{"id":80975,"date":"2025-05-03T11:04:08","date_gmt":"2025-05-03T11:04:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/80975\/"},"modified":"2025-05-03T11:04:08","modified_gmt":"2025-05-03T11:04:08","slug":"1-fc-nuernberg-die-schatten-des-nationalsozialismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/80975\/","title":{"rendered":"1. FC N\u00fcrnberg &#8211; die Schatten des Nationalsozialismus"},"content":{"rendered":"<p>Am vergangenen Mittwoch, den 30. April, lie\u00df der 1. FC N\u00fcrnberg gemeinsam mit dem Verein &#8222;Geschichte f\u00fcr alle e.V.&#8220; zwei goldene Steine in der N\u00fcrnberger Peter Heinleinstra\u00dfe 48 verlegen. Auf den Steinen eingraviert und nun f\u00fcr alle sicht- und lesbar, die an dem grauen Haus mit den gr\u00fcnen Balkonen vorbeigehen, stehen die Namen des j\u00fcdischen Kaufmanns Bruno Einstein und seiner Frau Anna Margarete Einstein. <\/p>\n<p>Die N\u00fcrnberger Eheleute waren zwei von ungef\u00e4hr 500.000 Menschen, die wegen der Unterdr\u00fcckung, der Verbrechen und der Schikanen des NS-Regimes und seiner Anh\u00e4nger Deutschland in den 30er-Jahren verlie\u00dfen. Einstein floh nach Frankreich, wo er sich sp\u00e4ter den Widerstandsk\u00e4mpfern anschloss und schlie\u00dflich den Einsatz gegen das Besatzerregime im Dezember 1943 mit seinem Leben bezahlte. Anna Margarete Einstein \u00fcberlebte, kehrte Anfang 1968 nach N\u00fcrnberg zur\u00fcck, wo sie 1971 verstarb.<\/p>\n<p>Ausschluss j\u00fcdischer Mitglieder: 1. FC N\u00fcrnberg agiert besonders schnell<\/p>\n<p>F\u00fcr die Verantwortlichen des 1. FC N\u00fcrnberg ist der 30. April zu einem besonderen Datum geworden. Jedes Jahr verlegt der Verein Stolpersteine, um an das dunkelste Kapitel in der 125-j\u00e4hrigen Geschichte des 1. FC N\u00fcrnberg zu erinnern und die Aufarbeitung dieser Zeit voranzutreiben. &#8222;Genauso wie viel Freud Teil des 1. FC N\u00fcrnberg war, so wollen wir jeden daran erinnern, dass nicht alles richtig war, was der 1. FC N\u00fcrnberg da so getan hat. Da wollen wir auch um Vergebung bitten&#8220;, erkl\u00e4rte Niels Rossow, Vorstand f\u00fcr Strategie und Marketing des 1. FC N\u00fcrnberg, gegen\u00fcber dem BR.<\/p>\n<p>Der 30. April 1933 war das Datum, an dem 143 Mitglieder des 1. FCN einen Brief von dem Verein bekamen, dem sie angeh\u00f6rten. Die Botschaft: Wir wollen euch nicht mehr. Alle gro\u00dfen Fu\u00dfballvereine, so sah es das NS-Regime schon kurz nach Adolf Hitlers Machtergreifung vor, schlossen ihre j\u00fcdischen Mitglieder aus. Nur wenige aber taten dies so schnell und effizient wie der FCN. Nur einen Tag nach dem Beschluss bei der Mitgliederversammlung wurden die Briefe verschickt. <\/p>\n<p>Gro\u00dfe Bem\u00fchungen zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit<\/p>\n<p>Der 1. FC N\u00fcrnberg war sportlich der erfolgreichste Verein als in den 30er-Jahren die Nationalsozialisten erst die Stimmung, die Gesinnung und das Zusammenleben in Deutschland vergifteten und schlie\u00dflich, nach der Machtergreifung, ihr unmenschliches, verbrecherisches Regime etablierten. Und N\u00fcrnberg war als Stadt eng mit der Nationalsozialistischen Partei Deutschlands (NSDAP) verwoben. Hier war die Machtzentrale, der Reichsparteitag, auf dessen Gel\u00e4nde gro\u00dfe Paraden stattfanden und die &#8222;N\u00fcrnberger Gesetze&#8220; entstanden, die die Grundlage f\u00fcr die Judenverfolgung und den Holocaust waren, der sechs Millionen Juden das Leben kostete. <\/p>\n<p>Keine zwei Kilometer vom Reichsparteitagsgel\u00e4nde entfernt liegt das Max-Morlock-Stadion. Zu der \u00f6rtlichen N\u00e4he entwickelte sich auch eine ideologische. Der Historiker des 1. FC N\u00fcrnberg entdeckte im November 2020 die Mitgliederkarteien aus der Zeit des NS-Regimes. Dieser Fund erm\u00f6glichte dem Verein, die Aufkl\u00e4rung dieser Zeit voranzutreiben. Etwas, das lange keine Priorit\u00e4t genossen hatte, oder gar unerw\u00fcnscht war. Anders l\u00e4sst sich kaum erkl\u00e4ren, dass Karl M\u00fcller &#8211; bekennendes NSDAP-Mitglied, treibende Kraft hinter dem rasanten Rauswurf j\u00fcdischer Vereinsmitglieder und Pr\u00e4sident des FCN von 1935 bis 1945 &#8211; in den 60er-Jahren erneut Pr\u00e4sident beim Club wurde. <\/p>\n<p>Jen\u0151 Konr\u00e1d &#8211; Trainer floh nach antisemitischer Hetzkampagne<\/p>\n<p>Der 1. FC N\u00fcrnberg ist sich seiner Verantwortung l\u00e4ngst bewusst. Die Stolpersteine sind nur ein Teil der Erinnerungskultur, die in den Verein Einzug gehalten hat. Auch direkt vor dem Max-Morlock-Stadion findet man einen Stolperstein. Darauf der Name Jen\u0151 Konr\u00e1d. Der j\u00fcdische Trainer wurde 1932 Opfer einer Hetzkampagne der in N\u00fcrnberg herausgegebenen antisemitischen Wochenzeitung &#8222;Der St\u00fcrmer&#8220;. &#8222;Der 1. Fu\u00dfballklub N\u00fcrnberg geht am Juden zugrunde&#8220;, war beispielsweise in dem Hetzblatt zu lesen. Als zeitgleich marodierende SA-Trupps durch die Stadt zogen, politische Morde zunahmen und die NSDAP an Zustimmung gewann, brachte Konr\u00e1d sich und seine Familie in Sicherheit und floh aus Deutschland. <\/p>\n<p>Vor seinem Abschied hinterlie\u00df er dem 1. FC N\u00fcrnberg eine Postkarte, darauf geschrieben stand: &#8222;Der Club war der erste. Und muss der erste werden!&#8220; Dieser Schriftzug war auch in einer Choreografie der Ultras des FCN zu lesen. In der Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit hat der Verein l\u00e4ngst eine Vorreiterrolle eingenommen. Seit 2018 wird j\u00e4hrlich der Jen\u0151-Konr\u00e1d-Cup ausgespielt, in dessen Zuge auch an Schulen \u00fcber die NS-Vergangenheit in Deutschland intensiv aufgekl\u00e4rt wird. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am vergangenen Mittwoch, den 30. April, lie\u00df der 1. 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