{"id":823772,"date":"2026-02-25T05:19:12","date_gmt":"2026-02-25T05:19:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/823772\/"},"modified":"2026-02-25T05:19:12","modified_gmt":"2026-02-25T05:19:12","slug":"muenchen-klinik-gefaehrden-sparmassnahmen-das-patientenwohl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/823772\/","title":{"rendered":"M\u00fcnchen Klinik: Gef\u00e4hrden Sparma\u00dfnahmen das Patientenwohl?"},"content":{"rendered":"<p>Ein Herbstabend wochentags in einer Notaufnahme der M\u00fcnchen Klinik: 55 Patienten sind in der sehr <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/unnoetig-in-der-notaufnahme-durch-hausaerztemangel,UKrYes3\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">vollen Notaufnahme<\/a>, mehr als die H\u00e4lfte von ihnen wartet noch auf die Erstuntersuchung. Um 18 Uhr beginnt die Schicht von Oberarzt Dr. Sebastian Wallner (Name ge\u00e4ndert). &#8222;Es war extrem schwierig am Anfang den \u00dcberblick zu gewinnen, da schon gegen 18 Uhr ein Gro\u00dfteil der Patienten sehr lange Wartezeiten hatte und eigentlich keine geordneten Abl\u00e4ufe mehr existierten&#8220; schreibt der Oberarzt in einer internen Mail, die dem BR vorliegt.<\/p>\n<p>Acht bis zehn Stunden Wartezeit in der Notaufnahme <\/p>\n<p>Einige Patienten warten da schon seit acht oder sogar zehn Stunden. Dr. Wallner und sein Team versuchen sich einen \u00dcberblick zu verschaffen. Gerade in der Notaufnahme kann die erste Untersuchung \u00fcber Leben und Tod entscheiden. Es wird bis halb vier in der Nacht dauern, bis alle Patienten abgearbeitet sind. <\/p>\n<p>&#8222;Meines Wissens nach kam es zu keinem Schaden eines Patienten&#8220;, h\u00e4lt Dr. Wallner fest. Trotzdem lag aus seiner Sicht eine Gef\u00e4hrdung f\u00fcr Patienten vor &#8211; weil viele kritisch eingestufte Patienten nicht schnell genug behandelt werden konnten. Es ist aus seiner Sicht ein extremes Beispiel f\u00fcr \u00dcberf\u00fcllungen in den Notaufnahmen. Doch solche Situationen passieren laut Belegschaft immer h\u00e4ufiger.<\/p>\n<p>Geplante Umstrukturierung f\u00fcr bessere Patientenversorgung<\/p>\n<p>Die M\u00fcnchen Klinik hatte allein im vergangenen Jahr ein Defizit von 140 Millionen Euro. Zu viel f\u00fcr die Stadt M\u00fcnchen, die als kommunaler Tr\u00e4ger selbst sparen muss. Bis 2029 hat die Stadt den Kliniken R\u00fcckendeckung versprochen. Doch bis dahin soll das Defizit runter. Umsetzen soll das Dr. G\u00f6tz Brodermann, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. &#8222;Wir wollen nicht mehr an jedem Standort alles machen. Wir werden uns auf zwei Hauptstandorte konzentrieren, das wird Bogenhausen und Harlaching als Maximalversorger&#8220;, sagt Brodermann im Gespr\u00e4ch mit dem BR. <\/p>\n<p>Das Konzept &#8222;M\u00dcK20++&#8220; soll Kompetenzen b\u00fcndeln und die Patientenversorgung verbessern. Dazu geh\u00f6rt auch der Abbau von \u00c4rztestellen.<\/p>\n<p>Proteste gegen Stellenabbau bei \u00c4rzteschaft<\/p>\n<p>Diese geplanten Sparma\u00dfnahmen haben schon zu deutlichem Protest von einigen \u00c4rztinnen und \u00c4rzten gef\u00fchrt. Insgesamt vier Brandbriefe wurden an den Aufsichtsrat geschrieben. Der BR-Funkstreifzug hat mit sechs \u00c4rztinnen und \u00c4rzten der M\u00dcK gesprochen &#8211; von der Assistenz\u00e4rztin bis zum Oberarzt. Weil sie Probleme mit ihrem Arbeitgeber bef\u00fcrchten, wollen sie anonym bleiben. Viele empfinden den Klinikalltag als ineffizient und stressig. <\/p>\n<p>So berichtet eine Assistenz\u00e4rztin: &#8222;Es sind einfach zu viele Patientinnen f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/aerztemangel-entbindungsstation-in-kreisklinik-roth-macht-dicht,Ul4XApm\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">zu wenig \u00e4rztliches Personal <\/a>und das f\u00fchrt einfach dazu, dass wir den ganzen Aufgaben, die pro Patient anfallen, nicht gerecht werden k\u00f6nnen.&#8220; Einige \u00c4rztestellen wurden bereits nicht verl\u00e4ngert, was zu einer Verunsicherung in der Belegschaft gef\u00fchrt hat. Die Klinikleitung betont zugleich, man habe mit dem Stellenabbau noch gar nicht angefangen.<\/p>\n<p>Politisches Problem bringt kommunale Kliniken in Bedr\u00e4ngnis<\/p>\n<p>Hinter diesem Kampf an der M\u00fcnchen Klinik verbirgt sich ein deutschlandweites Problem: Das sogenannte Fallpauschalensystem soll Krankenh\u00e4user effizient arbeiten lassen. Doch vor allem Rundum-Versorger wie die M\u00fcnchen Klinik haben dadurch Schwierigkeiten, gen\u00fcgend Geld zu erwirtschaften. Die Klinikleitung in M\u00fcnchen argumentiert, dass man aktuell mit mehr \u00c4rzten weniger komplexe F\u00e4lle versorge als vor der Corona-Pandemie. Dementsprechend seien Reformen und auch Kosteneinsparungen in der M\u00fcnchen Klinik m\u00f6glich und notwendig.<\/p>\n<p>&#8222;Bodenloses&#8220; IT-System und strukturelle M\u00e4ngel<\/p>\n<p>Die \u00e4rztliche Belegschaft verweist auf zahlreiche andere strukturelle Probleme, welche den Klinikalltag behindern: Ein &#8222;bodenloses&#8220; IT-System, mangelnde Digitalisierung und ineffiziente Strukturen. Die Klinikleitung betont, dass man diese Probleme angehe. Die Ma\u00dfnahmen br\u00e4uchten Zeit, um Wirkung zu entfalten. Erste Erfolge seien aber schon sichtbar. Das Patientenwohl sieht der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dr. G\u00f6tz Brodermann nicht gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Der BR-Funkstreifzug hat keine Belege daf\u00fcr gefunden, dass bei der M\u00fcnchen Klinik wegen der Sparma\u00dfnahmen Patienten zu Schaden gekommen sind. Doch aus zahlreichen Gespr\u00e4chen und internen Dokumenten geht hervor, dass bei vielen \u00c4rztinnen und \u00c4rzten die Belastungsgrenze l\u00e4ngst erreicht ist. Sie f\u00fcrchten, dass sie die medizinische Versorgung nicht immer auf dem hohen Standard gew\u00e4hrleisten und dass sie ihren eigenen Anspr\u00fcchen nicht mehr gen\u00fcgen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Betriebsrat und Klinikleitung ringen um Dialog<\/p>\n<p>Auch Betriebsrat Dr. Peter Hoffmann betont, dass man effizienter werden muss. Die bisherigen Stellenk\u00fcrzungen wirkten auf ihn aber eher &#8222;planlos&#8220;. Er verweist auf hohe \u00dcberstundenzahlen der \u00c4rzte und mangelnde Einbindung der Belegschaft. Wenn es so weitergehe, sei tats\u00e4chlich irgendwann das Patientenwohl gef\u00e4hrdet. Die Klinikleitung m\u00f6chte in der Zukunft noch mehr &#8222;intern diskutieren&#8220;. Mehr ernsthaften Dialog erhoffen sich auch Betriebsrat und \u00c4rztinnen und \u00c4rzte.<\/p>\n<li>Die ganze Recherche h\u00f6ren Sie im Funkstreifzug am 25.02. um 12:15 Uhr im Radioprogramm von BR24 oder als <a href=\"https:\/\/www.ardaudiothek.de\/sendung\/der-funkstreifzug\/urn:ard:show:5fce7087af000f5e\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Podcast in der ARD Audiothek<\/a>.<\/li>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Herbstabend wochentags in einer Notaufnahme der M\u00fcnchen Klinik: 55 Patienten sind in der sehr vollen Notaufnahme, mehr&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":823773,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[772,29,1721,30,141,33657,1189,10701,837,1268,2339,184651],"class_list":{"0":"post-823772","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-bayern","9":"tag-deutschland","10":"tag-finanzen","11":"tag-germany","12":"tag-gesundheit","13":"tag-gesundheitsreform","14":"tag-gesundheitssystem","15":"tag-krankenhaeuser","16":"tag-medizin","17":"tag-muenchen","18":"tag-oberbayern","19":"tag-patientenwohl"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116129586476874624","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/823772","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=823772"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/823772\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/823773"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=823772"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=823772"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=823772"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}