{"id":818567,"date":"2026-02-23T02:59:12","date_gmt":"2026-02-23T02:59:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/818567\/"},"modified":"2026-02-23T02:59:12","modified_gmt":"2026-02-23T02:59:12","slug":"halle-100-band-der-monumentalen-haendel-ausgabe-erscheint","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/818567\/","title":{"rendered":"Halle: 100. Band der monumentalen H\u00e4ndel-Ausgabe erscheint"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nDie B\u00fccher haben in etwa das Format eines schmalen Aktenordners, ein blasses Blau ist die Farbe des Einbands und nur ein dezenter Schriftzug ziert die Titelseite: <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/weitere-epochen\/neuzeit\/georg-friedrich-haendel-biografie-100.html\" title=\"Georg Friedrich H\u00e4ndel: eine Biografie\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Georg Friedrich H\u00e4ndel<\/a>. Wer genauer wissen will, um welchen Band der H\u00e4ndel-Ausgabe es sich handelt, der blickt auf den Buchr\u00fccken: &#8222;Serie III\/14&#8220; steht da geschrieben und die englischen Titel der Werke, die dieser 100. Band versammelt: &#8222;Anthem on the Peace&#8220; und &#8222;Foundling Hospital Anthem&#8220;.\n<\/p>\n<p><a name=\"J\">J<\/a>ubil\u00e4umsausgabe zeigt H\u00e4ndel auch als Wohlt\u00e4ter<\/p>\n<p class=\"text\">\nDas &#8222;Anthem on the Peace&#8220; komponierte H\u00e4ndel anl\u00e4sslich eines Dankgottesdienstes nach dem Frieden von Aachen 1749. Im gleichen Jahr schuf er eine Komposition f\u00fcr das von ihm mitbegr\u00fcndete Waisenhaus. Die Auff\u00fchrung sollte Geld einwerben f\u00fcr dieses &#8222;Findlingshaus&#8220; in London. Zwei w\u00fcrdige Werke also, die H\u00e4ndel als Wohlt\u00e4ter zeigen und die den Band 100 der H\u00e4ndel-Ausgabe besonders gl\u00e4nzen lassen. Das findet zumindest der Musikwissenschaftler Dennis Ried, Junior-Professor der an der Universit\u00e4t in <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausflug-tipps\/halle-sehenswuerdigkeiten-tipps-110.html\" title=\"Halle: 12 beeindruckende Sehensw\u00fcrdigkeiten f\u00fcr einen Ausflug\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Halle<\/a>. Er erkl\u00e4rt im Gespr\u00e4ch mit MDR KULTUR, dass Gesamtausgaben naturgem\u00e4\u00df \u00fcber mehrere Jahrzehnte hinweg erscheinen. &#8222;Mit einem Ausma\u00df, wie wir es bei der H\u00e4ndel-Ausgabe zu tun haben, kann man schon stolz sein, dass man \u00fcberhaupt die 100 schafft&#8220;, so der Forscher.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Hallische H\u00e4ndel-Ausgabe (HHA) versteht sich als Kritische Gesamtausgabe auf Grundlage aller bekannten Quellen. Das ist der Unterschied zu vorherigen Editionen, deren bekannteste die von Friedrich Chrysander sein d\u00fcrfte. Zwischen 1858 und 1894 gab der Hamburger Pionier der Musikkritik quasi im Alleingang die Werke H\u00e4ndels heraus. Auch er betrieb schon systematische Quellenforschung, reiste nach London, um sich Handschriften H\u00e4ndels anzusehen und erwarb zahlreiche originale Dirigierpartituren, die von H\u00e4ndel bei seinen Auff\u00fchrungen verwendet wurden. Mit allen Eintragungen des Meisters, etwa bei S\u00e4ngerwechseln oder wenn Arien gestrichen oder Zwischenst\u00fccke eingef\u00fcgt worden sind.\n<\/p>\n<p><a name=\"M\">M<\/a>usikalische Detektivarbeit<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Chrysander hat eine sehr fehlerfreie Notenausgabe gemacht, man kann zuverl\u00e4ssig nach dem Material spielen&#8220;, lobt der HHA-Redakteur Hendrik Wilken. &#8222;Aber die Fassung, die Chrysander bietet in den B\u00e4nden, entspricht h\u00e4ufig nicht dem, was H\u00e4ndel bei seiner Erstauff\u00fchrung wirklich dem Publikum vorgestellt hat&#8220;, erkl\u00e4rt er weiter. Die Noten spiegeln also nicht das St\u00fcck wider, das &#8222;H\u00e4ndel ganz am Anfang beabsichtigt hatte.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDazu kommt: Die Quellenlage habe sich entschieden ver\u00e4ndert, sagt Teresa Ramer-W\u00fcnsche und verweist auf zeitgen\u00f6ssische Abschriften von Notenbl\u00e4ttern, die aus dem Umkreis der G\u00f6nner und Verehrer rund um H\u00e4ndel immer wieder auftauchen. In den letzten 30 Jahren, sagt die Musikwissenschaftlerin, seien durch Digitalisierung und die Zunahme des weltweiten Informationsflusses viele solcher teils verschollen geglaubter Abschriften f\u00fcr die Wissenschaft zug\u00e4nglich geworden, die beispielsweise in Japan oder in den USA liegen. &#8222;Da haben die heutigen Editoren und Wissenschaftler mehr M\u00f6glichkeiten, solches Material aufzufinden, Vergleichsabschriften zu haben und dadurch den Befund in der Dirigierpartitur oder auch im Autograf zeitlich besser verorten zu k\u00f6nnen&#8220;, erkl\u00e4rt Teresa Ramer-W\u00fcnsche.\n<\/p>\n<p>H\u00e4ndel-Tradition in Halle<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Hallische H\u00e4ndel-Ausgabe ist heute ein Forschungsvorhaben der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz. Sie wird im Rahmen des von der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften koordinierten Akademienprogramms von der Bundesrepublik Deutschland und dem Land Sachsen-Anhalt gef\u00f6rdert. Begonnen hat es bereits 1955 unter dem H\u00e4ndel-Forscher Max Schneider (1875-1967). Sein Verdienst war es, trotz der widrigen Umst\u00e4nde mit Reiseverboten und deutscher Teilung die H\u00e4ndel-Forschung in Halle international zu halten \u2013 denn schlie\u00dflich liegen die meisten der Quellen in London und Hamburg. Das Klavier Max Schneiders dient den Forschenden in Halle bis heute als Arbeitsinstrument \u2013 Hendrik Wilken nutzt es immer wieder, um kritische Stellen der Notenschrift auf ihre Plausibilit\u00e4t zu pr\u00fcfen, also ob sie vern\u00fcnftig klingen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nGerade arbeitet die Redaktion der Hallischen H\u00e4ndel-Ausgabe an einem Sonderband. Es ist ein Revisionsband zu H\u00e4ndels wohl ber\u00fchmtestem Werk &#8222;Messiah&#8220;. Denn inzwischen, so erl\u00e4utert Teresa Ramer-W\u00fcnsche, sei sehr klar: &#8222;In der ersten Hallischen H\u00e4ndel-Ausgabe von 1965 ist ein Werkbild abgebildet, was so unter H\u00e4ndel niemals zur Auff\u00fchrung gekommen ist. Und weil es weltweit das am meisten aufgef\u00fchrte Werk H\u00e4ndels ist, ist es wichtig, das neu herauszugeben.&#8220;\n<\/p>\n<p><a name=\"D\">D<\/a>ie gr\u00f6\u00dften Herausforderungen f\u00fcr die Forschung<\/p>\n<p class=\"text\">\n16 Fassungen des Werkes sind zu H\u00e4ndels Lebzeiten zur Auff\u00fchrung gekommen. Dank der inzwischen genauer m\u00f6glichen Zuordnung und Datierung einzelner Fragmente, Streichungen und Erg\u00e4nzungen sei es bald m\u00f6glich, ein g\u00fcltiges Notenwerk herauszugeben. &#8222;Wenn dann ein Dirigent sagt, ich m\u00f6chte die Erstauff\u00fchrungsfassung aus London auff\u00fchren von 1743&#8220;, erkl\u00e4rt Mitherausgeberin Teresa Ramer-W\u00fcnsche, &#8222;die wird dann eben auch rekonstruiert sein und wird angeboten werden k\u00f6nnen!&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Kritische Neuausgabe des &#8222;Messiah&#8220; ist f\u00fcr 2028 geplant. Bis 2031 ist das Editionsprojekt finanziert. Allerdings, so sagt Hendrik Wilken, wird das noch zu bew\u00e4ltigende Pensum f\u00fcr die geplanten insgesamt 116 B\u00e4nde wohl kaum bis dahin zu bearbeiten sein. Denn f\u00fcr die letzten B\u00e4nde st\u00fcnden die &#8222;ganz besonders schwierigen, gro\u00dfen Werke noch bevor&#8220;, so Hendrik Wilken: schwierige Opern, schwierige Oratorien &#8222;Man muss alle Quellen gesehen haben, man muss bis in die letzten Kathedralarchive vorgedrungen sein, um noch Abschriften zu finden, die im Gesamtbild einfach interessant und relevant sind&#8220;, erkl\u00e4rt der Musikwissenschaftler. Nun aber gelte es, den Band 100 zu feiern. Und statt in die Noten zu schauen, doch lieber einmal mehr die Musik zu h\u00f6ren.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nQuellen: MDR KULTUR (Tobias Barth)<br \/>redaktionelle Bearbeitung: tsa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die B\u00fccher haben in etwa das Format eines schmalen Aktenordners, ein blasses Blau ist die Farbe des Einbands&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":818568,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1860],"tags":[1516,3364,29,548,663,3934,597,30,4062,17332,3986,13,66,81,810,14,15,6211,17331,860,12,193],"class_list":["post-818567","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-halle-saale","tag-anhalt","tag-de","tag-deutschland","tag-eu","tag-europa","tag-europe","tag-forschung","tag-germany","tag-halle","tag-halle-saale","tag-handel","tag-headlines","tag-kulturnachrichten","tag-mdr","tag-musik","tag-nachrichten","tag-news","tag-regionalportal","tag-saale","tag-sachsen-anhalt","tag-schlagzeilen","tag-wissenschaft"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116117711798301242","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/818567","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=818567"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/818567\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/818568"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=818567"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=818567"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=818567"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}