{"id":806393,"date":"2026-02-18T07:28:12","date_gmt":"2026-02-18T07:28:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/806393\/"},"modified":"2026-02-18T07:28:12","modified_gmt":"2026-02-18T07:28:12","slug":"chinesische-kaffeekette-in-berlin-wem-gehoert-der-kaffee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/806393\/","title":{"rendered":"Chinesische Kaffeekette in Berlin: Wem geh\u00f6rt der Kaffee?"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">W Wenn neue Anbieter mit aggressiven Rabatten und maximaler Automatisierung in den deutschen Markt eintreten, stellen wir eine (\u2026) Frage: Ist das nachhaltig \u2013 f\u00fcr die Teams, die Qualit\u00e4t und die Nachbarschaften?\u201c, fragte Ralph Hage im Tagesspiegel. Eine berechtigte Frage \u2013 je nachdem, wer sie stellt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Aus dem Mund des <a href=\"https:\/\/taz.de\/LAP-Coffee-und-seine-Feinde\/!6135409\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">LAP-Coffee-Gr\u00fcnders<\/a> wirkt sie wie blanker Zynismus. Schlie\u00dflich wird LAP Coffee vorgeworfen, kompromisslos auf Wachstum und Effizienz zu setzen und mit Investorengeldern und Dumpingpreisen, inhabergef\u00fchrte Nachbarschaftscaf\u00e9s zu verdr\u00e4ngen. Ausgerechnet Hage kritisiert nun diese Machenschaften bei einer Kette, die <a href=\"https:\/\/taz.de\/Farbattacken-auf-LAP-Filialen-in-Berlin-Sinnlose-Aktion\/!6119989\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">LAP<\/a> mit ihrer aggressiven Preis- und Expansionsstrategie Konkurrenz machen k\u00f6nnte: Cotti Coffee.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Der Billiganbieter aus Peking hat im Januar seine ersten Filialen in Deutschland er\u00f6ffnet: in K\u00f6ln, Hamburg, D\u00fcsseldorf und an der Friedrichstra\u00dfe in Berlin. Das Gesch\u00e4ftsmodell gleicht dem von LAP: radikaler Minimalismus und Effizienz. Das hei\u00dft kleine, spartanisch eingerichtete L\u00e4den mit wenig Sitzgelegenheiten, vollautomatisierte Kaffeemaschinen statt aufw\u00e4ndiger Siebtr\u00e4germaschinen sowie digitale Bestellungen. Es gibt kein Geschirr und keine Keramikbecher, sondern nur Papp- und Plastikbecher. Zielgruppe ist bei beiden ein junges, urbanes, technologieaffines Publikum, das durch Rabattaktionen und Social-Media-Kampagnen erreicht wird. Das alles spart Personalzeit und -kosten.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Cotti Coffee gelingt es, noch aggressiver an der Preisschraube zu drehen als LAP: Hafer- und Kuhmilch sowie Sirup gibt es dort gratis zum Selbstbedienen. Ein Espresso kostet bei Vorbestellung per App 99 Cent, ein Cappuccino 2,79 Euro. Wer auf Instagram ein Foto postet und drei Freun\u00add*in\u00adnen markiert, erh\u00e4lt ein Getr\u00e4nk gratis. Nach Registrierung in der App und Verifizierung der Mobilnummer gibt es die ersten drei Getr\u00e4nke f\u00fcr jeweils 1,99 Euro. Das Sammeln und Auswerten von Nut\u00adze\u00adr*in\u00adnen\u00adda\u00adten inklusive.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"5\">Ob Cotti Coffee LAP Marktanteile streitig machen kann, h\u00e4ngt davon ab, ob es der Kette gelingt, Kaffee \u00e4hnlich erfolgreich durch Eventisierung und Cross-Marketing als Lifestyle-Produkt zu inszenieren. Das sogenannte \u201eCommunity Building\u201c beherrscht der chinesische Konzern jedenfalls bereits: Von Jakarta bis nach Berlin promoten Gen-Z-Influencer und prominente eigens ernannte \u201eGlobal Brand Ambassadors\u201c die Kette erfolgreich auf <a href=\"https:\/\/taz.de\/Moegliches-Social-Media-Verbot-in-Deutschland-Nicht-Kinder-ausschliessen-sondern-Konzerne-regulieren\/!6155029\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">TikTok<\/a> und Instagram.<\/p>\n<p>      Cotti Coffee drittgr\u00f6\u00dfte Kaffeekette weltweit<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"7\">Der Impuls, Jugendliche und In\u00adflu\u00aden\u00adce\u00adr*in\u00adnen f\u00fcr ihre naive Begeisterung \u00fcber den 1,99-Euro-\u201eMango Kokos Latte\u201c zu kritisieren, besteht, greift aber zu kurz. Nicht die Kon\u00adsu\u00admen\u00adt*in\u00adnen sind der Kern des Problems, sondern Gesch\u00e4ftsmodelle, die aus Inflation, steigenden Mieten und Verdr\u00e4ngung Profit schlagen. Und Cotti Coffee macht aus seinen Ambitionen kein Geheimnis: Die Kette will der \u201eweltweit f\u00fchrende Anbieter von Kaffee-Lieferketten- und Technologiel\u00f6sungen\u201c werden, hei\u00dft es auf der Website.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">Der Konzern, der erst vor vier Jahren von Qian Zhiya, Ex-Chefin der chinesischen Kette Luckin Coffee gegr\u00fcndet wurde, kommt inzwischen nach eigenen Angaben auf 18.000 Filialen in 28 L\u00e4ndern. Zum Vergleich: Starbucks betreibt rund 40.000 Filialen. Damit ist Cotti Coffee die weltweit drittgr\u00f6\u00dfte Kaffeekette \u2013 nach Starbucks und Luckin Coffee. Eine taz-Anfrage zu den Pl\u00e4nen des Konzerns in Deutschland blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"9\">Seit den Er\u00f6ffnungen der Filialen in Deutschland erscheinen hierzulande zahlreiche Berichte \u00fcber den chinesischen Konzern. W\u00e4hrend bei LAP erst Monate sp\u00e4ter, auch durch die Recherchen und Interventionen von Aktivist*innen, breiter diskutiert wurde, was hinter dem Gesch\u00e4ftsmodell steckt, steht Cotti Coffee von Beginn an unter Beobachtung. Das hat mit den Erfahrungen mit LAP zu tun, d\u00fcrfte aber auch mit der Herkunft des Unternehmens zusammenh\u00e4ngen. Die reflexhafte Vorstellung eines datenhungrigen \u201eBig Brother\u201c aus China, der aggressiv expandiert, offenbart eurozentristische Vorurteile. Die Logik datengetriebener Expansion ist l\u00e4ngst kein fernes Ph\u00e4nomen.<\/p>\n<p>      Wem geh\u00f6rt die Stadt?<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"11\">Cotti Coffee mag zun\u00e4chst weniger gef\u00e4hrlich erscheinen als LAP, weil die Kette nicht gezielt in die <a href=\"https:\/\/taz.de\/Wenn-Mieterinnen-sich-zusammentun\/!6148133\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">gentrifizierten Kieze<\/a> expandiert, sondern auf stark frequentierte Lagen und Verkehrsknotenpunkte setzt. Doch ein Konzern, der offen das Ziel formuliert, zur gr\u00f6\u00dften Kaffeemarke der Welt werden zu wollen, d\u00fcrfte wohl kaum auf lukrative Innenstadtlagen verzichten \u2013 auch wenn dort Protest droht.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"12\">Muss Cotti Coffee mit \u00e4hnlichen Protestaktionen wie LAP rechnen, dessen Berliner Filialen mit Farbbeuteln attackiert wurden? Ein Aktivist der Kampagne \u201eLapCoffeeSchei\u00dfe\u201c bleibt gegen\u00fcber der taz zur\u00fcckhaltend. Er sagt nur: \u201eAm Ende steht immer dieselbe Frage: Wem geh\u00f6rt die Stadt?\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"13\">Und wem der <a href=\"https:\/\/taz.de\/Kleinbauern-in-Aethiopien\/!6147472\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kaffee<\/a>?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"W Wenn neue Anbieter mit aggressiven Rabatten und maximaler Automatisierung in den deutschen Markt eintreten, stellen wir eine&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":806394,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1825],"tags":[296,29,30],"class_list":["post-806393","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-berlin","tag-berlin","tag-deutschland","tag-germany"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116090457742425139","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/806393","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=806393"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/806393\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/806394"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=806393"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=806393"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=806393"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}