{"id":809463,"date":"2026-02-19T12:04:19","date_gmt":"2026-02-19T12:04:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/809463\/"},"modified":"2026-02-19T12:04:19","modified_gmt":"2026-02-19T12:04:19","slug":"die-expansion-des-universums-mit-gravitationslinsen-messen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/809463\/","title":{"rendered":"Die Expansion des Universums mit Gravitationslinsen messen"},"content":{"rendered":"<p class=\"h3 subtitle serif\">M\u00fcnchner Forschende verfolgen verschiedene Lichtwege einer durch Gravitationslinsen verzerrten Supernova, um die Expansionsrate des Universums zu messen<br \/>\u00a0<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" alt=\"Mehrere helle Lichtpunkte im Weltraum vor dunklem Hintergrund.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/original-1771435540.jpg\" class=\"img-responsive\" title=\"Ein hochaufgel\u00f6stes Bild, aufgenommen mit dem Large Binocular Telescope auf dem Mount Graham in Arizona, USA, zeigt zwei Galaxien in gelb-rot und darum f\u00fcnf Abbilder einer Supernova, die sich im Hintergrund befindet und deren Licht durch die geballte Gravitation der Vordergrundgalaxien auf f\u00fcnf Bahnen zur Erde hin abgelenkt wurde.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1771502655_789_original-1771435540.jpg\" class=\"visible-print-block mb-1 banner\" alt=\"Mehrere helle Lichtpunkte im Weltraum vor dunklem Hintergrund.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Ein hochaufgel\u00f6stes Bild, aufgenommen mit dem Large Binocular Telescope auf dem Mount Graham in Arizona, USA, zeigt zwei Galaxien in gelb-rot und darum f\u00fcnf Abbilder einer Supernova, die sich im Hintergrund befindet und deren Licht durch die geballte Gravitation der Vordergrundgalaxien auf f\u00fcnf Bahnen zur Erde hin abgelenkt wurde.<\/p>\n<p class=\"copyright hidden-print\" id=\"copyright_26141333\">\n          \u00a9 SN Winny Research Group\n        <\/p>\n<p>\n          Ein hochaufgel\u00f6stes Bild, aufgenommen mit dem Large Binocular Telescope auf dem Mount Graham in Arizona, USA, zeigt zwei Galaxien in gelb-rot und darum f\u00fcnf Abbilder einer Supernova, die sich im Hintergrund befindet und deren Licht durch die geballte Gravitation der Vordergrundgalaxien auf f\u00fcnf Bahnen zur Erde hin abgelenkt wurde.\n        <\/p>\n<p>\n          \u00a9 SN Winny Research Group\n        <\/p>\n<p>Auf den Punkt gebracht<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p><strong>Expansion des Universums:\u00a0<\/strong>Eine offenee Forschungsfrage der Kosmologie ist nicht\u00a0ob, sondern\u00a0wie sich das Universum ausdehnt.\u00a0Es gibt verschiedene Methoden, um diese Expansion zu messen. Eine davon nutzt Sternexplosionen, also Supernovae. Diese sind hell genug und deren Physik gut genug bekannt, sodass die Entfernungen verschiedener im Raum verteilter Supernovae bis zu gro\u00dfen Entfernungen hin messbar sind.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>Gravitationslinse:\u00a0<\/strong>M\u00fcnchner Forschende haben mit dem Large Binocular Telescope in Arizona gleich f\u00fcnf Anbbilder ein und der selben Supernova in einem Bild eingefangen. Die geballte Gravitation zweier\u00a0Vordergrundgalaxien haben\u00a0das Licht einer weit im Hintergrund liegenden Supernova auf verschieden lange\u00a0Wege zur Erde hin abgelenkt.\u00a0<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>Messung des Hubble-Patemeters: <\/strong>Das Licht der f\u00fcnf Abbilder war so unterschiedlich lang zur Erde unterwegs und hat unterschiedlich lange Wege genommen. So soll sich direkt die beschleunigte Expansionsrate des Universums messen lassen, ausgedr\u00fcckt durch den sogenannten Hubble-Parameter.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>Aufl\u00f6sung eines Konflikts: <\/strong>Diese Messung k\u00f6nnte einen Konflikt begraben: In der Vergangenheit wurden an Hand zweier Methoden zwei verschiedene Werte des\u00a0Hubble Parameters gemessen, die sich aus bisher unbekannten Gr\u00fcnden nur knapp aber messbar unterscheiden.\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei der Supernova handelt es sich um eine seltene, superleuchtkr\u00e4ftige Sternexplosion in rund zehn Milliarden Lichtjahren Entfernung, die weit heller ist als gew\u00f6hnliche Supernovae. Gleichzeitig ist sie noch aus einem weiteren Grund besonders: Durch den sogenannten Gravitationslinseneffekt erscheint dieselbe Explosion gleich f\u00fcnfmal am Nachthimmel \u2013 wie ein kosmisches Feuerwerk. Zwei Vordergrundgalaxien kr\u00fcmmen das Licht der Supernova auf seinem Weg zur Erde und zwingen es, unterschiedliche Wege einzuschlagen. Weil diese Wege leicht unterschiedlich lang sind, erreicht das Licht uns zeitversetzt. Aus den Zeitverz\u00f6gerungen zwischen den einzelnen Bildern l\u00e4sst sich die heutige Expansionsrate des Universums \u2013 die Hubble-Konstante \u2013 bestimmen.<\/p>\n<p>Sherry Suyu, Professorin f\u00fcr Beobachtende Kosmologie an der TUM und Fellow am Max-Planck-Institut f\u00fcr Astrophysik, erkl\u00e4rt: \u201eWir haben diese Supernova SN Winny getauft \u2013 in Anlehnung an ihre offizielle Bezeichnung SN 2025wny. Es ist ein extrem seltenes Ereignis, das f\u00fcr unser Verst\u00e4ndnis des Kosmos eine Schl\u00fcsselrolle spielen k\u00f6nnte. Die Wahrscheinlichkeit, eine superleuchtkr\u00e4ftige Supernova zu finden, die sich genau hinter einer Gravitationslinse befindet, liegt unter eins zu einer Million. Wir haben sechs Jahre damit verbracht, eine Liste vielversprechender Gravitationslinsen zusammenzustellen und dort nach einem solchen Ereignis zu suchen. Im August 2025 landeten wir mit SN Winny schlie\u00dflich einen Treffer.\u201c<\/p>\n<p>Ein hochaufl\u00f6sendes Farbbild einer einzigartigen Supernova<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" alt=\"Gro\u00dfes Teleskop unter einem Sternenhimmel.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/original-1771435539.jpg\" class=\"img-responsive\" title=\"Large Binocular Telescope on Mount Graham, Arizona, USA\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1771502657_268_original-1771435539.jpg\" class=\"visible-print-block mb-1 banner\" alt=\"Gro\u00dfes Teleskop unter einem Sternenhimmel.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Large Binocular Telescope on Mount Graham, Arizona, USA<\/p>\n<p class=\"copyright hidden-print\" id=\"copyright_26142449\">\n          \u00a9 Dr. Christoph Saulder \/ MPE\n        <\/p>\n<p>\n          Large Binocular Telescope on Mount Graham, Arizona, USA\n        <\/p>\n<p>\n          \u00a9 Dr. Christoph Saulder \/ MPE\n        <\/p>\n<p>Supernovae hinter Gravitationslinsen sind so selten, dass bislang nur wenige solcher Messungen versucht wurden. Ihre Genauigkeit h\u00e4ngt stark davon ab, wie gut man die Massen der Galaxien bestimmen kann, die als Linse wirken, denn diese entscheiden dar\u00fcber, wie stark das Licht der Supernova abgelenkt wird. Um die Massen zu messen, nutzte das Team das Large Binocular Telescope in Arizona mit seinen zwei Spiegeln von je 8,4 Metern Durchmesser und einem adaptiven Optiksystem, das atmosph\u00e4rische Unsch\u00e4rfen korrigiert. Das Ergebnis ist das einzige bislang ver\u00f6ffentlichte hochaufl\u00f6sende Farbbild dieses Systems.<\/p>\n<p>Die Aufnahme zeigt die beiden Linsengalaxien im Zentrum sowie f\u00fcnf bl\u00e4uliche Abbilder der Supernova, die an ein explodierendes Feuerwerk erinnern. Das ist ungew\u00f6hnlich, denn Linsensysteme auf Galaxienskala erzeugen normalerweise nur zwei oder vier Abbilder. Mithilfe der Positionen aller f\u00fcnf Abbilder erstellten die beiden Nachwuchswissenschaftler Allan Schweinfurth (TUM) und Leon Ecker (LMU) das erste Modell f\u00fcr die Massenverteilung der Linse.<\/p>\n<p>\u201eWenn wir bisher Supernovae durch Gravitationslinsen gesehen haben, waren die Linsen zumeist massereiche Galaxienhaufen, deren Massenverteilungen komplex und schwer zu modellieren sind\u201c, erkl\u00e4rt Allan Schweinfurth. \u201eF\u00fcr SN Winny besteht die Linse jedoch nur aus zwei einzelnen Galaxien. Wir finden insgesamt sehr glatte und regelm\u00e4\u00dfige Licht- und Massenverteilungen, was darauf hindeutet, dass diese Galaxien trotz ihrer scheinbaren N\u00e4he zueinander bislang nicht miteinander kollidiert sind. Diese relative Einfachheit des Systems bietet eine hervorragende Gelegenheit, die Expansionsrate des Universums besonders pr\u00e4zise zu messen.\u201c<\/p>\n<p>Zwei Methoden, zwei sehr unterschiedliche Ergebnisse<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" alt=\"Eine Gruppe von Menschen steht auf einem Dach neben einer gro\u00dfen, wei\u00dfen Beobachtungsstation mit ge\u00f6ffneter Kuppel.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1771502658_194_original-1771435539.jpg\" class=\"img-responsive\" title=\"Die Mitglieder der SN Winny Research Group am Forschungscampus Garching (v.l.): Stefan Taubenberger, Allan Schweinfurth, Alejandra Melo, Elias Mamuzic, Sherry Suyu, Christoph Saulder, Roberto Saglia, Leon Ecker, Limeng Deng\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1771502659_42_original-1771435539.jpg\" class=\"visible-print-block mb-1 banner\" alt=\"Eine Gruppe von Menschen steht auf einem Dach neben einer gro\u00dfen, wei\u00dfen Beobachtungsstation mit ge\u00f6ffneter Kuppel.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Die Mitglieder der SN Winny Research Group am Forschungscampus Garching (v.l.): Stefan Taubenberger, Allan Schweinfurth, Alejandra Melo, Elias Mamuzic, Sherry Suyu, Christoph Saulder, Roberto Saglia, Leon Ecker, Limeng Deng<\/p>\n<p class=\"copyright hidden-print\" id=\"copyright_26142761\">\n          \u00a9 Robert Reich \/ TUM\n        <\/p>\n<p>\n          Die Mitglieder der SN Winny Research Group am Forschungscampus Garching (v.l.): Stefan Taubenberger, Allan Schweinfurth, Alejandra Melo, Elias Mamuzic, Sherry Suyu, Christoph Saulder, Roberto Saglia, Leon Ecker, Limeng Deng\n        <\/p>\n<p>\n          \u00a9 Robert Reich \/ TUM\n        <\/p>\n<p>Bislang st\u00fctzen sich Forschende vor allem auf zwei Methoden zur Bestimmung der Hubble-Konstante \u2013 doch diese liefern widerspr\u00fcchliche Ergebnisse. Dieses R\u00e4tsel ist als Hubble-Spannung bekannt. Die erste Methode ist lokal: Entfernungen zu Galaxien werden Schritt f\u00fcr Schritt bestimmt, \u00e4hnlich wie beim Erklimmen einer Leiter, bei dem jeder Schritt vom vorherigen abh\u00e4ngt \u2013 daher der Begriff kosmische Entfernungsleiter. Objekte mit bekannter Helligkeit, wie Supernovae in dem vorliegenden Fall, liefern Entfernungen, die anschlie\u00dfend mit den Fluchtgeschwindigkeiten der Galaxien verglichen werden. Da viele Kalibrierungsschritte n\u00f6tig sind, k\u00f6nnen sich selbst kleine Fehler aufsummieren und das Endergebnis beeinflussen.<\/p>\n<p>Die zweite Methode blickt weit in die Vergangenheit. Sie untersucht die kosmische Mikrowellenhintergrundstrahlung \u2013 das schwache Nachleuchten des Urknalls \u2013 und nutzt Modelle des fr\u00fchen Universums, um die heutige Expansionsrate zu berechnen. Dieser Ansatz ist sehr pr\u00e4zise, beruht jedoch stark auf Annahmen \u00fcber die Entwicklung des Universums, die nicht unumstritten sind.<\/p>\n<p>In einem Schritt zur Hubble-Konstante<\/p>\n<p>Nun kommt eine dritte, unabh\u00e4ngige Methode ins Spiel: die Beobachtung einer Supernova durch eine Gravitationslinse. Stefan Taubenberger, Erstautor der Studie zur Identifikation von SN Winny, erkl\u00e4rt, dass sich aus den Zeitverz\u00f6gerungen zwischen den einzelnen Bildern der Supernova und der bekannten Massenverteilung der Linse die Hubble-Konstante direkt berechnen l\u00e4sst: \u201eIm Gegensatz zur kosmischen Entfernungsleiter ist dies eine Messung in einem Schritt mit weniger und v\u00f6llig anderen Quellen systematischer Unsicherheiten.\u201c<\/p>\n<p>Astronominnen und Astronomen weltweit beobachten SN Winny derzeit intensiv mit bodengebundenen und weltraumgest\u00fctzten Teleskopen. Ihre Ergebnisse werden entscheidende neue Erkenntnisse liefern und helfen, die langj\u00e4hrige Hubble-Spannung aufzukl\u00e4ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"M\u00fcnchner Forschende verfolgen verschiedene Lichtwege einer durch Gravitationslinsen verzerrten Supernova, um die Expansionsrate des Universums zu messen\u00a0 Ein&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":809464,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[135],"tags":[29,30,174129,182052,190,189,74895,194,191,193,192],"class_list":{"0":"post-809463","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wissenschaft-technik","8":"tag-deutschland","9":"tag-germany","10":"tag-gravitationslinsen","11":"tag-hubble-konstante","12":"tag-science","13":"tag-science-technology","14":"tag-supernova","15":"tag-technik","16":"tag-technology","17":"tag-wissenschaft","18":"tag-wissenschaft-technik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116097205682808003","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/809463","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=809463"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/809463\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/809464"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=809463"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=809463"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=809463"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}