{"id":810697,"date":"2026-02-19T23:25:21","date_gmt":"2026-02-19T23:25:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/810697\/"},"modified":"2026-02-19T23:25:21","modified_gmt":"2026-02-19T23:25:21","slug":"rechtsruck-in-frankreich-nach-dem-tod-eines-faschisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/810697\/","title":{"rendered":"Rechtsruck in Frankreich nach dem Tod eines Faschisten"},"content":{"rendered":"<p>Der Tod eines Faschisten in der N\u00e4he einer Veranstaltung von La France insoumise (LFI) hat in Frankreich einen rechten Amoklauf ausgel\u00f6st. Eine breite Front, die von offenen Faschisten \u00fcber das rechtsextreme Rassemblement National (RN) bis zu Pr\u00e4sident Macron, seiner Regierung und der Sozialistischen Partei reicht, \u00fcberbietet sich mit Angriffen und Drohungen gegen die Partei von Jean-Luc M\u00e9lenchon.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/f99b2767-5674-499f-852a-9f863f8022f0.jpeg\" style=\"max-height:100%\"\/>Jean-Luc M\u00e9lenchon [Photo by Thomas Bresson \/ <a class=\"black-40 hover-black-60 no-underline\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\/\">CC BY 4.0<\/a>]<\/p>\n<p>Die Kampagne, die an die Verkl\u00e4rung des ermordeten Trump-Anh\u00e4ngers Charlie Kirk in den USA erinnert, markiert einen scharfen Rechtsruck der herrschenden Eliten Frankreichs. Vier Wochen vor den anstehenden Kommunalwahlen und 15 Monate vor Ablauf der regul\u00e4ren Amtszeit des Pr\u00e4sidenten sind sie offenbar zum Schluss gelangt, es sei Zeit, dem RN von Marine Le Pen und Jordan Bardella den Weg an die Macht zu ebnen.<\/p>\n<p>Der 23-j\u00e4hrige Quentin Deranque starb am 12. Februar an den Folgen einer Schl\u00e4gerei, die sich im Anschluss an eine Veranstaltung der aus Pal\u00e4stina stammenden LFI-Europaabgeordneten Rima Hassan an der Universit\u00e4t Lyon ereignete.<\/p>\n<p>Deranque war als Sicherheitsmann f\u00fcr die identit\u00e4re Gruppe N\u00e9m\u00e9sis im Einsatz, die f\u00fcr ihre islamophoben Provokationen ber\u00fcchtigt ist und mit Plakaten \u201eIslamo-Linke raus aus den Universit\u00e4ten\u201c gegen den Auftritt Rima Hassans protestierte. Deranque selbst war fr\u00fcher Mitglied der Action fran\u00e7aise, der \u00e4ltesten faschistischen Organisation des Landes. 2025 hatte er eine eigene, lokale faschistische Gruppe gegr\u00fcndet, die eng mit anderen vernetzt ist.<\/p>\n<p>N\u00e9m\u00e9sis und die meisten b\u00fcrgerlichen Medien behaupten, die Faschisten seien von LFI-Ordnern, die der Gruppe Jeune Garde angeh\u00f6ren, angegriffen worden. Das wird von Versammlungsteilnehmern bestritten. Einer berichtete der Plattform Mediapart, die Faschisten seien \u00fcber sie hergefallen, als sie die Versammlung verlie\u00dfen. Bei der Schl\u00e4gerei, die sich dann entwickelte, erlitt Deranque Gehirnverletzungen, an denen er sp\u00e4ter verstarb.<\/p>\n<p>Die LFI hat jede politische Verantwortung f\u00fcr Deranques Tod zur\u00fcckgewiesen. Parteikoordinator Manuel Bompard sprach von \u201eunbegr\u00fcndeten, schweren und l\u00fcgnerischen Anschuldigungen\u201c. M\u00e9lenchon bestritt jede Verbindung zwischen LFI und dem Tod des Faschisten und betonte, seine Partei sei gegen Gewalt und selbst Ziel gewaltsamer Angriffe.<\/p>\n<p>Das hinderte die Regierung nicht daran, LFI scharf zu denunzieren. Regierungssprecherin Maud Bregeon warf der Partei vor, sie trage eine \u201emoralische Verantwortung f\u00fcr das Klima der Gewalt\u201c. Justizminister G\u00e9rald Darmanin, der fr\u00fcher selbst der Action fran\u00e7aise nahestand, behauptete, \u201eganz offensichtlich\u201c habe \u201edie Ultralinke Deranque get\u00f6tet\u201c. Er warf LFI \u201eNachsichtigkeit gegen\u00fcber politischer Gewalt\u201c vor. Pr\u00e4sident Macron bezeichnete LFI als \u201elinksextrem\u201c und warf ihr eine antisemitische Haltung vor, die \u201eim Gegensatz zu den Grundprinzipien der Republik\u201c stehe.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.iysse.de\/about.html\" class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw-75rem-m bg-black-05 mt3 center\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/91c4f54d-7a17-47b5-85f5-1da985a66d9d.png\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/f817c976-3d50-4259-b25d-1b682b6f61e6.png\"\/><\/a><\/p>\n<p>Die Polizei nahm elf Personen aus dem Umfeld von LFI fest, darunter zwei Mitarbeiter eines Parlamentsabgeordneten. Die an der Schl\u00e4gerei beteiligten Faschisten blieben dagegen unbehelligt.<\/p>\n<p>Das Rassemblement National verlangte, M\u00e9lenchons Partei f\u00fcr illegal zu erkl\u00e4ren. Der Parteivorsitzende Jordan Bardella sagte, die extreme Linke habe get\u00f6tet und M\u00e9lenchon m\u00fcsse sich f\u00fcr das Geschehene verantworten. LFI sei eine Bewegung, \u201edie v\u00f6llig au\u00dferhalb der Republik steht\u201d.<\/p>\n<p>Faschistische Gruppen riefen zu Gewalt auf und lie\u00dfen Taten folgen. \u201eWir werden uns nicht damit zufriedengeben, Kerzen aufzustellen und Jammerreden zu halten\u201c, warnte Stanislas Tyl, Sprecher der identit\u00e4ren Gruppe Les Natifs. \u201eIch schw\u00f6re heute, wir werden euch in den Urnen, den Gerichten, den Stra\u00dfen, den Medien, \u00fcberall verfolgen!\u201c Die Gruppe ver\u00f6ffentlichte ein Video, das zeigt, wie Aktivisten den Sitz von LFI in Paris mit k\u00fcnstlichem Blut bespritzen und Plakate gegen \u201eAntifa\u201c und M\u00e9lenchon aufh\u00e4ngen. Zahlreiche Wahlkampfb\u00fcros von LFI wurden mit Graffiti bespr\u00fcht, und das Pariser Hauptquartier musste nach einer Bombendrohung evakuiert werden.<\/p>\n<p>Die bemerkenswerteste Reaktion kam aber von der Sozialistischen Partei (PS). Sie stimmte in den rechten Hetzchor ein und schloss jede zuk\u00fcnftige Zusammenarbeit mit LFI aus.<\/p>\n<p>\u201eEs ist klar, dass es in der zweiten Runde der Kommunalwahlen keine Allianz zwischen den Sozialisten oder reformistischen linken Parteien und LFI geben kann, die Beziehung ist beendet,\u201c erkl\u00e4rte Ex-Pr\u00e4sident Fran\u00e7ois Hollande. Was die Pr\u00e4sidentschaftswahlen angehe, so gebe er hiermit sein Versprechen, seine Verpflichtung und seine Wette ab, dass es f\u00fcr M\u00e9lenchon keinen Platz in der zweiten Runde geben werde, erg\u00e4nzte Hollande.<\/p>\n<p>Praktisch erkl\u00e4rt Hollande damit, dass er eine Macht\u00fcbernahme der Rechtsextremen einem Wahlsieg M\u00e9lenchons vorzieht. In den Wahlumfragen liegt das RN mit etwa 35 Prozent weit vor allen anderen Parteien, und bei den konservativen Republikanern und in Macrons liberalem Lager gibt es zahlreiche Kandidaten, die liebend gern in eine RN-gef\u00fchrte Regierung eintreten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Am 17. Februar um 15 Uhr erhob sich schlie\u00dflich die gesamte Nationalversammlung, einschlie\u00dflich der Abgeordneten von LFI und Kommunistischer Partei, zu einer Schweigeminute f\u00fcr den get\u00f6teten, rechtsextremen Aktivisten Dreanque. Den Antrag hatte der Abgeordnete Eric Ciotti von der rechten Partei Union des droites pour la R\u00e9publique gestellt.<\/p>\n<p>Arbeiter m\u00fcssen die rechte Hetzkampagne gegen M\u00e9lenchon und seine Partei zur\u00fcckweisen. Sie richtet sich gegen LFI, zielt aber auf die Arbeiterklasse. Sie soll ein Exempel statuieren, das jede Opposition gegen den Genozid in Gaza, gegen Krieg und Aufr\u00fcstung, gegen Sozialabbau und Rentenk\u00fcrzungen f\u00fcr \u201elinksextrem\u201c und f\u00fcr \u201cgewaltt\u00e4tig\u201c erkl\u00e4rt und kriminalisiert. Und sie soll dem rechtsextremen RN den Weg an die Macht bahnen.<\/p>\n<p>Der Grund daf\u00fcr ist nicht M\u00e9lenchon, der trotz seiner radikalen Rhetorik eine erprobte St\u00fctze der b\u00fcrgerlichen Ordnung ist, sondern die tiefe Krise des Weltkapitalismus. Die Steigerung von Profiten, Handelskrieg und die gewaltige Erh\u00f6hung der Milit\u00e4rausgaben erfordern massive Angriffe auf Einkommen, Sozialleistungen und demokratische Rechte, die sich nur mit faschistischen Methoden durchsetzen lassen. Das ist der Grund f\u00fcr die St\u00e4rkung rechtsextremer Parteien in den USA, Japan und ganz Europa.<\/p>\n<p>Um Faschismus und Krieg zu bek\u00e4mpfen, m\u00fcssen die Lehren aus dem Bankrott von M\u00e9lenchons eigener Politik gezogen werden. Er hat die Viper, die ihm nun an den Hals f\u00e4hrt, selbst gen\u00e4hrt und gez\u00fcchtet.<\/p>\n<p>M\u00e9lenchon, der den gr\u00f6\u00dften Teil seiner politischen Karriere in der Sozialistischen Partei verbrachte, hat es stets abgelehnt, f\u00fcr die Mobilisierung der Arbeiterklasse zum Sturz des Kapitalismus und f\u00fcr die Reorganisation der Gesellschaft auf sozialistischer Grundlage zu k\u00e4mpfen. Sein Ruf nach einer Volks- oder B\u00fcrgerrevolution bedeutet die Unterordnung der unabh\u00e4ngigen Interessen der Arbeiterklasse unter die Interessen wohlhabender Mittelschichten und der franz\u00f6sischen Bourgeoisie.<\/p>\n<p>Nachdem er bei der Pr\u00e4sidentenwahl 2022 8 Millionen Stimmen erhalten hatte, bildete M\u00e9lenchon bei den Parlamentswahlen 2024 ein Wahlb\u00fcndnis mit den Sozialisten, Kommunisten und Gr\u00fcnen, das er Neue Volksfront nannte. Er einigte sich mit diesen diskreditierten Parteien auf ein rechtes Programm und verhalf ihnen \u2013 und im zweiten Wahlgang auch dem Lager Macrons \u2013 durch Wahlabsprachen zu zus\u00e4tzlichen Parlamentssitzen. Berechtfertigt wurde dies damit, die extreme Rechte von der Regierung fernzuhalten.<\/p>\n<p>Wir hatten bereits damals gewarnt, dass die Neue Volkfront die extreme Rechte nicht schw\u00e4cht, sondern st\u00e4rkt. Wir <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2024\/06\/25\/volk-j25.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">schrieben<\/a>:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Die Politik der Neuen Volksfront stoppt den Aufstieg des RN nicht, sondern beg\u00fcnstigt ihn. Der Kampf gegen die extreme Rechte und die Gefahr einer Diktatur ist keine Frage der Wahltaktik, sondern des Klassenkampfs. Der Aufstieg des RN und \u00e4hnlicher Parteien in anderen L\u00e4ndern ist nur der sch\u00e4rfste Ausdruck des Rechtsrucks der gesamten herrschenden Klasse. Ihre Politik des Kriegs, des Militarismus und des Sozialabbaus vertr\u00e4gt sich nicht mit Demokratie.<\/p>\n<p>Eine Bewegung gegen Krieg und Diktatur kann nur von unten aufgebaut werden, durch die unabh\u00e4ngige Mobilisierung der Arbeiterklasse. Die Aufgabe einer solchen Bewegung besteht nicht darin, die Gewerkschaften, La France insoumise und andere Parteien unter Druck zu setzen, damit sie ihre Politik \u00e4ndern. Das werden sie nicht tun. Sie muss f\u00fcr den Sturz des Kapitalismus, die Errichtung einer Arbeiterregierung und die Reorganisation der Gesellschaft auf sozialistischer Grundlage k\u00e4mpfen. Ohne die Macht des Finanzkapitals und der Konzerne zu brechen, kann kein einziges Problem gel\u00f6st werden.<\/p>\n<\/blockquote>\n<blockquote>\n<p>Das erfordert den Aufbau einer neuen Partei, des Parti de l&#8217;\u00e9galit\u00e9 socialiste und des Internationalen Komitees der Vierten Internationale (IKVI).<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das best\u00e4tigt sich jetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Tod eines Faschisten in der N\u00e4he einer Veranstaltung von La France insoumise (LFI) hat in Frankreich einen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":810698,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3974],"tags":[331,332,548,663,3934,3980,156,13,75297,14,15,770,12],"class_list":["post-810697","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-frankreich","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-eu","tag-europa","tag-europe","tag-france","tag-frankreich","tag-headlines","tag-melenchon","tag-nachrichten","tag-news","tag-rechtsextremismus","tag-schlagzeilen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116099883218047443","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/810697","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=810697"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/810697\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/810698"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=810697"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=810697"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=810697"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}