{"id":801650,"date":"2026-02-16T09:33:12","date_gmt":"2026-02-16T09:33:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/801650\/"},"modified":"2026-02-16T09:33:12","modified_gmt":"2026-02-16T09:33:12","slug":"wie-ungarn-zur-solarstrom-supermacht-wurde-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/801650\/","title":{"rendered":"Wie Ungarn zur Solarstrom-Supermacht wurde"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nDer imponierende Zuwachs ist auf verbindliche EU-Vorgaben und die gleichzeitige &#8222;Windradphobie&#8220; der ungarischen Regierung zur\u00fcckzuf\u00fchren. Gem\u00e4\u00df der Erneuerbare-Energien-Richtlinie m\u00fcssen mindestens 42,5 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in der EU bis 2030 aus erneuerbaren Quellen stammen, wobei jeder Mitgliedstaat zu diesem Ziel beitragen und verbindliche Vorgaben erf\u00fcllen muss.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung1\" class=\"jumpLabel\">Hasst Orb\u00e1n Windr\u00e4der?<\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nDa die ungarische Regierung aber Windr\u00e4der skeptisch sieht und dem Energieexperten Andr\u00e1s Gy\u00f6rgy De\u00e1k von der E\u00f6tv\u00f6s-Lorand-Universit\u00e4t in Budapest zufolge ein &#8222;politisches Veto&#8220; dagegen eingelegt hat, wurde die genannte EU-Vorgabe haupts\u00e4chlich mit Hilfe von Solarenergie erreicht.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAls Argumente gegen Windenergie f\u00fchrten Regierungsvertreter an, dass die Bedingungen in Ungarn f\u00fcr die Nutzung nicht gut genug seien und Windkraftanlagen die nat\u00fcrliche Umwelt sch\u00e4digen und das Landschaftsbild ver\u00e4ndern w\u00fcrden. Au\u00dferdem sei ihre Rentabilit\u00e4t ungewiss, hie\u00df es. Die gesetzlichen Vorgaben f\u00fcr die Errichtung von Windr\u00e4dern, z.B. in Bezug auf den Abstand zu Wohngebieten, waren jahrelang so hochgeschraubt, dass sie in der Praxis Windr\u00e4der verhinderten.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nIn der \u00d6ffentlichkeit h\u00e4lt sich unterdessen hartn\u00e4ckig die \u00dcberzeugung, dass die Regierung Windkraft blockiert, weil Viktor Orb\u00e1n den Anblick von Windr\u00e4dern nicht mag \u2013 Belege daf\u00fcr gibt es allerdings nicht. Fakt ist, dass die ungarische Regierung der Windkraft lange eher abgeneigt war und erst seit kurzem die Errichtung von Windr\u00e4dern erleichtert.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nEin Grund f\u00fcr die Bevorzugung von Solarenergie d\u00fcrfte laut De\u00e1k die Hoffnung gewesen sein, dass es mit chinesischer Unterst\u00fctzung gelingen k\u00f6nnte, die Produktion von Solarzellen nach Ungarn zu holen. Diese Hoffnung habe sich nicht erf\u00fcllt, so der Experte.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung2\" class=\"jumpLabel\"><strong>Solarpanelbesitzer: trotz F\u00f6rderung entt\u00e4uscht<\/strong><\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nObwohl in den letzten Jahren zahlreiche Verbraucher staatliche F\u00f6rderungen f\u00fcr die Installation von Solaranlagen in Anspruch nehmen konnten, teilweise sogar in H\u00f6he von 100 Prozent, sind viele Besitzer von Solaranlagen in Ungarn unzufrieden.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDer Grund: Die Regierung hat die Abrechnungsmodalit\u00e4ten ver\u00e4ndert \u2013 zuungunsten der B\u00fcrger. Bis dahin hatten Haushalte mit Solaranlagen die M\u00f6glichkeit, ihren Stromverbrauch mit ihrer Produktion auf Jahresbasis zu verrechnen. Was sie im sonnigen Sommer ins Netz eingespeist hatten, konnten sie im grauen, sonnenarmen Winter verbrauchen und ihre Stromrechnung auf diese Weise reduzieren.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nF\u00fcr neuinstallierte Anlagen sowie Anlagen, die \u00e4lter als zehn Jahre sind, gilt das seit 2024 nicht mehr. Stattdessen tritt die sogenannte Bruttoabrechnung in Kraft: Der Stromversorger kauft den erzeugten Solarstrom zu einem Preis an, der deutlich niedriger ist als das, was er den Haushalten in Rechnung stellt. In den sonnenarmen Monaten m\u00fcssen die Verbraucher somit deutlich tiefer in die Tasche greifen \u2013 in manchen F\u00e4llen kann die neue Stromrechnung sogar zehnmal so hoch wie die alte sein.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung3\" class=\"jumpLabel\"><strong>Hat der Staat die B\u00fcrger betrogen?<\/strong><\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nDer Verein Interessenvertretungsplattform f\u00fcr Solarstromnutzer (N\u00c9P) wirft dem Staat vor, die Besitzer von Solaranlagen (inzwischen rund 330.000) &#8222;betrogen&#8220; zu haben. &#8222;Sie haben ihr Geld nicht nur aus finanziellen Gr\u00fcnden investiert, sondern auch zum Schutz unserer Umwelt. Diese B\u00fcrger wurden in den letzten Jahren von der ungarischen Regierung mehrfach get\u00e4uscht und betrogen. Ihr Vertrauen in den Rechtsstaat wurde ausgenutzt. Man kann sagen, dass die Berechenbarkeit fehlt, und es gibt keine Garantie, dass es in Zukunft keine weiteren nachteiligen Ver\u00e4nderungen geben wird. Dabei reden wir hier von Investitionen, die sich \u00fcber 20 bis 30 Jahre amortisieren&#8220;, sagte Vereinschef L\u00e1szl\u00f3 Moln\u00e1r dem MDR.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nMit Unterst\u00fctzung des Vereins wandten sich mehr als eintausend Besitzer von Solaranlagen an das Verfassungsgericht, unter anderem mit der Begr\u00fcndung, dass die r\u00fcckwirkende \u00c4nderung verfassungswidrig sei. Das Gericht wies die Antr\u00e4ge im Januar 2026 jedoch zur\u00fcck.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung4\" class=\"jumpLabel\"><strong>Neues F\u00f6rderprogramm als &#8222;Trostpflaster&#8220;<\/strong><\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nAls &#8222;Trostpflaster&#8220; hat die Regierung ein neues F\u00f6rderprogramm aufgelegt, diesmal vor allem f\u00fcr die Speicherung von Solarenergie. Daf\u00fcr werden im Rahmen einer Ausschreibung 100 Milliarden Forint (mehr als 250 Millionen Euro) an Privathaushalte verteilt.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nMinisterpr\u00e4sident Orb\u00e1n begr\u00fcndete das neue F\u00f6rderprogramm damit, dass die Verbraucher &#8222;mit dem Problem konfrontiert sind, dass sie entweder durch die Solaranlage erzeugten \u00fcbersch\u00fcssigen Strom ins Netz einspeisen k\u00f6nnen oder dieser verloren geht.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDer rasche Anstieg der Solarstromkapazit\u00e4ten bringt tats\u00e4chlich Schwierigkeiten mit sich. Die in den Sonnenstunden entstehende \u00dcberproduktion kann das Netz \u00fcberlasten. Zur L\u00f6sung des Problems fordert die Interessenvertretung N\u00c9P einen Netzausbau und eine industrielle Speicherung in der N\u00e4he der Transformatoren durch den Netzbetreiber. Dar\u00fcber hinaus sollten Menschen in Gemeinden unter 5.000 Einwohnern die M\u00f6glichkeit bekommen, Energiegemeinschaften zu gr\u00fcnden, in denen sie gemeinsam Strom erzeugen und verbrauchen k\u00f6nnen.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung5\" class=\"jumpLabel\">Hat <strong>die Fidesz-Regierung Fehler gemacht?<\/strong><\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nAndr\u00e1s Gy\u00f6rgy De\u00e1k warnt jedoch, dass der Netzausbau kostspielig werden k\u00f6nnte. Vor allem, wenn man ber\u00fccksichtigt, dass die \u00dcberproduktion nur phasenweise w\u00e4hrend des Jahres und des Tages auftritt. Dies w\u00fcrde den Solarstrom deutlich verteuern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der imponierende Zuwachs ist auf verbindliche EU-Vorgaben und die gleichzeitige &#8222;Windradphobie&#8220; der ungarischen Regierung zur\u00fcckzuf\u00fchren. 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