{"id":826442,"date":"2026-02-26T06:13:13","date_gmt":"2026-02-26T06:13:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/826442\/"},"modified":"2026-02-26T06:13:13","modified_gmt":"2026-02-26T06:13:13","slug":"edin-dzeko-im-xxl-interview-fuer-schalke-habe-ich-gerne-auf-geld-verzichtet-sport","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/826442\/","title":{"rendered":"Edin Dzeko im XXL-Interview: \u201eF\u00fcr Schalke habe ich gerne auf Geld verzichtet\u201c | Sport"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"skip-content skip-content--link\" href=\"#in-content-skip-link-target-v-0-0\">TTS-Player \u00fcberspringen\u21b5<\/a><a id=\"in-content-skip-link-target-v-0-0\" class=\"skip-content--target-link-hidden skip-content skip-content--target-link\" href=\"#in-content-skip-link-target-v-0-0\">Artikel weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><b>Der St\u00fcrmer-Star erkl\u00e4rt, wie der Wechsel zu S04 genau ablief \u2013 und spricht \u00fcber sein  Karriereende, seine Kindheit im Krieg sowie Respekt gegen\u00fcber dem Zeugwart. Das XXL-Interview!<\/b><\/p>\n<p><b>SPORT BILD: Stimmt es, Herr Dzeko, dass Sie nach Gelsenkirchen gezogen sind?<\/b><\/p>\n<p>EDIN DZEKO (39): Das stimmt. Es ist eine m\u00f6blierte Wohnung. Meine Familie war in der Woche vor dem Heimspiel gegen Magdeburg einige Tage bei mir zu Besuch, unsere Kinder hatten in Italien Schulferien. Sie bleiben aber zun\u00e4chst in Florenz wohnen.<\/p>\n<p><b>Warum ziehen Sie nicht ins etwas glamour\u00f6sere D\u00fcsseldorf?<\/b><\/p>\n<p>Ich nehme mir nach dem Training bewusst l\u00e4nger Zeit. Wenn ich dann noch eine Stunde nach D\u00fcsseldorf fahren m\u00fcsste, um allein in der Wohnung zu sein, ist das ein zu hoher Aufwand. So brauche ich nur f\u00fcnf Minuten bis nach Hause. Zumal ich eine nette Nachbarschaft hier habe.<\/p>\n<p><b>Einen Mitspieler?<\/b><\/p>\n<p>Ja, mein sehr guter Freund und Mitspieler Nikola Katic wohnt direkt neben mir. Und Timo Becker wohnt ganz in der N\u00e4he. Da f\u00fchle ich mich nat\u00fcrlich sehr wohl.<\/p>\n<p><b>Ihr Einstand auf Schalke war \u00fcberragend: Vier Tore in f\u00fcnf Spielen, zudem drei Torvorlagen. Sie scheinen mit fast 40 Jahren so fit zu sein wie manche Spieler mit 30. Wie schaffen Sie das?<\/b><\/p>\n<p>Ich gehe meistens schon vor dem Training in den Kraftraum, um Verletzungen vorzubeugen. Nach den Einheiten dann in der Regel noch einmal 20 bis 30 Minuten. Danach gehe ich in die Sauna, dann ins Eisbecken, anschlie\u00dfend behandeln mich noch unsere Physios. Ich liebe den Fu\u00dfball zu sehr, als weniger als einhundert Prozent zu geben.<\/p>\n<p>\u201eDa habe ich zu mir gesagt: Das geht so nicht weiter\u201c<\/p>\n<p><b>Der Winter-Wechsel zu Schalke ging von Ihnen aus. Wie kamen Sie genau auf diese Idee?<\/b><\/p>\n<p>Ich habe mit meinem Ex-Klub Florenz Ende Dezember in Parma gespielt. F\u00fcr Florenz war es ein ganz wichtiges Spiel gegen einen direkten Abstiegskandidaten. Ich sa\u00df auf der Bank, kurz nach der Halbzeit sind wir in R\u00fcckstand geraten. Ich habe mich warm gemacht und einige Minuten vor dem Spielende hat unser Trainer noch einmal gewechselt. Er hat einen Abwehrspieler herausgenommen \u2013 und daf\u00fcr einen anderen Abwehrspieler gebracht.<\/p>\n<p><b>Anstatt Sie als St\u00fcrmer.<\/b><\/p>\n<p>Da habe ich zur mir gesagt: Das geht so nicht weiter. Ich habe direkt nach dem Spiel meinen Berater angerufen und ihm das gesagt. Er fragte mich, was ich mir denn vorstelle.<\/p>\n<p><b>Ihre Antwort?<\/b><\/p>\n<p>Dass ich noch keine Ahnung habe.<\/p>\n<p><b>Und dann?<\/b><\/p>\n<p>Am Tag nach dem Spiel haben wir mit der Mannschaft zusammen Mittag gegessen. Ich bin nach dem Essen allein in dem Raum sitzen geblieben und habe nachgedacht. Ich habe mich gefragt: Was will ich? Was brauche ich? Ich kam zu der Antwort: Ein emotionales Stadion mit lauten Fans. Einen Verein, der mich noch einmal mitrei\u00dft. Da kam mir pl\u00f6tzlich Schalke in den Kopf. In dem Moment habe ich sofort mein Handy in die Hand genommen und Nikola geschrieben.<\/p>\n<p><b>Und was haben Sie ihm geschrieben?<\/b><\/p>\n<p>\u201aBraucht ihr noch einen St\u00fcrmer?\u2018<\/p>\n<p><b>Wie ging es weiter?<\/b><\/p>\n<p>Er rief mich umgehend an und fragte mich, ob er den Kontakt zum Trainer herstellen solle. Ich habe gesagt: \u201aJa, gerne.\u2018 Dann kam alles ins Rollen.<\/p>\n<p>\u201eIch hatte Angebote, die deutlich lukrativer waren\u201c<\/p>\n<p><b>Wie h\u00e4ufig haben Sie mit Trainer Miron Muslic gesprochen?<\/b><\/p>\n<p>Mehrere Male. Wir haben \u00fcber alles gesprochen: Fu\u00dfball, Familie, \u00fcber das Leben. Und ich habe ihm von Anfang an klar gesagt: Geld ist mir nicht wichtig. Ich hatte andere Angebote, die deutlich lukrativer waren. Aber darum ging es mir \u00fcberhaupt nicht. Ich habe f\u00fcr diesen Verein gerne auf Geld verzichtet. Ich brauchte noch einige Tage Bedenkzeit, aber mein Herz hatte sich eigentlich schon mit der Nachricht an Nikola entschieden.<\/p>\n<p><b>Mussten Sie sich als Weltstar in der Kabine \u00fcberhaupt vorstellen?<\/b><\/p>\n<p>Nein, im Profifu\u00dfball  kennt man sich untereinander. Aber nat\u00fcrlich bin ich zu jedem einzelnen Spieler gegangen und habe ihn begr\u00fc\u00dft. Das geh\u00f6rt sich einfach. Ich habe von zu Hause gelernt: Man muss immer Mensch bleiben. Und auf dem Boden.<\/p>\n<p><b>W\u00e4re Ihre Zeit auf Schalke eine Entt\u00e4uschung, wenn es mit dem Aufstieg nicht klappen sollte?<\/b><\/p>\n<p>Ich blicke auf eine Karriere zur\u00fcck, in der ich eigentlich immer sehr zufrieden war und ich den Fu\u00dfball geliebt habe. Auch die sechs Monate zuletzt in Florenz \u00e4ndern daran nichts. Und daran k\u00f6nnen auch die Monate hier auf Schalke nichts \u00e4ndern.<\/p>\n<p><b>Anders gefragt: Wie stolz w\u00fcrde es Sie machen, Schalke in die Bundesliga zu schie\u00dfen?<\/b><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sehr. Schalke war immer ein gro\u00dfartiger Verein, der f\u00fcr mich in die Bundesliga geh\u00f6rt. <\/p>\n<p><b>Einfache Ja-oder-nein-Frage: Beenden Sie im Sommer Ihre Karriere?<\/b><\/p>\n<p>Tut mir leid, das kann ich so nicht beantworten, weil ich es noch nicht wei\u00df.<\/p>\n<p>\u201eIch werde im Sommer auf meinen K\u00f6rper h\u00f6ren\u201c<\/p>\n<p><b>Also ist es nicht ausgeschlossen, dass es weitergeht?<\/b><\/p>\n<p>Ich bin kein Typ, der einige Monate vorher schon sagen kann, dass er aufh\u00f6ren wird. Ich plane nicht so weit in die Zukunft. Ich werde im Sommer auf meinen K\u00f6rper h\u00f6ren, und momentan f\u00fchle ich mich noch sehr gut. Und ich habe immer noch Ziele, auch mit der Nationalmannschaft.<\/p>\n<p><b>Im Sommer mit Bosnien bei der WM zu spielen?<\/b><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich. Auch wenn es wirklich nicht einfach wird. Wir haben in den Playoffs mit Wales einen sehr starken Gegner.<\/p>\n<p><b>H\u00f6rt man sich im Verein um, sagen alle Mitarbeiter, dass Sie extrem respektvoll seien. Was bedeutet Respekt f\u00fcr Sie?<\/b><\/p>\n<p>Wenn du von jemanden respektiert werden willst, musst du ihn auch respektieren. Ganz einfach. Es ist doch v\u00f6llig egal, ob einer viel Geld oder wenig Geld hat. Ob einer wei\u00df oder schwarz ist. Ob einer aus Bosnien oder Deutschland kommt. Wor\u00fcber reden wir da?! Mensch zu sein \u2013 das ist das Wichtigste. Und mit allen gleich und respektvoll umzugehen.<\/p>\n<p><b>Leben Sie das hier vor?<\/b><\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist das selbstverst\u00e4ndlich. Man kann doch zum Beispiel nicht einfach zum Zeugwart gehen und sagen: \u201aGib\u2018 mir mal das!\u2018 Nein. Man fragt ihn, wie es ihm geht und bittet ihn dann um Hilfe.<\/p>\n<p><b>Welche Ratschl\u00e4ge haben Sie f\u00fcr die j\u00fcngeren Spieler?<\/b><\/p>\n<p>Dass man f\u00fcr das Ziel hart arbeiten muss. F\u00fcr die j\u00fcngeren Spieler ist es heute ein bisschen einfacher als fr\u00fcher. Damals kam ich als junger Spieler in die Kabine, da konnte man mit den erfahrenen Profis nicht einfach Sp\u00e4\u00dfe machen und sie auch mal \u00e4rgern. Bei meinem ersten Profiverein in Bosnien haben wir ein Kreis-Spiel gemacht, bei dem ein erfahrener Spieler den Ball verloren hatte und eigentlich in die Mitte musste. Er hat stattdessen zu mir gesagt: \u201aDu gehst rein!\u2018 Das hat man dann einfach gemacht. Ohne Widerspruch. Das w\u00e4re heute nicht mehr so einfach. Vielleicht t\u00e4te manchen Talenten eine solche H\u00e4rte heute ab und zu ganz gut, aber ich habe einen anderen Ansatz. Ich will helfen, nehme die j\u00fcngeren Spieler in den Arm. Gerade, wenn sie mal in einem Tief stecken.<\/p>\n<p>\u201eIch will keine Privilegien haben\u201c<\/p>\n<p><b>Genie\u00dfen Sie unter Miron Muslic Privilegien?<\/b><\/p>\n<p>Nein, ich will keine Privilegien haben. Wir haben klar besprochen, was ich der Mannschaft geben kann. Die Fans honorieren unsere Leistungen. Wenn ich an den Samstagabend gegen Magdeburg denke: Deswegen bin ich hier hergekommen. Weil ich wei\u00df, was Schalke ist.<\/p>\n<p><b>Muslic hat gesagt, er wolle irgendwann mal Nationaltrainer Ihres Heimatlandes werden. Trauen Sie ihm das zu?<\/b><\/p>\n<p>Zu einhundert Prozent. Die Frage wird nur sein: Will er es selbst? Wenn ja, wird er es irgendwann mal ganz sicher werden.<\/p>\n<p><b>Sie sind Deutscher Meister, englischer Meister, Pokalsieger in Italien geworden. Bedeuten Ihnen diese Erfolge noch mehr aufgrund Ihrer Vergangenheit? Als Kind mussten Sie vor dem Krieg in Bosnien fliehen und hatten nicht die typische Profifu\u00dfballer-Ausbildung.<\/b><\/p>\n<p>Stimmt. Wobei ich immer dazu sagen muss: F\u00fcr meine Eltern war es noch viel schlimmer. Sie mussten sich um uns k\u00fcmmern, immer mit der Angst um ihr Leben und das Leben ihrer Kinder. Kinder wollen immer spielen \u2013 egal was gerade passiert. Sie machen sich weniger Gedanken. Unser Gl\u00fcck war, dass wir noch sehr klein waren.<\/p>\n<p><b>Stimmt es, dass Ihre Mutter Ihnen eines Tages verboten hat, drau\u00dfen Fu\u00dfball zu spielen und genau an dem Ort wenig sp\u00e4ter eine Granate eingeschlagen ist?<\/b><\/p>\n<p>Ja, so etwas konnte jeden Tag zu jeder Zeit passieren. Es sind viele Kinder durch Granaten gestorben. Es war ein schlimmer Krieg und viele Menschen mussten sinnlos sterben.<\/p>\n<p>\u201eEr riet mir, positiver zu sein\u201c<\/p>\n<p><b>Was war der beste Ratschlag, den Sie w\u00e4hrend Ihrer Karriere erhalten haben?<\/b><\/p>\n<p>Ich habe viele Ratschl\u00e4ge bekommen, aber einer f\u00e4llt mir spontan ein: Ich spielte in Wolfsburg und wir hatten einen Chiropraktiker, der uns einmal pro Woche besucht hat. Eines Tages hat er mich behandelt \u2013 und fragte mich: \u201aDarf ich dir einen Tipp geben?\u2018 <\/p>\n<p><b>Was war der Tipp?<\/b><\/p>\n<p>Er sagte mir, dass ihm aufgefallen sei, dass ich nach vergebenen Torchancen immer auf den Boden schaue und den Kopf h\u00e4ngen lasse. Und riet mir, positiver zu sein und irgendwas zu machen. Zum Beispiel am Trikot zupfen, einfach irgendwas als Routine. Ich habe das umgehend umgesetzt \u2013 und es hat wirklich geholfen. Ich habe die Torchance viel schneller vergessen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><b>Mit Wolfsburg sind Sie 2009 sensationell Meister geworden, wurden dadurch in diesem Land sehr bekannt. Tr\u00e4umen Sie manchmal noch von Medizinb\u00e4llen?<\/b><\/p>\n<p>Es hat ein wenig gedauert, sich an den Trainingsstil von Felix Magath zu gew\u00f6hnen (lacht). Aber wenn man so viele Spiele gewinnt, glaubt man daran und macht es mit. Ich erinnere mich an einen Tag: Da waren wir mit der Mannschaft im Trainingslager in Norddeutschland. Wir mussten um 7 Uhr aufstehen und dann sofort zum Strand kommen. Da lagen dann Traktoren-Reifen, die wir schleppen mussten. Mit Sprints zwischendurch. Viele Mitspieler kamen zu mir und mussten sich erst einmal \u00fcbergeben. So etwas vergisst man nicht. Und so etwas schadet keinem Spieler.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"TTS-Player \u00fcberspringen\u21b5Artikel weiterlesen Der St\u00fcrmer-Star erkl\u00e4rt, wie der Wechsel zu S04 genau ablief \u2013 und spricht \u00fcber sein&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":826443,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[136],"tags":[805,1630,29,3405,109245,18391,3658,30,11630,123355,86519,265,819,45,931,6172,7109,784],"class_list":["post-826442","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-sport","tag-ac-florenz","tag-bosnien","tag-deutschland","tag-duesseldorf","tag-dzeko-edin","tag-fc-schalke","tag-gelsenkirchen","tag-germany","tag-magath-felix","tag-muslic-miron","tag-parma-calcio","tag-sport","tag-sport-leuchtturm-essen","tag-texttospeech","tag-vfl-wolfsburg","tag-wales","tag-weltmeisterschaft","tag-zweite-bundesliga"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116135461643291991","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/826442","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=826442"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/826442\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/826443"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=826442"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=826442"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=826442"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}