{"id":813944,"date":"2026-02-21T06:15:19","date_gmt":"2026-02-21T06:15:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/813944\/"},"modified":"2026-02-21T06:15:19","modified_gmt":"2026-02-21T06:15:19","slug":"drogen-waffen-revierkaempfe-tuerkische-banden-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/813944\/","title":{"rendered":"Drogen, Waffen, Revierk\u00e4mpfe: T\u00fcrkische Banden in Berlin"},"content":{"rendered":"<p>&#13;<br \/>\n            Berlin\/Ankara. Die Kugeln treffen Fensterscheiben von Bars und T\u00fcren von Restaurants in Berlin. Eine Handgranate explodiert sp\u00e4tnachts in einem leeren Nachtclub in Kreuzberg. T\u00e4ter feuern auf das Einfamilienhaus eines wohlhabenden Vertreters der t\u00fcrkisch-kurdischen Szene. Immer wieder trifft es auch Menschen, die durch Sch\u00fcsse verletzt werden. Das Landeskriminalamt (LKA) ist seit vorigem Jahr alarmiert: Die deutsche Hauptstadt ist Schauplatz eines Bandenkriegs, den die organisierte Kriminalit\u00e4t aus der T\u00fcrkei nach Deutschland getragen hat. <\/p>\n<p>Vor allem bei Ladenbesitzern mit t\u00fcrkischem Hintergrund herrscht Furcht. Berichtet wird von Drohanrufen. Wer kein \u201eSchutzgeld\u201c zahlt, werde bestraft, hei\u00dft es. Kaum ein Opfer geht zur Polizei. <\/p>\n<p>          &#13;<br \/>\n            Neue Bedrohungslage &#8211; Auftragst\u00e4ter werden eingeflogen <\/p>\n<p>Die Akteure aus der T\u00fcrkei dr\u00e4ngen au\u00dferdem in den lukrativen Drogenhandel. Fast jede Woche berichtet die Polizei von Gewaltvorf\u00e4llen in der Parallelwelt der Revierk\u00e4mpfe. Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) nannte es eine neue Bedrohungslage. \u201eWir sehen inzwischen rivalisierende Banden, die auf Berlins Stra\u00dfen sichtbar Gewalt einsetzen, sei es durch Handgranatenw\u00fcrfe auf Lokale, sei es durch Sch\u00fcsse auf Menschen, Fahrzeuge und auch Geb\u00e4ude\u201c, sagte sie dem Sender RBB.\u00a0 <\/p>\n<p>2025 z\u00e4hlte die Polizei 543 F\u00e4lle, in denen geschossen wurde. Dazu kamen 629 F\u00e4lle von Drohungen mit einer Schusswaffe. Im Jahr 2024 waren es einige hundert F\u00e4lle weniger &#8211; 363 Mal wurde geschossen und 303 Mal gedroht. <\/p>\n<p>Vor allem t\u00fcrkisch-kurdische Banden liefern sich diese Drohungen und K\u00e4mpfe. Daf\u00fcr werden sogar gezielt T\u00e4ter eingeflogen, erkl\u00e4rte Berlins Polizeipr\u00e4sidentin Barbara Slowik Meisel k\u00fcrzlich. \u201eSie reisen kurzfristig mit einem Touristenvisum ein und begehen dann hier\u00a0Straftaten, f\u00fcr die sie Auftr\u00e4ge erhalten haben.\u201c Sie verschw\u00e4nden nach ihren Taten schnell wieder.\u00a0 <\/p>\n<p>Banden in Istanbul mit tausend Mitgliedern <\/p>\n<p>Was gerade in Deutschland und speziell Berlin Fu\u00df fassen will, ist in der T\u00fcrkei schon l\u00e4nger ein gro\u00dfes Problem: Stra\u00dfenbanden der \u201eneuen Generation\u201c, die durch Erpressung, Drogen- und Waffenschmuggel erstarkt sind, so der Journalist und Autor Osman Cakli. Darunter sind die Daltons &#8211; diesen Namen trugen eine historische Bande sowie Gangster-Br\u00fcder in den \u201eLucky Luke\u201c-Comics. Bekannt sind sie f\u00fcr ihr brutales Vorgehen und die Rekrutierung junger Mitglieder \u00fcber die Internet-Medien.\u00a0 <\/p>\n<p>Diese Banden haben wie \u00e4hnliche Gruppierungen in Mittel- und S\u00fcdamerika besonders bei jungen M\u00e4nnern Zulauf. Aus Gerichtsakten zu einem Prozess gegen die Daltons geht hervor, dass vornehmlich M\u00e4nner von 15 bis 20 Jahren rekrutiert werden. Aber auch immer mehr junge Frauen w\u00fcrden Teil der Banden. Laut Cakli sollen es allein in Istanbul mit seinen gut 15 Millionen Einwohnern 1.000 bewaffnete Mitglieder sein. In einem laufenden Prozess gegen die ber\u00fcchtigte Bande Casper sind rund 70 Minderj\u00e4hrige angeklagt.\u00a0 <\/p>\n<p>Gangs locken mit Ruhm und Reichtum\u00a0 <\/p>\n<p>Die Gangs l\u00f6sten bei jungen Menschen aus Armenvierteln Faszination und Sehnsucht aus, sagt Cakli. Auf Tiktok pr\u00e4sentierten sie ein Leben, das Tr\u00e4ume weckt: Geld, teure Autos, Waffen. Jugendliche, die sich den Banden anschlie\u00dfen, stammten oft aus kurdischen oder alevitischen Familien, die durch jahrzehntelange Diskriminierung an den Rand der Gesellschaft in der T\u00fcrkei gedr\u00e4ngt wurden.\u00a0 <\/p>\n<p>Die hohe Inflation der vergangenen Jahre habe die Situation weiter versch\u00e4rft. \u201eDrogendealer verdienen 250.000 bis 300.000 Lira im Monat\u201c, so Cakli. Das sind knapp 5.000 bis knapp 6.000 Euro. \u201eEin Textilarbeiter arbeitet jeden Tag 13 bis 14 Stunden in der Fabrik, ist oft nicht versichert und bekommt keinen Mindestlohn. Wenn die Kinder dieser Familien nicht gefasst werden, verdienen sie in wenigen Monaten das Einkommen von vielleicht zwei oder drei Jahren.\u201c <\/p>\n<p>Auftragsm\u00f6rder per Tiktok <\/p>\n<p>Zudem erhielten Minderj\u00e4hrige oft nur kurze Gef\u00e4ngnisstrafen. In diesen Kreisen sei das ohnehin eher eine Auszeichnung als ein Nachteil. Der Zugang zu den Banden ist denkbar leicht, eine Nachricht gen\u00fcgt: \u201eJemand, der unter einem Video auf Tiktok einen Kommentar hinterl\u00e4sst, kann zwei Monate sp\u00e4ter als Auftragsm\u00f6rder t\u00e4tig werden.\u201c <\/p>\n<p>Waffen seien problemlos verf\u00fcgbar. Per Tiktok k\u00f6nne man sich von einem Kurier f\u00fcr umgerechnet knapp 60 Euro eine Waffe liefern lassen, berichtet Cakli. Ein Kalaschnikow-Sturmgewehr gebe es bereits f\u00fcr 300 Euro. <\/p>\n<p>Internationaler Drogenschmuggel nutzt T\u00fcrkei\u00a0 <\/p>\n<p>Eine zentrale Einnahmequelle der Banden ist der Drogenhandel. Die Bedeutung der T\u00fcrkei im internationalen Drogengesch\u00e4ft ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Dem Land verschafft das bei manchen Experten den Beinamen \u201edas Mexiko Europas\u201c. Internationale Kartelle nutzen t\u00fcrkische H\u00e4fen f\u00fcr den Schmuggel von Kokain aus S\u00fcdamerika nach Europa, um etwa sch\u00e4rferen Kontrollen in den H\u00e4fen von Rotterdam oder Antwerpen zu umgehen. Die Bandenviertel Istanbuls sind laut Cakli auch die Hauptumschlagpl\u00e4tze f\u00fcr die eingeschmuggelten Drogen. Die Beh\u00f6rden stehen den Banden weitgehend machtlos gegen\u00fcber.\u00a0 <\/p>\n<p>Banden-Pr\u00e4senz bei Beerdigung\u00a0 <\/p>\n<p>Dass die Daltons sich auch in Berlin ausbreiten, hat laut Beobachtern zum einen mit zunehmendem Druck in der T\u00fcrkei zu tun. Zum anderen gehe es um die Erschlie\u00dfung neuer M\u00e4rkte. Berlin sei eine Metropole mit einem florierenden Drogenmarkt, zugleich seien Polizei und Justiz unterbesetzt, sagt der Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP), Benjamin Jendro.\u00a0 <\/p>\n<p>\u201eWir sehen seit ein paar Monaten, dass die Ezgins als Ableger der sogenannten Daltons aktiver werden und die Hauptstadt als Bet\u00e4tigungsfeld\u00a0und Absatzmarkt f\u00fcr sich entdeckt haben\u201c, sagt Jendro. Die Banden seien brutaler als fr\u00fcher. \u201eAlle haben Schusswaffen, auch l\u00e4ngst nicht mehr nur kleine\u00a0Kaliber. Es wird reaktiv skrupellos\u00a0vorgegangen, nicht lange gedroht, sondern auch sofort gehandelt.\u201c <\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich zeigt die Bande auch \u00f6ffentlich Pr\u00e4senz. Bei einer prominenten Beerdigung in Berlin mit Vertretern des kriminellen Milieus im Januar trugen ein gro\u00dfer Kranz und eine Schleife die Aufschrift \u201eDaltonlar\u201c. <\/p>\n<p>Razzien, Kontrollen, Waffenfunde <\/p>\n<p>Angesichts der st\u00e4ndigen Gewalt gr\u00fcndete das Berliner Landeskriminalamt (LKA) im November eine gro\u00dfe Sondereinheit f\u00fcr die Ermittlungen. Der Name der sogenannten BAO (Besondere Aufbauorganisation) bezieht sich auf die Schusswaffen: \u201eFerrum\u201c (lateinisch f\u00fcr \u201eEisen\u201c).\u00a0 <\/p>\n<p>Seitdem st\u00fcrmen und durchsuchen Polizisten fast Nacht f\u00fcr Nacht Shisha-Bars und Imbisse in Kreuzberg, Sch\u00f6neberg, Wedding, Charlottenburg oder Neuk\u00f6lln. An bekannten Treffpunkten der Szene gibt es Verkehrskontrollen. Die Polizei \u00fcberpr\u00fcfte Identit\u00e4ten von rund 5.000 Menschen, dazu 3.000 Autos und mehr als 800 Lokale.\u00a0 <\/p>\n<p>Die Ergebnisse: 18 beschlagnahmte Schusswaffen und 192 Patronen, 10 Schreckschusspistolen, 50 sonstige Waffen wie Messer, Baseballschl\u00e4ger und Elektroschocker. Die Polizei leitete 260 Ermittlungsverfahren ein, stellte 50 Verd\u00e4chtige fest und lie\u00df 12 Haftbefehle ausstellen. Die Eins\u00e4tze zeigten Wirkung, betonte die Polizei, die st\u00e4ndige Pr\u00e4senz sei ein Signal an die organisierte Kriminalit\u00e4t, die ihre Pistolen inzwischen lieber zu Hause lasse. Nun m\u00fcsse der Druck weiter aufrechterhalten werden. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/In-einem-Nachtclub-in-Berlin-Kreuzberg-explodierte-im-1248599.jpg\" title=\"Drogen, Waffen, Revierk\u00e4mpfe: T\u00fcrkische Banden in Berlin\" alt=\"In einem Nachtclub in Berlin-Kreuzberg explodierte im Dezember 2025 eine Handgranate. \" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p>In einem Nachtclub in Berlin-Kreuzberg explodierte im Dezember 2025 eine Handgranate.  &#13;<br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\tFoto: Markus Lenhardt\/dpa<\/p>\n<p><img decoding=\"async\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Ein-Einsatzfahrzeug-der-Polizei-steht-2025-nach-Schuessen-1248600.jpg\" title=\"Drogen, Waffen, Revierk\u00e4mpfe: T\u00fcrkische Banden in Berlin\" alt=\"Ein Einsatzfahrzeug der Polizei steht 2025 nach Sch\u00fcssen auf einer Stra\u00dfe in Berlin-Kreuzberg. \" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p>Ein Einsatzfahrzeug der Polizei steht 2025 nach Sch\u00fcssen auf einer Stra\u00dfe in Berlin-Kreuzberg.  &#13;<br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\tFoto: Anja Mia Neumann\/dpa<\/p>\n<p><img decoding=\"async\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Polizeieinsatz-Ende-Januar-2025-in-Berlin-Weissensee-1248601.jpg\" title=\"Drogen, Waffen, Revierk\u00e4mpfe: T\u00fcrkische Banden in Berlin\" alt=\"Polizeieinsatz Ende Januar 2025 in Berlin-Wei\u00dfensee, nachdem Sch\u00fcsse auf einen Mann abgefeuert wurden.\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p>Polizeieinsatz Ende Januar 2025 in Berlin-Wei\u00dfensee, nachdem Sch\u00fcsse auf einen Mann abgefeuert wurden. &#13;<br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\tFoto: Fabian Sommer\/dpa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#13; Berlin\/Ankara. Die Kugeln treffen Fensterscheiben von Bars und T\u00fcren von Restaurants in Berlin. 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