{"id":806674,"date":"2026-02-18T10:06:16","date_gmt":"2026-02-18T10:06:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/806674\/"},"modified":"2026-02-18T10:06:16","modified_gmt":"2026-02-18T10:06:16","slug":"574-alte-tatra-bahnen-verschenkt-und-verkauft-fehlten-sie-beim-eisregen-chaos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/806674\/","title":{"rendered":"574 alte Tatra-Bahnen verschenkt und verkauft: Fehlten sie beim Eisregen-Chaos?"},"content":{"rendered":"<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Ende Januar 2026 kam der Stra\u00dfenbahnverkehr in Berlin auf einem Gro\u00dfteil der Tram-Linien zum Erliegen. Vereiste Oberleitungen infolge von Eisregen legten den Betrieb lahm. In der Folge entbrannte eine Debatte: H\u00e4tten die \u00e4lteren, vermeintlich robusteren Stra\u00dfenbahnen helfen k\u00f6nnen \u2013 und wenn ja, wo sind sie geblieben?<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der fraktionslose Abgeordnete Alexander King, Vorsitzender des <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/buendnis-sahra-wagenknecht\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">B\u00fcndnis Sahra Wagenknecht<\/a> in Berlin, hat diese Fragen in einer schriftlichen Anfrage an den Berliner Senat gerichtet. Die Antwort der Senatsverwaltung f\u00fcr Mobilit\u00e4t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt liegt nun vor.<\/p>\n<p>Kollatz brachte die Debatte ins Rollen<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">King schildert den Anlass seiner Anfrage so: \u201eAls Ende Januar wegen Eisregens der Stra\u00dfenbahnverkehr zum Erliegen kam, hie\u00df es vereinzelt, die \u00e4lteren Stra\u00dfenbahnen h\u00e4tten hier weniger Probleme gehabt und h\u00e4tten evtl. sogar zur Enteisung eingesetzt werden k\u00f6nnen \u2013 wenn sie denn noch vorr\u00e4tig gewesen w\u00e4ren.\u201c Der fr\u00fchere Berliner Finanzsenator Kollatz habe dann im RBB-Inforadio erkl\u00e4rt, man habe alle alten Bahnen weggegeben, unter anderem an die Ukraine. \u201eDas hat mich veranlasst nachzufragen\u201c, so King.<\/p>\n<p>574 Tatra-Bahnen \u2013 eine \u00c4ra geht zu Ende<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Antwort des Senats, die auf einer Stellungnahme der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) basiert, zeichnet ein umfassendes Bild. Demnach setzte die BVG seit 1977 insgesamt 574 Wagen der Tatra-Stra\u00dfenbahnen ein. Seit den 1990er Jahren wurden die Fahrzeuge teilweise f\u00fcr den weiteren Betrieb modernisiert, jedoch auch zunehmend ausgemustert oder verkauft und schrittweise durch moderne Stra\u00dfenbahnfahrzeuge ersetzt.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Berliner Tatra-Fahrzeuge der Typen T6A2\/B6A2, KT4Dt und KT4D gingen laut BVG unter anderem nach Stettin (Polen), Almaty (Kasachstan), Oradea (Rum\u00e4nien), Norrk\u00f6ping (Schweden), Alexandria (\u00c4gypten), Magdeburg sowie nach Lwiw und Saporischschja in der Ukraine. Einige Fahrzeuge werden heute von der Berliner Feuerwehr und der Bundeswehr zu \u00dcbungszwecken im Katastrophenschutz genutzt oder befinden sich als Ausstellungsst\u00fccke in Museen.<\/p>\n<p>Zw\u00f6lf Bahnen an die Ukraine gespendet<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Konkret wurden mit Zustimmung der Senatsverwaltung f\u00fcr Finanzen vom 16. Oktober 2022 und 19. Januar 2024 insgesamt zw\u00f6lf Stra\u00dfenbahnen und Ersatzteile des Typs Tatra KT4D an das Verkehrsunternehmen Lvivelektrotrans der Stadt Lwiw gespendet. Bereits 2018 hatten die Verkehrsbetriebe der Stadt Lwiw zuvor 30 Stra\u00dfenbahnfahrzeuge erworben \u2013 zum damaligen Kaufpreis von jeweils rund 18.000 Euro pro Fahrzeug, zuz\u00fcglich Transportkosten.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Weitere Abgaben erfolgten ebenfalls: Im Jahr 2023 wurde eine Tatra-Stra\u00dfenbahn an die Bundeswehr f\u00fcr \u00dcbungszwecke verkauft \u2013 zum Preis von 1500 Euro. Das Fahrzeug war laut BVG nicht mehr betriebsf\u00e4hig, als Schrottfahrzeug einzustufen und wies bereits umfangreiche Demontagen auf. Eine Wiederinbetriebnahme war ausgeschlossen. F\u00fcr 2026 ist zudem der Verkauf von drei weiteren Tatra-Bahnen nach Santos in Brasilien geplant, zum Preis von jeweils 12.000 Euro. Auch f\u00fcr diese Fahrzeuge ist die Hauptuntersuchung abgelaufen, eine g\u00fcltige Betriebserlaubnis besteht nicht mehr.<\/p>\n<p>Senat: Alte Bahnen h\u00e4tten nicht geholfen<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die zentrale Frage, ob die an die Ukraine abgegebenen Stra\u00dfenbahnen zur Enteisung der Oberleitungen h\u00e4tten eingesetzt werden k\u00f6nnen, beantwortet der Senat eindeutig: \u201eDiese Aussage kann der Senat nicht best\u00e4tigen.\u201c<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die BVG wird in der Antwort noch deutlicher: Die in den Tatra-Fahrzeugen verbaute Steuerung reagiere bei pl\u00f6tzlichen Unterbrechungen der Stromversorgung durch Eisablagerungen \u00e4hnlich empfindlich wie die aktuellen Niederflurfahrzeuge. Ein Vorteil h\u00e4tte sich in der gegebenen Situation damit nicht ergeben. Selbst die robusteste Bauweise h\u00e4tte ohne besondere Zusatzma\u00dfnahmen nicht die gew\u00fcnschte Wirkung gehabt, so die BVG weiter. Der isolierende elektrische Widerstand des Eispanzers an der Oberleitung h\u00e4tte eine Weiterfahrt verhindert. Eine Wiederherstellung des Betriebes sei nur nach vorheriger mechanischer Eisentfernung durch Fahrzeuge mit Spezialausr\u00fcstung m\u00f6glich gewesen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Auch ein Blick ins Ausland st\u00fctzt diese Einsch\u00e4tzung: Die Stadt Stettin war von dem historischen Eisregen Ende Januar ebenfalls betroffen, und die Stra\u00dfenbahn war dort tagelang nicht im Betrieb \u2013 obwohl Tatra-Stra\u00dfenbahnen in Stettin noch zur aktiven Flotte geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>King: Hilfe ja, aber Vorsorge nicht vergessen<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der Abgeordnete King betont, es gehe ihm nicht darum, Hilfslieferungen an andere L\u00e4nder grunds\u00e4tzlich infrage zu stellen: \u201eMir geht es nicht darum, dass man anderen L\u00e4ndern in der Not nicht hilft. Das ist nat\u00fcrlich richtig.\u201c Ebenso sei es grunds\u00e4tzlich in Ordnung, dass Best\u00e4nde, f\u00fcr die es im Zuge einer Modernisierung der Infrastruktur keine Verwendung mehr gebe, verkauft werden k\u00f6nnten, sofern Abnehmer gefunden w\u00fcrden.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Sein Anliegen sei ein anderes: \u201eMir ist nur wichtig, dass es endlich Standard wird, auch f\u00fcr alle Eventualit\u00e4ten mitzudenken, die m\u00f6glicherweise hier in unserem Land bzw. unserer Stadt anfallen k\u00f6nnen. Das scheint nicht immer der Fall zu sein.\u201c<\/p>\n<p>Parallele zur Debatte um Notstromaggregate<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">King zieht eine Parallele zu einer anderen Berliner Debatte, die erst wenige Wochen zur\u00fcckliegt: \u201eMich hat das an die fehlenden Notstromaggregate nach dem Stromausfall zu Beginn des Jahres erinnert.\u201c<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Tats\u00e4chlich hatte Anfang Januar 2026 ein mehrt\u00e4giger Stromausfall im S\u00fcdosten Berlins die Verwundbarkeit der st\u00e4dtischen Infrastruktur offengelegt. In der Folge wurde bekannt, dass das Technische Hilfswerk (THW) seit 2022 mindestens 1700 Stromgeneratoren in die Ukraine geliefert hatte. Der Berliner Netzbetreiber Stromnetz Berlin spendete zudem insgesamt 71 general\u00fcberholte Transformatoren f\u00fcr die Reparatur des ukrainischen Stromnetzes. W\u00e4hrend Berliner B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger beim Blackout auf eigene Generatoren, Campingkocher und Powerbanks zur\u00fcckgreifen mussten, waren Baum\u00e4rkte binnen Stunden ausverkauft.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Debatte folgt in beiden F\u00e4llen einem \u00e4hnlichen Muster: Hilfslieferungen an die Ukraine werden nicht grunds\u00e4tzlich infrage gestellt \u2013 wohl aber die Frage, ob bei der Abgabe von Infrastruktur und Ausr\u00fcstung die eigene Vorsorge ausreichend mitgedacht wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ende Januar 2026 kam der Stra\u00dfenbahnverkehr in Berlin auf einem Gro\u00dfteil der Tram-Linien zum Erliegen. 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