{"id":81459,"date":"2025-05-03T15:29:10","date_gmt":"2025-05-03T15:29:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/81459\/"},"modified":"2025-05-03T15:29:10","modified_gmt":"2025-05-03T15:29:10","slug":"wir-fuehlten-uns-befreit-als-in-hamburg-der-zweite-weltkrieg-zu-ende-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/81459\/","title":{"rendered":"&#8222;Wir f\u00fchlten uns befreit&#8220;: Als in Hamburg der Zweite Weltkrieg zu Ende war"},"content":{"rendered":"<p>                    &#8222;Wir f\u00fchlten uns befreit&#8220;<br \/>\n                Als in Hamburg der Zweite Weltkrieg zu Ende war<\/p>\n<p>\t\t\t\t              03.05.2025, 16:44 Uhr<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t       Artikel anh\u00f6ren<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\tDiese Audioversion wurde k\u00fcnstlich generiert. <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/23249898\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mehr Infos<\/a><\/p>\n<p><strong>K\u00e4mpfen bis zum letzten Mann, dann alles zerst\u00f6ren &#8211; das war Hitlers Befehl f\u00fcr Hamburg. Doch der Stadt blieb dieses Schicksal erspart. Ein Historiker l\u00e4sst Zeitzeugen des Kriegsendes zu Wort kommen.<\/strong><\/p>\n<p>Mehr als 200 Luftangriffe richteten im Zweiten Weltkrieg gro\u00dfe Zerst\u00f6rungen in Hamburg an, mehrere Zehntausend Menschen starben. Doch das Ende des Krieges kam am 3. Mai 1945 weitgehend friedlich. Nach Kapitulationsverhandlungen fuhren die britischen Panzer \u00fcber die Elbbr\u00fccken bis zum Rathaus und besetzten die Stadt kampflos. &#8222;Das ist f\u00fcr mich das wichtigste Datum der hamburgischen Geschichte im 20. Jahrhundert&#8220;, sagt der Historiker Ortwin Pelc. Die friedliche Besetzung habe vielen Zivilisten und Soldaten den Tod und der zweitgr\u00f6\u00dften deutschen Stadt eine weitere Zerst\u00f6rung erspart.<\/p>\n<p>Wenige Tage zuvor hatten die Briten nach teils heftigen K\u00e4mpfen Bremen erobert, wobei nach Angaben von Pelc mehrere Hundert Soldaten und Zivilisten ums Leben kamen. Der Hamburger Gauleiter Karl Kaufmann war der einflussreichste Repr\u00e4sentant des nationalsozialistischen Regimes in Hamburg. Kampfkommandant war Generalmajor Alwin Wolz. Beide setzten Hitlers &#8222;Nero-Befehl&#8220;, nach dem den alliierten Truppen nur verbrannte Erde hinterlassen werden sollte, nicht um. <\/p>\n<p>Sie lavierten und lie\u00dfen eine Verhandlungsinitiative des Direktors der Harburger Phoenix-Gummiwerke, Albert Sch\u00e4fer, zu. Der Unternehmer und zwei weitere Unterh\u00e4ndler trafen sich am 29. April mit einem britischen Offizier s\u00fcdlich von Hamburg und sprachen \u00fcber eine Kapitulation. Am 30. April beging Hitler Suizid. Zwei Tage sp\u00e4ter gab sein Nachfolger, Gro\u00dfadmiral Karl D\u00f6nitz, den Befehl, Hamburg kampflos zu r\u00e4umen. <\/p>\n<p>Eine Stadt erinnert sich<\/p>\n<p>Zum 80. Jahrestag hat Pelc ein neues Buch mit dem Titel &#8222;Kriegsende in Hamburg &#8211; Eine Stadt erinnert sich&#8220; (Ellert &amp; Richter Verlag) herausgegeben. Neben vielen noch weitgehend unbekannten Fotos und Illustrationen enth\u00e4lt es viele Abbildungen von Originaldokumenten und Aussagen von Zeitzeugen. Er habe rund 400 Briefe und Interviews ausgewertet, sagt Pelc. Die Zeitzeugen &#8211; insgesamt 320 &#8211; hatten sich 2005 nach einem Aufruf im &#8222;Hamburger Abendblatt&#8220; gemeldet. &#8222;Am 3. Mai war f\u00fcr mich a) der Krieg zu Ende; b) waren wir die Nazis los. Wir f\u00fchlten uns befreit&#8220;, berichtete Elisabeth Jud, die Frau des Buchh\u00e4ndlers und Hitler-Gegners Felix Jud, dem Historiker pers\u00f6nlich. <\/p>\n<p>So wie sie empfanden auch die Gefangenen in den zahlreichen Au\u00dfenstellen des KZs Neuengamme. Das Hauptlager war indes menschenleer. Die SS hatte die H\u00e4ftlinge &#8211; Pelc sch\u00e4tzt ihre Zahl f\u00fcr Ende M\u00e4rz 1945 auf 50.000 &#8211; auf Todesm\u00e4rsche geschickt. Das Hauptlager wurde am 20. April aufgel\u00f6st. In der Nacht zum 21. April erh\u00e4ngten SS-M\u00e4nner in einer ehemaligen Schule am Bullenhuser Damm, einer Au\u00dfenstelle des KZ, 20 j\u00fcdische Kinder, ihre 4 Betreuer und 24 sowjetische Kriegsgefangene. Die Kinder waren f\u00fcr medizinische Experimente missbraucht worden, die SS wollte Spuren verwischen. 4200 d\u00e4nische und norwegische Gefangene wurden nach einem Abkommen mit dem Schwedischen Roten Kreuz nach Schweden gebracht. <\/p>\n<p>Mehr als 9000 andere H\u00e4ftlinge wurden mit Z\u00fcgen, Lastwagen und zu Fu\u00df nach L\u00fcbeck geschickt und mussten sich dort an Bord der drei Schiffe &#8222;Cap Arcona&#8220;, &#8222;Thielbek&#8220; und &#8222;Athen&#8220; begeben. Am 3. Mai lagen die &#8222;Cap Arcona&#8220; und die &#8222;Thielbek&#8220; vor Neustadt auf der Ostsee. Die britische Luftwaffe beschoss die beiden Schiffe am Nachmittag, vermutlich im Glauben, dass sich mit ihnen Wehrmachtssoldaten nach Norwegen absetzen wollten. Bei dem Angriff starben nach Angaben der KZ-Gedenkst\u00e4tte Neuengamme fast 7000 Gefangene. <\/p>\n<p>Briten schenken Kindern Schokolade<\/p>\n<p>Vom selben Tag berichten Zeitzeugen vom Schweigen der Waffen und gro\u00dfer Ruhe in Hamburg. Ab 13 Uhr galt eine Ausgangssperre. Erst am Nachmittag kamen die britischen Truppen \u00fcber die Elbbr\u00fccken. Die ersten Begegnungen mit den Soldaten beschreiben viele der damals jungen Zeitzeugen als freundlich. &#8222;Ich habe besonders positiv in Erinnerung, dass wir Kinder von den Soldaten auf den Panzern (&#8230;) immer wieder Wei\u00dfbrot mit Scheibenk\u00e4se oder Schokolade bekamen&#8220;, berichtet Peter Humbach, der im Stadtteil Horn wohnte. <\/p>\n<p>Bei der Durchsuchung von Wohnungen, zum Beispiel nach Wehrmachtsangeh\u00f6rigen, sei es durchaus zu \u00dcbergriffen und Diebst\u00e4hlen gekommen, schreibt Pelc. Doch diese seien nach wenigen Tagen von den Milit\u00e4rbeh\u00f6rden unterbunden worden.<\/p>\n<p>Die Zeitzeugen sind nicht repr\u00e4sentativ. Es handelt sich \u00fcberwiegend um Menschen, die bei Kriegsende Kinder oder Jugendliche waren. Viele erwachsene M\u00e4nner waren als Soldaten an der Front oder schon in Gefangenschaft. Pelc betont: &#8222;Nur wenige empfanden den 3. Mai 1945 als Tag der Befreiung &#8211; ausgenommen die Gefangenen, Verfolgten und Gegner der Nationalsozialisten. Die meisten sahen diesen Tag zwar als das herbeigesehnte Ende des Krieges, aber auch als Niederlage an.&#8220; <\/p>\n<p>Es sei schwer, sich in die damalige Zeit zur\u00fcckzuversetzen. Die Menschen waren entt\u00e4uscht und empfanden eine Ungewissheit. Die erst sp\u00e4ter aufgebaute demokratische Struktur sei nicht absehbar gewesen. &#8222;Es war im Ergebnis eine Befreiung&#8220;, sagt Pelc. &#8222;Aber das ist unsere heutige Definition.&#8220;<\/p>\n<p>Im Jahr 2022 hatte die Hamburgische B\u00fcrgerschaft den 8. Mai zu einem Gedenktag erkl\u00e4rt. Damit folgte Hamburg den Bundesl\u00e4ndern Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Schleswig-Holstein und Bremen, die &#8211; mit Ausnahme Schleswig-Holsteins &#8211; alle ein sehr viel schlimmeres Kriegsende erlebten. In dem Beschluss der B\u00fcrgerschaft wurde der f\u00fcr Hamburg so bedeutsame 3. Mai gar nicht erw\u00e4hnt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Wir f\u00fchlten uns befreit&#8220; Als in Hamburg der Zweite Weltkrieg zu Ende war 03.05.2025, 16:44 Uhr Artikel anh\u00f6ren&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":81460,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1826],"tags":[29,30,692,984,2657],"class_list":{"0":"post-81459","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hamburg","8":"tag-deutschland","9":"tag-germany","10":"tag-hamburg","11":"tag-international","12":"tag-zweiter-weltkrieg"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114444616664873785","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81459","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=81459"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81459\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/81460"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=81459"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=81459"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=81459"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}