{"id":812954,"date":"2026-02-20T20:45:16","date_gmt":"2026-02-20T20:45:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/812954\/"},"modified":"2026-02-20T20:45:16","modified_gmt":"2026-02-20T20:45:16","slug":"berlinale-2026-bardem-swinton-co-beweisen-dass-richtig-ist-was-sie-kritisieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/812954\/","title":{"rendered":"Berlinale 2026: Bardem, Swinton &#038; Co. beweisen, dass richtig ist, was sie kritisieren"},"content":{"rendered":"<p>80 Filmschaffende haben einen offenen Brief unterzeichnet, der die Berlinale f\u00fcr ihr Schweigen zu Gaza kritisiert. Manche von ihnen waren schon mal schlauer \u2013 als sie  noch wussten, dass sie nicht schlau sind.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Die Berlinale 2026 hat ein Problem \u2013 und das ist nicht das Wetter in Berlin im Februar, obwohl das die Sache auch nicht leichter macht. Mehr als 80 Filmschaffende, darunter Hollywood-Gr\u00f6\u00dfen wie Javier Bardem, Tilda Swinton, Mike Leigh und Adam McKay, und zudem auch die n\u00e4chste \u00fcbliche Verd\u00e4chtige, die K\u00fcnstlerin Nan Goldin, die vor \u00fcber einem Jahr eine antisemitische Hassrede in der Neuen Nationalgalerie hielt, haben <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article6994cba673621fceec20e5bf\/javier-bardem-tilda-swinton-co-mehr-als-80-filmschaffende-entsetzt-ueber-schweigen-der-berlinale-zum-gaza-krieg.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article6994cba673621fceec20e5bf\/javier-bardem-tilda-swinton-co-mehr-als-80-filmschaffende-entsetzt-ueber-schweigen-der-berlinale-zum-gaza-krieg.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in einem offenen Brief das \u201einstitutionelle Schweigen\u201c des Festivals zum Gaza-Krieg <\/a>angeprangert.<\/p>\n<p>Sie sprechen von \u201eZensur\u201c, von \u201eBeteiligung an der Unterdr\u00fcckung\u201c pal\u00e4stinensischer Stimmen, von einer moralischen Pflicht, die das Festival verrate. W\u00e4hrend die Berlinale in der Vergangenheit klare Worte zu Iran und Ukraine gefunden habe, ducke sie sich nun weg. Die Unterzeichner gehen dabei sehr weit. Sie sprechen von \u201eVerbrechen gegen die Menschlichkeit\u201c und einer deutschen Gesetzgebung, die Solidarit\u00e4t mit der pal\u00e4stinensischen Sache unter Strafe stelle. Sie verweisen auf andere Festivals, die einen kulturellen Boykott Israels unterst\u00fctzen. Und sie fordern von der staatlich finanzierten Berlinale nichts weniger als ein klares politisches Bekenntnis. Tenor: Wer schweigt, macht sich mitschuldig. <\/p>\n<p>Die Berlinale solle Israels Vorgehen explizit als \u201eV\u00f6lkermord\u201c verurteilen \u2013 alles andere sei moralisches Versagen. Sie zitieren den chinesischen Krawallk\u00fcnstler Ai Weiwei, der k\u00fcrzlich gesagt hatte, in Deutschland geschehe \u201edas Gleiche wie in den 1930er-Jahren\u201c und damit einem Interviewer beipflichtete, der geraunt hatte, es handle sich um \u201edenselben faschistischen Impuls, nur mit einem anderen Ziel\u201c. <\/p>\n<p>Den Stein ins Rollen gebracht hatte vor einigen Tagen Jury-Pr\u00e4sident Wim Wenders, der auf einer Pressekonferenz verk\u00fcndete, man m\u00fcsse \u201esich aus der Politik heraushalten\u201c \u2013 eine Aussage, die in der aktuellen Stimmungslage ungef\u00e4hr so geeignet war, den Unmut zu beschwichtigen, wie ein Funke im Pulverfass. Die Berlinale reagierte mit dem bew\u00e4hrten Festivalman\u00f6ver: eine vorsichtige Erkl\u00e4rung, die alle beruhigen und niemanden ver\u00e4rgern soll \u2013 und damit nat\u00fcrlich alle ver\u00e4rgerte. Festivalchefin Tricia Tuttle schrieb etwa: \u201eVon K\u00fcnstlern sollte nicht erwartet werden, dass sie sich zu allen allgemeinen Debatten \u00fcber fr\u00fchere oder aktuelle Praktiken eines Festivals \u00e4u\u00dfern, auf die sie keinen Einfluss haben.\u201c Die indische Autorin Arundhati Roy zog daraufhin ihre Festival-Teilnahme zur\u00fcck, und die Unterzeichner des Briefes erkl\u00e4ren Wenders\u2019 Forderung, Kunst und Politik sch\u00f6n auseinanderzuhalten, nun f\u00fcr kompletten Unsinn. Wer so etwas behaupte, verkenne die Realit\u00e4t \u2013 und st\u00fctze am Ende nur jene Macht, die Kritik zum Schweigen bringe.<\/p>\n<p>Javier Bardems Nazi-Vergleiche<\/p>\n<p>Tilda Swinton hatte im vergangenen Jahr beim Festival noch ihren Goldenen Ehrenb\u00e4ren entgegengenommen \u2013 und bei der Gelegenheit die BDS-Bewegung gelobt, die Sanktionen und Boykott gegen Israel unterst\u00fctzt. Swinton biss gewisserma\u00dfen die Hand, die ihr applaudierte. Javier Bardem wiederum hat israelische Soldaten bereits \u00f6ffentlich mit Nazis verglichen, was seiner Unterschrift unter einem Brief \u00fcber \u201einstitutionellen Anstand\u201c eine gewisse Note verleiht. Adam McKay, als Regisseur vor allem bekannt f\u00fcr seinen Bankencrash-Film \u201eThe Big Short\u201c, mag inzwischen selbst dem Aberglauben an eine j\u00fcdische Weltverschw\u00f6rung anheimgefallen sein. Auch sein brasilianischer Kollege Fernando Meirelles (\u201eCity of God\u201c, \u201eDer ewige G\u00e4rtner\u201c) hat entt\u00e4uschenderweise unterschrieben. <\/p>\n<p>Der n\u00e4chste prominente Unterzeichner, der 82-j\u00e4hrige Mike Leigh, der aus einer j\u00fcdischen Familie kommt, war fr\u00fcher auch schon mal schlauer. Dieses Zitat von ihm stammt aus dem Jahr 1993: \u201eIch treffe in meinen Filmen keine moralischen Urteile, ich ziehe keine Schl\u00fcsse. Ich stelle Fragen, ich beunruhige den Zuschauer, ich mache ihm ein schlechtes Gewissen, lege Bomben, aber ich liefere keine Antworten. Ich weigere mich, Antworten zu geben, denn ich kenne die Antworten nicht.\u201c Inzwischen ist er wohl der Ansicht, die Antworten sogar auf die diffizilsten Fragen zu kennen. Beim Bombenlegen ist er gleichwohl geblieben.<\/p>\n<p>Die Diskussion trifft ein Festival, das in einem ver\u00e4nderten Klima von Rezeption und Distribution des Films eh seine liebe M\u00fche hat. Dem Wettbewerb mangelt es an gro\u00dfen Namen. Dennoch ist die Qualit\u00e4t der Auswahl bislang erstaunlich hoch.<\/p>\n<p>Was bleibt von dem offenen Brief, dessen Wirkung sich ansonsten genretypisch im wohlfeilen Gratismut ersch\u00f6pfen wird? Wohl am ehesten die perfide Ironie, dass die Unterzeichner zwar der Ansicht sind, Kunst und Politik lie\u00dfen sich nicht trennen, aber in ihrem obsessiven Whataboutism, den sie der Berlinale aufzwingen wollen, nur unter Beweis stellen, wie gut sich k\u00fcnstlerisches Talent und politische Urteilskraft trennen lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"80 Filmschaffende haben einen offenen Brief unterzeichnet, der die Berlinale f\u00fcr ihr Schweigen zu Gaza kritisiert. 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