{"id":804292,"date":"2026-02-17T10:33:14","date_gmt":"2026-02-17T10:33:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/804292\/"},"modified":"2026-02-17T10:33:14","modified_gmt":"2026-02-17T10:33:14","slug":"studie-zu-telemedizin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/804292\/","title":{"rendered":"Studie zu Telemedizin"},"content":{"rendered":"<p>Bei einem Schlaganfall ist die schnellstm\u00f6gliche Versorgung entscheidend f\u00fcr den Therapieerfolg. Forschende der Heinrich-Heine-Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf (HHU) und des Universit\u00e4tsklinikums D\u00fcsseldorf (UKD) haben im Rahmen einer Studie ermittelt, wie schnell Patientinnen und Patienten behandelt werden k\u00f6nnen und wie telemedizinische Versorgung die Schnelligkeit der Versorgung optimieren kann. Die Studienergebnisse wurden nun in der renommierten Fachzeitschrift The Lancet Regional Health ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Der Schlaganfall ist die dritth\u00e4ufigste Todesursache in Deutschland und einer der h\u00e4ufigsten Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Langzeitbehinderung. In Deutschland sind rund 180 von 100.000 Menschen von einem Schlaganfall betroffen, Tendenz steigend. Unterschieden wird zwischen dem isch\u00e4mischen Schlaganfall, der durch den Verschluss eines Gef\u00e4\u00dfes im Gehirn durch ein Gerinnsel ausgel\u00f6st wird, und dem h\u00e4morrhagischen Schlaganfall, der auch als Hirnblutung bekannt ist.<\/p>\n<p>Entscheidend f\u00fcr die Therapie eines isch\u00e4mischen Schlaganfalls ist eine m\u00f6glichst schnelle Versorgung nach dem Auftreten der ersten Symptome. Das kann entweder durch eine medikament\u00f6se Aufl\u00f6sung des Gerinnsels (Lysetherapie) oder durch einen kathetergest\u00fctzten Eingriff, bei dem das Blutgerinnsel mechanisch entfernt wird (Thrombektomie), erfolgen. Je schneller eine dieser Ma\u00dfnahmen eingeleitet wird, desto mehr Hirngewebe kann gerettet werden und desto besser ist die langfristige Prognose. Die Lysetherapie sollte innerhalb von viereinhalb Stunden nach dem Auftreten erster Symptome erfolgen. \u201eSchon wenige Minuten Verz\u00f6gerung der Therapie verschlechtern messbar die Chance auf eine gute Erholung\u201c berichtet Prof. Dr. Michael Gliem, kommissarischer Direktor der Klinik f\u00fcr Neurologie und Leiter der \u201eStroke Unit\u201c (beides UKD). Dennoch erh\u00e4lt in Europa bislang weniger als ein Sechstel der Patientinnen und Patienten eine fr\u00fchzeitige Behandlung. H\u00e4ufige Gr\u00fcnde sind versp\u00e4tetes Eintreffen im Krankenhaus und lange Wege bis zur geeigneten Einrichtung. Selbst in gut ausgebauten Gro\u00dfst\u00e4dten zeigt sich, dass nur ein kleiner Anteil der Betroffenen innerhalb der ersten Stunde nach Symptombeginn behandelt wird.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund haben die Forschenden des Instituts f\u00fcr Interventionelle und Diagnostische Radiologie und der Klinik f\u00fcr Neurologie (beides UKD) untersucht, wie gut Menschen in Deutschland zeitkritische Schlaganfallversorgung erreichen k\u00f6nnen und ob ein alternatives Versorgungsmodell das Potenzial hat, Behandlungszeiten zu verk\u00fcrzen. Dazu haben sie zwei Strategien miteinander verglichen: zum einen die direkte Fahrt in eine zertifizierte \u201eStroke Unit\u201c, zum anderen ein sogenanntes Hub-and-Spoke-Modell. Eine \u201eStroke Unit\u201c ist eine spezialisierte Akutstation zur umfassenden Diagnose und Behandlung von Schlaganfallpatienten. In Deutschland gibt es 349 diese zertifizierten Einrichtungen. Bei dem Hub-and-Spoke-Modell, das der direkten Fahrt in eine \u201eStroke Unit\u201c gegen\u00fcbergestellt wurde, w\u00fcrden die Patientinnen und Patienten zun\u00e4chst in das n\u00e4chstgelegen Krankenhaus gebracht werden, das \u00fcber eine Computertomografie (CT) zur Diagnose verf\u00fcgt. Dort k\u00f6nnte unmittelbar eine bildgebende Untersuchung stattfinden. Die Entscheidung zur Lysetherapie k\u00f6nnte per Telemedizin gemeinsam mit einer spezialisierten \u201eStroke Unit\u201c getroffen werden und dann vor Ort im zuerst angefahrenen Krankenhaus erfolgen. Bei Bedarf k\u00f6nnte eine Weiterverlegung in ein spezialisiertes Zentrum, etwa f\u00fcr eine Thrombektomie, erfolgen. Die Idee: CT-Ger\u00e4te sind in Deutschland deutlich breiter verf\u00fcgbar als zertifizierte \u201eStroke Units\u201c. Diese vorhandene Infrastruktur k\u00f6nnte genutzt werden, um Diagnostik und Therapiebeginn zu beschleunigen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Analyse wurden bundesweit Krankenh\u00e4user mit CT, \u201estroke-ready\u201c-Krankenh\u00e4user mit hoher Schlaganfall-Expertise sowie zertifizierte Stroke Units erfasst. Mit Hilfe einer geographischen Modellierung wurden Fahrzeiten von 5 bis 60 Minuten berechnet und mit Bev\u00f6lkerungs- und Siedlungsdaten \u00fcberlagert. Zus\u00e4tzlich wurden verschiedene Szenarien simuliert, etwa unterschiedliche Rettungswagen-Geschwindigkeiten oder zus\u00e4tzliche Verz\u00f6gerungen im erstangefahrenen Krankenhaus, die im Hub-and-Spoke-Modell auftreten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse zeigen eine klare Staffelung der Erreichbarkeit. Innerhalb von 30 Minuten k\u00f6nnen nahezu alle Menschen in Deutschland ein CT-ausgestattetes Krankenhaus erreichen (98,9 Prozent). Ein \u201estroke-ready\u201c-Krankenhaus liegt f\u00fcr 90,0 Prozent innerhalb dieser Zeit. Eine zertifizierte \u201eStroke Unit\u201c ist hingegen nur f\u00fcr 85,0 Prozent innerhalb von 30 Minuten erreichbar.<\/p>\n<p>Hier offenbaren sich relevante Versorgungsl\u00fccken. Genau an dieser Stelle kann das Hub-and-Spoke-Modell Vorteile bringen: Im Vergleich zur direkten Fahrt in eine \u201eStroke Unit\u201c k\u00f6nnten 36,4 Prozent der Bev\u00f6lkerung die Bildgebung mindestens 10 Minuten fr\u00fcher starten; f\u00fcr 14,2 Prozent erg\u00e4be sich sogar ein Zeitgewinn von mindestens 20 Minuten. Je nach Annahmen zu Fahrgeschwindigkeit und innerklinischen Verz\u00f6gerungen schwankten diese Werte allerdings deutlich. Besonders wichtig: Der potenzielle Nutzen nahm ab, wenn im erstangefahrenen Krankenhaus zus\u00e4tzliche CT-Verz\u00f6gerungen simuliert wurden.<\/p>\n<p>Die Analyse zeigte zudem, dass die m\u00f6glichen Zeitgewinne vor allem in l\u00e4ndlichen Regionen liegen, in denen Wege zu spezialisierten \u201eStroke Units\u201c l\u00e4nger sind. Zwischen den Bundesl\u00e4ndern bestanden erhebliche Unterschiede: In Sachsen-Anhalt k\u00f6nnten unter Standardannahmen fast die H\u00e4lfte der Einwohnerinnen und Einwohner vom Hub-and-Spoke-Modell profitieren, w\u00e4hrend der Vorteil in Hamburg, Bremen oder Berlin unter f\u00fcnf Prozent lag. Insgesamt unterstreichen die Daten, dass auch innerhalb eines hochentwickelten Gesundheitssystems wie Deutschlands deutlich messbare Ungleichheiten in der schnellen Schlaganfallversorgung bestehen.<\/p>\n<p>\u201eDie Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine konsequente Nutzung CT-ausgestatteter Krankenh\u00e4user in Kombination mit Telemedizin helfen k\u00f6nnte, Diagnostik und Lysetherapie schneller verf\u00fcgbar zu machen und damit die Versorgungsl\u00fccke insbesondere im l\u00e4ndlichen Raum zu verkleinern\u201c, erl\u00e4utert Prof. Gliem. Er betont allerdings auch, dass praktische Fragen noch offenbleiben: Welche Abl\u00e4ufe und Qualit\u00e4tsstandards sind n\u00f6tig, um Verz\u00f6gerungen im ersten Krankenhaus zu minimieren? Wie lassen sich Transportlogistik, Personalressourcen und Zust\u00e4ndigkeiten organisieren? Und wie sieht die Kosten-Nutzen-Bilanz im Vergleich zu anderen Ans\u00e4tzen wie mobilen \u201eStroke Units\u201c aus?<\/p>\n<p>\u201eUm genaue Vergleiche vor Ort treffen zu k\u00f6nnen haben wir die Ergebnisse daf\u00fcr auch f\u00fcr Landkreise und Bundesl\u00e4nder berechnet und als interaktive Webapp veranschaulicht \u2013 so k\u00f6nnen sich Fachpersonal aber auch Laien ein Bild von der Lage in der eigenen Umgebung machen.\u201c, weist Dr. Lars Masanneck, Erstautor der Studie und Co-Leiter der Arbeitsgruppe \u201eDigitale Translation in der Neurologie\u201c am UKD hin.\u00a0<\/p>\n<p>Die Studie liefert erstmals eine umfassende deutschlandweite Modellierung der Fahrzeit-basierten Erreichbarkeit verschiedener Schlaganfallstrukturen und quantifiziert, wo ein telemedizinisch gest\u00fctztes Hub-and-Spoke-Konzept den gr\u00f6\u00dften Zeitgewinn bringen k\u00f6nnte. Damit schafft sie eine wichtige Grundlage, um Versorgungsstrategien gezielt dort weiterzuentwickeln, wo der Nutzen f\u00fcr Patientinnen und Patienten am gr\u00f6\u00dften w\u00e4re.<\/p>\n<p>Originalpublikation<\/p>\n<p>Direct stroke unit access versus a hub-and-spoke model with telemedicine-assisted CT in Germany a corss-sectional geospatial analysis<\/p>\n<p>L. Masanneck, M. Vach, J. Caspers, C. Rubbert, D. von der Lieth, S. G. Meuth, M. Pawlitzki, M. Gliem. The Lancet Regional Health 2026.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S2666776226000165\" target=\"Vollpublikation\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Zur Publikation.<\/a><\/p>\n<p>DOI: doi.org\/10.1016\/j.lanepe.2026.101604<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/masannecklab.github.io\/GeoStroke-Visualizer\/\" target=\"Webanwendung\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Zur Webanwendung.<\/a><\/p>\n<p>\n\t\t\t\t\t\t\t Kategorie\/n:<\/p>\n<p>\tMedizin, Medizinische Fakult\u00e4t, Schlagzeilen, Pressemeldungen, Forschung News<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bei einem Schlaganfall ist die schnellstm\u00f6gliche Versorgung entscheidend f\u00fcr den Therapieerfolg. 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