{"id":810061,"date":"2026-02-19T17:28:14","date_gmt":"2026-02-19T17:28:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/810061\/"},"modified":"2026-02-19T17:28:14","modified_gmt":"2026-02-19T17:28:14","slug":"der-erfolg-gegen-corona-war-erst-der-anfang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/810061\/","title":{"rendered":"Der Erfolg gegen Corona war erst der Anfang"},"content":{"rendered":"<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Ein Arzt h\u00e4lt mit Schutzhandschuhen in einem Labor eine Ampulle mit einem Impfstoff (Symbolbild).\" alt=\"Ein Arzt h\u00e4lt mit Schutzhandschuhen in einem Labor eine Ampulle mit einem Impfstoff (Symbolbild).\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/impfstoff-112-1920x1080.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Die mRNA-Technologie hat das Potenzial, zum medizinischen Gamechanger zu werden (Symbolbild). (picture alliance \/ CHROMORANGE \/ Michael Bihlmayer)<\/p>\n<p>Die mRNA-Impfstoffe haben in der Covid-Pandemie Glanzlichter gesetzt wie kaum eine\u00a0andere medizinische Innovation\u00a0der j\u00fcngeren Zeit. Innerhalb weniger Monate waren hochwirksame Vakzine verf\u00fcgbar \u2013 ein wissenschaftlicher Kraftakt.\u00a0Nun wird klar:\u00a0Der gro\u00dfe Corona-Erfolg war erst der Anfang. Impfstoffe gegen weitere Erreger stecken in den Startl\u00f6chern. Au\u00dferdem arbeiten Forschende daran, die Verpackung der mRNA zu verbessern, die RNA zu stabilisieren und Alternativen zur Spritze zu entwickeln. Wo k\u00f6nnte die Technologie zum Gamechanger werden?\u00a0<\/p>\n<p>Der Erfolg gegen COVID-19 war gro\u00df \u2013 aber er markiert eher den Anfang als den H\u00f6hepunkt der Entwicklung. mRNA-Impfstoffe funktionieren grundlegend anders als klassische Tot- oder Lebend-Impfstoffe. Sie enthalten keine Virusteile, sondern lediglich den Bauplan f\u00fcr ein St\u00fcck des Erregers, einzelne Proteine. K\u00f6rperzellen produzieren dieses Protein \u2013 das Immunsystem lernt daran, den Erreger zu erkennen.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Vorteil liegt in der Geschwindigkeit. Sobald die genetische Sequenz eines Virus bekannt ist, l\u00e4sst sich ein mRNA-Kandidat am Computer designen. Produktionsprozesse sind standardisiert; angepasst wird im Wesentlichen nur die Sequenz. Das erkl\u00e4rt, warum innerhalb weniger Monate nach Bekanntwerden von SARS-CoV-2 Impfstoffe zur Verf\u00fcgung standen.\u00a0<\/p>\n<p>Auch die Wirksamkeit war \u2013 zumindest in der ersten Phase \u2013 hoch. Die Impfungen konnten zwar die Ansteckung nicht zuverl\u00e4ssig verhindern, daf\u00fcr aber schwere Verl\u00e4ufe und damit\u00a0lang anhaltende\u00a0Gesundheitsbelastungen. Diese Kombination aus Tempo und Effektivit\u00e4t hat die Technologie ins Zentrum der Impfstoffforschung ger\u00fcckt.<\/p>\n<p>                Direkte Impfreaktionen fallen etwas heftiger aus<\/p>\n<p>Schon bei der Impfkampagne gegen Covid wurde klar: Es gab mehr\u00a0Reaktogenit\u00e4ten, wie Fachleute sagen. Der \u201eImpfarm\u201c\u00a0oder\u00a0Abgeschlagenheit: Solche direkten Impfreaktionen \u2013 das hat sich unl\u00e4ngst auch bei klinischen Studien f\u00fcr einen mRNA-Impfstoff gegen die Influenza-Grippe gezeigt \u2013 fallen bei dieser Art von Vakzinen etwas heftiger aus als bei herk\u00f6mmlichen Impfstoffen.\u00a0Doch\u00a0\u201el\u00e4nger anhaltende Nebenwirkungen sind sehr selten\u201c, sagt die Virologin\u00a0Ulrike Protzer von der Technischen Universit\u00e4t und dem Helmholtz-Zentrum M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Zwei Nebenwirkungen stechen allerdings hervor: mRNA-Impfstoffe k\u00f6nnen in seltenen F\u00e4llen eine Herzmuskelentz\u00fcndung ausl\u00f6sen, insbesondere bei jungen M\u00e4nnern. Die meisten F\u00e4lle verliefen allerdings mild und heilten folgenlos aus. Ebenfalls sehr selten klagen Geimpfte \u00fcber ein sogenanntes Post-Vac-Syndrom, ein Krankheitsbild, das immer noch schlecht beschrieben ist. Es \u00e4hnelt in den Symptomen sehr stark Long-Covid, tritt allerdings ebenfalls bei den Impfungen viel seltener auf als nach einer Corona-Infektion.\u00a0<\/p>\n<p>Was genau Post-Vac\u00a0ausmacht, welche Mechanismen\u00a0im K\u00f6rper ablaufen, liegt noch weitgehend im Dunkeln. Vermutlich l\u00f6sen entz\u00fcndliche Prozesse im K\u00f6rper diese unerw\u00fcnschten Nebenwirkungen aus. Bei den Herzmuskelentz\u00fcndungen haben einige Forschende den Verdacht, dass\u00a0eine Ursache\u00a0die Lipid-Nanopartikel sein\u00a0k\u00f6nnten, jene Molek\u00fcle, in denen die mRNA verpackt ist.<\/p>\n<p>mRNA ist ein empfindliches Molek\u00fcl. Es zerf\u00e4llt bei Zimmertemperatur und an der Luft binnen k\u00fcrzester Zeit. Darum verpacken Forschende sie in Lipid-Nanopartikel \u2013 winzige Fettk\u00fcgelchen, die die RNA zu den Zellen bringen und einschleusen. Genau hier liegt ein Ansatzpunkt f\u00fcr Verbesserungen.\u00a0<\/p>\n<p>Neue Lipid-Formulierungen sollen gezielter wirken und weniger Nebenwirkungen verursachen. Besonders weit sind die Verbesserungen bei den sogenannten Polyethylenglykol-modifizierten Lipiden\u00a0(PEGs). Au\u00dferhalb des K\u00f6rpers wollen winzige Fetttr\u00f6pfchen wie die Lipid-Nanopartikel zu gr\u00f6\u00dferen Tropfen zusammenflie\u00dfen. Das k\u00f6nnen die PEGs verhindern. Im K\u00f6rper des Menschen verbergen sie den Impfstoff vor dem Immunsystem. Dadurch bringen die PEGs die RNA sicher zu den Zellen.<\/p>\n<p>                Forschende arbeiten an Verbesserungen der RNA-Struktur<\/p>\n<p>Allerdings verursachen sie gleichzeitig Probleme. Sie k\u00f6nnen Reaktionen des Immunsystems ausl\u00f6sen \u2013 bis hin zum anaphylaktischen Schock. Firmen haben sogenannte randomisierte PEGs entwickelt, die das Immunsystem kalt lassen.\u00a0<\/p>\n<p>Parallel arbeiten Forschende an Verbesserungen der RNA-Struktur. Ringf\u00f6rmige Varianten k\u00f6nnten stabiler sein. Selbstreplizierende RNA wiederum vervielf\u00e4ltigt sich in der Zelle \u2013 deshalb gen\u00fcgt eine geringere Dosis. Das k\u00f6nnte Kosten senken und Nebenwirkungen reduzieren.\u00a0<\/p>\n<p>Ein weiterer Entwicklungsschritt betrifft die Art der Verabreichung. Bisher werden mRNA-Impfstoffe in den Armmuskel gespritzt. Doch viele Erreger \u2013 auch Corona, Influenza oder RSV \u2013 dringen \u00fcber die Schleimh\u00e4ute in der Nase und den Lungen ein. Eine Impfung per Inhalation k\u00f6nnte dort direkt eine Immunantwort ausl\u00f6sen.\u00a0<\/p>\n<p>Der Vorteil: Es entstehen andere Antik\u00f6rper als nach einem\u00a0Pieks. Die Immunzellen in der Schleimhaut bilden Immunglobulin A, es entsteht eine sogenannte\u00a0mukosale\u00a0Immunit\u00e4t. Wenn Tr\u00f6pfchen mit einem Erreger auf die\u00a0Schleimhaut treffen, k\u00f6nnen die Ged\u00e4chtniszellen in der Schleimhaut daf\u00fcr sorgen, dass dieses Immunglobulin A sehr schnell die eintreffenden Viren bek\u00e4mpft und eine Infektion ausbleibt.<\/p>\n<p>Hinzu kommt ein logistischer Aspekt: Forschende arbeiten daran, die mRNA-Impfstoffe in Pulver einzubetten. Das lie\u00dfe sich einfacher transportieren und lagern\u00a0&#8211; bei Zimmertemperatur statt bei\u00a0minus\u00a070 Grad Celsius, wie bei den COVID-19-Impfstoffen. F\u00fcr Regionen mit schwacher Infrastruktur w\u00e4re das ein erheblicher Vorteil.\u00a0<\/p>\n<p>Nach COVID-19 richtet sich der Blick auf andere Erreger. Gegen das Respiratorische\u00a0Synzytial-Virus (RSV) sind mRNA-Impfstoffe bereits zugelassen. F\u00fcr Vakzine gegen die Erreger der Influenza-Grippe laufen bereits klinische Studien. Bisher m\u00fcssen Grippeimpfstoffe Monate im Voraus produziert werden. mRNA-Impfstoffe k\u00f6nnten schneller angepasst werden, falls sich Virusvarianten kurzfristig \u00e4ndern. Das w\u00fcrde den Schutz verbessern.\u00a0<\/p>\n<p>Komplexer ist die Lage bei Malaria oder HIV. Beide Erreger stellen das Immunsystem vor besondere Herausforderungen. Klassische Impfstoffstrategien sind bislang nur begrenzt erfolgreich. Die mRNA-Technologie erm\u00f6glicht es, mehrere Antigene gezielt zu kombinieren oder spezifische Immunreaktionen auszul\u00f6sen. Ob das gen\u00fcgt, bleibt abzuwarten \u2013 doch die Flexibilit\u00e4t gilt als entscheidender Vorteil.<\/p>\n<p>Ein besonders innovatives Feld ist die Onkologie. Hier geht es nicht um Infektionserreger, sondern um Tumore mit individuellen genetischen Ver\u00e4nderungen. Personalisierte mRNA-Impfstoffe k\u00f6nnten exakt jene Mutationen adressieren, die in einem bestimmten Tumor vorkommen. Statt unspezifischer Chemotherapie w\u00fcrde das Immunsystem gezielt trainiert. Erste Studien laufen.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die mRNA-Technologie hat das Potenzial, zum medizinischen Gamechanger zu werden (Symbolbild). 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