{"id":805542,"date":"2026-02-17T22:23:15","date_gmt":"2026-02-17T22:23:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/805542\/"},"modified":"2026-02-17T22:23:15","modified_gmt":"2026-02-17T22:23:15","slug":"frankreich-diskutiert-ueber-politische-gewalt-nach-tod-eines-rechtsextremisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/805542\/","title":{"rendered":"Frankreich diskutiert \u00fcber politische Gewalt nach Tod eines Rechtsextremisten"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/frankreich-nemesis-100.jpg\" alt=\"Mitglieder des neurechten, indentit\u00e4ren B\u00fcndnisses N\u00e9mesis in Paris.\" title=\"Mitglieder des neurechten, indentit\u00e4ren B\u00fcndnisses N\u00e9mesis in Paris. | AFP\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 17.02.2026 21:08 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Der Tod eines Rechtsextremisten sorgt in Frankreich f\u00fcr heftige Debatten. Der 23-J\u00e4hrige wurde mutma\u00dflich bei einer Schl\u00e4gerei mit Linksautonomen so sehr verletzt, dass er starb. In der Politik werden nun schwere Vorw\u00fcrfe laut. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/carolin-dylla-105.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Carolin Dylla\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/carolin-dylla-101.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Tagelang haben die Beh\u00f6rden Videomaterial ausgewertet und Zeugen befragt &#8211; mittlerweile sind neun Tatverd\u00e4chtige festgenommen worden. Das hat der leitende Staatsanwalt Thierry Dran best\u00e4tigt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Unter ihnen ist offenbar auch ein parlamentarischer Assistent von Rapha\u00ebl Arnault, der f\u00fcr die linksradikale Partei &#8222;La France Insoumise&#8220;, kurz LFI, in der Nationalversammlung sitzt. Das berichten mehrere franz\u00f6sische Medien und berufen sich dabei auf Ermittlerkreise.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zum genauen Ablauf der Ereignisse, die zum Tod des 23-j\u00e4hrigen Studenten Quentin Deranque gef\u00fchrt haben, gibt es aber weiter keine Details. Laut Staatsanwalt Thierry Dran hatten mindestens sechs Personen auf Quentin Deranque eingepr\u00fcgelt &#8211; und ihn so schwer verletzt, dass er wenige Tage sp\u00e4ter im Krankenhaus starb.<\/p>\n<p>    Links- und Rechtsradikale treffen aufeinander<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die t\u00f6dliche Gewalt in Lyon ereignete sich am Rande einer Konferenz von Rima Hassan, einer propal\u00e4stinensischen Aktivistin und Europa-Abgeordneten der linksradikalen Partei La France Insoumise (LFI). Mitglieder der neurechten Bewegung N\u00e9m\u00e9sis hatten gegen die Konferenz demonstriert.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">N\u00e9m\u00e9sis bezeichnet sich als feministisches und identit\u00e4res Kollektiv, das besonders auf &#8222;die gef\u00e4hrlichen Auswirkungen der Masseneinwanderung auf westliche Frauen&#8220; aufmerksam machen will, wie N\u00e9m\u00e9sis auf seiner Website schreibt.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Die Abgeordneten der franz\u00f6sischen Nationalversammlung erheben sich f\u00fcr eine Schweigeminute f\u00fcr den get\u00f6teten rechtsextremen Aktivisten Deranque.\n                    <\/p>\n<p>    Viele Fragen zum Tathergang offen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr den Protest gegen die Konferenz von Rima Hassan hatte N\u00e9m\u00e9sis einen &#8222;Sicherheitsdienst&#8220; aus Bekannten angeheuert, zu dem auch Quentin Deranque geh\u00f6rt haben soll.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dieser eigens rekrutierte &#8222;Sicherheitsdienst&#8220; habe sich aus ersten Querelen rausgehalten, betont Staatsanwalt Dran: &#8222;Trotzdem wurden die Mitglieder sp\u00e4ter von etwa 20 maskierten und vermummten Personen angegriffen. Viele konnten fliehen, drei blieben zur\u00fcck. Diese drei, darunter Quentin Deranque &#8211; wurden zu Boden geworfen und wiederholt von mehreren Personen geschlagen. In Deranques Fall von mindestens sechs.&#8220;<\/p>\n<p>    Kampf um die Deutungshoheit<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Laut Staatsanwaltschaft erlitt der 23-J\u00e4hrige schwerste Kopfverletzungen. Er starb wenige Tage sp\u00e4ter im Krankenhaus. Nach Informationen franz\u00f6sischer Medien, die sich auch auf Polizeikreise berufen, war Quentin Deranque Mitglied in verschiedenen rechtsextremen und neofaschistischen Gruppierungen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nach seinem Tod tobt in Frankreich die Auseinandersetzung um die politische Deutungshoheit. Lange vor der Staatsanwaltschaft hatte Innenminister Laurent Nu\u00f1ez seine Lesart der Ereignisse \u00f6ffentlich geteilt. Es sei offensichtlich das Werk der Ultralinken, sagte Nu\u00f1ez w\u00f6rtlich.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die franz\u00f6sische Regierung sieht die Verantwortung f\u00fcr Deranques Tod bei der &#8222;Jeune Garde Antifasciste&#8220; \u2013 einer militant linken Organisation, die 2018 von einem heutigen Parlamentsabgeordneten der linksradikalen Partei LFI gegr\u00fcndet wurde. Vergangenen Sommer wurde die &#8222;Jeune Garde&#8220; per Regierungsdekret aufgel\u00f6st. Die Organisation hat dagegen Beschwerde eingelegt, das Verbot ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Frankreichs Innenminister Laurent Nu\u00f1ez zieht eine klare Verbindung zwischen linken Aktivisten und der Parlamentspartei LFI.\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Regierungsvertreter &#8211; wie Innenminister Laurent Nu\u00f1ez hatten bereits am Wochenende auf Verbindungen zwischen der &#8222;Jeune Garde&#8220; und La France Insoumise hingewiesen \u2013 und LFI f\u00fcr den Tod des Studenten mitverantwortlich gemacht.<\/p>\n<blockquote class=\"zitat\">\n<p>                    Die Verbindung zwischen der Jeune Garde und LFI ist eng, das darf man nicht abstreiten! Erst vor wenigen Tagen hat die Partei ein Kommuniqu\u00e9 ver\u00f6ffentlicht, in dem sie mich und die Regierung dazu auffordern, das Verbot der Jeune Garde zu stoppen &#8211; eine Entscheidung, die nun beim h\u00f6chsten Verwaltungsgericht liegt.<\/p>\n<p>Laurent Nu\u00f1ez, Innenminister Frankreich<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>    Innenpolitischer Streit<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nu\u00f1ez und weitere Mitglieder der franz\u00f6sischen Regierung leiten daraus eine politische Mitverantwortung der Partei LFI an Deranques Tod ab; sie implizieren diese Verantwortung zumindest.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Der linke Parlamentsabgeordnete Eric Coquerel spricht von politischer Vereinnahmung der Regierung.\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der LFI-Abgeordnete \u00c9ric Coquerel weist diese Vorw\u00fcrfe entschieden zur\u00fcck: &#8222;Wir haben nichts mit dem zu tun, was passiert ist. Die Versuche einer politischen Vereinnahmung &#8211; die bis in die Regierung reichen &#8211; finde ich unw\u00fcrdig. All das soll uns schw\u00e4chen. Wer das tut, wer eine Trag\u00f6die &#8211; denn so nenne ich, was passiert ist &#8211; benutzt: der geht ein gro\u00dfes demokratisches Risiko ein. Das ist nicht akzeptabel.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Manuel Bompard, der Koordinator von La France Insoumise, hat diese Vorw\u00fcrfe als so w\u00f6rtlich \u201eerlogen\u201c zur\u00fcckgewiesen: es gebe keine Verbindungen zwischen der Gruppe und der Partei. LFI trage keine politische Verantwortung, so Bompard im Sender BFM.<\/p>\n<p>    Kommunalwahlen stehen an<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Eines steht fest &#8211; auch wenn unklar ist, was genau am vergangenen Donnerstag in Lyon passiert ist: Der Tod des rechtsextremen Studenten Quentin Deranque hat in Frankreich f\u00fcr Entsetzen gesorgt \u2013 und befeuert einen Monat vor den Kommunalwahlen die politische Polarisierung des Landes.<\/p>\n<p>Parteien und Parteienb\u00fcndnisse in Frankreich<\/p>\n<p>        Die neugegr\u00fcndete Partei &#8222;La R\u00e9publique en Marche!&#8220; von Emmanuel Macron gewann bei den Parlamentswahlen 2017 die absolute\u00a0Mehrheit. 2022 verteidigte die En-Marche-Bewegung ihre politische Vormachtstellung. <\/p>\n<p>2024 landete Macrons Partei nur auf dem zweiten Platz. Seitdem ist das Regieren und die Mehrheitsfindung im Parlament schwieriger geworden: Im linken, gem\u00e4\u00dfigten Spektrum ist die Parti Socialiste (PS), die sozialistische Partei zu Hause. Deutlich weiter au\u00dfen steht die &#8211; in Teilen linksradikale &#8211; &#8222;La France insoumise&#8220; (LFI), die als linkspopulistische\u00a0und\u00a0EU-skeptische\u00a0Partei im Jahr 2016 vom ehemaligen Pr\u00e4sidentschaftskandidaten Jean-Luc M\u00e9lenchon gegr\u00fcndet wurde. <\/p>\n<p>Als lose Sammeliste linker Kandidaten ohne Parteizugeh\u00f6rigkeit z\u00e4hlt das B\u00fcndnis &#8222;Divers Gauche&#8220; (DVG). Auch die Kommunisten, die Parti communiste fran\u00e7ais (PCF), und die gr\u00fcn-alternativen &#8222;Les \u00c9cologistes&#8220; treten &#8211; wenn auch mit m\u00e4\u00dfigem Erfolg &#8211; zu Wahlen an. Im Jahr 2024 traten viele dieser Parteien zur Parlamentswahl als\u00a0&#8222;Nouveau Front populaire&#8220;\u00a0(NFP) in einem\u00a0linken Wahlb\u00fcndnis an und gingen \u00fcberraschend aus dem zweiten Wahlgang als Wahlsieger hervor. Die neuen Abgeordneten bildeten aber wegen Meinungsverschiedenheiten keine gemeinsame Fraktion in der\u00a0Nationalversammlung. <\/p>\n<p>In der Mitte k\u00e4mpft das zentristische &#8222;Mouvement d\u00e9mocrate&#8220; (MoDem) um Stimmen. Ebenso die &#8222;Union des d\u00e9mocrates et ind\u00e9pendants&#8220; (UDI), die Union der Unabh\u00e4ngigen. Im politischen Spektrum rechts der Mitte hoffen &#8222;Les R\u00e9publicains&#8220; (LR) an einstige Wahlerfolge anzukn\u00fcpfen, die sie als UMP mit den Pr\u00e4sidenten Jacques Chirac und Nicolas Sarkozy erzielen konnten. <\/p>\n<p>Im ganz rechten Lager steht das &#8222;Rassemblement National&#8220;, fr\u00fcher &#8222;Front National&#8220; (FN) von Jordan Bardella, der die rechtskr\u00e4ftig verurteilte, einstige Frontfrau Marie Le Pen, als Parteichef beerbt hat und sich nun Hoffnungen macht, bei der Pr\u00e4sidentschaftswahl 2027 als Kandidat anzutreten. Dazu kommen diverse kleinere Parteien, Listen und regionale B\u00fcndnisse.\n    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 17.02.2026 21:08 Uhr Der Tod eines Rechtsextremisten sorgt in Frankreich f\u00fcr heftige Debatten. 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