Kinder teils schwer verletzt. Andere, wie Awdah Hathaleen, trifft es noch schlimmer. Viele Pal\u00e4stinenser trauen sich nach Anbruch der Dunkelheit \u00fcberhaupt nicht mehr aus dem Haus. Diejenigen, die es doch tun, versuchen, sich zumindest \u00fcber Whatsapp- und Telegram-Gruppen \u00fcber akute Gefahren zu informieren.<\/p>\n<p>Jetzt kommen die Siedler von allen Seiten<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eWir haben hier immer Probleme mit Siedlern gehabt\u201c, sagt Hanady Hathaleen. Mit dem Kopf deutet sie in Richtung des gelben Eisentors, das nur wenige Hundert Meter entfernt die Stra\u00dfe zerschneidet. Gleich dahinter markieren israelische Flaggen den Eingang der Siedlung Carmel. Auf dem anschlie\u00dfenden H\u00fcgel thront ein modernes Haus neben dem anderen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eSie wollten uns von Beginn an vertreiben\u201c, sagt die junge Witwe \u00fcber die j\u00fcdische Siedlergemeinschaft, die sich dort seit den Achtzigerjahren niedergelassen hat und mittlerweile auf mehrere Hundert Bewohner angewachsen ist. \u201eAber jetzt kommen auch andere, aus allen Richtungen des Westjordanlandes. Sie haben Waffen dabei, und sie kennen \u00fcberhaupt keine Grenzen mehr.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Hanady Hathaleen traut sich nicht mehr aus dem Haus.\" height=\"2250\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/hanady-hathaleen-traut-sich.webp.webp\" width=\"3000\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Hanady Hathaleen traut sich nicht mehr aus dem Haus.Franca Wittenbrink<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Was Hathaleen beschreibt, best\u00e4tigen nicht nur andere Pal\u00e4stinenser, sondern auch unz\u00e4hlige Berichte israelischer Aktivisten und internationaler Menschenrechtsorganisationen. Selbst die israelische Armee, die das Problem ansonsten eher herunterspielt, gestand j\u00fcngst ein, dass \u00dcbergriffe durch radikale Siedler im vergangenen Jahr um 25 Prozent gestiegen seien.<\/p>\n<p>\u201eAwdah war ein guter Mensch\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Ein ranghoher Offizier warnte j\u00fcngst gegen\u00fcber der israelischen Zeitung \u201eHaaretz\u201c vor erheblichen Gefahren f\u00fcr die Sicherheit \u2013 und vor einer fl\u00e4chendeckenden gewaltsamen Eskalation im Westjordanland. Die UN-Koordinationsbeh\u00f6rde OCHA dokumentierte 2025 \u00fcber 1800 Angriffe durch Siedler, bei denen mehr als 830 Pal\u00e4stinenser verletzt worden seien. 240 Menschen seien in diesem Zeitraum durch israelische Sicherheitskr\u00e4fte oder Siedler get\u00f6tet worden \u2013 fast jeder vierte ein Kind.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" height=\"990\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/pp-1-10835980.webp.webp\" width=\"1375\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eAwdah war ein guter Mensch, er hat sich um andere gek\u00fcmmert, er wollte Frieden f\u00fcr dieses Land\u201c, sagt Hanady Hathaleen \u00fcber ihren Mann, dessen Tod sie noch immer nicht begreifen kann. An der Eingangst\u00fcr ihrer Blechh\u00fctte ist ein Foto des Einunddrei\u00dfigj\u00e4hrigen angepinnt. Fr\u00f6hlich grinst er darauf in die Kamera, die braunen Locken unter einer \u00adBasecap versteckt. Neben seinem Job als Englischlehrer hatte der junge Pal\u00e4stinenser im Team des Dokumentarfilms \u201eNo Other Land\u201c mitgearbeitet, der Siedlergewalt und Vertreibung im Westjordanland thematisiert. Die israelisch-pal\u00e4stinensische Koproduktion, die auf der Berlinale 2024 Premiere feierte, erreichte nicht nur in Deutschland gro\u00dfe Aufmerksamkeit. 2025 wurde sie als bester Dokumentarfilm mit einem Oscar ausgezeichnet.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eAwdah wollte der Welt zeigen, was hier passiert\u201c, sagt Hathaleen, in ihre Stimme mischt sich Stolz. Geholfen habe ihm aber auch das nicht. \u201eSie haben ihn einfach erschossen, ohne dass er etwas getan h\u00e4tte. Und am Ende l\u00e4uft der T\u00e4ter frei herum, w\u00e4hrend wir Pal\u00e4stinenser verhaftet werden.\u201c<\/p>\n<p>Der M\u00f6rder triumphiert auch noch<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Festnahmen, auf die Hathaleen anspielt, rufen auch im Rest des kleinen Dorfes Emp\u00f6rung hervor. Elf pal\u00e4stinensische Bewohner wurden nach der T\u00f6tung Awdah Hathaleens \u00fcber mehrere Tage im Ofer-Gef\u00e4ngnis in S\u00fcdisrael inhaftiert, die H\u00e4nde zusammengeschn\u00fcrt, die Augen verbunden. Der T\u00e4ter Yinon Levi hingegen wurde trotz erdr\u00fcckender Beweise nach wenigen Stunden wieder freigelassen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Auf einer Videoaufnahme vom 28. Juli 2025 ist deutlich zu sehen, wie der Siedler in Umm al Kheir seine Pistole zieht und den t\u00f6dlichen Schuss auf Awdah abgibt. Keiner der Pal\u00e4stinenser um ihn herum ist bewaffnet. Ein israelisches Gericht entschied dennoch, Levi habe aus \u201eSelbstverteidigung\u201c gehandelt. Ein zun\u00e4chst angeordneter Hausarrest wurde nach drei Tagen vorzeitig ausgesetzt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Sein M\u00f6rder handelte \u201eaus Selbstverteidigung\u201c, befand ein israelisches Gericht.\" height=\"2000\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/sein-moerder-handelte-aus.webp.webp\" width=\"3000\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Sein M\u00f6rder handelte \u201eaus Selbstverteidigung\u201c, befand ein israelisches Gericht.AFP<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Dass der M\u00f6rder ihres Mannes nun v\u00f6llig unbescholten wieder durch Umm al Kheir spazieren kann, ist f\u00fcr Hanady Hathaleen schwer zu ertragen. Immer wieder tauche der Siedler im Dorf auf, lache triumphierend oder beschimpfe die Bewohner. Vor einigen Wochen habe er sogar die Strom- und Wasserleitungen zerst\u00f6rt. Bis die Gemeinschaft wieder Elek\u00adtrizit\u00e4t hatte, vergingen Tage.<\/p>\n<p>Biden verh\u00e4ngte Sanktionen, Trump hob sie wieder auf<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eIch habe Angst um meine Kinder\u201c, sagt Hathaleen, \u201ewir alle wissen ja, wie gef\u00e4hrlich Levi ist.\u201c Auch international ist der Siedler kein Unbekannter. Wegen seiner brutalen \u00dcbergriffe auf Pal\u00e4stinenser steht er seit 2024 auf den Sanktionslisten der Europ\u00e4ischen Union und Gro\u00dfbritanniens. Auch der fr\u00fchere Pr\u00e4sident der Vereinigten Staaten, Joe Biden, hatte Sanktionen gegen ihn verh\u00e4ngt. Unter der jetzigen Regierung von Donald Trump wurden die Strafma\u00dfnahmen wieder aufgehoben.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In der israelischen Regierung selbst scheint man mit j\u00fcdischen Siedlern wie Yinon Levi weniger Probleme zu haben. Zu Verurteilungen kommt es nach gewaltt\u00e4tigen \u00dcbergriffen nur in den seltensten F\u00e4llen. Hanady Hathaleen macht daf\u00fcr auch die N\u00e4he zwischen der israelischen Armee und den Siedlern verantwortlich. \u201eSie sind Freunde, sie besch\u00fctzen sich gegenseitig\u201c, sagt die Pal\u00e4stinenserin. Bei den st\u00e4ndigen Konfrontationen in Umm al Kheir sei f\u00fcr sie kaum noch zu erkennen, wer \u00fcberhaupt Siedler und wer Soldat sei.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Menschenrechtsorganisationen, aber auch israelische Soldaten selbst berichten von \u00e4hnlichen Zust\u00e4nden. Seit dem Terror\u00fcberfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 wurden Tausende Siedler in sogenannte regionale Verteidigungseinheiten im Westjordanland eingezogen, um in den Gazastreifen verlegte Truppen zu ersetzen. Der israelische Staat stattete die oft extremen Ideologen, darunter auch Straft\u00e4ter, mit Gewehren und Uniformen aus.<\/p>\n<p>Immer mehr \u201eSoldaten-Siedler\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">2024 br\u00fcstete sich der rechtsextreme Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir damit, allein im ersten Jahr des Krieges 120.000 Waffen an \u201eisraelische B\u00fcrger\u201c verteilt zu haben. F\u00fcr viele Pal\u00e4stinenser hatte das dramatische Folgen. Die <a data-rtr-index=\"24\" title=\"Vereinte Nationen\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/vereinte-nationen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">UN<\/a> warnten vor wenigen Wochen, dass das \u201ezunehmende Ph\u00e4nomen der \u201aSoldaten-Siedler\u2018\u201c die Grenze zwischen Staats- und Siedlergewalt immer weiter verwische \u2013 und die Straffreiheit von T\u00e4tern damit bef\u00f6rdere.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eEs gibt niemanden, der uns hier besch\u00fctzt\u201c, sagt Hanady Hathaleen, die dahinter eine klare Strategie des israelischen Staates sieht. Seit jeher streben extreme, meist nationalreligi\u00f6se Israelis danach, \u201eJud\u00e4a und Samaria\u201c, wie sie das seit 1967 besetzte Gebiet nennen, in j\u00fcdischen Besitz bringen. Unter der derzeitigen Regierung unter Ministerpr\u00e4sident Benjamin Netanjahu schreiten die Annexionspl\u00e4ne immer schneller voran. Allein in den vergangenen drei Jahren wurde der Bau von fast 70 neuen Siedlungen genehmigt. Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich feierte j\u00fcngst einen \u201enie da gewesenen Rekord\u201c. Im aktuellen Staatshaushalt sind umgerechnet \u00fcber 800 Millionen US-Dollar vorgesehen, um den Ausbau weiter voranzutreiben.<\/p>\n<p>Die israelische Regierung l\u00e4sst sie gew\u00e4hren<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Dar\u00fcber hinaus haben die Siedler weitere Wege gefunden, um die Bev\u00f6lkerung im Westjordanland zu vertreiben. Durch sogenannte Au\u00dfenposten, h\u00e4ufig eine Ansammlung von Containern oder Wohnwagen, dringt die Siedlerbewegung auch ohne staatliche Genehmigungen immer tiefer in pal\u00e4stinensisches Gebiet vor. W\u00e4hrend die Siedlungen zwar international als v\u00f6lkerrechtswidrig gelten, nicht aber nach israelischem Recht, sind diese Au\u00dfenposten auch in Israel illegal. Zu R\u00e4umungen kommt es trotzdem fast nie. Sobald die Au\u00dfenposten auf eine bestimmte Gr\u00f6\u00dfe angewachsen sind, spricht der Staat h\u00e4ufig eine nachtr\u00e4gliche Genehmigung aus. Oft werden sie dann in nahe gelegene Siedlungen eingegliedert.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In Umm al Kheir l\u00e4sst sich dieses Vorgehen nahezu exemplarisch beobachten \u2013 denn auch hier stellt die Siedlung Carmel l\u00e4ngst nicht mehr die einzige Bedrohung f\u00fcr die Bewohner dar.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\u201eSie wollen uns von allen Seiten einkreisen\u201c: Container, die israelische Siedler in Umm al Kheir aufgestellt haben\" height=\"2250\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/sie-wollen-uns-von-allen.webp.webp\" width=\"3000\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>\u201eSie wollen uns von allen Seiten einkreisen\u201c: Container, die israelische Siedler in Umm al Kheir aufgestellt habenFranca Wittenbrink<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Nur wenige Schritte von dem kleinen Gemeindezentrum des Dorfes entfernt reihen sich mehrere blassgelbe Container aneinander, die die Siedler unter F\u00fchrung von Yinon Levi in den vergangenen Monaten aufgestellt haben. Von den pal\u00e4stinensischen H\u00e4usern trennt sie nicht mehr als ein notd\u00fcrftig errichteter Zaun. \u201eSie wollen uns von allen Seiten einkreisen\u201c, sagt Hanady Hathaleen. Der kleine Au\u00dfenposten, der so entstanden ist, drohe bereits jetzt den n\u00f6rdlichen Teil des Dorfes von den H\u00e4usern im S\u00fcden abzuschneiden.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Ein israelisches Gericht verf\u00fcgte im Oktober zwar, dass keine weiteren Container aufgestellt und die bestehenden nicht bewohnt werden d\u00fcrften. Durchgesetzt wurde die Anordnung jedoch nie. Die ersten Siedlerfamilien sind l\u00e4ngst eingezogen, haben Olivenb\u00e4ume verbrannt und lassen ihre Viehherden auf pal\u00e4stinensischem Ackerland grasen. Nun bauen sie an einer Stra\u00dfe, um den Au\u00dfenposten mit der Siedlung Carmel zu verbinden.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Angefeuert werden sie dabei auch von prominenten G\u00e4sten, wie ein Besuch des israelischen Knessetabgeordneten Zvi Sukkot aus dem vergangenen Jahr zeigt. Auf einem Video ist der Politiker, der selbst der Siedlerbewegung angeh\u00f6rt, vor den gelben Containern in Umm al Kheir zu sehen. Durch den Zaun hindurch beschimpft er die pal\u00e4stinensischen Bewohner als Hamas-Terroristen und droht ihnen, sie zu vertreiben.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Hanady Hathaleen sagt, sie werde alles tun, um dem Druck standzuhalten. Und doch wisse auch sie nicht, wie lange sie in Umm al Kheir noch aushalten k\u00f6nnten. Immer wieder wurden in den vergangenen Jahren H\u00e4user von Pal\u00e4stinensern im Dorf durch die israelischen Beh\u00f6rden zerst\u00f6rt, weil keine Genehmigung f\u00fcr den Bau vorgelegen habe. Laut einer neuen Anordnung sollen die n\u00e4chsten 13 Geb\u00e4ude bald folgen. \u201eEs ist nur eine Frage der Zeit\u201c, sagt Hathaleen, die f\u00fcrchtet, mit ihren drei Kindern bald auf der Stra\u00dfe zu sitzen. \u201eSie haben mir meinen Mann genommen. Nun wollen sie mir auch noch das Dach \u00fcber dem Kopf nehmen. Nur f\u00fcr die Siedler geht es immer weiter.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der kleine Muhammad spricht nicht mehr viel seit dem vergangenen Sommer. 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