{"id":805709,"date":"2026-02-18T00:51:26","date_gmt":"2026-02-18T00:51:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/805709\/"},"modified":"2026-02-18T00:51:26","modified_gmt":"2026-02-18T00:51:26","slug":"amsterdam-auf-der-brechtbuehne-die-augsburger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/805709\/","title":{"rendered":"&#8222;Amsterdam&#8220; auf der Brechtb\u00fchne | Die Augsburger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>  <a href=\"https:\/\/www.daz-augsburg.de\/amsterdam-auf-der-brechtbuehne\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eAmsterdam\u201c auf der Brechtb\u00fchne<\/a><\/p>\n<p><strong>Fremdheit und N\u00e4he, die Rolle des Einzelnen im Schwarm und eine kriminologische Recherche klingen in dem spannenden St\u00fcck von Maya Arad Nasur an, das Regisseurin Simone Geyer in Schwarz und Wei\u00df auf die Brechtb\u00fchne bringt.<\/strong><\/p>\n<p>Von Halrun Reinholz<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"681\" class=\"alignleft size-full wp-image-102773\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns=\" http:=\"\" alt=\"\" data-lazy- data-lazy- data-lazy-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/amsterdam_foto_jan-pieter_fuhr_0319.jpg\"\/><\/p>\n<p>Vier schwarze V\u00f6gel t\u00e4nzeln trotz ihrer Unf\u00f6rmigkeit leichtf\u00fc\u00dfig auf die B\u00fchne, drehen sich im Takt der Musik. Im Hintergrund zeigt ein Video Schw\u00e4rme schwarzer V\u00f6gel. Es sind Stare, erf\u00e4hrt man aus dem Programmheft, und auch, dass sie symbolhaft stehen f\u00fcr die Inszenierung des St\u00fccks \u201eAmsterdam\u201c der israelischen Autorin Maya Arad Nasur. Ein Schwarm aus Staren, erfahren wir, \u00e4ndert seine Richtung ohne Leittier innerhalb von Sekunden, weil sich die V\u00f6gel an ihren unmittelbaren Nachbarn orientieren, daraus entsteht das \u201eParadox des individuellen Kollektivs\u201c, eine vielstimmige \u201eMurmuration\u201c.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"333\" aria-describedby=\"caption-attachment-102772\" class=\"wp-image-102772 size-medium\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns=\" http:=\"\" alt=\"\" data-lazy- data-lazy- data-lazy-src=\"https:\/\/www.die-augsburger-zeitung.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/amsterdam_foto_jan-pieter_fuhr_1501-500x333.jpg\"\/><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-102772\" class=\"wp-caption-text\">Performance im Regen: Mehdi Salim, Sarah Maria Gr\u00fcnig, Katja Sieder, Jannis Roth (Fotos: Jan-Pieter Fuhr)<\/p>\n<p>Auf der Brechtb\u00fchne sch\u00e4len sich die zwei Schau\u00adspie\u00adle\u00adrinnen (Sarah Maria Gr\u00fcnig, Katja Sieder) und zwei Schaus\u00adpieler (Jannis Roth, Mehdi Salim) nach und nach aus den Vogel-H\u00fcllen und stehen alle komp\u00adlett wei\u00df ge\u00adkleidet da. Sie erz\u00e4hlen \u2013 mal chorisch, mal abwech\u00adselnd \u2013 die Ge\u00adschichte einer namen\u00adlosen Frau, einer isra\u00adeli\u00adschen Geigerin und Kompo\u00adnistin, die in Amsterdam in einem Haus an der Keizer\u00adgracht lebt und eines Tages eine Gas\u00adrechnung \u00fcber 1700\u00a0Euro von der Stadt Amsterdam erh\u00e4lt, die zudem aus dem Jahr 1940 stammt. In viel\u00adstimmiger \u201eMurmuration\u201c kommen\u00adtieren die vier Darsteller die Ereig\u00adnisse \u2013 reflek\u00adtieren, berat\u00adschlagen, ermitteln in krimino\u00adlogischer Manier, wie es zu der Rechnung kam, wieso diese nie bezahlt wurde und warum die Stadt Amsterdam sie jetzt noch einfordert. Im Fokus steht dabei einerseits die aktuelle Situation der jungen Israelin, die, wie man erf\u00e4hrt, hochschwanger ist, und die erst seit kurzem in Amsterdam lebt. Sie wird zum Supermarkt begleitet, zum Kontrolltermin beim Frauenarzt und anderen Alltagssituationen. Selbst der Gaza-Konflikt klingt an \u2013 mit der Anregung der Agentin an die Komponistin, doch ein Requiem f\u00fcr tote pal\u00e4stinensische Kinder zu schreiben.<\/p>\n<p>Gleichzeitig wird die Vergangenheit der Wohnung themati\u00adsiert, bis sich zum Schluss ein Puzzle\u00adteilchen an das andere f\u00fcgt und der wahr\u00adscheinliche Hergang rekon\u00adstruiert wird, der zur nicht bezahlten Rechnung f\u00fchrte. Spannende Assoziationen kommen zur Sprache \u2013 Fremden\u00adfeindlich\u00adkeit, Anti\u00adsemitismus, die liberale Tradition Amsterdams, die Zivil\u00adcourage von Wider\u00adstands\u00adk\u00e4mpfern und die Bereit\u00adschaft zur Kollabo\u00adration klingen an. Letztlich sind es Vermutungen, die ge\u00e4u\u00dfert werden, Ger\u00fcchte, keine Tatsachen. Denn die Haupt\u00adakteure \u2013 die junge Frau, die fr\u00fchere Mieterin, der alte Nachbar Jan \u2013 kommen selbst nicht zu Wort.<\/p>\n<p>Kein St\u00fcck, dem man als Zuschauer leicht folgen kann. Ohne festen Kontext wird das \u201eGemurmel\u201c durch die vier Kommentatoren vermittelt. Beil\u00e4ufig springen sie von einem Thema zum anderen, B\u00fchnen\u00adaktivit\u00e4t ist kaum vorgesehen bei der Insze\u00adnierung der jungen Regisseurin Simone Geyer zusammen mit der Kost\u00fcm- und B\u00fchnen\u00adbildnerin Mona Marie Hartmann. Die Zuschauer werden frontal bespielt, es gibt kaum Inter\u00adaktion zwischen den Dar\u00adstellern, die das Verst\u00e4ndnis der Situationen, der abrupten Wechsel, erleichtern k\u00f6nnte. Das ist schade, bei dem hoch spannenden und interessant konstru\u00adierten St\u00fcck. Umso befremd\u00adlicher, weil Simone Geyer haupt\u00ads\u00e4chlich Video\u00adk\u00fcnstlerin und ihr der Umgang mit Bildern wohl durchaus vertraut ist. Mag der eine oder andere Einsatz von Video\u00adprojek\u00adtionen im Theater zuweilen fragw\u00fcrdig bis \u00fcberfl\u00fcssig erscheinen \u2013 bei diesem St\u00fcck h\u00e4tte sich die Zuhilfenahme von Bildern f\u00f6rmlich angeboten, um die Spielebenen deutlich zu machen. Die Regisseurin entscheidet sich aber f\u00fcr strenges Schwarz-Wei\u00df, beschr\u00e4nkt die Videokunst auf die Star-Metapher, legt den Fokus auf den Text. Hier scheint die Metapher \u00fcbrigens auch immer wieder auf, denn das Hauptwerk der Komponistin hei\u00dft: \u201eDas Paradox der Stare\u201c.<\/p>\n<p>Ein Mehrwert zu einem H\u00f6rspiel ergibt sich vor allem durch die engagierte Vermittlungs\u00adarbeit der vier Darsteller, deren Texte fast ohne visuelle Unter\u00adst\u00fctzung daherkommen. Intensive Momente werden sogar noch mit lauter Musik hinterlegt, sodass die Botschaft heraus\u00adgeschrien werden muss und trotz der Mikros kaum zu den Zuschauern dringt. Und schlie\u00dflich stehen die vier auch noch eine ganze Weile wortw\u00f6rtlich \u201eim Regen\u201c da \u2013 auch wieder eine Anspielung auf den Staren\u00adschwarm, der im Regen zu einer ruhigen Linie wird. Metaphorisch gesehen hei\u00dft das: Wenn die Geschichten zusammen\u00adgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Fazit: Bei diesem intensiven Theaterabend f\u00e4llt vor allem die hervor\u00adragende Performance ins Gewicht, die die vier Schauspieler abliefern und womit sie sich den Schluss\u00adapplaus des Premieren\u00adpublikums mehr als verdient haben.<\/p>\n<p>    Artikel vom<br \/>\n    <a href=\"https:\/\/www.daz-augsburg.de\/?m=20260218\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n      18.02.2026    <\/a><br \/>\n    | Autor: Bruno Stubenrauch<br \/>Rubrik: <a href=\"https:\/\/www.daz-augsburg.de\/rubrik\/kultur\/\" rel=\"category tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kultur<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.daz-augsburg.de\/rubrik\/kultur\/theater\/\" rel=\"category tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Theater<\/a>  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eAmsterdam\u201c auf der Brechtb\u00fchne Fremdheit und N\u00e4he, die Rolle des Einzelnen im Schwarm und eine kriminologische Recherche klingen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":805710,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1846],"tags":[680,772,3364,29,548,663,3934,30,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-805709","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-augsburg","8":"tag-augsburg","9":"tag-bayern","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europe","15":"tag-germany","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116088896536215268","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/805709","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=805709"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/805709\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/805710"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=805709"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=805709"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=805709"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}