{"id":827144,"date":"2026-02-26T12:46:16","date_gmt":"2026-02-26T12:46:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/827144\/"},"modified":"2026-02-26T12:46:16","modified_gmt":"2026-02-26T12:46:16","slug":"muenchner-ob-double-auf-dem-nockherberg-der-ruht-in-sich-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/827144\/","title":{"rendered":"M\u00fcnchner OB-Double auf dem Nockherberg: \u201eDer ruht in sich\u201c &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Nur: Welche? Und dann ist schon auch die Frage, wie ein Schauspieler, der den OB seit 2015 spielt und beobachtet, den Menschen Reiter im Jahr 2026 einsch\u00e4tzt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wittmann verr\u00e4t beim Treffen im Dallmayr nichts \u00fcber das Singspiel-St\u00fcck am 4. M\u00e4rz. Die Tradition will es ja, dass Veranstalter Paulaner aus dem Derblecken ein m\u00f6glichst gro\u00dfes Staats- oder wenigstens Stadtgeheimnis macht bis zum Abend der Auff\u00fchrung. Trotzdem kann man bei dem 61-J\u00e4hrigen zwischen den Zeilen respektive zwischen den Worten lesen. Und eine Ann\u00e4herung an den Menschen Wittmann ist auf eine Art auch eine Ann\u00e4herung an den Menschen Reiter.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wittmann ist ein tastender Mensch. Verbal tastend. Beim Fototermin am Fischbrunnen vor dem Rathaus wird er gebeten, seine Jacke auszuziehen, bei leichten Minusgraden. Er nickt und sagt: \u201eSamma fro, dass ned so koid is.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zwischen den Worten: eine leichte Hintergr\u00fcndigkeit, die bei Bedarf auch in eine ganz dezente Hinterfotzigkeit \u00fcbergehen kann, indem er durch die mit dem Dialekt ins Sympathische gedrehte Verneinung etwas sehr wohl bejaht.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wittmann redet leise, zur\u00fcckhaltend, man w\u00fcrde ihn jederzeit \u00fcberall als Normalb\u00fcrger akzeptieren. So ein Normalo wie der\u00a0spie\u00dfige Bruder in den Eberhofer-Krimis zum Beispiel, den er seit vielen Jahren spielt, der mit einer thail\u00e4ndischen Partnerin in seiner niederbayerischen Heimat \u00fcberfordert ist. Und eben auch den Reiter, der schon einige OB-Dienstjahre absolviert hat, aber noch immer nirgendwo wirklich auff\u00e4llt. Hintergr\u00fcndig passt da in jeder Hinsicht.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">W\u00e4hrend bei S\u00f6der im Laufe der Jahre im Rampenlicht ein ausuferndes Selbstverst\u00e4ndnis als Star und die \u00dcberzeugung gewachsen ist, mindestens Mittelpunkt des aktuellen Raumes zu sein, wirken Typen wie Wittmann oder Reiter anders. Beide sind in ihren Berufen prominent, aber das gerne eher in Reihe zwei. Da passt es auf den ersten Blick gar nicht, dass Wittmann vorschl\u00e4gt, doch zum Dallmayr zu gehen. Ein Ort f\u00fcr Sterne-Liebhaber und Gro\u00dfkopferte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/2c38942e-81a7-4b24-bc1f-a209a40afdb4.jpeg\"   alt=\"Gerhard Wittmann bei seinem Double-Debut 2015.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Gerhard Wittmann bei seinem Double-Debut 2015. (Foto: Tobias Hase\/dpa)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Der zweite Blick: Wittmanns Sohn, 18, macht im Haus eine Kochlehre. Deshalb ist der Papa auch ab und an da. Und es dauert keine zehn Minuten, und schon steht der Sohnemann, akkurat in Wei\u00df samt Kochhaube gekleidet, am Tisch und sagt Hallo. Und das derart sch\u00fcchtern, dass man meinen k\u00f6nnte: Die Geschichten, die der Vater gerade \u00fcber sich erz\u00e4hlt, treffen wohl kaum auf die n\u00e4chste Generation der Familie Wittmann zu.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Gerhard Wittmann erkl\u00e4rt, warum er, aus einer B\u00e4cker-Familie in Aichach stammend, Schauspieler werden wollte. Sein Vater fragte immer mal nach, der Sohn sagte auch als angehender Teenager immer das gleiche: \u201eSchauspieler\u201c. Aber warum? Er habe den Papa oft begleitet, als der im Ort nicht nur das Brot, sondern auch die Briefe ausgefahren habe. Und dabei viele Menschen gesehen und kennengelernt, verschiedene Typen. \u201eUnd die habe ich dann nachgemacht.\u201c In der Schule, beim Ausfahren. Dieses Nachmach-Gen ist allerdings h\u00f6chstens rezessiv vererbt beim Sohn. \u201eAnton!\u201c, sagt der Papa, \u201eHallo\u201c, sagt der Sohn, und dass er nicht st\u00f6ren will.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wittmann, der Normalo, der Fu\u00dfballfan ist, selbst gekickt hat und auf der Kuchenkarte auch auf den Preis schaut. Der zweite Blick: heute HSV-Fan, fr\u00fcher auf dem Platz ein Zehner, kennt sich mit S\u00fc\u00dfspeisen aus.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Als Zehner im Fu\u00dfball ist man der Spielmacher, der Mann f\u00fcr die verbalen und nonverbalen Kommandos. Der Zehner ist, wenn man es ins B\u00fchnen-Business \u00fcbersetzen will: der Hauptdarsteller, immer am Ball, im Blick, im Fokus. Das muss man k\u00f6nnen, das muss man m\u00f6gen. Wittmann mochte das, auch auf der B\u00fchne vom Theaterverein. Er schrieb als Kind mal dem Toni Berger und bekam ein Dreivierteljahr sp\u00e4ter eine handgeschriebene Antwort, die er nicht lesen konnte, so dass der Papa ran musste und entzifferte: Er solle erst einen Beruf lernen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Also wurde Wittmann Gro\u00dfhandelskaufmann, nicht ohne im Betrieb die Kollegen zu imitieren und nachzuspielen. Das Interesse an den an der Umgebung, an den Menschen, das m\u00fcsse es schon irgendwie gewesen sein, sagt Wittmann, was ihn so sicher gemacht habe, dass es die Schauspielerei ist. \u201eIch habe mir das auf dem Weg hierher in der U-Bahn gerade auch wieder gedacht: Da war ich der Einzige, der nicht auf sein Handy geschaut hat.\u201c Sondern auf die anderen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/69d27db2-1afb-47ee-91cb-fde062438874.jpg\"   alt=\"Wittmann als Reiter im Jahr 2019.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Wittmann als Reiter im Jahr 2019. (Foto: Florian Peljak)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Nach der Lehre war es so weit, Wittmann bewarb sich an der M\u00fcnchner Schauspielschule \u201eZinner Studio\u201c und fuhr unvorbereitet hin,\u00a0so dass er auf die Frage: \u201eWas haben Sie uns mitgebracht?\u201c, keine Antwort hatte und schon in der T\u00fcr stand, als ihm klar wurde: jetzt oder nie. Er hat dann ein Streitgespr\u00e4ch zwischen Franz Josef Strau\u00df und Helmut Schmidt gespielt. Es brachte ihm eine Belehrung, dass Imitieren nicht das gleiche sei wie Schauspielerei. Aber man habe sein Gesp\u00fcr f\u00fcr Pausen und Komik gesehen. Er wurde genommen, lernte in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">M\u00fcnchen<\/a> und stand abends als Einlassdiener in der Oper. Dadurch hatte er \u201eGeld f\u00fcr&#8217;d Miete und f\u00fcr&#8217;d Schua\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Genommen wurde er auch nach der Ausbildung bei allen sechs Theatern, bei denen er vorsprechen durfte. Anfang der Neunziger arbeitete er in Linz, es folgten Regensburg, Landshut. Bei \u201eRomeo und Julia\u201c wurde er zwar nicht der Romeo, aber hat trotzdem die Julia kennengelernt, woraus die heutige Familie entstand, mit dem Kochlehrling Anton und seiner \u00e4lteren Schwester, die gerade mit ihrer Ausbildung bei der Constantin Film fertig geworden ist.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Theater f\u00fchrte wie so oft zum Film, zun\u00e4chst kleine Rollen, viele kleine Rollen, manchmal nur mit einem Drehtag. Dann die erste Hauptrolle in \u201eAlle haben geschwiegen\u201c, der harmlose Herr Wittmann ist ein Vergewaltiger und M\u00f6rder. Und als ihn Marcus H. Rosenm\u00fcller in einem Abschlussfilm eines Filmstudenten sieht, entschuldigt er sich fast, dass er Wittmann vorher nicht kannte. Daf\u00fcr spielt Wittmann dann in \u201eWer&#8217;s glaubt, wird seelig\u201c. Und eben dann auch auf dem Nockherberg, dessen Singspiel von 2013 bis 2017 von Rosenm\u00fcller geleitet wird.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eIch glaube, ich war der erste, der ihn aus der ernsten Schublade zur Kom\u00f6die geholt hat\u201c, sagt Rosenm\u00fcller am Telefon und beschreibt Wittmann als jemanden, der auf eine Art geheimnisvoll sei, so eine Energie habe, \u201edas wirkt \u00fcberraschend\u201c. Vom Typ her eher still, \u201eder ruht in sich\u201c, und in diese Ruhe habe er, der Rosenm\u00fcller, Worte legen k\u00f6nnen, die dann einen \u00fcberraschenden Effekt hatten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Interessanterweise hatte sich Wittmann bis zur Anfrage schon auch selbst eine Nockherberg-Rolle vorstellen k\u00f6nnen, allerdings die von Josef Schmid, dem CSU-Kontrahenten von Reiter bei der Kommunalwahl 2014. An Reiter dachte er nicht, bis zu einem Anruf.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Es folgt an diesem Januartag im Dallmayr die erste Imitation, als Wittmann M\u00fcnchens bekannteste Casterin nachmacht.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eGerhard, des bisch du\u201c, habe Franziska Aigner in ihrem branchenweit bekannten Schw\u00e4bisch zu ihm gesagt. Seitdem isch der Gerhard der Dieter. Bei seinem Debut, der Raumschiff-Inszenierung 2015, singt er den Song \u201eDer Goldene Reiter\u201c. Die Figur ist allerdings in all den Jahren immer ein Side-Kick gewesen, unauff\u00e4llig. Spannend wurde die Rolle dadurch, dass der scheue OB \u00fcberraschend doch immer mal aus sich herausging.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/de61cf37-944b-457a-a0eb-e74baa03166c.jpeg\"   alt=\"Dieter Reiter und Gerhard Wittmann (rechts) im Jahr 2024.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Dieter Reiter und Gerhard Wittmann (rechts) im Jahr 2024. (Foto: Robert Haas)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eIch nehme den OB schon immer wahr als einen souver\u00e4nen und pragmatischen Menschen\u201c, sagt Wittmann. Kein Schnickschnack, ein gerader Weg. \u201eIch nehme ihm ab, dass es ihm um die Sache geht.\u201c Und nat\u00fcrlich freue es ihn, falls Reiter nochmal gewinnt, klar, sagt Wittmann, dann bliebe er\u00a0ja auch der Reiter auf dem Nockherberg. Und doch schwingt ein wenig Vorsicht mit. Seine Schauspiel-Kollegin Ilse Neubauer habe neulich mal gesagt, erz\u00e4hlt Wittmann, dass Reiter derzeit ein wenig die Aura des \u201eIch werde es sowieso wieder\u201c umgebe. Was einfach nicht zu Reiter passe.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wittmann kennt den OB, auch seine Frau, er war schon mehrmals eingeladen, etwa zum Anstich auf dem Oktoberfest. \u201eIch mag ihn schon\u201c, sagt er. Was auch wichtig ist. Denn er m\u00fcsse immer auch wenigstens ein Zipfelchen an den Rollen verstehen oder m\u00f6gen. Oder beides. \u201eTrump w\u00fcrde ich nicht parodieren wollen.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Der markanteste Auftritt von OB-Wittmann war sicher der als Biene, 2024. \u201eWir sa\u00dfen vier Tage vor dem Anstich bei den Proben\u201c, Wittmann als Biene, als einer der Musiker die Maja-Melodie losspielte. Wittmann tanzte los, improvisierte, und jemand sagte. \u201eDes muss nei.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ohnehin werde oft noch viel ge\u00e4ndert und angepasst. Beim Rosenm\u00fcller sei oft eher erstmal nur ein Fragment dagewesen f\u00fcr das Singspiel. \u201eEinmal hat er vier Tage vor dem Auftritt im Hinblick auf das unfertige St\u00fcck gesagt: Letztes Jahr waren wir erfolgreich, dieses Jahr wohl nicht mehr.\u201c Waren sie nat\u00fcrlich trotzdem. Und so ist die Frage, wie der OB in diesem Jahr wohl auftritt. 2020 war seine Rolle im Singspiel die des Amtsinhabers, der immerzu fl\u00fcsterte. \u201eNiemand soll wissen, dass ich in der SPD bin.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wenn die St\u00fcckeschreiber nahe an der Figur bleiben, m\u00fcsste der diesj\u00e4hrige von Wittmann als Reiter eine etwas weniger zur\u00fcckhaltende Note bekommen. Auch diesmal hat Reiter wieder einen Song, und Wittmann ist nicht nur ge\u00fcbtes OB-Double, sondern l\u00e4ngst auch Profi im Spannung sch\u00fcren \u00e0 la Veranstalter Paulaner, als er sagt: \u201eDas Lied fasst seine Rolle in diesem Jahr gut zusammen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nur: Welche? 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