{"id":805301,"date":"2026-02-17T19:38:17","date_gmt":"2026-02-17T19:38:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/805301\/"},"modified":"2026-02-17T19:38:17","modified_gmt":"2026-02-17T19:38:17","slug":"ende-deutscher-hilfe-raus-aus-kabuls-schutzhaeusern-und-dann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/805301\/","title":{"rendered":"Ende deutscher Hilfe: Raus aus Kabuls Schutzh\u00e4usern &#8211; und dann?"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/taliban-checkpoint-kabul-100.jpg\" alt=\"Ein bewaffneter Mann steht w\u00e4hrend Schneefalls an einem Kontrollpunkt Wache.\" title=\"Ein bewaffneter Mann steht w\u00e4hrend Schneefalls an einem Kontrollpunkt Wache. | AFP\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 17.02.2026 20:23 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>In Pakistan und in Afghanistan endet in diesen Tagen die Unterst\u00fctzung afghanischer Familien durch Deutschland. Hunderte Menschen m\u00fcssen ihre G\u00e4ste- und Schutzh\u00e4user verlassen &#8211; und f\u00fcrchten sich vor den Taliban. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/peter-hornung-105.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Peter Hornung, NDR\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/peter-hornung-103.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Tut uns leid, dass wir keine besseren Nachrichten f\u00fcr Sie haben.&#8220; So endete die E-Mail, die Zarmina (Name ge\u00e4ndert) aus Deutschland bekam. Absender ist die Gesellschaft f\u00fcr internationale Zusammenarbeit, GIZ, die im Auftrag der Bundesregierung bislang Menschen wie sie betreute.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die schlechte Nachricht war: An diesem Donnerstag, also in zwei Tagen, endet die Betreuung durch die Deutschen. Zarmina muss mit ihrer Tochter und ihrem Sohn in Afghanistans Hauptstadt Kabul auf die Stra\u00dfe: &#8222;Ich bin dann ohne Begleitung, ohne Unterst\u00fctzung und ohne sicheren Zufluchtsort.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Derzeit vermietet kein Hotel oder G\u00e4stehaus an alleinstehende Frauen. Sie hat Angst, verhaftet zu werden, und dass man ihr die Kinder wegnimmt. &#8222;Die Taliban schrecken vor nichts zur\u00fcck&#8220;, sagt sie.<\/p>\n<p>    Flucht nach Schutzzusage<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es ist eine Horrorvorstellung f\u00fcr Zarmina, die in den vergangenen Jahren viel durchgemacht hat. Die Frau Anfang 30 war mit ihren Kindern aus Afghanistan nach Pakistan geflohen, mit einer Aufnahmezusage der Bundesregierung im Gep\u00e4ck &#8211; als jemand, die sich in ihrem Heimatland f\u00fcr Menschenrechte eingesetzt hatte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch in Pakistan wurde sie vergangenen Sommer verhaftet, die pakistanische Regierung wollte alle Afghanen loswerden. Bei der Festnahme seien sie wie Schwerverbrecher behandelt worden, sagt sie.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sie und ihre beiden Kinder seien dann ins zentrale Abschiebelager der pakistanischen Hauptstadt Islamabad gebracht worden. &#8222;Dort mussten wir zwei N\u00e4chte lang auf dem nackten Boden verbingen, ohne Wasser und Essen. Meine Kinder, ich und alle, die da waren, gerade die Frauen, wurden beleidigt, gedem\u00fctigt und geschlagen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sie seien schlie\u00dflich in Polizeifahrzeugen zur Grenze nach Afghanistan transportiert worden. Es sei eine furchtbare Erfahrung gewesen, &#8222;v\u00f6llig ohne Menschlichkeit und W\u00fcrde&#8220;, so Zarmina mit stockender Stimme. &#8222;Meine Kinder und ich werden diese Tage nie vergessen &#8211; es waren die dunkelsten Tage unseres Lebens, sie sind f\u00fcr uns zu einem Albtraum geworden.&#8220;<\/p>\n<p>    Das Innenministerium unterscheidet<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In Kabul wurden sie in einem einfachen G\u00e4stehaus untergebracht, das von der Bundesregierung bezahlt wurde. Im vergangenen November dann der n\u00e4chste Schock: Bundesinnenminister Alexander Dobrindt lie\u00df die Aufnahmezusagen von Zarmina und Hunderten anderen Afghaninnen und Afghanen aufheben. Sie alle waren auf der <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/afghanistan-aufnahme-innenministerium-100.html\" title=\"Dobrindt bekennt sich zur Aufnahme von Ortskr\u00e4ften aus Afghanistan\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Menschenrechtsliste und im sogenannten \u00dcberbr\u00fcckungsprogramm<\/a>.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Diese Art von Aufnahmezusagen sei nicht rechtsverbindlich, hie\u00df es damals, im Gegensatz zu den Zusagen aus dem Bundesaufnahmeprogramm und dem Ortskr\u00e4fteverfahren.<\/p>\n<p>Schutzprogramme f\u00fcr Afghanen<\/p>\n<p>        Die Bundesregierung hat schon 2013 unter Bundeskanzlerin Angela Merkel begonnen, mehrere Schutzprogramme f\u00fcr Menschen aus Afghanistan aufzulegen, um ihnen in Deutschland Schutz zu gew\u00e4hren. Unterschieden wird dabei zwischen:<\/p>\n<p><strong>Ortskr\u00e4fteprogramm:<\/strong> Soll die Aufnahme von fr\u00fcheren afghanischen Mitarbeitern deutscher Beh\u00f6rden, Organisationen oder Institutionen erm\u00f6glichen, vor allem der Bundeswehr, aber auch einzelner Ministerien oder der GIZ.<\/p>\n<p><strong>Menschenrechtsliste: <\/strong>Sollte besonders gef\u00e4hrdeten Afghaninnen und Afghanen aus den Bereichen Menschenrechte, Zivilgesellschaft, Kultur, Medien, Wissenschaft und Justiz die Aufnahme in Deutschland erm\u00f6glichen. Dieses Programm wurde 2021 geschlossen.<\/p>\n<p><strong>\u00dcberbr\u00fcckungsprogramm: <\/strong>Wurde im Mai 2022 beschlossen, um weitere gef\u00e4hrdete Personen im Rahmen einer Liste aufzunehmen, bis ein Bundesaufnahmeprogramm eingerichtet werden konnte.<\/p>\n<p><strong>Bundesaufnahmeprogramm:<\/strong> Startete Ende 2022, um wieder unabh\u00e4ngig vom Ortskr\u00e4fteprogramm gef\u00e4hrdeten Afghaninnen und Afghanen die Aufnahme in Deutschland zu erm\u00f6glichen. Geplant war ein Kontingent von ca. 1.000 Personen pro Monat.\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Betroffen waren von der Aufhebung zumeist Mitglieder der afghanischen Zivilgesellschaft: Frauenrechtlerinnen wie Zarmina, Journalisten, Juristinnen und hohe Beamte, zusammen mit ihren Familien. Ein Teil dieser Gruppe ist noch in Pakistan. Ihnen droht nun die Abschiebung nach Afghanistan.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein anderer Teil ist bereits abgeschoben worden. Sie alle gelten als gef\u00e4hrdet in dem von den islamistischen Taliban beherrschten Land.<\/p>\n<p>    R\u00fcckfl\u00fcge angeboten<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch nach der Aufhebung der Zusagen hatte die Bundesregierung vorerst die Unterbringung gezahlt und immer wieder verl\u00e4ngert, auf freiwilliger Basis, wie eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums in einer Antwort an die ARD gestern erneut betonte. Gleichzeitig jedoch war immer wieder angek\u00fcndigt worden, dass die Unterst\u00fctzung &#8222;perspektivisch&#8220; enden werde.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Den Familien, die derzeit noch in Pakistan sind, bot man an, sie auf Kosten der Bundesregierung zur\u00fcck nach Afghanistan fliegen zu lassen; ein Angebot, das jedoch vielfach abgelehnt wurde.<\/p>\n<p>    Letzte Hoffnung Rechtsweg<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zarmina jedenfalls sagt, sie habe sich nie vorstellen k\u00f6nnen, dass die Bundesregierung nach zweieinhalb Jahren ihren Schutz aufhebt: &#8222;Ich bin zutiefst entt\u00e4uscht.&#8220; Unterst\u00fctzt von der Initiative Kabul Luftbr\u00fccke hat sie inzwischen vor einem deutschen Gericht geklagt; bislang ohne Erfolg.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sie will nun in die n\u00e4chste Instanz gehen. Daf\u00fcr aber brauche die junge Afghanin ein Mindestma\u00df an Sicherheit, sagt Eva Beyer von Kabul Luftbr\u00fccke:<\/p>\n<blockquote class=\"zitat\">\n<p>\n                    Die Bundesregierung muss nun zumindest garantieren, dass die Menschen ihre Verfahren abschlie\u00dfen k\u00f6nnen. Es muss ein gewisses Mindestma\u00df an Rechtssicherheit gew\u00e4hrleistet werden. Und das geht nur, wenn die Menschen eben bis zum Abschluss ihrer Verfahren sicher untergebracht sind und vor Abschiebungen und vor weiteren \u00dcbergriffen der Taliban gesch\u00fctzt sind.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>    &#8222;Doktoren&#8220; verbreiten Angst und Schrecken<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zarmina und ihre Kinder nun praktisch auf die Stra\u00dfe zu setzen, sei unmenschlich, sagt Beyer: &#8222;Wir wissen, dass sich die Situation f\u00fcr Frauen in Afghanistan \u00fcber die letzten Jahre konstant verschlechtert hat. Trotzdem hat unsere Regierung anscheinend keinerlei Skrupel, einer alleinstehenden Frau mit zwei Kindern die Aufnahmezusage zu entziehen und sie an die Taliban auszuliefern.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die junge Afghanin hat Angst vor dem, was passieren k\u00f6nnte. Die Stra\u00dfen Kabuls sind gerade voll mit Geheimpolizei und vor allem Sittenpolizisten, die mit Kalaschnikoffs und in wei\u00dfen Kitteln patrouillieren. Man nennt sie deshalb die &#8222;Doktoren&#8220;, sie sind vom gef\u00fcrchteten Tugendministerium. Zarmina sagt:<\/p>\n<blockquote class=\"zitat\">\n<p>\n                    Sie kontrollieren, ob eine Frau allein ist, also nicht, wie vorgeschrieben, mit m\u00e4nnlicher Begleitung. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass sie mich und meine beiden Kinder deshalb verhaften werden. Ich will mir nicht ausmalen, was sie mir antun k\u00f6nnten.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch auch im Moment gr\u00f6\u00dfter Angst hat Zarmina ihren Traum von Deutschland noch nicht aufgegeben, selbst wenn er l\u00e4ngst in weiter Ferne scheint. &#8222;Mein gr\u00f6\u00dfter Traum ist es, in Frieden, Sicherheit und W\u00fcrde zu leben und zu sehen, wie meine Kinder aufbl\u00fchen und zu stolzen, erfolgreichen Menschen heranwachsen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 17.02.2026 20:23 Uhr In Pakistan und in Afghanistan endet in diesen Tagen die Unterst\u00fctzung afghanischer Familien durch&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":805302,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[2],"tags":[7451,331,3924,332,3922,3364,29,30,13,14,3923,15,3921,96403,12,15451],"class_list":["post-805301","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-deutschland","tag-afghanistan","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-nachrichten-aus-deutschland","tag-aktuelle-news","tag-aktuelle-news-aus-deutschland","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-headlines","tag-nachrichten","tag-nachrichten-aus-deutschland","tag-news","tag-news-aus-deutschland","tag-ortskraefte","tag-schlagzeilen","tag-taliban"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116087666033850232","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/805301","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=805301"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/805301\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/805302"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=805301"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=805301"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=805301"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}