{"id":80607,"date":"2025-05-03T07:44:09","date_gmt":"2025-05-03T07:44:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/80607\/"},"modified":"2025-05-03T07:44:09","modified_gmt":"2025-05-03T07:44:09","slug":"erdgas-teures-gas-leere-speicher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/80607\/","title":{"rendered":"Erdgas: Teures Gas, leere Speicher"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 02.05.2025 09:13 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Die Gasspeicher sind so leer wie selten. Staatliche Auflagen schreiben vor, dass die Speicher im Sommer wieder bef\u00fcllt werden. Doch ausgerechnet dann ist Erdgas inzwischen besonders teuer.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/ingo-nathusius-103.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Ingo Nathusius\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/nathusius-101.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDeutschlands Gasspeicher sind aktuell nur noch zu knapp einem Drittel gef\u00fcllt. Dass w\u00e4hrend eines kalten Winters viel Gas verbraucht wird, ist normal. Doch die aktuellen F\u00fcllst\u00e4nde sind so niedrig wie selten zuvor in einem Fr\u00fchling. Vor genau einem Jahr war mehr als doppelt so viel Gas gespeichert. Trotzdem zeigen sich Politik und Energiebranche entspannt. Ein staatliches Bewirtschaftungssystem greift in den Markt ein.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNach dem Angriff Russlands auf die Ukraine begann Europa vor drei Jahren, russische Gaslieferungen zu boykottieren. Deutschland hatte sich durch Pipelinebauten (&#8222;Nord Stream&#8220;) von russischen Gaslieferungen besonders abh\u00e4ngig gemacht. Zudem braucht die deutsche Metall- und Chemieindustrie besonders viel Gas f\u00fcr ihre Maschinen und Aggregate. Die Sorge war gro\u00df, im Kalten sitzen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>    Staatliche Bevorratung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDeutschland verf\u00fcgt \u00fcber <a href=\"https:\/\/agsi.gie.eu\/\" title=\"Daten zu F\u00fcllst\u00e4nden der europ\u00e4ischen Gasspeicher\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">fast ein F\u00fcnftel der EU-Kapazit\u00e4ten<\/a> zum Aufbewahren von Gas und ist damit mit gr\u00f6\u00dftem Abstand das Land mit den gr\u00f6\u00dften Gasspeichern. Nach Kriegsausbruch und pl\u00f6tzlicher Knappheit schufen die deutsche Regierung und die EU-Kommission ein Bevorratungssystem. Der Staat schreibt vor, bis wann die Speicher welche F\u00fcllst\u00e4nde erreichen m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Bewirtschaftung setzt Marktmechanismen au\u00dfer Kraft. Es ist ein Milliardengesch\u00e4ft. Finanziert wird es durch eine Gasspeicherumlage, die alle Gaskunden zahlen. Sie begann vor drei Jahren mit 59 Cent pro Megawattstunde (1.000 Kilowattstunden) und wurde nach und nach auf 2,99 Euro verf\u00fcnffacht.<\/p>\n<p>    Absurde Preisentwicklung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWie eine Untersuchung des Wirtschaftswissenschaftlers Axel Ockenfels zusammen mit zwei \u00d6konomen des Beratungsunternehmens <a href=\"https:\/\/www.frontier-economics.com\/media\/awbofa1p\/frontier-ockenfels-papier-zu-gasspeicherbefuellung-im-jahr-2025-2025-02-26-stc.pdf\" title=\"Frontier Economics\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Frontier Economics<\/a> zeigt, ist Gas im Sommer mittlerweile oft teurer als im Winter. Das ist eine neue und marktwirtschaftlich absurde Entwicklung, denn im Winter wird viel Gas f\u00fcr Heizung und Warmwasser gebraucht, weshalb die Gro\u00dfhandelspreise einst hoch waren. Das Erdgas, das im Sommer durch die Pipelines str\u00f6mte, fand dagegen nur m\u00fchsam K\u00e4ufer, weshalb die Gro\u00dfhandelspreise niedrig waren. F\u00fcr Betreiber von Gasspeichern lohnte es sich, im Sommer billig zu kaufen und im Winter teuer zu verkaufen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNeuerdings kauft der Staat im Sommer die n\u00f6tigen Gasmengen. Er tut das nicht nach Marktlage, sondern nach Vorschrift. Daf\u00fcr nutzt er die privaten Gasspeicher. Deren Betreiber bekommen daf\u00fcr Geld vom Staat. Gasimporteure und Gash\u00e4ndler haben an Vorratshaltung auf eigene Rechnung kein Interesse mehr.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nOckenfels f\u00fcrchtet eine &#8222;Interventionsspirale&#8220;: Wenn sich Unternehmern immer weiter vom Markt zur\u00fcckziehen, muss der Staat immer aktiver werden. &#8222;Die F\u00fcllstandsvorgaben stammen aus der akuten Gaskrise und geh\u00f6ren auf den Pr\u00fcfstand&#8220;, fordert Ockenfels, der auch dem Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsg\u00fctern vorsteht.<\/p>\n<p>    Woher kommt das Gas?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nFr\u00fcher kam ein gutes Drittel der deutschen Gasimporte aus Russland. Der Anteil sank bis Ende August 2022 auf Null. Deutschland schr\u00e4nkte seinen Gasexport drastisch ein und behielt mehr f\u00fcr sich. Ab Ende 2022 wurde Fl\u00fcssiggas (LNG) mit Tankern importiert. Nach einem Bericht des <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/energie\/energie-deshalb-sind-plaetze-an-lng-terminals-bis-jahresende-ausgebucht\/100121926.html\" title=\"LNG-Hafenterminals bis Jahresende ausgebucht\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Handelsblatts<\/a> sind die neuen LNG-Hafenanlagen mittlerweile ausgelastet. Sie sorgten vergangenes Jahr f\u00fcr acht Prozent des deutschen Bedarfs. Das ergibt sich aus Angaben der <a href=\"https:\/\/www.bundesnetzagentur.de\/DE\/Gasversorgung\/aktuelle_gasversorgung\/start.html\" title=\"Bericht der Bundesnetzagentur zur Gasversorgung\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Bundesnetzagentur<\/a>.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer L\u00f6wenanteil deutschen Gases stammt heute aus Norwegen. Die Niederlande und Belgien liefern ebenfalls gro\u00dfe Mengen &#8211; teils ist es zur\u00fcck in Gas umgewandeltes LNG aus den H\u00e4fen Rotterdam und Antwerpen. Daten des <a href=\"https:\/\/www-genesis.destatis.de\/datenbank\/online\/table\/43321-0001\/search\/s\/NDMzMjE=\" title=\"Statistisches Bundesamt\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Statistischen Bundesamtes<\/a> zeigen, dass deutsches Biogas volkswirtschaftlich keine Rolle spielt. Bauernh\u00f6fe k\u00f6nnen damit zwar ihren eigenen Energiebedarf bedienen, liefern aber nur 0,2 Prozent des Gesamtbedarfs ins Netz.<\/p>\n<p>    Der Bedarf in Zukunft<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWieviel Erdgas braucht Deutschland? Angaben der Bundesnetzagentur, dem Statistischen Bundesamt und dem Verbund der Gaswirtschaft gehen auseinander. Grob kann f\u00fcr 2023 mit 800 Terawattstunden gerechnet werden (800 Milliarden Kilowattstunden).<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Vorstellung, auf mittlere Sicht auf Gas verzichten zu k\u00f6nnen und es durch klimafreundliche Erneuerbare Energietr\u00e4ger zu ersetzen, erwies sich als falsch. Eine Marktuntersuchung des <a href=\"https:\/\/www.mckinsey.de\/news\/presse\/2025-03-04-energiewende-index---erdgas#\/\" title=\"McKinsey\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Beratungsunternehmens McKinsey<\/a> best\u00e4tigt nach wie vor hohen Gasbedarf. McKinsey rechnet noch im Jahr 2030 mit Gasverbrauch von um 700 Terawattstunden. Zwar bauen Industrie und Private nach und nach zu Erneuerbaren Energietr\u00e4gern um. Doch werden beispielsweise weit weniger W\u00e4rmepumpen verbaut, als es Klimapolitikern vorschwebte. Kraftwerke ben\u00f6tigen f\u00fcr \u00f6kologisch g\u00fcnstige Fernw\u00e4rme immer mehr Gas.<\/p>\n<p>    Kosten f\u00fcr private Haushalte<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nErdgas kostet in Deutschland aktuell etwa doppelt so viel wie vor dem Krieg &#8211; damit haben sich die Preise allerdings wieder etwas beruhigt. Daten des <a href=\"https:\/\/www.bdew.de\/energie\/gaspreise\/\" title=\"BDEW\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft<\/a> zeigen, dass ein durchschnittlicher Haushalt vergangenes Jahr rund sechs Cent pro Kilowattstunde bezahlen musste. 2023 waren es noch zehn Cent und 2022 sogar noch mehr. Vor dem russischen Krieg gegen die Ukraine waren es nur rund drei Cent.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 02.05.2025 09:13 Uhr Die Gasspeicher sind so leer wie selten. 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