{"id":804115,"date":"2026-02-17T08:50:22","date_gmt":"2026-02-17T08:50:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/804115\/"},"modified":"2026-02-17T08:50:22","modified_gmt":"2026-02-17T08:50:22","slug":"oesterreichs-wohnkosten-von-gratis-bis-unbezahlbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/804115\/","title":{"rendered":"\u00d6sterreichs Wohnkosten: Von gratis bis unbezahlbar"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"generated\">In Wien zahlt ein:e Krankenpflerger:in rund ein Drittel ihres Monatsgehalts allein f\u00fcr die Miete. W\u00e4hrend in den urbanen Zentren \u00d6sterreichs und Europas die Wohnkosten explodieren und junge Familien sich fragen, ob sie sich ein Eigenheim \u00fcberhaupt noch leisten k\u00f6nnen, l\u00e4uft eine Region gegen den Trend: das S\u00fcdburgenland.<\/p>\n<p class=\"generated\">Hier, ganz nah der Grenze zu Ungarn, m\u00fcsste ein:e Krankenpfleger:in nur drei bis vier Arbeitstage aufwenden, um ihre monatliche Miete zu bezahlen \u2013 also rund elf Prozent des Gehalts. Das zeigen Daten des EU-Forschungsprogramms ESPON House4, welche zusammen mit Correctiv.Europe analysiert wurden- <\/p>\n<p class=\"generated\">Doch trotz dieser Zahlen k\u00e4mpft die Region mit Leerstand. Gerade die 18- bis 27-J\u00e4hrigen wandern massiv ab. \u201eWir m\u00fcssen das Thema Wohnen im S\u00fcdburgenland ganz n\u00fcchtern betrachten\u201c, sagt Oliver Stangl, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Vereins S\u00fcdburgenland Plus, ebenfalls SP\u00d6 Jennersdorf. \u201e\u00dcberalterung ist ein negativ besetzter Begriff\u201c, r\u00e4umt Stangl ein, \u201eaber er beschreibt unsere demografische Realit\u00e4t.\u201c <\/p>\n<p class=\"generated\">Mit G\u00fcssing und Jennersdorf liegen die beiden \u00e4ltesten Bezirke \u00d6sterreichs ausgerechnet hier. Stangl will deshalb junge Menschen wieder zur\u00fcck in die Region holen \u2013 und dort halten. Gemeinsam mit Roland Deutsch leitet er das EU-gef\u00f6rderte Vorhaben. \u00dcber &#8222;Mein S\u00fcdburgenland&#8220; k\u00f6nnen sich Jungfamilien aktuell bereits zum zweiten Mal f\u00fcr die Schnuppertage \u2013 also \u201eGratis Probewohnen auf Zeit\u201c \u2013 bewerben.<\/p>\n<p class=\"generated\">Diese Recherche ist Teil einer Zusammenarbeit mit Correctiv.Europe, einem Netzwerk f\u00fcr lokalen Journalismus, das gemeinsam mit lokalen Redaktionen in ganz Europa datengest\u00fctzte und investigative Recherchen durchf\u00fchrt Correctiv.Europe ist Teil der gemeinn\u00fctzigen Recherche-Redaktion CORRECTIV, die durch Spenden finanziert wird. Mehr unter <a href=\"https:\/\/www.wienerzeitung.at\/a\/correctiv.org\/de\/europe\/\" target=\"_blank\" class=\"generated\" rel=\"nofollow noopener\">correctiv.org\/de\/europe\/<\/a><\/p>\n<p>   Daten-Analyse von Correctiv.Europe<\/p>\n<p class=\"generated\">W\u00e4hrenddessen gilt im Westen in Sachen Wohnen das Recht des St\u00e4rkeren. Der Platz ist knapp und der Tourismus gibt mancherorts den Ton an \u2013 Immobilien am Privatmarkt werden teuer gehandelt. W\u00e4hrend man in G\u00fcssing den Quadratmeter im Schnitt f\u00fcr weniger als sieben Euro mietet, liegen die Angebotsmieten in Brandberg, Tirol, bei 27 Euro pro Quadratmeter. Auch in Vandans, Vorarlberg, m\u00fcssen Wohnungssuchende aktuell mit 26 Euro pro Quadratmeter rechnen.<\/p>\n<p class=\"generated\">Bei Kaufpreisen weitert sich die Schere: Am teuersten ist der Quadratmeter in St. Jakob in Haus mit 9.403 Euro, gefolgt von Lans mit 8.989 Euro (beides in Tirol). Die Gemeinden liegen damit deutlich \u00fcber dem \u00f6sterreichischen Durchschnitt von 14,86 Euro pro Quadratmeter f\u00fcr Mietpreise sowie 4.931 Euro pro Quadratmeter f\u00fcr Kaufpreise. Zum Vergleich: In G\u00fcssing kostet der Quadratmeter derzeit 2.133 Euro.<\/p>\n<p class=\"generated\">Eine neue Wohnung in \u00d6sterreich zu finden, kann ziemlich teuer sein \u2013 je nach Lage. Das zeigen auch Daten des EU-Forschungsprogramms ESPON House4, welche zusammen mit Correctiv.Europe analysiert wurden.<\/p>\n<p>Wohnkosten in der EU stark gestiegen<\/p>\n<p class=\"generated\">Die Wohnkosten in der EU sind in den letzten zehn Jahren stark gestiegen, sodass es f\u00fcr viele schwierig geworden ist, sich eine Wohnung zu leisten. Vor allem Menschen in systemrelevanten Berufen k\u00f6nnen kaum eine Wohnung in einer europ\u00e4ischen Hauptstadt leisten. Das zeigte eine <a href=\"https:\/\/www.wienerzeitung.at\/a\/wohnungswucher-wien-wer-kann-sich-das-noch-leisten\" class=\"generated\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">gemeinsame Recherchekooperation der WZ mit dem Urban Journalism Network (UJN)<\/a> vergangenen Oktober.<\/p>\n<p class=\"generated\">Die Ergebnisse von damals: Wien, lange die Hauptstadt des leistbaren Wohnens, schneidet auch in Anbetracht der g\u00fcnstigeren Bestandsmieten sowie der gef\u00f6rderten Sozialbauten im europ\u00e4ischen Vergleich immer schlechter ab. Die UJN-Auswertung zeigt, dass Wien f\u00fcr Krankenpfleger:innen und Lehrpersonal nicht leistbar ist.<\/p>\n<p class=\"generated\">Kaum ein Lebensbereich bleibt von den Folgen teurer Wohnungen verschont, sagt Franziska Sielker, leitende Forscherin des ESPON-Projekts \u201eHouse4All\u201c und Professorin f\u00fcr Stadt- und Regionalforschung an der TU Wien. \u201eDer Mangel an bezahlbarem Wohnraum f\u00fchrt dazu, dass Menschen ihre Lebensziele aufschieben: eine Familie gr\u00fcnden, mit jemandem zusammenziehen, einen Job in einer neuen Stadt annehmen\u201c, so Sielker.<\/p>\n<p class=\"generated\">Hinzu kommen auch steigende Strom- und Energiepreise. Sie steigen europaweit schneller als Inflation und Mietpreise. Vers\u00e4umte Renovierungen der Altbauten zeigen drastischen Folgen: knapp 11 Prozent der europ\u00e4ischen Bev\u00f6lkerung sind mittlerweile von Energiearmut betroffen. Das zeigt eine weitere <a href=\"https:\/\/www.wienerzeitung.at\/a\/wer-den-preis-fuer-europas-versaeumte-renovierungen-zahlt\" class=\"generated\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Recherchekooperation des Urban Journalism Networks<\/a>.<\/p>\n<p>Warum ist Wohnraum in Europa so teuer?<\/p>\n<p class=\"generated\">Grundst\u00fccke sind begrenzt, und vielerorts \u00fcbersteigt die Nachfrage das Angebot bei weitem. Dieser Druck wird durch einen wachsenden Anteil institutioneller Immobilieninvestoren noch verst\u00e4rkt, die laut einer Analyse der Europ\u00e4ischen Zentralbank die Nachfrage von den lokalen Einkommen abkoppeln.<\/p>\n<p class=\"generated\">Gleichzeitig ziehen immer mehr Menschen in die St\u00e4dte, wo zu wenig Wohnraum gebaut wird, um die Nachfrage zu decken. Ein wachsender Markt f\u00fcr Kurzzeitmieten, eine Phase niedriger Zinsen und eine Zunahme von Einpersonenhaushalten treiben die Wohnkosten ebenfalls in die H\u00f6he.<\/p>\n<p class=\"generated\">Der EU-Kommissar f\u00fcr Wohnungswesen verdeutlicht: Wenn die Wohnungen in Europa nicht stabil und sicher sind, \u201edann ist es unsere Demokratie auch nicht\u201c, so Dan J\u00f8rgensen in einer Rede im M\u00e4rz 2025.<\/p>\n<p class=\"generated\">Im Dezember hat die Europ\u00e4ische Kommission den ersten <a href=\"https:\/\/housing.ec.europa.eu\/european-affordable-housing-plan_en\" class=\"generated\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">europ\u00e4ischen Plan f\u00fcr bezahlbaren Wohnraum<\/a> vorgestellt, der vor allem darauf abzielt, Investitionen in den Wohnungsbau durch den Abbau rechtlicher Hindernisse, zus\u00e4tzliche EU-Finanzmittel und die Einrichtung einer speziellen Investitionsplattform anzukurbeln.<\/p>\n<p>Sonniges S\u00fcdburgenland<\/p>\n<p class=\"generated\">Zur\u00fcck nach G\u00fcssing. Grundst\u00fccke g\u00e4be es hier reichlich, laut Stangl sind \u00fcber 30 Prozent der Baulandreserven noch unbebaut. Die WZ fragt, warum junge Studienabg\u00e4nger:innen gerade hier wohnen wollen. \u201eDer Euro ist bei uns einfach mehr wert\u201c, sagt Stangl.<\/p>\n<p class=\"generated\">Die Schnuppertage sollen genau das zeigen. \u201eWenn man nur ein Zehntel seiner Kosten f\u00fcr die Wohnung nehmen muss, ist das schon mal ganz gut\u201c, sagt Stangl. Ein funktionierendes Vereinswesen, Natur vor der Haust\u00fcr, Kinder, die frei aufwachsen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"generated\">Zuwachs gibt es im S\u00fcdburgenland von allen Seiten: namhafte K\u00fcnstler:innen, Kreativschaffende, Menschen in systemrelevanten Berufen, aber auch Menschen, die teilweise von zu Hause aus arbeiten k\u00f6nnen. Viele nutzen die Infrastruktur, um tags\u00fcber nach Graz oder nach Wien zu pendeln. F\u00fcr Stangl ein erster Erfolg: \u201eUns geht es erstmal darum, dass die Leute hier wohnen. Ob sie dann in Wien oder Graz arbeiten, ist f\u00fcr den ersten Schritt nicht so wichtig.\u201c<\/p>\n<p class=\"generated\">Dazu gibt es Ganztageskinderbetreuung, komplett \u00f6ffentlich finanziert. Und f\u00fcr Fachkr\u00e4fte im Gesundheitsbereich locken \u00fcberdurchschnittliche Geh\u00e4lter. Nicht zu vergessen sei die N\u00e4he zur Natur und die vielen Sonnentage, erg\u00e4nzt Stangl.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Wien zahlt ein:e Krankenpflerger:in rund ein Drittel ihres Monatsgehalts allein f\u00fcr die Miete. 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