{"id":818311,"date":"2026-02-23T00:20:12","date_gmt":"2026-02-23T00:20:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/818311\/"},"modified":"2026-02-23T00:20:12","modified_gmt":"2026-02-23T00:20:12","slug":"berlin-eurasburg-ueberverantwortung-im-job-warum-abgrenzen-so-wichtig-ist-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/818311\/","title":{"rendered":"Berlin\/Eurasburg | \u00dcberverantwortung im Job: Warum Abgrenzen so wichtig ist"},"content":{"rendered":"<p>Berlin\/Eurasburg (dpa\/tmn) &#8211; Manche Berufst\u00e4tige f\u00fchlen sich f\u00fcr alles zust\u00e4ndig: f\u00fcr Fehler im Team, das Wohlbefinden der Kolleginnen und Kollegen, f\u00fcr Ergebnisse oder Ereignisse, die sie nur teilweise beeinflussen k\u00f6nnen. Warum ist das so? Welche Signale zeigen mir, dass ich \u00fcbertreibe? Und wie gelingt es, sich von \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Verantwortung abzugrenzen? Eine Karriereberaterin und ein Psychologe geben Antworten.<\/p>\n<p>Wann handle ich \u00fcbertrieben verantwortlich?<\/p>\n<p>Verantwortung zu \u00fcbernehmen, ist grunds\u00e4tzlich gut, sagt Psychologe Nils Spitzer. Wer so handelt, will Gutes bewirken oder Schaden verhindern. \u00abDas ist eigentlich das Gegenteil von Egoismus\u00bb, erkl\u00e4rt Spitzer, der ein Buch zum Thema Verantwortung geschrieben hat.<\/p>\n<p>Doch wie bei vielem, was gut ist, k\u00f6nnen Menschen es \u00fcbertreiben. \u00dcbertriebene Verantwortung beschreibt Spitzer als \u00abdie stabile Neigung, sich in belastend vielen Situationen Verantwortung aufzub\u00fcrden\u00bb. Daf\u00fcr gebe es zwei typische Signale: \u00abSie \u00fcbernehmen Aufgaben au\u00dferhalb Ihrer Zust\u00e4ndigkeit, oder Sie erledigen Dinge \u00fcbergr\u00fcndlich, weit \u00fcber alle Sorgfaltsstandards hinaus.\u00bb<\/p>\n<p>Woran erkenne ich, dass ich im Job zu viel Verantwortung \u00fcbernehme?<\/p>\n<p>Zu viel Verantwortung zu \u00fcbernehmen, habe praktische Folgen im Beruf, sagt Spitzer: Wer zur \u00dcberverantwortung neigt, mischt st\u00e4ndig in fremde Arbeitsbereiche ein und braucht unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viel Zeit f\u00fcr seine \u00fcbergro\u00dfe Sorgfalt.<\/p>\n<p>Dabei sei ein \u00fcbertriebenes Verantwortungsgef\u00fchl im Berufsleben keine Seltenheit, sagt Heidi Steinberger, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Karriereberatung. \u00abViele halten das lange f\u00fcr normal. Es f\u00fchlt sich richtig an und wird Teil der beruflichen Identit\u00e4t.\u00bb<\/p>\n<p>Offensichtlich wird das Muster h\u00e4ufig erst dann, wenn das gute Gef\u00fchl in Frust oder Zynismus umschl\u00e4gt. \u00abBetroffene haben dann das Gef\u00fchl, dass immer alles an ihnen h\u00e4ngen bleibt\u00bb, so Karriereberaterin Steinberger.<\/p>\n<p>Was treibt dieses Verhalten an?<\/p>\n<p>Ein \u00fcbertriebenes Verantwortungsgef\u00fchl wurzelt in der Pers\u00f6nlichkeit, erkl\u00e4rt Spitzer. H\u00e4ufig steckt ein \u00abmoralischer Perfektionismus\u00bb dahinter \u2013 die \u00dcberzeugung, immer verantwortlich handeln zu m\u00fcssen.\u00a0<\/p>\n<p>Auch eine \u00abKontroll-Illusion\u00bb kann eine Rolle spielen: \u00abIch kann es richten \u2013 also muss ich es tun.\u00bb\u00a0Diese Denkweise beruhe auf der falschen Annahme, dass Handlungsmacht automatisch Verantwortung bedeutet. Hinzu k\u00e4men oft ein starkes Bed\u00fcrfnis nach Anerkennung und ein geringes Selbstwertgef\u00fchl.<\/p>\n<p>Der Job und das Arbeitsumfeld k\u00f6nnen dieses Verhalten beg\u00fcnstigen, vor allem durch unklare Aufgaben, Rollen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungsbefugnisse, sagt Steinberger.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abIn modernen Arbeitsstrukturen wie Matrixorganisationen sind Verantwortlichkeiten oft nicht so eindeutig, was zu Orientierungslosigkeit und dem Druck f\u00fchrt, alle zufriedenstellen zu m\u00fcssen\u00bb, sagt sie.\u00a0Besonders anf\u00e4llig seien T\u00e4tigkeiten mit vielen Schnittstellen, etwa in der Projektleitung.<\/p>\n<p>Welche Folgen hat \u00dcberverantwortung?<\/p>\n<p>Spitzer warnt vor den typischen Folgen: Anspannung und chronischer Stress. \u00abMan tr\u00e4gt mehr Verantwortung, arbeitet intensiver und ist nie sicher, ob es reicht.\u00bb Langfristig k\u00f6nne das zu einem Burn-out f\u00fchren, zu Zwangsst\u00f6rungen, Angstst\u00f6rungen und Depressionen.<\/p>\n<p>Im Job sei \u00dcberverantwortung zudem nicht gerade der Karriere f\u00f6rderlich, so Steinberger. Kollegen oder Vorgesetzte k\u00f6nnten es als st\u00f6rend oder grenz\u00fcberschreitend empfinden. Zudem schaffen Betroffene oft eine Erwartungshaltung, die ihnen schadet: \u00abDer \u00fcberm\u00e4\u00dfige Einsatz zuverl\u00e4ssiger Mitarbeiter wird schnell als selbstverst\u00e4ndlich angesehen\u00bb, sagt Steinberger. \u00abSelbst wenn sie an ihre Grenzen sto\u00dfen, erhalten sie keine Entlastung.\u00bb<\/p>\n<p>Welche Strategien helfen gegen \u00dcberverantwortung?<\/p>\n<p>Im Berufsalltag hilft es, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen, so Spitzer: \u00abIst das wirklich mein Zust\u00e4ndigkeitsbereich \u2013 oder glaube ich das nur?\u00bb Auch die eigenen Standards sollte man pr\u00fcfen: Welche Sorgfaltsma\u00dfst\u00e4be gelten hier tats\u00e4chlich \u2013 was ist gut genug?\u00a0<\/p>\n<p>Wichtig sei es vor allem, positive Erfahrungen zuzulassen: \u00abMan sollte Aufgaben gezielt an andere abgeben und wahrnehmen, dass deren Ergebnisse auch funktionieren, selbst wenn sie die Aufgabe anders erledigen\u00bb, so der Psychologe.<\/p>\n<p>Heidi Steinberger empfiehlt, sich selbst zeitliche Puffer zu gew\u00e4hren: \u00abMan sollte nicht jede Aufgabe sofort \u00fcbernehmen, sondern bewusst entscheiden, ob sie wirklich dringend ist. Das gibt anderen die Chance, sich einzubringen.\u00bb<\/p>\n<p>Betroffene m\u00fcssten zudem nicht alle Probleme allein l\u00f6sen. Die Karriereberaterin sieht auch Arbeitgeber in der Pflicht: Bei unklaren Rollen und Verantwortlichkeiten sollten Mitarbeiter eine Kl\u00e4rung einfordern, etwa im Gespr\u00e4ch mit der F\u00fchrungskraft.\u00a0<\/p>\n<p>Hilfreich sei zudem, Aufgaben, Zust\u00e4ndigkeiten und Termine im Team schriftlich festzuhalten \u2013 sowohl die eigenen als auch die der anderen. \u00abDas entlastet den Kopf und reduziert den inneren Druck, alles kontrollieren zu m\u00fcssen.\u00bb<\/p>\n<p>Wann ist professionelle Hilfe n\u00f6tig?<\/p>\n<p>Ein \u00fcbertriebenes Verantwortungsbewusstsein selbst zu z\u00fcgeln, ist oft schwer. Gerade wer sich st\u00e4ndig f\u00fcr alles verantwortlich f\u00fchlt, st\u00f6\u00dft schnell an seine Grenzen. Spitzer r\u00e4t: \u00abWenn Sie merken, dass die \u00dcberverantwortung Sie belastet und Leid verursacht, sollten Sie Hilfe suchen. Dieses Muster l\u00e4sst sich in einer Therapie meist gut ver\u00e4ndern.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin\/Eurasburg (dpa\/tmn) &#8211; Manche Berufst\u00e4tige f\u00fchlen sich f\u00fcr alles zust\u00e4ndig: f\u00fcr Fehler im Team, das Wohlbefinden der Kolleginnen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":818312,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1841],"tags":[1140,630,1605,4941,3364,29,30,1710,1209,183561,13353,624,69655,26124,183562,9840],"class_list":["post-818311","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-bielefeld","tag-arbeit","tag-beruf","tag-bielefeld","tag-cjab","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-karriere","tag-nordrhein-westfalen","tag-perfektionismus","tag-psychologie","tag-ratgeber","tag-selbstwert","tag-tmn0300","tag-ueberverantwortung","tag-verantwortung"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116117086296780782","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/818311","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=818311"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/818311\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/818312"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=818311"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=818311"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=818311"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}