{"id":824145,"date":"2026-02-25T08:45:16","date_gmt":"2026-02-25T08:45:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/824145\/"},"modified":"2026-02-25T08:45:16","modified_gmt":"2026-02-25T08:45:16","slug":"ukraine-konflikt-sieg-ueber-russland-heisst-zwang-zur-einstellung-des-krieges-nicht-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/824145\/","title":{"rendered":"Ukraine-Konflikt: \u201eSieg\u201c \u00fcber Russland hei\u00dft Zwang zur Einstellung des Krieges, nicht mehr"},"content":{"rendered":"<p>Die laufenden Gespr\u00e4che zeigen: Friedensbereitschaft t\u00e4uscht Putin nur vor. Er spielt auf Zeit, sieht sich auf der Siegerstra\u00dfe in einem Abnutzungskrieg. Diplomatie ist f\u00fcr ihn Teil der Kriegsf\u00fchrung, sagt General a.D. Klaus Wittmann.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Der ukrainische UN-Botschafter <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/debatte\/plus698d761e62ee8b267c15c4e3\/andrij-melnyk-das-zynische-kalkuel-der-europaeer-im-ukraine-krieg.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/debatte\/plus698d761e62ee8b267c15c4e3\/andrij-melnyk-das-zynische-kalkuel-der-europaeer-im-ukraine-krieg.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Andrij Melnyk hat recht<\/a>: Es erscheint zynisch, wie Europa sein Land als Schutzschild gegen Russland betrachtet. Die tapferen Ukrainer kaufen uns Zeit zur Wiederherstellung der Abschreckung durch eigene milit\u00e4rische F\u00e4higkeiten. Sie noch viel st\u00e4rker zu unterst\u00fctzen ist deshalb in unserem ureigenen Interesse.<\/p>\n<p>Zum vierten Jahrestag des russischen \u00dcberfalls auf die Ukraine er\u00f6ffnete der Bundeskanzler am Montag in Berlin das \u201eCafe Kyiv\u201c. Man m\u00fcsse \u201eden Druck auf Russland aufrechterhalten\u201c, sagte Friedrich Merz, ja, ihn sogar \u201eerh\u00f6hen\u201c. Und er sicherte der Ukraine weitere Unterst\u00fctzung zu. \u201eSo lange wie n\u00f6tig\u201c hat er schon vorher immer wieder gesagt. Aber seit Jahren fehlt die Erg\u00e4nzung dieser Zusicherung: \u201emit allem Erforderlichen\u201c und \u201ezeitgerecht\u201c. <\/p>\n<p>Deutschlands milit\u00e4rische Hilfe steht vorne an, nach Wirtschaftskraft sind wir aber nur auf Platz 14. Deutschland bleibt unter seinen M\u00f6glichkeiten, quantitativ, aber vor allem bei Waffenkategorien. Deutsche Luftabwehr-Hilfe ist vorbildlich, auch wenn weit mehr gebraucht wird. Aber noch so viel davon wird nicht reichen, um alle St\u00e4dte, Infrastruktur und Truppen zu sch\u00fctzen.  <\/p>\n<p>So nimmt Russlands Luftterror gegen Lebensgrundlagen wie W\u00e4rme, Strom und Wasser horrende Ausma\u00dfe an. In Anlehnung an den Holodomor (die genozidale Hungersnot 1932\/33) sagt man nun  \u201eCholodomor\u201c (Ermordung durch K\u00e4lte). Von den Flugk\u00f6rper-Schw\u00e4rmen wird ein zu gro\u00dfer Teil nicht abgefangen. Also m\u00fcssen bereits russische Absch\u00fcsse verhindert werden.<\/p>\n<p>Die Lage der Ukraine k\u00f6nnte v\u00f6llig anders sein, h\u00e4tte sie im Herbst 2022 die n\u00f6tige Zahl von Kampf- und Sch\u00fctzenpanzern erhalten, um ihre spektakul\u00e4ren Gegenangriffserfolge bei Charkiv und Cherson auszuweiten, und w\u00e4re sie 2023 mit weitreichenden Waffen wie Tomahawk und Taurus ausgestattet und zur Bek\u00e4mpfung milit\u00e4rischer Ziele auf russischem Boden autorisiert worden. Zu diesen geh\u00f6ren Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze, Raketenstellungen und Drohnenfabriken wie Alabuga. Dies sowie eine nachhaltige Beeintr\u00e4chtigung von F\u00fchrung und Nachschub durch \u201edeep strike\u201c-Waffen h\u00e4tte eine Wende des Krieges bringen k\u00f6nnen.  <\/p>\n<p>Aber gegen den Willen des Bundestages z\u00f6gerte der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz ein Dreivierteljahr, bis er eine sehr begrenzte Anzahl von Panzern freigab. Er verweigerte Taurus bis zum Ende seiner Amtszeit. Alle seine Vorbehalte wurden widerlegt, es blieb die Einsch\u00fcchterung durch russische Eskalationsdrohungen. Doch Putin hat stets ohne \u201eAnl\u00e4sse\u201c eskaliert. <\/p>\n<p>Weitreichende Waffen k\u00f6nnten heute noch den Kriegsverlauf wenden. Merz\u2019 Bundestagsreden mit heftiger Kritik an Scholz hallen noch nach. Zu Taurus sollte er seine markigen Oppositions-Ansagen einl\u00f6sen. Aber Berlin scheint weiterhin Eskalation zu f\u00fcrchten, was in der Ukraine Entt\u00e4uschung  sowie in Polen und bei den \u201enordisch-baltischen Acht\u201c Unverst\u00e4ndnis ausl\u00f6st.<\/p>\n<p>Appeasement ist schon einmal gescheitert<\/p>\n<p>Merz hat die Information \u00fcber Waffenlieferungen beendet. Das macht Sinn, sofern es nicht eine Absage kaschiert. Er verwarf auch die Beschr\u00e4nkungen, was jedoch impliziert, dass man solche Systeme liefert. Wenigstens mit der Ausbildung ukrainischen Bedienungspersonals sollte begonnen werden, um jederzeit handeln zu k\u00f6nnen.  <\/p>\n<p>Vor der Versuchung, Putin durch Entgegenkommen beschwichtigen zu wollen, warnt das M\u00fcnchner <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article236706163\/Aussenpolitik-Worueber-wir-reden-wenn-wir-von-Appeasement-sprechen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article236706163\/Aussenpolitik-Worueber-wir-reden-wenn-wir-von-Appeasement-sprechen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Appeasement-Abkommen<\/a> von 1938,  bei dem Hitler mit dem tschechischen Sudetenland zufriedengestellt werden sollte. Ein halbes Jahr sp\u00e4ter erfolgte die \u201eZerschlagung der Resttschechei\u201c und nach weiteren sechs Monaten der deutsche Angriff auf Polen. Konzessionen der Ukraine bewirken nur weitere russische Forderungen. Doch Pr\u00e4sident Trump \u00fcbt mit periodischen Ultimaten Druck auf das Aggressionsopfer aus statt auf den Angreifer. Bemerkenswert, wie bei der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz auch republikanische US-Senatoren massiven Druck auf Putin forderten.<\/p>\n<p>Derzeitige Gespr\u00e4che erweisen, dass Putin bei seinen Maximalzielen bleibt: \u201eEntnazifizierung\u201c (Marionettenregime), \u201eEntmilitarisierung\u201c (Festschreibung ukrainischer Wehrlosigkeit), \u201eBefreiung\u201c (Vernichtung  von Staatlichkeit, Identit\u00e4t und Kultur), \u201eNeutralit\u00e4t\u201c (Vakuum als  Voraussetzung f\u00fcr weitere Aggression). Dazu fordert er vier Provinzen \u2013 nicht abstrakte Landstriche, sondern die Heimat von Millionen Menschen, die unter russischer Besatzung brutalste Russifizierung erleben. Im noch freien Teil des Oblast Donezk liegt \u00fcberdies der \u201eFestungsg\u00fcrtel\u201c aus St\u00e4dten und Feldbefestigungen, ein Schl\u00fcsselgel\u00e4nde, dessen Aufgabe den Angriff nach Westen erleichtern w\u00fcrde. Erobern auf dem Verhandlungsweg soll Russlands miserable milit\u00e4rische Bilanz wettmachen.<\/p>\n<p>Friedensbereitschaft t\u00e4uscht Putin nur vor, er spielt auf Zeit, sieht sich auf der Siegerstra\u00dfe in einem Abnutzungskrieg. Diplomatie ist f\u00fcr ihn Teil der Kriegsf\u00fchrung, sein \u201eVerhandeln\u201c ist Manipulation, er h\u00e4lt Pr\u00e4sident Trump zum Narren und schafft es, die Ukraine und die Europ\u00e4er als Friedens-Verhinderer hinzustellen. Gespr\u00e4che \u00fcber Sicherheits-\u201eGarantien\u201c haben nur Sinn, wenn russische Konzessionsbereitschaft in Aussicht steht.<\/p>\n<p>Auch im deutschen Regierungslager scheint mancher auf die oft \u00fcbertriebenen russischen Siegesmeldungen hereinzufallen, die keinem Faktencheck standhalten, und weiter dem Nimbus der Unbesiegbarkeit Russlands zu huldigen. Der soll westliche Unterst\u00fctzung schm\u00e4lern, aber wer ihm erliegt, tr\u00e4gt zu einer self-fulfilling prophecy bei. Kurioserweise verharmlosen oft dieselben Leute die russische Bedrohung Europas.<\/p>\n<p>Der Bundeskanzler und sein Umfeld m\u00fcssen die \u00dcberzeugung vertreten, die er selbst in M\u00fcnchen zum Ausdruck brachte: Putin versteht nur die Sprache der St\u00e4rke und wird zu Zugest\u00e4ndnissen erst bereit sein, wenn er das Scheitern seiner \u201eSpezialoperation\u201c vor Augen hat. Seine \u201eroot causes\u201c des Krieges meinen die schiere Existenz einer souver\u00e4nen Ukraine. \u201eSieg\u201c \u00fcber Russland hei\u00dft Zwang zur Einstellung des Krieges, nicht mehr. Verbal wird das verlangt, aber es erfordert beherzte Aktion. Unter den Friedenspl\u00e4nen ist der \u201eZwei-Punkte-Plan\u201c von Kaja Kallas der einzig erfolgversprechende: Russland weiter schw\u00e4chen, die Ukraine weiter st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Die Ukraine f\u00fchrt den Krieg auch f\u00fcr uns<\/p>\n<p>Entscheidend bei der St\u00e4rkung Europas ist zun\u00e4chst die Bef\u00e4higung der Ukraine, weiter die Front zu halten und m\u00f6glichst die Initiative wiederzugewinnen. Siegt Putin, wird er dort nicht haltmachen. Die Ukraine f\u00fchrt den Krieg, den wir anderen Europ\u00e4er \u2013 noch \u2013 nicht f\u00fchren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Putin gegen\u00fcber m\u00fcssen ganz andere Saiten aufgezogen werden: st\u00e4rkeres Anprangern aller Kriegsverbrechen, Nutzung eingefrorener Gelder, Verhinderung von Sanktions-Umgehungen, harte Ma\u00dfnahmen gegen die Schattenflotte, Entlarven der unwahren Siegesmeldungen und Belieferung der Ukraine mit allen erforderlichen Waffen ohne unzumutbare Einschr\u00e4nkungen. <\/p>\n<p>Da sollte sich der Bundeskanzler an die Spitze stellen \u2013 mit kooperativer, inklusiver F\u00fchrung, Initiative und gutem Beispiel durch couragierte Entscheidungen.<\/p>\n<p>Brigadegeneral a.D. Klaus Wittmann lehrt Zeitgeschichte an der Universit\u00e4t Potsdam.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die laufenden Gespr\u00e4che zeigen: Friedensbereitschaft t\u00e4uscht Putin nur vor. Er spielt auf Zeit, sieht sich auf der Siegerstra\u00dfe&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":824146,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[4013],"tags":[331,332,183,13,182,14,15,1294,111,4043,4044,850,307,115,12,49,112],"class_list":["post-824145","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-russland","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-friedrich-cdu","tag-headlines","tag-merz","tag-nachrichten","tag-news","tag-olaf","tag-putin","tag-russia","tag-russian-federation","tag-russische-foederation","tag-russland","tag-russland-ukraine-krieg-24-2-2022","tag-schlagzeilen","tag-scholz","tag-wladimir"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116130396637751352","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/824145","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=824145"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/824145\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/824146"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=824145"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=824145"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=824145"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}