{"id":824157,"date":"2026-02-25T08:53:13","date_gmt":"2026-02-25T08:53:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/824157\/"},"modified":"2026-02-25T08:53:13","modified_gmt":"2026-02-25T08:53:13","slug":"was-europa-von-australien-lernen-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/824157\/","title":{"rendered":"Was Europa von Australien lernen kann"},"content":{"rendered":"<p class=\"initial richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">W\u00e4hrend in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/europa\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Europa<\/a> populistische und extreme <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/parteien\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Parteien<\/a> auf dem Vormarsch sind, bleibt <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/australien\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Australien<\/a> bemerkenswert stabil. Das Geheimnis? Ein Wahlsystem, das weltweit einzigartig ist und dieses Jahr sein 125-j\u00e4hriges Bestehen feiert.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Dass Australien dabei bewusst eigene Wege ging, ist Teil seines demokratischen Selbstverst\u00e4ndnisses. Premierminister Anthony Albanese schreibt zum Jubil\u00e4um im \u201e<a href=\"https:\/\/www.smh.com.au\/national\/on-our-125th-birthday-let-s-rise-to-the-test-of-our-national-character-20251230-p5nqs7.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Sydney Morning Herald<\/a>\u201c: \u201eAustralien hat schon immer Dinge anders gemacht. Und damit oft dazu beigetragen, dass auch die Welt anders denkt.\u201c Gerade die Demokratie sei daf\u00fcr ein Beispiel \u2013 in einem Land, das zugleich Heimat der \u00e4ltesten ununterbrochenen Kultur der Erde und eine der \u00e4ltesten modernen Demokratien ist.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Seit 1901 d\u00fcrfen Australier w\u00e4hlen, seit 1924 m\u00fcssen sie es sogar\u2005\u2013 mit durchschlagender Wirkung. Die Wahlbeteiligung liegt konstant bei 90\u2005Prozent, w\u00e4hrend sie in Gro\u00dfbritannien und den USA bei mageren 60\u2005bis 65\u2005Prozent d\u00fcmpelt. Der fr\u00fchere Wahlkommissar Tom Rogers erkl\u00e4rte im ABC-Interview die Konsequenz des australischen Systems: Wahlpflicht diene dazu, die australische Politik davon abzuhalten, zu Extremen zu neigen. <\/p>\n<p>\u201eAuch die am st\u00e4rksten marginalisierten Menschen w\u00e4hlen\u201c      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Historikerin Judith Brett betonte in diesem Zusammenhang einen weiteren Effekt: \u201eEs stellt auch sicher, dass die am st\u00e4rksten marginalisierten und die \u00e4rmeren Menschen w\u00e4hlen.\u201c In L\u00e4ndern mit freiwilliger Wahl blieben gerade diese Gruppen den Urnen fern.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Noch ungew\u00f6hnlicher ist Australiens Pr\u00e4ferenzwahlsystem. W\u00e4hler und W\u00e4hlerinnen nummerieren alle Kandidaten nach Pr\u00e4ferenz \u2013 jedes einzelne K\u00e4stchen. Australien ist weltweit die einzige gro\u00dfe Nation, die dieses System fl\u00e4chendeckend einsetzt. W\u00e4hrend Gro\u00dfbritannien 2011 in einem Referendum die Pr\u00e4ferenzwahl ablehnte \u2013 Premier David Cameron nannte sie \u201eunfair, obskur und verr\u00fcckt\u201c\u2005\u2013 schw\u00f6rt Australien darauf. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Als Grund wird h\u00e4ufig genannt, dass es W\u00e4hlern erm\u00f6gliche, mit ihren Politikern in mehr als einem Tonfall zu sprechen. Der Ex-Premierminister Kevin Rudd formulierte es so: \u201eEs zwingt dich zu \u00fcberlegen: Welchen dieser Schmocks hasse ich wirklich am meisten? Welchen am zweitmeisten? Bis hin zu: Mit wem k\u00f6nnte ich vielleicht zurechtkommen?\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auch hier war die Einf\u00fchrung 1918 weniger edel als praktisch: Premier Billy Hughes, der gerade von der Labor Party zu den Konservativen \u00fcbergelaufen war, drohte eine Spaltung der konservativen W\u00e4hlerschaft durch die aufkommende Bauernbewegung. Die Pr\u00e4ferenzwahl rettete ihn\u2005\u2013 vorerst. Ironie der Geschichte: 2022 kostete dasselbe System den konservativen Premier Scott Morrison die Macht, als unabh\u00e4ngige Kandidaten nach Pr\u00e4ferenzverteilung siegten.<\/p>\n<p>Die Reihenfolge der Kandidaten wird per Bingo ermittelt, das Kreuzchen mit dem Bleistift gemacht      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Australian Electoral Commission (AEC) ist die vertrauensw\u00fcrdigste \u00f6ffentliche Institution des Landes. Ihre Wurzeln reichen bis 1856 zur\u00fcck, als S\u00fcdaustralien die erste permanente Wahlkommission gr\u00fcndete. William Boothby, Sohn eines Richters, entwickelte ein System, bei dem neutrale Beamte statt Politiker Wahlen durchf\u00fchren. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Heute beh\u00e4lt die AEC bewusst analoge Verfahren bei. Ein Beispiel: Die Reihenfolge der Kandidaten auf dem Stimmzettel wird per Bingo-Roller ermittelt \u2013 mit verbundenen Augen \u2013 wobei das Publikum den Roller drehen darf. In den Wahlkabinen liegen Bleistifte\u2005\u2013 eine Tradition aus dem Jahr 1917, als bei einer Hitzewelle blaue Buntstifte unbrauchbar wurden. Seither gilt: simpel schl\u00e4gt technisch.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Wahlurnen d\u00fcrfen vor dem Z\u00e4hlbeginn unter keinen Umst\u00e4nden ge\u00f6ffnet werden\u2005\u2013 selbst dann nicht, wenn versehentlich pers\u00f6nliche Gegenst\u00e4nde hineinfallen. \u201eDas h\u00e4ufigste Fremdobjekt in Wahlurnen sind Eheringe\u201c, erkl\u00e4rte der ehemalige Wahlkommissar Rogers. Doch egal, wie sentimental der Verlust ist\u2005\u2013 die Urne bleibt verschlossen, bis gez\u00e4hlt wird.<\/p>\n<p>Aborigines hatten 60 Jahre lang kein Wahlrecht      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Doch nicht alles ist so vorbildlich, wie man denken k\u00f6nnte: Von 1901 bis 1962\u2005\u2013 mehr als die H\u00e4lfte der Demokratiegeschichte\u2005\u2013 waren die Ureinwohner Australiens (\u201eAboriginal People\u201c) vom Wahlrecht ausgeschlossen. Gesetze \u00fcber ihr Land, die Zwangsentfernung ihrer Kinder, die Kontrolle ihrer L\u00f6hne: All das wurde ohne ihre Stimme entschieden.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Australiens System ist kein Allheilmittel, aber es funktioniert\u2005\u2013 und zwar stabiler als viele andere Wahlsysteme. Etwa 70\u2005Prozent der Australier unterst\u00fctzen die Wahlpflicht, die in den vergangenen Jahrzehnten politische Extreme in Schach gehalten hat. In Europa zeigt sich, wie stark freiwillige Wahlen mit wachsender Politikverdrossenheit kollidieren k\u00f6nnen: In Deutschland gilt die Bundestagswahl 2025 mit rund 82,5\u2005Prozent Beteiligung bereits als au\u00dfergew\u00f6hnlich hohe Mobilisierung\u2005\u2013 und bleibt dennoch deutlich unter dem australischen Niveau von dauerhaft etwa 90\u2005Prozent. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In Frankreich dagegen sank die Beteiligung an den Parlamentswahlen in den vergangenen Jahren teils auf weniger als 50\u2005Prozent, w\u00e4hrend gleichzeitig rechtspopulistische Parteien ihren Stimmenanteil kontinuierlich ausbauen konnten\u2005\u2013 ein Muster, das sich in mehreren EU-L\u00e4ndern beobachten l\u00e4sst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"W\u00e4hrend in Europa populistische und extreme Parteien auf dem Vormarsch sind, bleibt Australien bemerkenswert stabil. Das Geheimnis? 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