{"id":80879,"date":"2025-05-03T10:12:10","date_gmt":"2025-05-03T10:12:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/80879\/"},"modified":"2025-05-03T10:12:10","modified_gmt":"2025-05-03T10:12:10","slug":"berlin-theatertreffen-eroeffnung-ein-eiskaltes-stueck-unerbittlichkeitstheater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/80879\/","title":{"rendered":"Berlin: Theatertreffen-Er\u00f6ffnung: Ein eiskaltes St\u00fcck Unerbittlichkeitstheater"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 03.05.2025 10:25 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Eine Mutter sperrt ihre T\u00f6chter nach dem Tod des Vaters jahrelang ein: Der Er\u00f6ffnungsabend des Berliner Theatertreffens, &#8222;Bernarda Albas Haus&#8220; aus Hamburg, ist harter Stoff. Aber beeindruckend inszeniert und gespielt. Von Fabian Wallmeier<\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn Zeitlupe kommen sie leicht vorn\u00fcber gebeugt hereingeschlichen. Mutter Bernarda und ihre allesamt erwachsenen T\u00f6chter in schwarzer Trauerkleidung betreten zu unheilschwangerem Dr\u00f6hnen das Esszimmer, daneben die grau gewandeten Bediensteten die K\u00fcche. Der Vater der Familie ist gestorben &#8211; und die Mutter hat nun verf\u00fcgt, dass die T\u00f6chter in acht Trauerjahren das Haus nicht verlassen d\u00fcrfen.<br \/>\u00a0<br \/>&#8222;Bernarda Albas Haus&#8220; hat der spanische Dichter und Dramatiker Federico Garc\u00eda Lorca 1936 vollendet, wenige Wochen, bevor er von den Faschisten ermordet wurde. Eine \u00dcberschreibung von Alice Birch hat nun am Freitagabend in der Inszenierung von Katie Mitchell vom Deutschen Schauspielhaus in Hamburg das Berliner Theatertreffen 2025 er\u00f6ffnet &#8211; im Haus der Berliner Festspiele.<\/p>\n<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/rbb-theatertreffen-2025-100.jpg\" alt=\"Berlin: Das Logo vom Theatertreffen 2025 bei der Bekanntgabe der Jury-Auswahl im Haus der Berliner Festspiele.\" title=\"Audio: rbb24 Inforadio | 02.05.2025 | Barbara Behrendt | dpa\/Jens Kalaene\"\/><\/p>\n<p>Theatertreffen in Moll<\/p>\n<p>            Beim Berliner Theatertreffen, dem Gipfeltreffen deutschsprachiger B\u00fchnen, sind ab Freitag wieder die zehn bemerkenswerten Inszenierungen der Saison zu sehen. Inhaltlich sieht es d\u00fcster aus. Von Barbara Behrendt<a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/kultur\/beitrag\/2025\/05\/berliner-theatertreffen-festivalausblick-theater.html\" title=\"mehr\" class=\"textlink--extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">mehr<\/a><\/p>\n<p>    Missgunst ist die Regel<\/p>\n<p class=\"textabsatz--contains-image  m-six l-five textabsatz columns twelve\">\n&#8222;Herzlich willkommen im Abgrund&#8220;, sagte Festspiel-Intendant Matthias Pees in seiner Er\u00f6ffnungsrede. Er meinte damit allerlei Gesellschaftliches und Politisches, aber eben auch diese Er\u00f6ffnungsinszenierung. Pees hat damit nicht zu viel versprochen. Einen so trostlosen und zugleich in seiner Trostlosigkeit so pr\u00e4zise inszenierten Theaterabend bekommt man selten zu sehen. Katie Mitchell hat einen von der Au\u00dfenwelt abgeriegelten, klaustrophobischen Mikrokosmos erschaffen, in dem Missgunst und Intrigen die Regel sind, in dem jede der Frauen auf sich gestellt ist.<br \/>\u00a0<br \/>Schon vor zehn Jahren zeigte sich die Zusammenarbeit von Katie Mitchell und Alice Birch als ausgesprochen fruchtbar, ebenfalls mit der d\u00fcsteren weiblichen Leidensgeschichte: In &#8222;Ophelias Zimmer&#8220; ersannen sie an der Berliner Schaub\u00fchne \u00e4hnlich unheimlich und eisig eine Hintergrundgeschichte zu Ophelia, der als Wasserleiche endenden Geliebten von Hamlet aus William Shakespeares gleichnamigem Drama. Und vier Jahre sp\u00e4ter inszenierte Mitchell in Hamburg eindringlich und pr\u00e4zise montiert Birchs Depressions-Drama &#8222;Anatomie eines Suizids&#8220;, was den beiden eine Einladung zum Theatertreffen 2020 einbrachte (wo die Inszenierung pandemiebedingt allerdings nur als Stream gezeigt werden konnte).<\/p>\n<p>    Kunstvoll parallel montiert<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Bernarda Albas Haus&#8220; schl\u00e4gt in eine \u00e4hnliche Kerbe &#8211; und macht von einem von Mitchells einpr\u00e4gsamsten Stilmitteln Gebrauch: der Parallelmontage. Immer wieder werden zwei Gespr\u00e4che an unterschiedlichen Stellen gleichzeitig gef\u00fchrt. W\u00e4hrend etwa in einem der oberen sieben Zimmer der zweist\u00f6ckigen Setzkasten-B\u00fchne zwei Schwestern reden, spricht unten im Esszimmer die Mutter mit einer Vertrauten.<br \/>\u00a0<br \/>Die Dialoge \u00fcberlappen sich nicht, sondern greifen wie Zahnr\u00e4der ineinander. In die Gespr\u00e4chspause unten f\u00e4llt ein gesprochener Satz oben und umgekehrt. Das ist beeindruckend exakt gearbeitet und fordert h\u00f6chste Aufmerksamkeit beim Zuh\u00f6ren und Zuschauen. Besonders weil alle Schauspielerinnen \u00fcber Microports verst\u00e4rkt sind und man oft nicht zuordnen kann, wer welchen Satz spricht.<br \/>\u00a0<br \/>Zu zus\u00e4tzlichen Irritationen l\u00e4sst Mitchell es kommen, wenn an manchen Stellen pl\u00f6tzlich Worte und kurze S\u00e4tze gedoppelt werden, indem zwei Figuren an zwei unterschiedlichen Orten gleichzeitig sie im Chor sprechen. Das hat einen enorm unheimlichen Effekt und ist schauspielerisch und inszenatorisch herausragend geformt. Nur f\u00fcr einen Augenblick blitzen da m\u00f6gliche Ankn\u00fcpfungspunkte auf &#8211; doch bevor man ihnen nachsp\u00fcren kann, ist der Abend schon ein St\u00fcck weiter.<\/p>\n<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/rbb-das-vermaechtnis-residenztheater-100.jpg\" alt=\"Szene aus &quot;Das Verm\u00e4chtnis&quot; mit (v. l.n.r.)Patrick Bimazubute, Nicola Mastroberardino, Florian Jahr, Moritz Treuenfels.(Quelle:Sandra Then)\" title=\"Audio: rbb24 Inforadio | 13.05.2023 | Barbara Behrendt  | Sandra Then\"\/><\/p>\n<p>Erst meta, dann klebrig &#8211; dann endlich vorbei<\/p>\n<p>            Ein hochkonzentriertes Ensemble tr\u00e4gt die siebeneinhalbst\u00fcndige Er\u00f6ffnungs-Inszenierung des Berliner Theatertreffens. Doch das ist schon fast das einzig Gute, das sich \u00fcber &#8222;Das Verm\u00e4chtnis&#8220; vom M\u00fcnchner Residenztheater sagen l\u00e4sst. Von Fabian Wallmeier<a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/kultur\/beitrag\/2023\/05\/theater-kritik-berlin-theatertreffen-eroeffnung-vermaechtnis-residenztheater-muenchen.html\" title=\"mehr\" class=\"textlink--extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">mehr<\/a><\/p>\n<p>    Das Patriarchat lebt weiter<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBesonders einpr\u00e4gsam ist Julia Wieninger als Matriarchin Bernarda. Sie schreit und flucht so eiskalt beherrscht, dass es einen schaudern l\u00e4sst. Bernarda speit Hass und schreckt vor Gewalt nicht zur\u00fcck: Vom Gewehr macht sie ohne mit der Wimper zu zucken Gebrauch &#8211; und wenn eine Tochter nicht spurt, bekommt sie die Hand in den hei\u00dfen Wasserkocher gesteckt. Die Brutalit\u00e4t des Patriarchats findet in Bernarda nach dem Tod ihres Mannes keinen Gegenpol. Sie l\u00e4sst die vergifteten Strukturen ungemindert weiterleben.<br \/>\u00a0<br \/>Eine Art Ausweg hat einzig Bernardas Mutter Maria (Bettina Stucky) gefunden. Doch auch der k\u00f6nnte trauriger kaum sein: Er f\u00fchrt in die Demenz und die schleichende Selbstaufgabe. Maria liegt zu Beginn auf ihrem Bett, krallt sich an einem Stofftier fest und wirft sich lautlos hin und her. Sp\u00e4ter tigert sie mit Schleier auf dem Kopf durchs Haus, der festen \u00dcberzeugung, dass ihre Hochzeit ansteht. In anderen Inszenierungen k\u00f6nnte eine solche Figur eine Art Comic Relief bieten &#8211; bei Mitchell rammt sie uns alle nur noch ein St\u00fcck tiefer in die Traurigkeit.<br \/>\u00a0<br \/>M\u00e4nner tauchen im St\u00fcck nur am Rande auf, Text hat keiner von ihnen. Eine zentrale Figur ist zumindest Peter (Jo\u00ebl Schnabel) trotzdem. Gleich zu Beginn steht er rauchend unten vor dem vergitterten Hof. Peter ist st\u00e4ndiger Gespr\u00e4chsgegenstand der Frauen im Haus. Die \u00e4lteste Tochter Angustias (Alberta von Poelnitz) soll ihn heiraten, weil sie als Erbin die beste Partie ist. Doch die j\u00fcngste Tochter Adele liebt ihn am meisten &#8211; und in dieser Liebe, von Linn Reusse in inniger Intensit\u00e4t dargeboten, liegt der einzige kleine Hoffnungsschimmer. Doch als Adele und Peter in der Nacht vor Angustias&#8216; Hochzeit sich von beiden Seiten ans Gitter reiben und miteinander schlafen, setzt das eine Kette von Geschehnissen in Gang, die den Abend in t\u00f6dlichster Trostlosigkeit enden lassen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNoch <a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/kultur\/beitrag\/2023\/05\/theater-kritik-berlin-theatertreffen-eroeffnung-vermaechtnis-residenztheater-muenchen.html\" title=\"im vergangenen Jahr stand am Anfang des Theatertreffens\" class=\"textlink--extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">im vergangenen Jahr stand am Anfang des Theatertreffens<\/a> ein opulenter siebenst\u00fcndiger Ultrakitsch, in diesem Jahr nun das komplette Gegenteil: Katie Mitchells &#8222;Bernarda Albas Haus&#8220; ist ein auf 90 Minuten reduziertes, eiskaltes St\u00fcck Unerbittlichkeitstheater. Was das f\u00fcr den gesamten Theatertreffen-Jahrgang bedeutet? Ein <a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/kultur\/beitrag\/2025\/05\/berliner-theatertreffen-festivalausblick-theater.html\" title=\"Theatertreffen in Moll\" class=\"textlink--extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Theatertreffen in Moll<\/a> hat die Jury bereits in Aussicht gestellt. Doch kann Moll nicht auch in wohliger Melancholie die Seele w\u00e4rmen? Davon kann hier keine Rede sein. Vielleicht ein Zeichen der Zeit, in der wir leben, und ihres Abbilds im Theaterjahr, das sich nun in der Jury-Auwahl fortf\u00fchrt. Aber ein bisschen wohliger darf das Festival schon auch in diesem Jahr noch werden.<\/p>\n<p>                                        <a class=\"backlink__link\" href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/kultur\/beitrag\/2025\/05\/theatertreffen-berlin-eroeffnung-kritik-bernarda-albas-haus-birc-mitchell-hamburg.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                                                <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"Rundfunk Berlin-Brandenburg\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/1745108282_195_lra-rbb-logo-100.svg.svg+xml\" height=\"40\" width=\"40\"\/><\/p>\n<p>                                        <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 03.05.2025 10:25 Uhr Eine Mutter sperrt ihre T\u00f6chter nach dem Tod des Vaters jahrelang ein: Der Er\u00f6ffnungsabend&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":80880,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30,2239],"class_list":{"0":"post-80879","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-rbb"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114443370082115577","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80879","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=80879"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80879\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/80880"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80879"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=80879"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=80879"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}