{"id":824533,"date":"2026-02-25T12:21:24","date_gmt":"2026-02-25T12:21:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/824533\/"},"modified":"2026-02-25T12:21:24","modified_gmt":"2026-02-25T12:21:24","slug":"heilung-statt-therapie-stanford-forscher-kehren-typ-1-diabetes-um","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/824533\/","title":{"rendered":"Heilung statt Therapie: Stanford-Forscher kehren Typ-1-Diabetes um"},"content":{"rendered":"<p>\n        25. Februar 2026<\/p>\n<p>              Kai Imhoff<\/p>\n<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/shutterstock_2363504027-4ef0f66db406c706.jpeg\"  width=\"5116\" height=\"2875\"  alt=\"Eine Mutter, spritzt ihrem Sohn, der unter Typ-1-Diabetes leidet, Insulin.\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"source akwa-caption__source\">(Bild:\u00a0Halfpoint \/ <a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/image-photo\/mother-diabetic-boy-injecting-insulin-his-2363504027\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">Shutterstock.com<\/a>)<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Forscher programmierten das Immunsystem von M\u00e4usen neu \u2013 und machten damit selbst fortgeschrittenen Diabetes r\u00fcckg\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Wer mit Typ-1-Diabetes lebt, kennt den Alltag aus Blutzuckermessen, Insulindosen und der st\u00e4ndigen Wachsamkeit gegen\u00fcber dem eigenen K\u00f6rper. Denn das Immunsystem hat die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldr\u00fcse zerst\u00f6rt \u2013 unwiderruflich, so galt es bislang.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Ein Forscherteam der Stanford University k\u00f6nnte diese Gewissheit allerdings ins Wanken bringen: In einer im November im Journal of Clinical Investigation <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1172\/JCI190034\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">ver\u00f6ffentlichten Studie<\/a> gelang es den Wissenschaftlern, Typ-1-Diabetes bei M\u00e4usen vollst\u00e4ndig r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen \u2013 selbst bei Tieren, die bereits wochenlang erkrankt waren.<\/p>\n<p><strong>Ein fehlgeleitetes Immunsystem neu programmieren<\/strong><\/p>\n<p>Das Grundproblem bei Typ-1-Diabetes liegt nicht in der Bauchspeicheldr\u00fcse selbst, sondern im Immunsystem. Es verwechselt die eigenen Betazellen mit Feinden und vernichtet sie systematisch.<\/p>\n<p>Fr\u00fchere Versuche, Betroffenen Spender-Inselzellen zu transplantieren, stie\u00dfen daher auf ein doppeltes Hindernis: Der K\u00f6rper erkannte die fremden Zellen als Eindringlinge und stie\u00df sie ab. Gleichzeitig setzte das fehlprogrammierte Immunsystem seinen Feldzug gegen jede Form von Betazellen fort \u2013 egal ob eigene oder transplantierte.<\/p>\n<p>Das Team um den Entwicklungsbiologen Seung K. Kim ging das Problem deshalb an der Wurzel an. Statt nur neue Inselzellen einzusetzen, transplantierten die Forscher zus\u00e4tzlich Blutstammzellen desselben Spenders. Aus diesen Stammzellen wuchsen neue Immunzellen heran, die sich mit den verbliebenen Abwehrzellen des Empf\u00e4ngers vermischten.<\/p>\n<p>Das Ergebnis war ein sogenannter Misch-Chimerismus \u2013 ein hybrides Immunsystem, das Zellen beider Seiten vereint. Man kann sich das wie einen Neustart vorstellen: Der fehlerhafte Code, der die Betazellen als Bedrohung markierte, wird \u00fcberschrieben. Das Immunsystem lernt, die transplantierten Inselzellen zu tolerieren und stellt seinen Angriff auf k\u00f6rpereigenes Gewebe ein.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p><strong>Gezielt statt brachial \u2013 eine schonendere Vorbehandlung<\/strong><\/p>\n<p>Damit Spender-Stammzellen im Knochenmark des Empf\u00e4ngers Fu\u00df fassen k\u00f6nnen, muss dort zun\u00e4chst Platz geschaffen werden.<\/p>\n<p>Bei Krebserkrankungen geschieht das durch aggressive Chemotherapie und hohe Strahlendosen \u2013 Methoden, die f\u00fcr Menschen mit einer chronischen, aber nicht unmittelbar lebensbedrohlichen Erkrankung wie Typ-1-Diabetes kaum zumutbar w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Die Stanford-Forscher entwickelten deshalb ein deutlich milderes Protokoll. Sie kombinierten einen Antik\u00f6rper gegen das Oberfl\u00e4chenmolek\u00fcl CD117, der gezielt alte Stammzellen aus dem Knochenmark verdr\u00e4ngt, mit dem Wirkstoff Baricitinib.<\/p>\n<p>Dieser sogenannte JAK-Hemmer ist bereits f\u00fcr die Behandlung von rheumatoider Arthritis zugelassen und unterdr\u00fcckt vor\u00fcbergehend bestimmte Immunzellen, die eine Transplantation sabotieren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzt wurde das Ganze durch eine niedrige Strahlendosis von 225 bis 250 Centigray \u2013 weit unterhalb der Schwelle, die bei Krebstherapien \u00fcblich ist.<\/p>\n<p>Entscheidend: S\u00e4mtliche eingesetzten Wirkstoffe und Verfahren kommen bereits in der Humanmedizin zum Einsatz, wenn auch bisher f\u00fcr andere Erkrankungen.<\/p>\n<p><strong>Auch bei fortgeschrittenem Diabetes erfolgreich<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Menschen, die seit Jahren oder Jahrzehnten mit Typ-1-Diabetes leben, ist ein Detail der Studie besonders relevant: Die Methode funktionierte nicht nur vorbeugend bei M\u00e4usen im Fr\u00fchstadium. Auch bei Tieren, deren Betazellen bereits seit sechs bis sieben Wochen vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt waren und die auf Insulin angewiesen waren, kehrte die Krankheit um.<\/p>\n<p>Alle neun so behandelten M\u00e4use erreichten \u00fcber den gesamten Beobachtungszeitraum von 20 Wochen stabile Blutzuckerwerte \u2013 ganz ohne Insulinspritzen und ohne dauerhafte Immunsuppressiva. Bei 19 weiteren M\u00e4usen im Vorstadium verhinderte die Behandlung den Ausbruch der Erkrankung komplett.<\/p>\n<p>Keine einzige Maus entwickelte eine Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion, eine gef\u00fcrchtete Komplikation, bei der Spender-Immunzellen das Gewebe des Empf\u00e4ngers attackieren. Die Blutbilder normalisierten sich z\u00fcgig, die Tiere nahmen gesund an Gewicht zu.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzliche Tests mit sogenannten adoptiven Transfers best\u00e4tigten: Die autoreaktiven T-Zellen, die den Diabetes urspr\u00fcnglich ausgel\u00f6st hatten, waren nach der Behandlung praktisch verschwunden oder in einen Ruhezustand versetzt.<\/p>\n<p>&#8222;Wir m\u00fcssen nicht nur die verlorenen Inselzellen ersetzen, sondern auch das Immunsystem des Empf\u00e4ngers zur\u00fccksetzen, um eine weitere Zerst\u00f6rung zu verhindern. Die Schaffung eines hybriden Immunsystems erf\u00fcllt beide Ziele&#8220;, <a href=\"https:\/\/med.stanford.edu\/news\/all-news\/2025\/11\/type-1-diabetes-cure.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">erkl\u00e4rte Kim<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Der weite Weg vom Mausmodell zum Patienten<\/strong><\/p>\n<p>So vielversprechend die Ergebnisse klingen \u2013 zwischen einer geheilten Labormaus und einer Therapie f\u00fcr Menschen liegen noch erhebliche H\u00fcrden.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte betrifft die Verf\u00fcgbarkeit der Zellen: Inselzellen lassen sich derzeit nur von verstorbenen Spendern gewinnen und m\u00fcssen zwingend von derselben Person stammen wie die Blutstammzellen.<\/p>\n<p>Bei der ohnehin gro\u00dfen Knappheit an Spenderorganen stellt das eine enorme logistische Herausforderung dar. Zudem bleibt offen, ob die Inselzellmenge eines einzelnen Spenders gen\u00fcgt, um einen seit Jahren bestehenden Diabetes beim Menschen umzukehren.<\/p>\n<p>Die Forscher verfolgen deshalb parallele L\u00f6sungsans\u00e4tze. Einer davon: die Z\u00fcchtung von Inselzellen aus sogenannten pluripotenten Stammzellen im Labor, die sich theoretisch in unbegrenzter Menge herstellen lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Auch die niedrig dosierte Ganzk\u00f6rperbestrahlung, die im Tierversuch n\u00f6tig war, wirft Fragen auf \u2013 haupts\u00e4chlich mit Blick auf Kinder. Gerade bei ihnen verl\u00e4uft Typ-1-Diabetes h\u00e4ufig besonders aggressiv, wie eine <a href=\"https:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/sciadv.adz2251\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">aktuelle Studie<\/a> in Science Advances zeigt: Das Immunsystem zerst\u00f6rt die Betazell-Cluster oft schon, bevor sie \u00fcberhaupt ausreifen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Jede Form von Bestrahlung birgt bei jungen Patienten Risiken f\u00fcr Sp\u00e4tfolgen. Und schlie\u00dflich bleibt die Frage der Langzeitstabilit\u00e4t: Die M\u00e4use wurden 20 Wochen beobachtet. Ob ein solcher Immunsystem-Reset beim Menschen \u00fcber Jahrzehnte h\u00e4lt, kann heute niemand beantworten.<\/p>\n<p><strong>Hoffnung \u00fcber Diabetes hinaus<\/strong><\/p>\n<p>Trotz aller offenen Fragen sehen die Forscher in ihrem Ansatz gro\u00dfes Potenzial \u2013 nicht nur f\u00fcr Typ-1-Diabetes. Das Prinzip des hybriden Immunsystems k\u00f6nnte nach ihrer Einsch\u00e4tzung auch bei anderen Autoimmunerkrankungen wie Lupus oder rheumatoider Arthritis helfen sowie die Ergebnisse bei Organtransplantationen verbessern.<\/p>\n<p>&#8222;Wir glauben, dass dieser Ansatz f\u00fcr Menschen mit Typ-1-Diabetes oder anderen Autoimmunerkrankungen sowie f\u00fcr diejenigen, die eine Transplantation solider Organe ben\u00f6tigen, eine grundlegende Ver\u00e4nderung darstellen wird&#8220;, sagte Kim.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"25. 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