{"id":813631,"date":"2026-02-21T03:14:12","date_gmt":"2026-02-21T03:14:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/813631\/"},"modified":"2026-02-21T03:14:12","modified_gmt":"2026-02-21T03:14:12","slug":"leipzig-ukrainische-kuenstlerin-zeigt-fotoausstellung-ueber-krieg-in-ihrer-heimat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/813631\/","title":{"rendered":"Leipzig: Ukrainische K\u00fcnstlerin zeigt Fotoausstellung \u00fcber Krieg in ihrer Heimat"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nEin Haus, ein St\u00fcck Stra\u00dfe. Mehr ist nicht auf dem Video zu sehen, das mit einem Projektor an eine Wand im Leipziger Kunstraum D21 geworfen wird. Es ist die Aufnahme einer \u00dcberwachungskamera aus dem Jahr 2023. &#8222;Das ist unser Hauseingang&#8220;, erkl\u00e4rt Anna Perepechai.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nWas nur wenige Sekunden sp\u00e4ter auf der Aufnahme zu h\u00f6ren ist: Das laute Dr\u00f6hnen einer russischen Kampfdrohne. F\u00fcr Anna Perepechais Familie im Norden der Ukraine seit vier Jahren Realit\u00e4t. In ihrer Ausstellung &#8222;Tears of Things&#8220; will die bildende K\u00fcnstlerin sichtbar machen, was Krieg und Migration wirklich f\u00fcr Menschen bedeuten. &#8222;Ich will eine menschliche Seite zeigen, will zeigen, was innerlich passiert&#8220;, sagt sie.\n<\/p>\n<p><a name=\"Mit\">Mit<\/a> zwei Koffern voll Erinnerungen<\/p>\n<p class=\"text\">\nAngefangen hat alles mit zwei Koffern, die Anna Perepechai 2022 aus der Ukraine nach <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausflug-tipps\/leipzig-in-einem-tag-sehenswuerdigkeiten-102.html\" title=\"Leipzig: Tipps f\u00fcr einen unvergesslichen Tag\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Leipzig<\/a> brachte. Anna Perepechais Heimatstadt war vor kurzem zur\u00fcckerobert worden: &#8222;In der Luft hing irgendwie immer noch diese Schwere.&#8220; Ganz viele Menschen h\u00e4tten Angst davor gehabt, dass die russische Armee zur\u00fcckkommen k\u00f6nnte. &#8222;Dadurch habe ich dann angefangen, ein Familienarchiv zu sammeln, um es zumindest tempor\u00e4r zu sch\u00fctzen&#8220;, so Perepechai.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Ich will eine menschliche Seite zeigen, will zeigen, was innerlich passiert.<\/p>\n<p>Anna Perepechai, Bildende K\u00fcnstlerin<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nAuf dem Dachboden ihrer Gro\u00dfeltern habe sie Fotos, Briefe, Kleidung und andere Erinnerungsst\u00fccke gefunden und in zwei gro\u00dfe Koffer gepackt.\u00a0Auf der Busfahrt von Kyjiw nach <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausflug-tipps\/leipzig-sehenswuerdigkeiten-sightseeing-highlights-104.html\" title=\"Leipzig: Die 10 spannendsten Sehensw\u00fcrdigkeiten\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Leipzig<\/a> habe sie dann das erste Mal den Begriff &#8222;Tears of Things&#8220; (&#8222;Tr\u00e4nen der Dinge&#8220;) geh\u00f6rt. Ein besonderer Moment f\u00fcr Perepechai, weil sie verstanden habe, dass es genau um das gehe, was sie in den Koffern mit sich trage: &#8222;Es geht um diese Objekte, die Wert haben, die Bedeutung haben, die Erinnerung auch tragen.&#8220;\n<\/p>\n<p><a name=\"Persoenliche\">Pers\u00f6nliche<\/a> Dokumentation des Krieges seit 2014<\/p>\n<p class=\"text\">\nDieser Moment brachte Anna Perepechai dazu, sich noch intensiver k\u00fcnstlerisch mit der Trauer, aber auch der Hoffnung in ihrer Heimat zu befassen. Der Gro\u00dfteil ihrer Schau besteht aus Fotografien, die die K\u00fcnstlerin in den vergangenen zw\u00f6lf Jahren angefertigt hat. Aufnahmen von Demonstrationen w\u00e4hrend des Euromaidan 2013\/2014, bei der Hunderttausende Ukrainerinnen und Ukrainer gegen Korruption und f\u00fcr Demokratie auf die Stra\u00dfe gingen. Oder ein Selbstportr\u00e4t Perepechais mit ihrer Familie im Luftschutzkeller.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nEs sei nicht immer leicht, diese Werke zu zeigen, sagt sie \u2013 denn: &#8222;Man \u00f6ffnet sich ziemlich dadurch.&#8220; Anna Perepechai findet jedoch, dass man als K\u00fcnstlerin lernen m\u00fcsse, davon Abstand zu nehmen: &#8222;In diesem Prozess befinde ich mich noch.&#8220; 2014 kam sie nach Deutschland. Zuerst f\u00fcr einen Freiwilligendienst nach <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausstellungen\/sachsen-aktuelle-ausstellungen-museen-kunst-grafik-334.html\" title=\"Dresden bis Leipzig: Die mitrei\u00dfendsten Ausstellungen in Sachsen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Dresden<\/a>, studierte dann in Weimar und sp\u00e4ter Fotografie an der Hochschule f\u00fcr Grafik und Buchkunst in Leipzig.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Es ist nicht so leicht, diese Werke zu zeigen. Weil man sich ziemlich \u00f6ffnet dadurch.<\/p>\n<p>Anna Perepechai, Bildende K\u00fcnstlerin<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nMit Beginn der <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/welt\/osteuropa\/politik\/ukraine-russland-konflikt-100.html\" title=\"Ukraine-Russland-Konflikt \" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gro\u00dfinvasion Russlands<\/a> in die Ukraine im Februar 2022 konnte Perepechai zun\u00e4chst gar keine Kunst machen, da der Schmerz zu gro\u00df war: &#8222;Schritt f\u00fcr Schritt kamen dann aber Notizen, Schnappsch\u00fcsse, Fotos.&#8220; Anna Perepechai sagt, sie habe dann begonnen, sich politischer durch ihre Kunst auszudr\u00fccken: &#8222;Ich glaube, das war ein entscheidender Moment f\u00fcr mich.&#8220;\n<\/p>\n<p>&#8222;<a name=\"Tears\">Tears<\/a> of Things&#8220; beim f\/stop Fotomonat<\/p>\n<p class=\"text\">\nAnna Perepechais Kunst schaffe auch Raum f\u00fcr Austausch, erkl\u00e4rt Sandra Plessing, Leiterin des Kunstraums D21. Deshalb habe man &#8222;Tears of Things&#8220; f\u00fcr den f\/stop Fotomonat ausgew\u00e4hlt. &#8222;Mit der Veranstaltungsreihe f\u00f6rdern wir Nachwuchstalente im Bereich Fotografie, die ihren Abschluss an einer Kunsthochschule in Mitteldeutschland gemacht haben&#8220;, so Plessing. In diesem Jahr sei das Rahmenthema &#8222;Alien&#8220; und Anna Perepechais Arbeit passe dazu sehr gut: &#8222;Weil sie sich genau mit diesem Fremdsein in einem fremden Land befasst, aber auch mit dem eigenen Land, das sich durch den Krieg verfremdet.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Haus, ein St\u00fcck Stra\u00dfe. 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