{"id":81291,"date":"2025-05-03T13:58:09","date_gmt":"2025-05-03T13:58:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/81291\/"},"modified":"2025-05-03T13:58:09","modified_gmt":"2025-05-03T13:58:09","slug":"komoedie-und-das-ist-gut-so-im-theater-an-der-koe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/81291\/","title":{"rendered":"Kom\u00f6die \u201eUnd das ist gut so!\u201c im Theater an der K\u00f6."},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eC\u2019est si bon\u201c dudelt es fr\u00f6hlich von der noch dunklen B\u00fchne. Das Lied kommt als musikalisch getreue Einstimmung auf die Kom\u00f6die \u201eUnd das ist gut so!\u201c wie gerufen. Ein bedeutsamer Titel, bei dem es bei den meisten G\u00e4sten klingeln d\u00fcrfte. Der Spruch des ehemaligen Berliner B\u00fcrgermeisters Klaus Wowereit (\u201eIch bin schwul, und das ist auch gut so\u201c) wurde vor \u00fcber 20 Jahren zum gefl\u00fcgelten Wort.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Damit spielt Ren\u00e9 Heinersdorff gen\u00fcsslich in seinem j\u00fcngsten St\u00fcck, das im Theater an der K\u00f6 Premiere feierte. Klischees werden auf den Kopf gestellt und ins Gegenteil verkehrt. Der verwegene Denkansatz des Autors: Was passiert, wenn ein verheirateter schwuler Mann sich in eine Frau verliebt und sein Lebensmodell dadurch komplett ins Wanken ger\u00e4t?<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Genau damit muss sich Bernd auseinandersetzen. Stephanie, eine seiner Segelsch\u00fclerinnen, weckte bei ihm \u00fcberw\u00e4ltigende Gef\u00fchle, mit denen er nicht rechnen konnte. Seit 100 Tagen kosten sie ihre Liebe aus. F\u00fcr Bernd schmeckt sie bitters\u00fc\u00df. W\u00e4hrend die quirlige Stephanie (Yael Hahn) mit Schmetterlingen im Bauch von einer gemeinsamen Zukunft tr\u00e4umt, ger\u00e4t der bed\u00e4chtige Bernd (Claus Bruchh\u00e4user) mehr und mehr in Verwirrung und Bedr\u00e4ngnis. Die Gewissensbisse gegen\u00fcber seinem Ehepartner Max (Tilman Rose) wiegen schwer. \u201eIch bin verheiratet\u201c, wehrt er den \u00dcberschwang seiner Geliebten ab. \u201eIch doch auch\u201c, kontert die zweifache Mutter. Pragmatisch schl\u00e4gt sie Trennungsgespr\u00e4che vor. \u201eWo ist das Problem? Es gibt wundervolle Patchwork-Familien.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ach, wenn es doch so einfach w\u00e4re. Denn bisher hat er Stephanie verschwiegen, dass er mit einem Mann zusammenlebt. Erschwerend kommt hinzu, dass seine Mutter und seine Schwiegereltern das verheiratete Paar von Herzen lieben. Das hat eine Weile gedauert und K\u00e4mpfe erfordert, aber jetzt: alles in Butter bei den S\u00f6hnen. Perfekte Voraussetzungen, sich um die Adoption eines Kindes zu k\u00fcmmern.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Damit ist der inhaltliche Rahmen von \u201eUnd das ist gut so!\u201c gesteckt. \u201eZum Abschied der Saison etwas Leichtes\u201c, versprach Ren\u00e9 Heinersdorff den Zuschauern zu Beginn des Abends. Und setzte verschmitzt hinzu: \u201eDamit es bek\u00f6mmlich wird, habe ich es selbst geschrieben.\u201c Nebenbei verk\u00fcndete er, der zuletzt wackelige Mietvertrag f\u00fcrs Theater an der K\u00f6 in den Schadow-Arkaden sei allen Unkenrufen zum Trotz verl\u00e4ngert worden, zun\u00e4chst bis 2027. Applaus im voll besetzten Haus.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Bald lernen wir Gisela kennen, die Mutter von Max. Ein drolliges Pers\u00f6nchen, arglos, gutwillig und liebenswert naiv. Mit der zierlichen Simone Rethel, die schon \u00f6fter in D\u00fcsseldorf gastierte, ist die Figur perfekt besetzt. Das gilt auch f\u00fcr ihr krasses Gegenteil, die coole, spitzz\u00fcngige Mutter von Bernd. Ursula Karven, zum ersten Mal in diesem Theater, spielt sie geschmeidig, l\u00e4ssig und mit sichtlichem Vergn\u00fcgen. So gegens\u00e4tzlich die beiden Frauen auch sind, eine sorgenvolle Beobachtung eint sie: Bernd sei so ernst geworden, etwas m\u00fcsse ihn belasten. Gemeinsam mit Max bilden die M\u00fctter ein Tribunal, er solle endlich mit der Wahrheit herausr\u00fccken. Was er sich aber nicht traut. Stattdessen wirft er in seiner Verzweiflung eine Steuerstrafverfolgung, die ihm zusetze, in die Debatte.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Als Stephanie auf der Bildfl\u00e4che erscheint und wild entschlossen ebenfalls Aufkl\u00e4rung fordert, sind wir bei einem Heinersdorff-Markenzeichen angelangt \u2013 einer Steilvorlage f\u00fcr Missverst\u00e4ndnisse, die er schon in mehreren St\u00fccken nutzte. Das Muster: Verschiedene Personen reden von verschiedenen Dingen und damit immer haarscharf aneinander vorbei. Begriffe und Bez\u00fcge, gern auch zweideutig bis schl\u00fcpfrig, werden nicht klar benannt, nur das Publikum hat den Durchblick. Diese Passagen stacheln die Zuschauer zu schallendem Gel\u00e4chter an, in Wellen verbreitet sich ansteckender Frohsinn durch den Saal. Dass nicht jeder Gag jeden Geschmack trifft, macht da schon nichts mehr aus. Die Pointen, die insbesondere Simone Rethel voller Harmlosigkeit ausstreuen darf, sind auf jeden Fall spa\u00dfig.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Entgeistert sind die Reaktionen, als die Realit\u00e4ten irgendwann ans Licht kommen und Bernd und Stephanie als Liebespaar enttarnt sind. \u201eKann man da nichts machen, das ist doch nicht normal\u201c, st\u00f6hnt Mutter Gisela und klagt ihren Schwiegersohn an: \u201eDu bist \u00fcbergelaufen!\u201c Zu den St\u00e4rken des unterhaltsamen St\u00fccks geh\u00f6rt die Umkehr des vermeintlich \u00dcblichen. Schwule sind hier die Spie\u00dfb\u00fcrger, alle anderen wollen nicht abr\u00fccken von ihrem Glauben an das bisher so gl\u00fcckliche M\u00e4nnerpaar. Der abtr\u00fcnnige Sohn wird wegen seines sexuellen Orientierungswechsels als \u201eHetero im Homo-Pelz\u201c gebrandmarkt, man philosophiert \u00fcber Zugeh\u00f6rigkeit, Identit\u00e4t und Geschlechterrollen. \u201eIch wei\u00df nicht mehr, wer ich bin, ich m\u00f6chte einfach wieder schwul sein\u201c, jammert Bernd.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Situation ist verzwickter denn je. Das Happy End erscheint da noch in weiter Ferne, stellt sich aber nach einer \u00fcberraschenden Wendung zuverl\u00e4ssig ein. Ein heikles Thema f\u00fcr den Boulevard, locker verpackt, von William Danne flott inszeniert und von dem f\u00fcnfk\u00f6pfigen Ensemble famos gespielt. Rauschender Beifall nach der Premiere.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eC\u2019est si bon\u201c dudelt es fr\u00f6hlich von der noch dunklen B\u00fchne. 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