{"id":805595,"date":"2026-02-17T23:05:14","date_gmt":"2026-02-17T23:05:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/805595\/"},"modified":"2026-02-17T23:05:14","modified_gmt":"2026-02-17T23:05:14","slug":"digital-bezahlen-europa-will-von-usa-unabhaengig-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/805595\/","title":{"rendered":"Digital bezahlen: Europa will von USA unabh\u00e4ngig werden"},"content":{"rendered":"<p>In London treffen einander die Chefs mehrerer gro\u00dfer Banken \u2013 von Barclays \u00fcber Santander UK bis zu Lloyds \u2013, um \u00fcber die Einf\u00fchrung einer gemeinsamen digitalen Bezahlplattform zu verhandeln, wie die britische Tageszeitung \u201eGuardian\u201c am Dienstag berichtete. Die Initiative werde von der Regierung unterst\u00fctzt, auch die Zentralbank, die Bank of England, hat das bereits grunds\u00e4tzlich begr\u00fc\u00dft.<\/p>\n<p>Anders als auf dem Kontinent sind in London auch die beiden US-Riesen Visa und Mastercard Teil des Konsortiums und haben damit die M\u00f6glichkeit, die Richtung mitzubestimmen. Das System hat laut \u201eGuardian\u201c derzeit den Namen DeliveryCo und soll 2030 einsatzbereit sein.<\/p>\n<p>Alternative Wero<\/p>\n<p>Wero ist ein Kofferwort, zusammengesetzt aus \u201ewe\u201c (wir) und Euro. Im Herbst hatte Wero nach eigenen Angaben 46 Millionen User. Heimischen Privatkunden steht Wero bisher nicht zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Wero soll Klarna und Visa Konkurrenz machen<\/p>\n<p>Da ist man in der EU grunds\u00e4tzlich schon um einiges weiter. Hier startete ein Bankenkonsortium, die European Payments Iniative (EPI), im Sommer 2024 das Digitalbezahlsystem Wero. Bisher ist es in Deutschland, Belgien und Frankreich benutzbar. Heuer kommen mehrere L\u00e4nder, darunter die Niederlande, Luxemburg und m\u00f6glicherweise \u00d6sterreich, dazu. Die Gesch\u00e4ftskundenbank RBI bietet das System als erste und bisher einzige heimische Bank an.<\/p>\n<p>Mit Wero sind Direkt\u00fcberweisungen von Konto zu Konto m\u00f6glich, ebenso Online\u00fcberweisungen. Die Bezahlung an der Kassa im Gesch\u00e4ft soll heuer oder n\u00e4chstes Jahr dazukommen. Wero soll so PayPal, Klarna, Visa und Mastercard Konkurrenz machen. Es geht auch um wirtschaftliche und politische Unabh\u00e4ngigkeit von den USA: Die Probleme, die der Ausschluss aus den US-Bezahlsystemen nach dem Angriff auf die Ukraine in Russland ausl\u00f6ste, dienen hier als warnendes Beispiel.<\/p>\n<p>Netzwerk an Nutzern und H\u00e4ndlern entscheidend<\/p>\n<p>Zahlungsdienste leben allerdings davon, dass viele Nutzer und H\u00e4ndler mitmachen. Weros Erfolg wird also stark davon abh\u00e4ngen, wie rasch und in wie vielen L\u00e4ndern es ausgerollt und wie gut es angenommen wird. Solch gro\u00dfe Netzwerk haben PayPal, Visa und Mastercard bereits \u2013 und Apple Pay und Google Pay sind auf dem Vormarsch.<\/p>\n<p>Sich gegen Erpressbarkeit immunisieren<\/p>\n<p>Europa will aber nicht nur verhindern, dass die USA die US-Bezahlsysteme als \u00e4hnlichen Hebel wie die Z\u00f6lle von US-Pr\u00e4sident Donald Trump einsetzen k\u00f6nnen. Es geht auch um Unmengen an \u2013 h\u00f6chst privaten \u2013 Daten, die bei US-Konzernen und damit im Ernstfall auch in den USA landen. Was fr\u00fcher angesichts der engen transatlantischen Allianz kaum ein Thema war, wird nun als gro\u00dfes Risiko gesehen. Das gilt umso mehr, als sich die Abh\u00e4ngigkeit praktisch t\u00e4glich versch\u00e4rft, denn immer mehr Menschen zahlen bargeldlos.<\/p>\n<p>Streit zwischen Banken und EZB<\/p>\n<p>Allerdings gibt es diesbez\u00fcglich unterschiedliche Vorstellungen zwischen den Gesch\u00e4ftsbanken einerseits und der Europ\u00e4ischen Zentralbank und den EU-Institutionen andererseits.<\/p>\n<p>Letztere wollen vor allem den digitalen Euro vorantreiben, um so die europ\u00e4ische Souver\u00e4nit\u00e4t im Finanzbereich abzusichern. Auf dem EU-Gipfel im Dezember steckten die Staats- und Regierungsspitzen die Position der Mitgliedsstaaten zu dem Thema ab. Angesichts der j\u00fcngsten Signale aus dem EU-Parlament k\u00f6nnte es noch heuer gr\u00fcnes Licht f\u00fcr die elektronische W\u00e4hrung geben. Sie w\u00e4re in Gesch\u00e4ften, online und von Mensch zu Mensch gratis nutzbar.<\/p>\n<p>Kritische Stimmen warnen, die elektronische W\u00e4hrung w\u00fcrde es Regierungen erm\u00f6glichen, ihre B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zu \u00fcberwachen oder ihnen gar den Geldhahn zuzudrehen. Vorw\u00fcrfe, die die EZB entschieden zur\u00fcckweist.<\/p>\n<p>Lagarde: Kein Zugang zu pers\u00f6nlichen Daten<\/p>\n<p>EZB-Chefin Christine Lagarde versuchte bei ihrem Besuch in Stra\u00dfburg vor eineinhalb Wochen die Sorgen hinsichtlich einer m\u00f6glichen \u00dcberwachung zu zerstreuen. Die Bank \u201eh\u00e4tte keinen Zugang zu pers\u00f6nlichen Daten\u201c, sagte sie. Auch werde der digitale Euro \u201ein keiner Weise Bargeld ersetzen\u201c.<\/p>\n<p>Europ\u00e4ische Banken dagegen f\u00fcrchten nicht nur um ihre eigenen Plattformen wie Wero. Vor allem bef\u00fcrchten sie, dass eine von der EZB verwaltete digitale Bezahll\u00f6sung ihr eigenes Gesch\u00e4ft schwer treffen k\u00f6nnte. Auch die heimischen Banken warnen, noch ohne sich f\u00fcr Wero oder eine andere L\u00f6sung entschieden zu haben. Eva Landrichtinger, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Sparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer, forderte im Dezember ein europaweites \u201eprivatwirtschaftliches Zahlungssystem\u201c statt eines digitalen Euros.<\/p>\n<p>Zu sp\u00e4t vs. zu uneinig<\/p>\n<p>Sollte es heuer politisch gr\u00fcnes Licht geben, k\u00f6nne der digitale Euro 2029 eingef\u00fchrt werden, so die EZB. Das sei zu sp\u00e4t, warnte Anfang Februar die Vorsitzende des Wero-Konsortiums, Martina Weimert.<\/p>\n<p>Umgekehrt warnt die EZB, den europ\u00e4ischen Banken fehle es an Einigkeit und damit der F\u00e4higkeit, ihre Plattform rasch als zentrale Bezahlschnittstelle auf dem europ\u00e4ischen Markt zu etablieren. Letzten Sommer vereinbarte EPI daher eine Kooperation mit ihrem Konkurrenten European Payments Alliance (EuroPA), einem anderen Bankenverbund f\u00fcr Bezahlsysteme.<\/p>\n<p>Gemeinsam will man nun bis n\u00e4chstes Jahr in 13 L\u00e4ndern mit 130 Millionen Menschen operieren, allerdings mit verschiedenen bestehenden Systemen, die aber zusammenarbeiten sollen. Der digitale Euro dagegen soll es laut EZB den Banken erm\u00f6glichen, ihre eigenen Anwendungen darauf aufzubauen.<\/p>\n<p>Welche L\u00f6sung immer sich durchsetzt: Bei einem gro\u00dffl\u00e4chigen Blackout wie Ende April 2025 versagt jede digitale L\u00f6sung. Da bleibt \u201enur\u201c Bargeld als verl\u00e4ssliches Zahlungsmittel. Der EU-Rat beschloss im Dezember, dass in einer EU-Verordnung die Rolle des Euro als Zahlungsmittel und die grunds\u00e4tzliche M\u00f6glichkeit zur Barzahlung garantiert werden m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In London treffen einander die Chefs mehrerer gro\u00dfer Banken \u2013 von Barclays \u00fcber Santander UK bis zu Lloyds&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":805596,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,14,15,12],"class_list":["post-805595","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-eu","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-eu","tag-europa","tag-europaeische-union","tag-europe","tag-european-union","tag-headlines","tag-nachrichten","tag-news","tag-schlagzeilen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116088479685219608","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/805595","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=805595"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/805595\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/805596"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=805595"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=805595"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=805595"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}