{"id":82103,"date":"2025-05-03T21:24:23","date_gmt":"2025-05-03T21:24:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/82103\/"},"modified":"2025-05-03T21:24:23","modified_gmt":"2025-05-03T21:24:23","slug":"baden-wuerttemberg-war-opa-ein-nazi-autorin-aus-karlsruhe-auf-spurensuche-zur-ns-vergangenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/82103\/","title":{"rendered":"Baden-W\u00fcrttemberg: War Opa ein Nazi? Autorin aus Karlsruhe auf Spurensuche zur NS-Vergangenheit"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 03.05.2025 13:14 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Autorin Nora Krug ist der Frage nachgegangen, was ihre Familie vom Holocaust wusste. Was sie dabei \u00fcber ihren Opa Willi herausfand, verarbeitete sie in der Graphic Novel &#8222;Heimat&#8220;.<\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWas wussten die eigenen Gro\u00dfeltern oder Eltern wirklich \u00fcber den Holocaust? Autorin und Illustratorin Nora Krug hat sich vor Jahren auf Spurensuche begeben, um genau das herauszufinden. Was sie dabei \u00fcber sich, ihre Familie und ganz besonders \u00fcber ihren Opa Willi lernte, hat sie in einer 2018 ver\u00f6ffentlichten autobiographischen Graphic Novel, eine Art Comic, verarbeitet.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIm Rahmen der diesj\u00e4hrigen baden-w\u00fcrttembergischen Literaturtage in Ettlingen (Kreis Karlsruhe) wurde ihr Werk mit dem Namen &#8222;Heimat: Ein deutsches Familienalbum&#8220; ausgestellt.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Ein Ausschnitt der Graphic Novel von Nora Krug, in der sie die NS-Vergangenheit ihrer Familie verarbeitet.\n                    <\/p>\n<p>    Nora Krug: Vor 23 Jahren in die USA ausgewandert<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00fcr Nora Krug ist es immer etwas Besonderes, in ihre Heimat zur\u00fcckzukehren. Sie ist f\u00fcr ihre Ausstellung in Ettlingen und ein paar weitere Termine in Deutschland extra aus den USA angereist. Nora Krug wurde 1977 in Karlsruhe geboren, lebt aber mittlerweile seit 23 Jahren in New York. Einmal pro Jahr zieht es sie zur\u00fcck zu ihrer Familie. Ihre Eltern leben noch in Karlsruhe. &#8222;Ich besuche sie j\u00e4hrlich, verbinde aber ansonsten haupts\u00e4chlich Kindheitserinnerungen mit Karlsruhe.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIhre Arbeit an ihrem Buch sei dann aber eine erneute Wiederann\u00e4herung an Karlsruhe gewesen, sagt sie &#8211; weil sie die Stadt von einer ganz anderen Seite kennengelernt habe.<\/p>\n<blockquote class=\"zitat\">\n<p>\n                    Ich bin nicht nur Nora Krug, sondern auch eine Repr\u00e4sentantin meines Landes und auch damit Teil der Geschichte meines eigenen Landes.<br \/>\n<strong>Nora Krug, Autorin und Illustratorin<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNach dem Abitur ging es f\u00fcr Nora Krug von Karlsruhe raus in die weite Welt: Sie studierte B\u00fchnenbild, Dokumentarfilm und Illustration in England, weitere berufliche Stationen folgten dann in Berlin, New York und Hamburg. Doch die USA haben sie nie ganz losgelassen. Und so landete sie nach einer kurzen Zwischenstation in Kiel wieder in New York: eine Stadt mit stark ausgepr\u00e4gter j\u00fcdischer Kultur, der sie seitdem jeden Tag begegnet &#8211; und die ihr damit auch t\u00e4glich vor Augen f\u00fchrt, wer sie ist: eine Deutsche.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Als im Ausland lebende Deutsche bin ich mir, meiner eigenen Kultur und Geschichte, noch viel bewusster geworden. Gerade in so einer Stadt wie New York, die ja der Anlaufpunkt f\u00fcr viele j\u00fcdische Fl\u00fcchtlinge auch w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs war&#8220;, erz\u00e4hlt Nora Krug. &#8222;Und da war ich nat\u00fcrlich oft die einzige Deutsche im Raum und wusste dann auch: Okay, ich bin jetzt nicht nur die Nora Krug, sondern ich bin jetzt eine Repr\u00e4sentantin meines Landes.&#8220;<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Teile ihres Werkes &#8222;Heimat: Ein deutsches Familienalbum&#8220; wurden im Rahmen der Literaturtage Baden-W\u00fcrttemberg in Ettlingen ausgestellt.\n                    <\/p>\n<p>    Nora Krug: Opa Willi war Mitglied der NSDAP<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Konfrontation mit ihrer Herkunft regte sie zum Nachdenken an. Ihr wurde bewusst, dass sie zwar im Schulunterricht viel \u00fcber den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg gelernt hatte. Welche Rolle ihre eigene Familie aber im Nationalsozialismus spielte, das blieb unklar. Ihr wurde immer klarer: Ich wei\u00df nichts \u00fcber meine eigene Familiengeschichte. Und so wuchs immer mehr das Bed\u00fcrfnis, sich damit auseinanderzusetzen &#8211; auch mit ihren eigenen Schuldgef\u00fchlen. &#8222;Ich wollte eine Art Zeugnis schaffen davon, wie das f\u00fcr uns Deutsche heute ist, mit diesem Erbe umzugehen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Bestsellerautorin recherchierte zwei Jahre lang f\u00fcr ihr Buch. Sie durchforstete Archive, Polizeiakten und sprach mit Familienangeh\u00f6rigen. Der wichtigste Fund, sagt sie, sei die Spruchkammerakte ihres Gro\u00dfvaters m\u00fctterlicherseits in Karlsruhe gewesen. &#8222;Spruchkammerakten waren Frageb\u00f6gen, die die amerikanischen Alliierten an die Deutschen ausgeteilten. Jeder Deutsche \u00fcber 18 Jahre im westlichen Sektor musste damals einen solchen Fragebogen mit mehr als 300 Fragen ausf\u00fcllen und Rechenschaft dar\u00fcber ablegen, was er oder sie w\u00e4hrend dem Nazi-Regime getan hat&#8220;, erkl\u00e4rt die 48-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn dieser Akte steht es dann geschrieben: Ihr Gro\u00dfvater Willi war Mitglied der NSDAP. 1933 ist er eingetreten. &#8222;Was f\u00fcr uns alle eine gro\u00dfe \u00dcberraschung war, weil er vor und nach dem Krieg die SPD gew\u00e4hlt hat.&#8220; Heute wei\u00df sie: Ihr Opa scheint kein gro\u00dfer Nazi gewesen zu sein. &#8222;Sonst h\u00e4tte ich n\u00e4mlich mehr Informationen gefunden.&#8220; Sie wei\u00df lediglich, dass ihr Gro\u00dfvater eine Fahrschule hatte und dort Soldaten ausgebildete. Viele andere Fragen blieben unbeantwortet.<\/p>\n<p>    Was wussten die Gro\u00dfeltern vom Holocaust?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNora Krug arbeitete sich akribisch in die Vergangenheit ihrer Familie ein. Immer wieder kamen die gleichen Fragen auf: Was hat mein Opa gesehen? Was hat er gewusst? Fragen, die sich viele Nachfahren heute auch stellen. Krug lie\u00dfen sie solange nicht in Ruhe, bis sie auf alles eine Antwort fand, f\u00fcr das es eine Antwort gab. Ihre Gro\u00dfeltern befragen konnte sie nicht. Als Nora Krug acht Jahre alt war, starben beide.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Ziel des Buches sei nicht nur gewesen, Antworten zu finden, sondern sie auch f\u00fcr sich in die heutige Zeit mitzunehmen: &#8222;Wovor verschlie\u00dfe ich heute die Augen? Wo muss ich noch genau hinschauen? Wir sind alle potenzielle Zeugen und wir haben alle eine Wahl, hinzuschauen oder weg zu schauen&#8220;, sagt Krug. Es sei ihr auch wichtig gewesen, sich nicht vor ihrer eigenen Familiengeschichte zu verstecken, sondern Fragen zu stellen. &#8222;Was ist eigentlich ein Nazi? Was macht eigentlich einen Mitl\u00e4ufer aus, also die gr\u00f6\u00dfte Gruppe, zu der ja fast alle Deutschen geh\u00f6rt haben?&#8220;<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Die Ausstellung zum Buch von Nora Krug im Horbachpark in Ettlingen.\n                    <\/p>\n<p>    Nora Krug: Auch heute Verantwortung f\u00fcr die Geschichte des eigenen Landes \u00fcbernehmen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Frage nach Schuld und Verantwortung treibt Nora Krug auch heute noch um. Doch das Leben sei kein Buch, in dem man einfach einen Schlussstrich drunter setzen k\u00f6nne. Besonders das Erstarken rechter Parteien mache ihr Sorgen, sagt sie. &#8222;Eine Hoffnung ist eben immer, dass es in meinem Buch nicht nur um mich und meine Familie und nur um die Deutschen geht, sondern um die Verantwortung eines jeden Menschen, sich mit der Geschichte des eigenen Landes auseinanderzusetzen und daf\u00fcr Verantwortung zu tragen.&#8220;<\/p>\n<p>    Mehr zur Zeit des Nationalsozialismus<\/p>\n<p>                                        <a class=\"backlink__link\" href=\"https:\/\/www.swr.de\/swraktuell\/baden-wuerttemberg\/karlsruhe\/autorin-nora-krug-heimat-ns-vergangenheit-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                                                <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"S\u00fcdwestrundfunk\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/lra-swr-logo-100.svg.svg+xml\" height=\"40\" width=\"40\"\/><\/p>\n<p>                                        <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 03.05.2025 13:14 Uhr Autorin Nora Krug ist der Frage nachgegangen, was ihre Familie vom Holocaust wusste. 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