{"id":823906,"date":"2026-02-25T06:35:13","date_gmt":"2026-02-25T06:35:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/823906\/"},"modified":"2026-02-25T06:35:13","modified_gmt":"2026-02-25T06:35:13","slug":"neues-jugendbuch-von-tobias-elsaesser-der-mann-hat-klaeglich-versagt-in-matria-sind-frauen-an-der-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/823906\/","title":{"rendered":"Neues Jugendbuch von Tobias Els\u00e4\u00dfer: \u201eDer Mann hat kl\u00e4glich versagt\u201c &#8211; in \u201eMatria\u201c sind Frauen an der Macht"},"content":{"rendered":"<p>Der Stuttgarter Jugendbuchautor Tobias Els\u00e4\u00dfer hat f\u00fcr seinen neuen Roman ein ungew\u00f6hnliches Setting gew\u00e4hlt: Die Welt wird von m\u00e4nnlicher Gewalt beherrscht, nur eine kleine, von Frauen regierte Zone leistet sich ein friedliches Zusammenleben. \u201eMatria\u201c ist zugleich Titel und Ort des neuen Buchs. Die S\u00f6hne dort sind als Sicherheitsrisiko permanenter Kontrolle ausgesetzt, als Jugendliche m\u00fcssen sie ihr Bleiberecht in einem Camp unter Beweis stellen. Els\u00e4\u00dfers Protagonist Elias ger\u00e4t bei diesem Test in einen Strudel der Gewalt und der Selbstzweifel.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Herr Els\u00e4\u00dfer, Sie schreiben im Nachwort von \u201eMatria\u201c, dass Sie selbst Opfer eines gewaltt\u00e4tigen Vaters waren. Warum war jetzt die Zeit reif f\u00fcr diesen Roman?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">In meinen <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.neues-buch-von-tobias-elsaesser-cyberthriller-play-schaut-mit-der-jugend-in-die-zukunft.2fe7dc3d-f315-4259-92e3-c8a0f8c56b0f.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">B\u00fcchern taucht das Thema immer wieder am Rand auf<\/a>. Ich habe mich aber bislang nicht getraut, so offen dar\u00fcber zu schreiben. Dass mein Vater seit f\u00fcnf Jahren tot ist, macht sicherlich einen Unterschied. Ich bin mit einem konservativen M\u00e4nnerbild aufgewachsen, in dem St\u00e4rke und Erfolg an erster Stelle standen. Das hat mich schon als junger Leistungssporter abgeschreckt. Ich mochte Handball als Sport, aber ich mochte nicht die Gespr\u00e4che in der Kabine oder auf der Fahrt.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Hat sich aus Ihrer Sicht nichts zum Positiven entwickelt?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Nein, es hat sich kaum etwas ver\u00e4ndert, obwohl wir so viel \u00fcber Emanzipation und Feminismus gesprochen haben. Ich bin viel an Schulen unterwegs, spiele mit erwachsenen M\u00e4nnern Fu\u00dfball und <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.tanzstueck-ueber-toxische-maennlichkeit-johannes-blattner-oeffnet-in-bound-den-notausgang.df1b814a-5dd1-4de0-8d0b-5239537a5e15.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">bin immer wieder geschockt, wie M\u00e4nnlichkeit immer noch als \u00dcberlegenheit und Macht gefeiert wird<\/a>. Mit Beginn des Ukraine-Kriegs hat sich mir dann die Frage gestellt, was dieser Krieg mit V\u00e4tern und ihren Kindern macht. Mein gr\u00f6\u00dfter Wunsch als Kind war, st\u00e4rker als mein Vater zu werden, um meine Mutter zu besch\u00fctzen. Aus dem allem habe ich versucht, eine fiktive Geschichte zu machen und das Verst\u00e4ndnis von M\u00e4nnlichkeit neu zu beleuchten.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/media.media.070e16ec-f93d-4279-a697-a1c1e7d6db96.original1024.media.jpeg\"\/>         <\/p>\n<ul>\n<li>Tobias Els\u00e4\u00dfer: Matria. Eine Stadt. Eine Pr\u00fcfung. Ein Schicksal. <\/li>\n<li>Thienemann-Verlag. <\/li>\n<li>240 Seiten. 16 Euro. Ab 14 Jahren <\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"interviewQuestion\">Sie beschreiben in \u201eMatria\u201c mit Humor, wie ein M\u00e4dchen ganz selbstverst\u00e4ndlich bei einem Date die Initiative ergreift. Wie f\u00fchlt sich das an beim Schreiben \u2013 als Zukunftsvision?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Nein, f\u00fcr mich war das Realit\u00e4t, ich wusste als Junge nicht, wie man mit M\u00e4dchen umgeht. Mein Vater hatte mir vorgelebt: Ich kriege alle Frauen; viele hat sein Charme und seine Macht tats\u00e4chlich angesprochen. Ich dachte lange, dass der St\u00e4rkste das h\u00fcbscheste M\u00e4dchen bekommt, und hatte keine Ahnung, wie man sich einem M\u00e4dchen n\u00e4hert. Elias ist in \u201eMatria\u201c umgeben von Frauen, die vor m\u00e4nnlicher Gewalt gefl\u00fcchtet sind, und wei\u00df: M\u00e4nner sind in ihren Augen potenziell gef\u00e4hrlich, er darf es auf keinen Fall sein. Deshalb beobachtet er sich viel genauer als ein normaler Jugendlicher, wenn es um die Anbahnung einer Beziehung geht. <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Wenn Sie sich aus diesem Zukunftsort etwas herbeiw\u00fcnschen w\u00fcrden, was w\u00e4re das \u201eMatria\u201c-Tool, das Zusammenleben verbessern k\u00f6nnte?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Empathie, sich in jemand anderen hineindenken zu k\u00f6nnen! Daran m\u00fcssen wir arbeiten, dass wir Jungs Empathie als St\u00e4rke vermitteln und nicht als Schw\u00e4che. Wenn man diese Gabe hat, f\u00e4ngt man keine Kriege an, dann wird M\u00e4nnlichkeit zu Menschlichkeit. Ich wurde schon fr\u00fch gefragt, warum ich so sensible M\u00e4nnerfiguren erfinde. Aber ich beobachte die Welt und sehe leider bei allem, was m\u00e4nnlich konnotiert ist, sei es Wirtschaft oder Kapitalismus: Der Mann hat kl\u00e4glich versagt. Die Rettung der Welt wird sein, dass Frauen an die Macht kommen. Trump, Putin, Epstein: alles, was aufgedeckt wird, zeigt mir, dass der Mann seine Chance vertan hat. Es gelingt ihm nicht, Verantwortung f\u00fcr eine Gesellschaft zu \u00fcbernehmen, die zusammenh\u00e4lt.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Elias ist so ein netter Typ, einf\u00fchlsam, ein Tr\u00e4umer. Im Matria-Camp braucht es allerdings nur wenige Reize, um ihn in einen Schl\u00e4ger zu verwandeln. Das macht wenig Hoffnung. Sind heranwachsende M\u00e4nner tickende Zeitbomben?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Nein, ich w\u00fcrde Elias nicht als Zeitbombe aufgrund seines Geschlechts sehen. Die Matria will etwas Gutes, n\u00e4mlich Frauen sch\u00fctzen. Statistisch gibt es dort nur einen sehr kleinen Anteil von M\u00e4nnern, die gewaltt\u00e4tig werden. Trotzdem stehen alle wegen ihres Geschlechts unter Verdacht, werden beobachtet und gepr\u00fcft. Bei Elias gibt es gegen dieses Begrenzen seiner Freiheit und dieses Misstrauen von Beginn an unterdr\u00fcckte Wut. In der besagten Kampfszene bricht sie offen aus ihm heraus. F\u00fcr mich war wichtig, dass er an diese Grenze gef\u00fchrt wird. Und ich wollte zudem zeigen, dass ein geschlossenes System wie die Matria auch Fehler macht.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Sie bezeichnen Ihren Roman als \u201eFemtopie\u201c. Eine Gemeinschaft, die vor allem aus M\u00e4dchen und Frauen besteht &#8211; eher Utopie oder Dystopie?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Ich wollte etwas zwischen den beiden, so kam ich auf den Begriff \u201eFemtopie\u201c. \u201eMatria\u201c ist keine klassische Dystopie wie \u201eDie Tribute von Panem\u201c, in diesen gibt es eine klare Abgrenzung von Gut und B\u00f6se, Unterdr\u00fcckung, ein autorit\u00e4res System mit einer kleinen Elite. Das alles will die Matria ja nicht, aber trotzdem geht sie einen Schritt zu weit. <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Sie haben in \u201eMatria\u201c einen f\u00fcr Frauen und M\u00e4dchen guten Ort ausgestaltet. Wie ist es, nach dem Schreiben wieder auf die Gegenwart zu schauen?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Das <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.gis-le-pelicots-autobiografie-eine-hymne-an-das-leben-was-den-fall-pelicot-mit-den-epstein-files-verbindet.90d06ca3-9de8-4194-9732-2ced11cf83de.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Ausma\u00df von Gewalt gegen Frauen ist riesig<\/a>, die Zahl von Femiziden und h\u00e4uslicher Gewalt nimmt zu. Mein Blick geht auch auf die Kinder, die davon betroffen sind. Das hat sicherlich mit meiner eigenen Geschichte zu tun. Wir standen mehrmals mit gepackten Koffern vor der T\u00fcr, haben den entscheidenden Schritt aber nicht getan, was ich meiner Mutter oft vorgeworfen habe. Der Blick auf die Gegenwart tut da schon weh, weil alles so weiterl\u00e4uft und ich keine Besserung sehe.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Als <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Autor\" title=\"Autor\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Autor<\/a> von Kinder- und Jugendb\u00fcchern leben Sie ja in einer Art Matria; das Verlagswesen ist in diesem Bereich sehr weiblich aufgestellt. Wie f\u00fchlen Sie sich da?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Ich f\u00fchle mich sehr wohl und finde es schade, dass viele Jungen und M\u00e4nner immer noch nicht gelernt haben, offen \u00fcber ihre Emotionen zu reden. Und dieses Unverm\u00f6gen wird immer so weitergegeben. Wir m\u00fcssen das Bild hinter uns lassen, dass M\u00e4nnlichkeit etwas mit H\u00e4rte, Abwertung oder Statussymbolen zu tun hat. Ich w\u00fcnsche mir mehr prominente M\u00e4nner, die ihre Reichweite nutzen um Jungs das zu zeigen.<\/p>\n<p> Von der Boygroup auf die Literaturb\u00fchne <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Termin<\/strong><br \/>Tobias Els\u00e4\u00dfer stellt \u201eMatria. Eine Stadt. Eine Pr\u00fcfung. Ein Schicksal \u201c bei einer Lesung in der Reihe \u201eKlasse(n)b\u00fccher \u2013 Lesungen f\u00fcr Schulklassen\u201c am 26. Februar um 9.30 Uhr im Literaturhaus vor.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Buch<\/strong><br \/>Tobias Els\u00e4\u00dfer: Matria. Eine Stadt. Eine Pr\u00fcfung. Ein Schicksal. Thienemann-Verlag. 240 Seiten. 16 Euro. Ab 14 Jahren <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Stuttgarter Jugendbuchautor Tobias Els\u00e4\u00dfer hat f\u00fcr seinen neuen Roman ein ungew\u00f6hnliches Setting gew\u00e4hlt: Die Welt wird von&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":823761,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1830],"tags":[3100,1634,3364,29,30,2134,3102,80,184649,1441,184648],"class_list":["post-823906","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-stuttgart","tag-autor","tag-baden-wuerttemberg","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-interview","tag-jugendbuch","tag-kultur","tag-matria","tag-stuttgart","tag-tobias-elsaesser"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116129885673420938","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/823906","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=823906"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/823906\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/823761"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=823906"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=823906"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=823906"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}