{"id":805258,"date":"2026-02-17T19:15:13","date_gmt":"2026-02-17T19:15:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/805258\/"},"modified":"2026-02-17T19:15:13","modified_gmt":"2026-02-17T19:15:13","slug":"wiesbaden-in-biebrich-komponiert-richard-wagner-die-meistersinger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/805258\/","title":{"rendered":"Wiesbaden: In Biebrich komponiert Richard Wagner die &#8222;Meistersinger&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Was macht man, wenn man kein Geld hat, aber immerhin einen Kompositionsauftrag und einen Verleger, der bereit ist, Vorsch\u00fcsse zu zahlen? Man l\u00e4sst sich in seiner N\u00e4he nieder, damit das Geld keine langen Wege nehmen muss. So macht es Anfang 1862 Richard Wagner. Seinem Verleger Schott in Mainz gef\u00e4llt die Idee zu den \u201eMeistersingern von N\u00fcrnberg\u201c, Wagner zieht zum Komponieren auf die andere Rheinseite nach Biebrich.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Kurb\u00e4der wie Wiesbaden hatte er, bei aller Verachtung f\u00fcr die mond\u00e4ne Welt, auf deren Unterst\u00fctzung er baute, schon immer gemocht, zum Beispiel Marienbad, wo er 1845 zum ersten Mal von den Meistersingern geh\u00f6rt hatte, die sich in den freien Reichsst\u00e4dten der fr\u00fchen Neuzeit einer b\u00fcrgerlichen Fortsetzung der Minnes\u00e4ngerdichtung des Hochadels im Mittelalter hingaben.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Noch besser gefiel ihm der Blick auf das Wasser, so wie im Schweizer Exil in Luzern oder beim halb legalen Aufenthalt im \u00f6sterreichischen Venedig. Biebrich, klein und damals als Gemeinde noch selbst\u00e4ndig, aber immerhin mit einem Park versehen, kam ihm da vermutlich gerade recht. Beim Spaziergang stie\u00df er etwa auf den Herzog von Nassau, \u00fcber dessen Faible f\u00fcr die italienische Oper er sich lustig machen konnte.<\/p>\n<p>Beinahe h\u00e4tte Wagners Festspielhaus in Wiesbaden gestanden<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Zudem liegt Biebrich am Ufer des Rheins, der ihm mitsamt Legenden und Epen schon seit geraumer Zeit durch das Komponistengem\u00fct wallte. \u201eDer Ring des Nibelungen\u201c lag als Text vollendet vor, von \u201eRheingold\u201c bis \u201eG\u00f6tterd\u00e4mmerung\u201c, die Musik war mitten im \u201eSiegfried\u201c stecken geblieben.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Schon 1851 hatte er einem Freund einen weiteren Fluss-Traum gestanden: \u201eAm Rheine schlage ich dann ein Theater auf und lade zu einem gro\u00dfen dramatischen Feste ein. Nach einem Jahre Vorbereitung f\u00fchre ich dann im Laufe von vier Tagen mein ganzes Werk auf.\u201c Im stillen Biebrich kommt er auf diesen Plan zur\u00fcck, sieht sein Festspielhaus, das er sp\u00e4ter in Bayreuth errichtet, schon auf der Adolfsh\u00f6he zwischen Wiesbaden und Rhein entstehen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Abgeschiedenheit hatte f\u00fcr ihn einen weiteren Vorteil. Wagner, der einstige Revolution\u00e4r, der zum ersten Mal seit 1848 auf das Gebiet des Deutschen Bundes zur\u00fcckkehren darf, taucht seine Zehen zun\u00e4chst lieber abseits der Gro\u00dfm\u00e4chte in den Strom von Geschichte und Zeitgeist.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In einer Villa am Rheinufer bezieht er zwei Zimmer. Es ist Februar, nicht die beste Zeit des Jahres, selbst im milden Rheingau. Aber Wagner lebt auf, versenkt sich in seinen Stoff und komponiert an der Rheingaustra\u00dfe 137 die Ouvert\u00fcre der \u201eMeistersinger\u201c.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Er bleibt bis November. Macht Ausfl\u00fcge in den Taunus und nach Frankfurt, besucht Theater und Spielbank, besichtigt die Musikinstrumentenmanufaktur Heckel und streitet sich mit Schott, dem er die versprochenen \u201eMeistersinger\u201c trotz aller Vorsch\u00fcsse nicht liefert.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der Versuch, den seit 1859 fertigen \u201eTristan\u201c mit vielen Proben in Wien auf die B\u00fchne zu bringen, besch\u00e4ftigt ihn auch in Biebrich. Erst 1865 klappt es mit der Urauff\u00fchrung in M\u00fcnchen, wo drei Jahre nach dem Drama von Sehnsucht und Vergehen auch die \u201eMeistersinger\u201c erstmals gegeben werden, die vor den Mauern N\u00fcrnbergs im Jubel enden. Die Kom\u00f6die nach dem Tristanakkord, in Biebrich begonnen, ist der beste Beweis daf\u00fcr, dass sogar der winterliche Februar auf die Festwiese f\u00fchren kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Was macht man, wenn man kein Geld hat, aber immerhin einen Kompositionsauftrag und einen Verleger, der bereit ist,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":805259,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1847],"tags":[3364,29,548,663,3934,30,13,2052,14,15,12,4544],"class_list":["post-805258","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-wiesbaden","tag-de","tag-deutschland","tag-eu","tag-europa","tag-europe","tag-germany","tag-headlines","tag-hessen","tag-nachrichten","tag-news","tag-schlagzeilen","tag-wiesbaden"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116087575325897701","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/805258","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=805258"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/805258\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/805259"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=805258"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=805258"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=805258"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}