{"id":825653,"date":"2026-02-25T22:45:16","date_gmt":"2026-02-25T22:45:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/825653\/"},"modified":"2026-02-25T22:45:16","modified_gmt":"2026-02-25T22:45:16","slug":"restaurant-feine-kost-mario-pattis-menue-als-erlebnis-mit-ueberraschendem-gruss-aus-der-kueche-kontrastreichen-gaengen-lamm-und-meeresfruechten-sowie-weinbegleitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/825653\/","title":{"rendered":"Restaurant Feine Kost \u2013 Mario Pattis&#8216; Men\u00fc als Erlebnis mit \u00fcberraschendem Gru\u00df aus der K\u00fcche, kontrastreichen G\u00e4ngen, Lamm- und Meeresfr\u00fcchten sowie Weinbegleitung"},"content":{"rendered":"<p>Der Abend beginnt mit einem gro\u00dfen Spa\u00df. Und nat\u00fcrlich bin ich der Spielverderber, weil ich den jetzt verrate \u2013 es sei denn, jemand m\u00f6chte in den n\u00e4chsten Tagen zu Mario Pattis in sein Restaurant Feine Kost zu den Kochsternstunden gehen und sich lieber dort erst\u00fcberraschen lassen \u2013 dann bitte jetzt sofort die Augen zum zweiten Absatz lenken und dort weiterlesen! Der Abend beginnt n\u00e4mlich mit einem ausgelassenen Ballett von Simona und Mario Pattis, die um den Tisch tanzen. Zwischendurch gehen sie zu ihrem Servierwagen, holen eine der bereitstehenden Tuben mit T\u00fcllen, t\u00e4nzeln zum Gast und \u2013 beinahe h\u00e4tte ich geschrieben: hinterlassen einen Klecks, wie die Turteltauben. Aber eben nur beinahe, denn in Wirklichkeit beugen sie sich, zusammen mit den verdutzten G\u00e4sten am Tisch herzhaft lachend, zum Tisch und drapieren zielsicher einen neuen Geschmack auf das mit dem MP-Logo bedruckte Pergament, das bis dato unbeachtet auf dem Tisch lag. Also appliziert Mario Pattis eine Avocadocreme, der Simona Pattis flugs Parmesan-Crumble hinzuf\u00fcgt. Es folgen eine Tr\u00fcffelcreme, eine Tomatenmarmelade, Petersilien\u00f6l, ein L\u00f6ffel Balsamico und etwas rote Beete, sowie (ganz traditionell auf dem Teller) Sauerteigbrot zum Ditschen von Elias Boulanger. Wenn die Teller (alle echt Meissen!) zur Deko an der Wand h\u00e4ngen, muss man eben (fast) direkt auf dem Tisch servieren. \u201eEinzeln dippen oder quer durch, am besten in der Reihenfolge!\u201c, empfahl Mario Pattis noch und verschwand mit einem \u201eviel Spa\u00df und sch\u00f6nen Abend!\u201c in seiner K\u00fcche.<\/p>\n<p>Dieser \u00fcberraschende Gru\u00df aus der K\u00fcche steht weder so noch \u00fcberhaupt auf dem Men\u00fczettel, daf\u00fcr kann aber \u2013 wer mag \u2013 dort zus\u00e4tzlich zum Men\u00fc vorab Caviar mit Blini und\/oder Austern finden und bestellen. Das ist nat\u00fcrlich ein sch\u00f6ner Start in den Abend, au\u00dferdem hat man so einen Vorwand f\u00fcr einen Aperitif im Glas. Die Austern-Trilogie (18 \u20ac) ist die Wahl der Stunde, denn erstens ist das eine gerade so passende Menge und zweitens kommen da drei Geschm\u00e4cker (pures Salz, Passionsfrucht und Gurke-Wasabi) zusammen. Mit einem w\u00e4nzigen Schlock von Wackerbarths Cuv\u00e9e Traditionelle brut (f\u00fcr s\u00e4chsische Traditionstrinker) oder einem alkoholfreien Sparkling Apple-Juniper aus Estland, der mindestens genau so viel Vergn\u00fcgen bereitet.<\/p>\n<p>Das Men\u00fc bezeichnet Mario Pattis als eins in den drei G\u00e4ngen &#8222;Vorfreude \u2013 Gro\u00dfe Freude \u2013 Freudig, s\u00fc\u00df &amp; fruchtig&#8220;, aber nat\u00fcrlich verbirgt sich dahinter mehr. Neben dem geheimen Gru\u00df aus der K\u00fcche gibt es noch einen offiziellen, der als Amuse-bouche den Gaumen schon ganz sch\u00f6n kr\u00e4ftig anregt. \u201eUnser Kartoffels\u00fcppchen\u201c ist ein Klassiker des Hauses, in dem ein (lauwarmer) Kartoffelschaum auf die leichte Sch\u00e4rfe von einer Eisnocke trifft und wo ein wachsweiches Ei in Verbindung mit (reichlich) Tr\u00fcffel das erste Schwelgen in wohligem Genuss ausl\u00f6st.<\/p>\n<p>Eis kommt immer mal wieder vor auf den farbenfroh angerichteten G\u00e4ngen \u2013 wie auch kontrastierende Geschm\u00e4cker immer wieder f\u00fcr \u00dcberraschung sorgen. Die Ceviche vom Saibling badete in einem fluffigen und leicht scharfem Curry-Zitronengrasschaum, eine karamelisierte Mini-Banane mit Chilimarmelade sorgte (wie auch Avocadomousse auf der Ceviche und Paprikaeis on top) nicht nur f\u00fcr Farbe, sondern ebenfalls f\u00fcr fruchtige Sch\u00e4rfe \u2013 aber bittesch\u00f6n: dezent und nicht vordergr\u00fcndig. Erwartungsgem\u00e4\u00df verbarg sich hinterm Schaschlik 2.0 kein gew\u00f6hnlicher Fleischspie\u00df, sondern eine Kombination edler Meeresfr\u00fcchte (u.a. Jakobsmuschel, Garnele, Sepia) mit Schweinespeck, die sich zu fein gehackten Tomaten und einer (gr\u00fcnen, macht sich viel besser als schwarze) Oliventapenade auf dem Teller gesellte. Wir sind ja immer noch bei den Vorfreuden und auch erst zu zwei Dritteln durch \u2013 aber so ist das beim Pattis ja immer, und im Grunde freuen wir uns ja schon im Vorfeld gerade auf diese wohl dosierte \u00dcppigkeit. Getr\u00e4nkem\u00e4\u00dfig geht\u2019s da \u00fcbrigens sehr individuell zu: Alexander Stange, der uns an diesem Abend mit Weinen (zu jedem Gang) und auch alkoholfreien Varianten versorgte, ist ja weit mehr als ein Flaschenschubser. Er wei\u00df zu jedem Wein (oder der Alternative) was zu erz\u00e4hlen, geht charmant auf Fragen ein, l\u00e4sst sich Zeit. Das Essen serviert dann das Ehepaar Pattis, und zwar auch nicht kommentarlos, sondern schlau machend und den Respekt f\u00fcr die Arbeit hinter den Kulissen im Vorfeld erh\u00f6hend (auch wenn das nicht die Absicht ist). Insgesamt also alles tolle Gastgeber \u2013 und freundlich, lachend, wissend zu sein kostet nicht wirklich mehr!<\/p>\n<p>Der dritte Gang aus dem Vorspeisen-Trio schlug die Br\u00fccke zum fleischlastigen Hauptgang und leitete zugleich das Kapitel ein, das je nach Standpunkt mit Trau Dich! (Empfehlung des GRIPS-Theaters aus den 1970er Jahren) oder \u201eWat de Buur nich kennt, dat frett he nich\u201c (viel \u00e4ltere norddeutsche Volksweisheit) skizziert werden k\u00f6nnte. Gebackener Kalbskopf also: klingt f\u00fcr die meisten ungewohnt, aber ist ja gut im Pankow umh\u00fcllt gebacken und schmeckt dann doch fast wie ein guter Schmorbraten ohne Sauce. Und Entenleber \u2013 voll die Fettlebe! Und immerhin keine G\u00e4nsestopfdingenskirchen, obwohl mit Quitte und frisch getoasteter Brioche doch geschmacklich nahe dran. Es kommt eben immer drauf an, was man da einarbeitet, bevor man es durchs feinste Sieb in Pastetenform bringt\u2026 Wenn man aber bekennender Reisender durch die Gourmandie ist, dann fehlt eigentlich nur noch ein passender S\u00fc\u00dfwein dazu. Oh, was f\u00fcr ein feiner Zufall: ein 2018 Tokaj Szamarodni, Oremus brachte das n\u00f6tige Quentchen S\u00fc\u00dfe und angemesse S\u00e4ure, um als Zwischendurchwein nicht die Kehle geklebt zu bekommen\u2026<\/p>\n<p>Noch mehr Entdeckerfreude war beim Hauptgang gefragt, der mit Lammr\u00fccken (und allen Beilagen) etcetera etcetera nur sehr bruchst\u00fcckhaft umschrieben war, denn Mario Pattis pr\u00e4sentierte eine so noch nie gesehene (geschweige denn gegessene) Vielfalt: Lammr\u00fccken, Lammcarr\u00e9e, Lammnierchen, gebackenes Lammbries und Lammzunge. Etwas Taboul\u00e9 dazu und eine orientalisch aromatisierte Jus (mit Curry und Zimt) komplettierten den Teller. Eine Herausforderung, wei\u00dfe Flecken auf der Geschmackskarte zu entdecken und abzuhaken: schmeckt (mir) \u2013 schmeckt (mir) nicht. Aber das sind ja pers\u00f6nliche (Vor-)Lieben: gemacht war das alles perfekt, und ein abschlie\u00dfendes \u201esensationell!\u201c rutschte beim Gespr\u00e4ch schon mal raus\u2026 Der Rotwein dazu \u2013 ein Valpolicella Ripasso \u2013 erwies sich als perfekte Erg\u00e4nzung und war erfreulich feingliedrig \u2013 trotz der 14% Alc auch nicht plump und schon gar nicht s\u00fc\u00df.<\/p>\n<p>Eigentlich waren wir mittlerweile schon gar nicht mehr hungrig, aber f\u00fcr ein Pattis-Dessert ist man erfahrungsgem\u00e4\u00df nie zu satt \u2013 selbst wenn in der Variation Dinge vorkommen, die nicht f\u00fcr eine Abnehmdi\u00e4t geeignet sind. Aber mit einem fluffigen Hauch von Schaum gibt es da ja eine nicht zu \u00fcbersehende Ausrede als Blickfang: wird schon alles ganz leicht sein!<\/p>\n<p style=\"text-align: center; \"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/img-5832_TEXT.jpg\" alt=\"mariopattis.de\" title=\"mariopattis.de\"\/><br class=\"note-image-author-break\"\/>Bild: Ulrich van Stipriaan<\/p>\n<p>Men\u00fc<\/p>\n<ul>\n<li>Amuses Bouches \u201eUnser Kartoffels\u00fcppchen\u201c<\/li>\n<li>Ceviche vom Saibling | Portulak | Curry-Zitronengrasschaum<\/li>\n<li>Schaschlik 2.0<\/li>\n<li>Meeresfr\u00fcchte | Schweinespeck | Tomate | Oliventapenade<\/li>\n<li>Gebackener Kalbskopf | Entenleber | Quitte | Brioche<\/li>\n<li>Lammr\u00fccken | Taboul\u00e9 | Avocado | Pimentos | Orientalische Gew\u00fcrzjus<\/li>\n<li>Dessertinspiration<\/li>\n<\/ul>\n<p>Weinbegleitung<\/p>\n<ul>\n<li>2024 Scheurebe, G.A. Heinrich, W\u00fcrttemberg<\/li>\n<li>2022 Riesling L\u00f6hrer Berg, Anette Closheim, Nahe<\/li>\n<li>2018 Tokaj Szamarodni, Oremus, Ungarn<\/li>\n<li>2021 Valpolicella Ripasso, Ca la Bionda, Italien<\/li>\n<li>Vino Dolce Angelica, Bulgarini, Italien<\/li>\n<\/ul>\n<p>Info<\/p>\n<ul>\n<li>Men\u00fc 89 \u20ac | inkl. Weinbegleitung 138 \u20ac<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Restaurant Feine Kost \u2013 Mario Pattis<br \/><\/b>Wallg\u00e4sschen 4<br \/>01097 Dresden<\/p>\n<p>Tel.: +49 351 65 86 38 76<br \/>mariopattis.de<\/p>\n<p>[Besucht am 24. Februar 2026]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Abend beginnt mit einem gro\u00dfen Spa\u00df. 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