{"id":80150,"date":"2025-05-03T03:32:13","date_gmt":"2025-05-03T03:32:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/80150\/"},"modified":"2025-05-03T03:32:13","modified_gmt":"2025-05-03T03:32:13","slug":"aufraeumphantasien-kunst-und-diversitaet-unterm-spardiktat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/80150\/","title":{"rendered":"Aufr\u00e4umphantasien \u2013 Kunst und Diversit\u00e4t unterm Spardiktat"},"content":{"rendered":"<p>von Cordula Kehr<\/p>\n<p>\u201eEs fehlen die \u201aAlarmbegriffe\u2018, die leichter erkennbar machten, was politisch beabsichtigt ist\u201c, schreibt Carolin Emcke 2016 in ihrem Buch Gegen den Hass. Sie charakterisiert damit ein Sprechen, das auf der Oberfl\u00e4che gem\u00e4\u00dfigt daherkommt, untergr\u00fcndig jedoch eine Diskursverschiebung vornimmt, die Ausgrenzung und letztlich Gewalt den Weg bahnt. Ein solches Pl\u00e4doyer f\u00fcr ein aufmerksames Hinh\u00f6ren, f\u00fcr ein Lauschen auf Zwischent\u00f6ne scheint heute, knapp 10 Jahre sp\u00e4ter, beinahe nicht mehr n\u00f6tig. Ob Migration oder Klima \u2013 der k\u00fcrzlich beendete Bundeswahlkampf hat gezeigt, wie weit die Grenzen des Sagbaren sich verschoben haben und welche Alarmbegriffe inzwischen normalisiert wurden. Doch wie sieht es in der Kulturpolitik aus? Wird anders gesprochen, wenn es um Kunst, um imaginierte Welten und \u00c4sthetik geht? Wird \u00fcberhaupt \u00fcber Kultur gesprochen, wenn kulturpolitisch gesprochen wird? Und welche Auswirkungen hat ein Sprechen ohne Alarmbegriffe aber mit Andeutungen darauf, welche Kunst m\u00f6glich ist und welche zur\u00fcckgedr\u00e4ngt wird?<\/p>\n<p>Seit Ende November letzten Jahres Sparma\u00dfnahmen die Berliner Kulturszene in eine schwere Krise gest\u00fcrzt haben, wird viel dar\u00fcber berichtet, wie einzelne Kulturinstitutionen mit der Situation umgehen und welche Auswirkungen die K\u00fcrzungen f\u00fcr Berlin und die Kultur haben. Aber es wird wenig reflektiert, wie kulturpolitisch und medial \u00fcber die K\u00fcrzungen gesprochen wird und welche Narrative und Sprachbilder die Diskussion seither pr\u00e4gen. Dabei droht der Austerit\u00e4tsdiskurs, k\u00fcnstlerische Ausdrucksformen einzuengen und Diversit\u00e4t im Kulturbetrieb zu verringern.<\/p>\n<p><strong>Unerh\u00f6rter Luxus? Antworten auf den Vorwurf der Verschwendung<\/strong><\/p>\n<p>Das zentrale Narrativ jeder Spardebatte ist wohl das der Notwendigkeit. Dementsprechend \u00fcberbieten sich die verantwortlichen Berliner Politiker in Interviews darin, die Sparma\u00dfnahmen als alternativlos darzustellen. Die Sparma\u00dfnahmen seien \u201e<a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/politik\/beitrag\/2024\/11\/sparliste-berlin-sparen-senat-kai-wegner-verteidigt-einsparungen-kultur.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dringend n\u00f6tig<\/a>\u201c (B\u00fcrgermeister Kai Wegner), \u201e<a href=\"https:\/\/www.inforadio.de\/rubriken\/interviews\/2024\/11\/27\/was-koennen-sie-den-kulturschaffenden-anbieten--herr-chialo-.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nicht zu vermeiden<\/a>\u201c (Kultursenator Joe Chialo), n\u00f6tig, weil die Ausgaben im Kulturbereich \u201e<a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/politik\/beitrag\/2024\/10\/berlin-haushalt-finanzsenator-evers-kultur-einsparungen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00fcber ein normales Ma\u00df<\/a>\u201c gestiegen seien (Finanzsenator Stefan Evers). Was das genau ist, ein normales Ma\u00df der Kulturf\u00f6rderung, das bleibt offen. Schaut man in den <a href=\"https:\/\/cdu.berlin\/image\/uploads\/data\/Berlin-Plan_CDU-Berlin_2021-2026.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berlin Plan 2026<\/a> der CDU, der die drei Politiker angeh\u00f6ren, hei\u00dft es da: \u201eStaatliche Kulturf\u00f6rderung kann und soll nicht als fl\u00e4chendeckender Kulturarbeitgeber fungieren.\u201c Das wirft die Frage auf, ob die Berliner CDU \u00f6ffentlicher Kulturf\u00f6rderung einen Wert beimisst oder sie nicht eher abschaffen m\u00f6chte. In den Interviews wird jedenfalls eine deutliche Grenze gezogen: Hier die einhaltgebietende Politik, dort der ma\u00dflose, sich nicht an die Norm haltende Kulturbetrieb. Aber ist der \u00f6ffentlich gef\u00f6rderte Kulturbetrieb, der laut Kultursenator Chialo in den letzten Jahren eine \u201e<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/joe-chialo-ueber-wettbewerb-und-eigenverantwortung-110133244.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mittelexplosion<\/a>\u201c erlebt hat, tats\u00e4chlich aber nur 2,1 Prozent des Berliner Gesamthaushalts ausmacht, wirklich so verschwenderisch?<\/p>\n<p>Im Februar 2025, als erste Auswirkungen der Sparma\u00dfnahmen im Kulturbetrieb sp\u00fcrbar wurden,\u00a0 weil Kulturt\u00e4tige ihre Arbeitspl\u00e4tze verloren, manche Projekte nur eine Abwicklungsf\u00f6rderung erhalten haben und viele H\u00e4user Teile ihres Programms streichen mussten, l\u00e4sst sich Chialo f\u00fcr das ZEIT Magazin <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/zeit-magazin\/2025\/06\/sexy-bedeutung-schoenheit-fotografie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">zum Thema \u201esexy\u201c portr\u00e4tieren<\/a>. Dort sagt er: \u201eSexy ist [\u2026] das Selbstbewusstsein, sich mehr zu trauen als die Allgemeinheit. So verstehe ich auch Politik: F\u00fcr seine Ideen zu k\u00e4mpfen, dem Gegenwind standzuhalten, ist sexy!\u201c Der <a href=\"https:\/\/checkpoint.tagesspiegel.de\/langmeldung\/4KCc3qDC6LLTT3G1BjZfQ8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tagesspiegel<\/a> greift das wie folgt auf: \u201ePolitisch ist er umstritten. Was man [\u2026] Chialo [\u2026] allerdings lassen muss: Sein Style sucht unter deutschen Politikern seinesgleichen.\u201c<\/p>\n<p>Der Style von Politiker*innen aber, man denke an Joschka Fischers Turnschuhe oder Angela Merkels Blazer, ist immer auch politisch. Wie also inszeniert sich Chialo? Er setzt \u2013 in eigenen Worten \u2013 auf \u201edas Wagnis\u201c, den \u201eindividuellen Stil\u201c und das \u201eminimale Sprengen der Norm\u201c. Er, der nicht verhindern konnte, dass der Kulturetat \u00fcberproportional stark gek\u00fcrzt wurde, sieht sich als unkonventionellen K\u00e4mpfer. Vielleicht ist das eine Selbstdarstellung, die gut ankommt unter Kreativen \u2013 die wohnen dann aber nicht in Berlin. Hier wirkte das im Februar gegebene Interview wie eine Farce. W\u00e4hrend der Kulturbetrieb seit Monaten darauf eingestimmt wird, \u201e<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/haushalt-berliner-abgeordnetenhaus-beschliesst-milliarden-kuerzungen-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-241219-930-322375\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">den G\u00fcrtel enger zu schnallen<\/a>\u201c, spricht Chialo von seiner \u201egoldenen Bomberjacke\u201c. Auch wenn das in Berlin Tradition hat, \u201aarm\u2018 und \u201asexy\u2018 zusammenzudenken, fr\u00fcher, so scheint es, war Berlin sexy, jetzt ist es nur noch der Kultursenator.<\/p>\n<p>Der Kulturbetrieb jedenfalls verliert unter dem Spardiktat schlagartig seinen Sexappeal. Konfrontiert mit dem Vorwurf der mangelnden \u201e<a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/joe-chialo-zur-spardebatte-wenn-das-geld-kommt-tanzen-wir-zusammen-kasatschok-li.2279804\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00f6konomischen Eigenverantwortung<\/a>\u201c (Chialo) und ermutigt, mehr auf <a href=\"https:\/\/taz.de\/Kulturkuerzungen-in-Berlin\/!6053865\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wirtschaftlichkeit zu achten<\/a> (Wegner), spricht er pl\u00f6tzlich die Sprache des effizienten Managements. \u201eWir sind nicht naiv\u201c, sagt beispielsweise der Intendant des Berliner Ensembles Oliver Reese <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/chialos-kultur-sparetat-nur-dass-klar-ist-das-sind-dimensionen-die-es-so-noch-nicht-gab-li.2276182?id=df642b56884c45afb7ec667179a21b10\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in einem Interview<\/a> und z\u00e4hlt dann detailliert auf, wo bereits gespart wird. \u201eWir handeln mit Sinn und Verstand\u201c, protestiert auch der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Direktor der Deutschen Oper Thomas Fehrle und beklagt, dass ausgerechnet die H\u00e4user, die \u201ein der Vergangenheit sorgf\u00e4ltig mit ihren Budgets umgegangen sind, bestraft werden\u201c.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es wichtig, dass alle, die \u00f6ffentliche F\u00f6rderung erhalten, verantwortungsvoll damit umgehen. Um das sicherzustellen, gibt es rechtliche Rahmenbedingungen wie die Landeshaushaltsordnung und Zuwendungsbescheide. Unter den Vorzeichen des Spardiskurses reicht es aber nicht, verantwortungsvoll zu handeln, man muss auch Effizienz performen. Aber bei allem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Verteidigungsgefecht der Intendanten: Dieses Spiel l\u00e4sst sich nicht gewinnen. Wenn Kulturf\u00f6rderung grunds\u00e4tzlich in Frage gestellt wird, sollte man lieber den Spardiskurs und die politische Priorisierung angreifen, als darum zu wetteifern, wer die sch\u00f6nste Excel-Tabelle hat. Wir brauchen R\u00e4ume, in denen zumindest in Teilen andere Spielregeln gelten als diejenigen der Effizienz. Wir verlieren sonst das, was Kunst kann: frei sein, kritisch sein, faul sein, nutzlos sein, sch\u00f6n sein.<\/p>\n<p>Aber nochmal zur\u00fcck zu \u201earm, aber sexy\u201d: Was Anfang der 2000er, als Wowereit dieses inoffizielle Motto der Stadt pr\u00e4gte, ma\u00dfgeblich zu Berlins Aufschwung beitrug, waren die lebendige Kulturszene und das Bild von Berlin als wilder und diverser Stadt mit billigen Mieten. Einen Mythos der effizienten und ordentlichen Hauptstadt hat es nie gegeben.<\/p>\n<p><strong>Metaphorische Gewalten \u2013 reale Konsequenzen \u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Es hei\u00dft, eine der Lieblingsvokabeln der Berliner CDU in kulturpolitischen Gespr\u00e4chen sei \u201aaufr\u00e4umen\u2018. Das mag nicht \u00fcberraschen bei einer Partei, die sich \u201aOrdnung\u2018 und \u201aSicherheit\u2018 auf die Fahnen schreibt, aber in Bezug auf Kunst und Kultur l\u00e4sst das Wort \u201aaufr\u00e4umen\u2018 doch stutzen. So stellt die Schriftstellerin Lea Streisand in ihrem Radiokommentar \u201e<a href=\"https:\/\/www.radioeins.de\/programm\/sendungen\/der_schoene_morgen\/war_schoen_jewesen\/sparplan-motorsaege.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sparplan Motors\u00e4ge<\/a>\u201c zu recht die Frage, ob Kunst \u00fcberhaupt ordentlich sein k\u00f6nne, ob autorit\u00e4res Aufr\u00e4umen nicht einfach hei\u00dfe, alles platt zu machen, was man vorfinde, und Unliebsames wegzuschmei\u00dfen: \u201eIst das Kunst oder kann das weg? [\u2026] Und was ist eigentlich mit Leuten, die \u2018ne Behinderung haben? Was ist mit Kindern oder Gefl\u00fcchteten? Sind die ordentlich oder k\u00f6nn\u2018 die och weg?\u201c<\/p>\n<p>Das Bild des Aufr\u00e4umens ist nat\u00fcrlich praktisch. Anders als beim Bild des \u201eKahlschlags\u201c, das <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/berlin\/article407744418\/stefan-evers.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Finanzsenator Evers zur\u00fcckweist<\/a>, um stattdessen von \u201eNormalisierung\u201c zu sprechen, geht es beim Aufr\u00e4umen nicht um gewaltvolles sondern vern\u00fcnftiges Handeln mit Augenma\u00df und darum, etwas wieder an seinen urspr\u00fcnglichen Platz zu stellen. Die Aggression hingegen \u2013 so wird suggeriert \u2013 kommt von den anderen, den Kulturt\u00e4tigen, die \u00fcbertrieben emotional auf die K\u00fcrzungen reagieren. Er erlebe einen \u201eErregungstsunami\u201c, eine \u201eaggressive Stimmung\u201c, berichtet Chialo <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/joe-chialo-ueber-wettbewerb-und-eigenverantwortung-110133244.html#abschluss\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in einem Interview<\/a>, dabei wolle er die Kultur dahin bringen, nicht von \u201ediesen Gezeiten abh\u00e4ngig\u201c zu sein.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Chialo sich also einerseits von Naturgewalten bedroht sieht, m\u00f6chte er die Kultur andererseits vor ebendiesen Gewalten retten, indem er sie von der \u00f6ffentlichen F\u00f6rderung und dem damit einhergehenden \u201ePaternalismus\u201c befreit. Mit dieser Metaphorik, die das Menschliche ausklammert und in Naturph\u00e4nomenen spricht, verschleiert er aber, wer in der K\u00fcrzungsdebatte Entscheidungsmacht hat und wer die Konsequenzen dieser Entscheidungen tr\u00e4gt. Staatliche Kulturf\u00f6rderung, die gesellschaftliche Teilhabe erm\u00f6glicht, ist nicht bevormundend, Kulturt\u00e4tige im Kampf um ihre Arbeitspl\u00e4tze nicht ernst zu nehmen, allerdings schon.<\/p>\n<p><strong>Schmerzhafte L\u00fccke \u2013 verschwindende Selbstverst\u00e4ndlichkeit<\/strong><\/p>\n<p>Der Kulturtheoretiker Diedrich Diederichsen verteidigte Kulturf\u00f6rderung unl\u00e4ngst <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=rj0ilMo3mKc\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in einem Interview<\/a> und begr\u00fcndete sein Pl\u00e4doyer damit, dass Kunst \u201eein Archiv des Selbstverst\u00e4ndlichen\u201c hervorbringe. Und ja, Kunst, die kultureller Teilhabe verpflichtet ist, kann genau das: eine eigene Wirklichkeit erzeugen, Menschen eine Stimme geben oder ihnen erm\u00f6glichen, sich in anderen Rollen zu sehen, als denen, die ihnen gesellschaftlich zugeschrieben werden. Genau diese Selbstverst\u00e4ndlichkeit aber steht mit den K\u00fcrzungen auf dem Spiel, da sie besonders kleine Projekte treffen, die sich an ein marginalisiertes Publikum richten oder programmatisch Diversit\u00e4tsthemen aufgreifen.<\/p>\n<p>Diederichsen sieht hier eine Parallele zu den Sparma\u00dfnahmen 2011 im niederl\u00e4ndischen Kulturbereich, wo eine Zusammenarbeit wirtschaftsliberaler und rechtspopulistischer Politiker*innen dazu f\u00fchrte, dass in der Kultur \u00fcberproportional stark gek\u00fcrzt wurde und insbesondere kleine Projekte das Nachsehen hatten. \u201eGro\u00dfe Institutionen werden dominieren, das Mittelfeld wird verw\u00fcstet sein und junge K\u00fcnstler, die gerade ihren Abschluss besitzen, werden in Zukunft kaum mehr Arbeitsm\u00f6glichkeiten finden\u201c, so beschrieb der Theaterkritiker Simon van den Berg damals die Auswirkungen der K\u00fcrzungen <a href=\"https:\/\/www.nachtkritik.de\/international\/europa\/theaterbrief-aus-den-niederlanden\/die-subventionskuerzungen-im-niederlaendischen-kunstbereich\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">auf Nachtkritik<\/a>. Und so auch in Berlin: W\u00e4hrend einige Journalist*innen der schwarz-roten Regierungskoalition nach Erscheinen der ersten Sparlisten im November 2024 <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/berliner-kulturpolitik-auch-sparen-will-gelernt-sein-13056535.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ahnungslosigkeit attestieren<\/a> und kritisierten, es sei mit der Heckenschere gek\u00fcrzt worden, was sich eben auf kleine Projekte besonders negativ auswirke, stellten Kulturakteur*innen die Frage, ob die K\u00fcrzungen dazu dienten, politisch unliebsame Projekte loszuwerden. Selbst der Koalitionspartner SPD kritisierte die Sparpl\u00e4ne der CDU als \u201e<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/verantwortungslos-und-brandgefahrlich-berliner-spd-attackiert-koalitionspartner-cdu-wegen-sparplanen-13242799.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">politisch motiviert<\/a>\u201c, als im Februar 2025 im Bildungsbereich schlagartig die F\u00f6rderung von queeren Projekten und Projekten der politischen Bildung gestrichen wurde.<\/p>\n<p>Wir schauen beunruhigt und emp\u00f6rt auf die USA, wo gerade W\u00f6rter wie \u201etrans\u201c und \u201equeer\u201c <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/interactive\/2025\/03\/07\/us\/trump-federal-agencies-websites-words-dei.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">von staatlichen Webseiten gel\u00f6scht werden<\/a>; Trumps aggressive Rhetorik, die seine Sprachpolitik begleitet, macht es uns leicht, zu erkennen, wie menschenfeindlich diese Politik ist. Als B\u00fcrgermeister Wegner im Mai 2023, nur drei Wochen nach seinem Amtsantritt, betonte, er habe noch keinen Brief in \u201e<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article245460052\/Kai-Wegner-Berliner-Verwaltung-verzichtet-kuenftig-auf-Gendersprache.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gender-Sprache<\/a>\u201c unterschrieben, und das scheinbar sachlich mit der Verst\u00e4ndlichkeit f\u00fcr Zugezogene rechtfertigte, blieb die Kritik hingegen eher verhalten. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die sich meist eher f\u00fcr eine konservative Sprachpolitik ausspricht, kritisierte<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/die-trump-regierung-verbietet-jetzt-auch-woerter-110352157.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Trumps Sprachpolitik beispielsweise als Zensur<\/a>, im Zusammenhang mit Wegners Ablehnung gendergerechter Sprache griff sie hingegen <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/kai-wegner-will-haerter-gegen-clans-und-klimaaktivisten-vorgehen-18908533.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">auf eine unkritische Pressemeldung zur\u00fcck<\/a>.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Schlie\u00dflich sah Wegner auch von einem offiziellen Verbot gendergerechter Sprache wie in Bayern ab und lie\u00df den einzelnen Verwaltungen einen Ermessensspielraum \u2013 was jedoch kaum etwas am Ergebnis \u00e4nderte: Unter seiner Regierung, das <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/tanz-ums-sternchen-wie-der-berliner-senat-sich-um-die-genderdebatte-windet-9920390.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dokumentierte der Tagesspiegel<\/a>, <a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a> verschwindet der Genderstern aus einem Gro\u00dfteil der Verwaltungskommunikation.<\/p>\n<p>Es braucht nicht immer Verbote, um Selbstverst\u00e4ndlichkeiten zu ver\u00e4ndern. Manchmal reicht auch das Auslassen einer Zuwendung \u2013 einer empathischen Zuwendung zu Menschen mit anderen Lebensrealit\u00e4ten als der eigenen oder einer finanziellen Zuwendung f\u00fcr Projekte, die kulturelle Teilhabe und demokratische Strukturen f\u00f6rdern. Spardiskurse eignen sich ausgezeichnet, um stillschweigend Selbstverst\u00e4ndlichkeiten neu zu schreiben. Das aufmerksame Hinh\u00f6ren ist daher dringend notwendig.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Bemerkenswert an Wegners Aussage ist auch, wie hier zwei marginalisierte Gruppen \u2013 queere Menschen und migrantisierte Menschen \u2013 gegeneinander ausgespielt werden. Sind es diesmal migrantisierte Menschen, auf die scheinbar R\u00fccksicht genommen wird, sind es sonst h\u00e4ufig queere Menschen, die vermeintlich vor importierter Homophobie gesch\u00fctzt werden sollen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> In den Pressemitteilungen der von Chialo gef\u00fchrten Kulturverwaltung wurde 2023 noch der Genderstern verwendet. Das scheint sich inzwischen ge\u00e4ndert zu haben, wie ein Blick auf <a href=\"https:\/\/www.berlin.de\/sen\/kultur\/aktuelles\/pressemitteilungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pressemeldungen<\/a> des Jahres 2025 zeigt.<\/p>\n<p>Foto von <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/@kyleunderscorehead?utm_content=creditCopyText&amp;utm_medium=referral&amp;utm_source=unsplash\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kyle Head<\/a> auf <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/fotos\/silhouette-von-drei-darstellern-auf-der-buhne-p6rNTdAPbuk?utm_content=creditCopyText&amp;utm_medium=referral&amp;utm_source=unsplash\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Unsplash<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"von Cordula Kehr \u201eEs fehlen die \u201aAlarmbegriffe\u2018, die leichter erkennbar machten, was politisch beabsichtigt ist\u201c, schreibt Carolin Emcke&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":80151,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,296,34095,29,214,30,80,1794,3618,34096,215],"class_list":{"0":"post-80150","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-berlin","10":"tag-chiallo","11":"tag-deutschland","12":"tag-entertainment","13":"tag-germany","14":"tag-kultur","15":"tag-kunst-und-design","16":"tag-kuerzungen","17":"tag-sticky","18":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114441797172070011","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80150","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=80150"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80150\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/80151"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80150"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=80150"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=80150"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}