{"id":80390,"date":"2025-05-03T05:47:11","date_gmt":"2025-05-03T05:47:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/80390\/"},"modified":"2025-05-03T05:47:11","modified_gmt":"2025-05-03T05:47:11","slug":"ausstellung-corot-bis-watteau-widmet-sich-herkunft-von-zeichnungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/80390\/","title":{"rendered":"Ausstellung \u201eCorot bis Watteau?\u201c widmet sich Herkunft von Zeichnungen"},"content":{"rendered":"<p>Der \u201eJunge mit Hut\u201c ist ein r\u00e4tselhafter Kerl. Sein Sch\u00f6pfer: unbekannt, sein Geburtsdatum sehr vage, irgendwann im 17. Jahrhundert. Marie Aresin, die Kustodin des Kupferstichkabinetts umschreibt die unklare Vaterschaft so: \u201eDenkbar w\u00e4re neben der franz\u00f6sischen und italienischen Schule auch, dass es sich um das Werk eines Niederl\u00e4nders handelt, der im 17. Jahrhundert in Rom t\u00e4tig war.\u201c<\/p>\n<p>        \u00dcberblick \u00fcber franz\u00f6sische Zeichenkunst<\/p>\n<p>In der Ausstellung \u201e<a href=\"https:\/\/www.kunsthalle-bremen.de\/de\/view\/exhibitions\/exb-page\/corot-bis-watteau\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"Website des Museums\">Corot bis Watteau? Franz\u00f6sischen Zeichnungen auf der Spur<\/a>\u201c im alten und neuen Studiensaal der Bremer Kunsthalle ist der \u201eJunge mit Hut\u201c kein Einzelfall. Es gibt einige Arbeiten, bei denen unklar ist, wer sie machte. Was klar ist, die 38 Zeichnungen und zwei Skizzenb\u00fccher in der Schau geben einen \u00dcberblick \u00fcber die Zeichenkunst in Frankreich zwischen dem fr\u00fchen 16. und dem sp\u00e4ten 19. Jahrhundert. Doch eigentlich stehen hier nicht die K\u00fcnstler im Mittelpunkt, sondern die Biografien der Werke.<\/p>\n<p>Viele Arbeiten wechseln im Lauf der Jahrhunderte ihre Besitzer. Das ist normal, doch nicht, wenn es sich um unnormale Zeiten handelt wie die Jahre zwischen 1933 und 1945. Deswegen richten nicht nur die Bremer ein Hauptaugenmerk auf diese Zeitspanne. Die Kuratorinnen der Schau &#8211; neben Aresin ist das die wissenschaftliche Mitarbeiterin Brigitte Reuter &#8211; teilen ihre m\u00fchsam erworbenen Erkenntnisse mit den Besuchern. Die lernen als Erstes, was Provenienzforscher eigentlich machen. Deren Sisyphus-Arbeit besteht darin, den Lebenslauf eines Werkes zu rekonstruieren, die Besitzkette nachzuverfolgen. Sie ermitteln vor allem dann, wenn die Herkunft eines Werkes fragw\u00fcrdig ist, etwa wenn der Verdacht besteht, dass es sich um NS-Raubkunst handeln k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Wie bei dem \u201eJungen mit Hut\u201c. Denn der kam 1938 unter h\u00f6chst verd\u00e4chtigen Umst\u00e4nden ins Museum. In der Hauptrolle: eine zwielichtige Figur, die der damalige Direktor Emil Waldmann verharmlosend als \u201eschwarzes Schaf\u201c bezeichnete. Lange kannten die Kunstdetektive nur den Namen des Verd\u00e4chtigen: August Karl Jatho. Mehr war dem Zugangsbuch, in dem die Neuerwerbungen des Museums aufgelistet werden, nicht zu entnehmen.<\/p>\n<p>        Die Personalakte des Direktors gibt Aufschluss<\/p>\n<p>Doch in der Personalakte des damaligen Direktors entdeckte Brigitte Reuter weitere Unterlagen, die sich mit eben jenem Jatho besch\u00e4ftigen. Der war Hausmeister und Oberaufsehers des Museums und nicht gerade f\u00fcr seine Ehrlichkeit bekannt. Wo und von wem Jatho den \u201eJungen\u201c erwarb, konnte Reuter noch nicht herausfinden. Auch nicht, warum er es der Kunsthalle schenkte.<\/p>\n<p>Deswegen prangt unter dem Werk nun ein roter Punkt, der NS-Raubkunst markiert. Die Kunst-Detektive veranschaulichen ihre Ermittlungsergebnisse in einer erweiterten Ampel. Gr\u00fcn steht f\u00fcr unbedenklich, Gelb bedeutet nicht eindeutig gekl\u00e4rt und Grau ungekl\u00e4rt, noch nicht l\u00fcckenlos erforscht.<\/p>\n<p>Weitere rote Punkte weisen unter anderem ein weiblicher Akt und der \u201eFl\u00f6tenspieler\u201c auf, beide von Unbekannten gezeichnet. Der Musiker geh\u00f6rte einst dem j\u00fcdischen Kunsth\u00e4ndler Siegfried L\u00e4mmle, der seinen Besitz unter Verfolgungsdruck verschleudern musste. \u201eDeswegen empfehlen wir die R\u00fcckgabe an die Erbengemeinschaft\u201c, so Reuter. \u201eWir sind da in Verhandlungen mit den Erben, die alle in Amerika leben\u201c, erg\u00e4nzt Christoph Grunenberg, der Direktor der Kunsthalle.<\/p>\n<p>Die Einstufung des \u201eB\u00e4rtigen\u201c von Michel Corneill hingegen ist noch offen, das Pendel kann sowohl zur unbedenklichen Seite als auch zur bedenklichen ausschlagen. Das gilt f\u00fcr einige Bl\u00e4tter, viele andere sind noch gar nicht erforscht. Kein Wunder, bei dem Konvolut, das im Kupferstichkabinett lagert, insgesamt sind es 200.000 Werke, davon allein 1700 franz\u00f6sische Zeichnungen.<\/p>\n<p>        Greis ist zur\u00fcck in der Kunsthalle<\/p>\n<p>\u00dcber einen gr\u00fcnen Punkt darf sich der Greis freuen, den Nicolas Lagneau 1686 aufs Papier brachte. Denn er ist bereits seit 1902 im Museum, allerdings ging er im Zweiten Weltkrieg verloren, als die Best\u00e4nde des Hauses ausgelagert wurden. Doch der alte Griesgram tauchte bei einer Auktion von Sotheby\u2019s wieder auf, so dass das Museum ihn 1988 zur\u00fcckkaufen konnte. Seine bessere H\u00e4lfte bleibt bis heute verschollen.<\/p>\n<p>Eine erfreulichere Geschichte erz\u00e4hlen die \u201eMarmelade naschenden Kinder\u201c. Die Expertinnen fanden heraus, wer sie erschuf: Marie Ernestine Serret. Ihr Werk besticht durch seine Qualit\u00e4t wie auch die Arbeiten von Camille Corot, Eug\u00e8ne Delacroix, Jean-Baptiste Greuze und vielen mehr. Denn die Ausstellung verspricht nicht nur Erkenntnisgewinn, sondern auch Augenschmaus. Nur den im Titel angegebenen Watteau sucht man vergeblich. Denn sowohl die Hand, die einen Krebs h\u00e4lt, als auch der \u201eFl\u00f6tenspieler\u201c und die \u201eBrustbilder zweier Soldaten\u201c sind nicht von ihm. Wer den Musiker und die Hand gezeichnet hat, wei\u00df man gar nicht, die Soldaten hat Charles Parrocel mit Kreide festgehalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der \u201eJunge mit Hut\u201c ist ein r\u00e4tselhafter Kerl. 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