{"id":827366,"date":"2026-02-26T14:52:12","date_gmt":"2026-02-26T14:52:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/827366\/"},"modified":"2026-02-26T14:52:12","modified_gmt":"2026-02-26T14:52:12","slug":"brennelemente-aus-lingen-zusammenarbeit-mit-russischer-firma-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/827366\/","title":{"rendered":"Brennelemente aus Lingen: Zusammenarbeit mit russischer Firma &#8211; Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\"><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Atomkraft\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Atomkraft<\/a> ist Ma\u00dfarbeit, jedenfalls wenn es an die Brennst\u00e4be geht. Da hat jeder Kraftwerkstyp seine eigenen Anforderungen; die f\u00fcr russische WWER-Reaktoren sind hexagonal also sechseckig. Es braucht spezielle Maschinen und eine Lizenz, um sie herzustellen. Die meisten dieser Brennelemente kommen bisher aus <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Russland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russland<\/a>, auch f\u00fcr Reaktoren in der EU \u2013 und das trotz des russischen Angriffskriegs.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das k\u00f6nnte sich demn\u00e4chst \u00e4ndern, und zwar mit Hilfe aus <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Deutschland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Deutschland<\/a>. Statt aus Russland k\u00f6nnten die Brennelemente demn\u00e4chst aus dem Emsland kommen, gefertigt in einer Fabrik des franz\u00f6sischen Atomkonzerns Framatome. Den entsprechenden Antrag stellte die Framatome-Tochter Advanced Nuclear Fuels (ANF) bereits drei Wochen nach Beginn des Kriegs in der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Ukraine\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ukraine<\/a>, im M\u00e4rz 2022. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck r\u00fcckt die Genehmigung nun n\u00e4her. Aber: ANF will die sechseckigen Brennst\u00e4be nicht allein fertigen, sondern in einem Joint Venture mit dem russischen Staatskonzern Rosatom. Einem Unternehmen, das auch die russische Armee im Krieg mit Komponenten, Technologie und Rohstoffen beliefern soll. Rosatom\u00a0bringt die Lizenzen mit \u2013 und k\u00f6nnte somit k\u00fcnftig in Deutschland Geld verdienen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Eine entscheidende H\u00fcrde hatten die Partner schon Mitte des Monats genommen. Da \u00fcbermittelte das <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Bundesumweltministerium\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bundesumweltministerium<\/a> die Ergebnisse einer Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung an die zust\u00e4ndigen Landesbeh\u00f6rden in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Hannover\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hannover<\/a>. Der konkrete Inhalt ist unbekannt, nur so viel ist klar: Fundamentale Probleme, die eine Genehmigung ausschlie\u00dfen w\u00fcrden, liegen nicht vor. Auf Anfrage der SZ teilte Framatome mit, man habe alle erforderlichen Unterlagen bei den Genehmigungsbeh\u00f6rden eingereicht. \u201eWir gehen daher nach drei Jahren Verfahrenszeit zu Recht davon aus, dass die Beh\u00f6rden in K\u00fcrze eine endg\u00fcltige Entscheidung treffen werden.\u201c Das Bundesumweltministerium will sich nicht zu dem laufenden Verfahren \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Stattdessen liegt die hei\u00dfe Kartoffel jetzt bei einem anderen: Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Gr\u00fcne). Er hatte nie ein Hehl daraus gemacht, dass er von dem Deal nicht viel h\u00e4lt. Und das nicht nur, weil er die Atomkraft per se ablehnt, sondern auch aus geopolitischen Gr\u00fcnden. Russland in Zeiten des Kriegs noch weiteren Einfluss auf die Energieerzeugung in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Europa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Europa<\/a> zu geben, h\u00e4lt er f\u00fcr falsch. Weshalb er im Genehmigungsverfahren der Gr\u00fcndlichkeit Vorrang vor Schnelligkeit gab, Gr\u00fcndlichkeit zweimal unterstrichen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Mehr als zwei Jahre nach dem Genehmigungsantrag lie\u00df er erst einmal eine \u00f6ffentliche Anh\u00f6rung abhalten, der Tragweite des Themas wegen. Parallel lie\u00df das Bundesumweltministerium, seinerzeit ebenfalls unter gr\u00fcner F\u00fchrung, <a href=\"https:\/\/www.bundesumweltministerium.de\/download\/kernbrennstoffproduktion-und-ausfuhr\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Rechtsgutachten zu m\u00f6glichen Gefahren erstellen<\/a>\u00a0\u2013 etwa durch Spionage oder Sabotage. Es sei \u201enicht ausgeschlossen, dass die Zulassung einer Kooperation einer deutschen Brennelementefabrik mit einem russischen Staatskonzern die innere oder \u00e4u\u00dfere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland zu gef\u00e4hrden vermag\u201c, schrieb der Frankfurter Atomrechtsexperte Gerhard Roller seinerzeit. Das Umweltministerium schaltete in der Folge andere Ressorts ein, etwa Au\u00dfen-, Innen- und Wirtschaftsministerium.<\/p>\n<p>Es handelt sich um eine \u201egebundene Entscheidung\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Jetzt aber, wo auch deren Einsch\u00e4tzung vorliegt, hat Meyer nicht mehr viel Spielraum. Schlie\u00dflich handelt es sich um eine \u201egebundene Entscheidung\u201c. Das hei\u00dft, wenn beh\u00f6rdlicherseits nichts dagegen spricht, l\u00e4sst sich die Genehmigung kaum versagen. Mehr noch: Das Unternehmen k\u00f6nnte Schadenersatz verlangen, wenn das Landesministerium nicht handelt. Auch dort will man sich zu dem laufenden Verfahren nicht \u00e4u\u00dfern. Nicht einmal den Eingang eines Schreibens aus <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Berlin\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Berlin<\/a> will das Ministerium best\u00e4tigen. Es ist eben eine pikante Angelegenheit.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Seit das Kernkraftwerk \u201eEmsland\u201c seinen Dienst eingestellt hat, verdient in Lingen nur noch die Brennelementefabrik mit Atomkraft Geld. 400 Menschen arbeiten auf der Anlage, doch der Absatz schw\u00e4chelt. Die Kooperation mit dem russischen Konzern Rosatom k\u00f6nnte zumindest diese Jobs sichern,\u00a0wirbt ANF. Weit gediehen ist sie ohnehin schon, denn l\u00e4ngst ist das n\u00f6tige Gemeinschaftsunternehmen gegr\u00fcndet, allerdings nach franz\u00f6sischem Recht. Eine Investitionspr\u00fcfung durch deutsche Beh\u00f6rden lie\u00df sich so umgehen. Schon 2024 wurden auch die entsprechenden Umbauten vorbereitet, samt Schulungen f\u00fcrs Personal. Damit die Rosatom-Leute daf\u00fcr nicht auf das Fabrikgel\u00e4nde mussten, passierte das alles in Hallen au\u00dferhalb. Wenn die Genehmigung einmal da ist, k\u00f6nnte also alles recht schnell gehen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Bleibt eine gro\u00dfe Frage: Macht sich Deutschland und Europa damit noch abh\u00e4ngiger von Russland \u2013 und das in einer Zeit, in der gerade m\u00fchevoll die Abh\u00e4ngigkeit bei \u00d6l und Gas \u00fcberwunden ist? Oder werden Kernkraftwerke in der EU so unabh\u00e4ngiger von den russischen Brennelementelieferungen, die es ja immer noch gibt?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">So jedenfalls argumentiert Framatome: \u201eDurch das Projekt k\u00f6nnen wir bestehende Abh\u00e4ngigkeiten von Russland in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Osteuropa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Osteuropa<\/a> reduzieren\u201c, sagt Mario Leberig, Vizepr\u00e4sident f\u00fcr die Ingenieurssparte f\u00fcr Framatome. Dort benutzen n\u00e4mlich noch immer 19 Kernkraftwerke russische Brennelemente, in Tschechien, der Slowakei, Bulgarien, Ungarn und Finnland. Nach <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/databrowser\/view\/ds-045409__custom_17371491\/default\/table?lang=en\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Daten von Eurostat<\/a> verdiente Russland allein 2024 eine halbe Milliarde Euro mit dem Export der n\u00f6tigen Brennst\u00e4be. Von Sanktionen sind sie n\u00e4mlich bisher ausgenommen \u2013 die EU w\u00fcrde sich zwar von den Importen gern unabh\u00e4ngig machen, hat das aber noch nicht geschafft.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Darauf verweist auch der franz\u00f6sische Atomkonzern. Mit einem neuen Angebot k\u00f6nnten diese L\u00e4nder langfristig von Russland unabh\u00e4ngiger werden. Kurz- und mittelfristig m\u00fcsse man daf\u00fcr aber mit dem russischen Staatskonzern Rosatom zusammenarbeiten, weil man die Produktion der sechseckigen Brennelemente ohne deren Lizenz nicht erlernen k\u00f6nne. Bis 2030 will Framatome dann seine eigenen Brennelemente herstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zwar gibt es schon einen weiteren Anbieter der sechseckigen Brennelemente, n\u00e4mlich das kanadisch-amerikanische Unternehmen Westinghouse. Tats\u00e4chlich habe es in der Vergangenheit aber auch Probleme mit den Westinghouse-Brennelementen gegeben, sagt Mycle Schneider. Er ist ein unabh\u00e4ngiger Energieanalyst und Herausgeber des \u201e<a href=\"https:\/\/www.worldnuclearreport.org\/World-Nuclear-Industry-Status-Report-2025\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">World Nuclear Industry Status Report\u201c.<\/a>\u00a0Tschechien hat etwa auf Westinghouse gesetzt, war dann aber doch wieder auf russische Brennelemente umgeschwenkt. \u201eDie Herstellung dieser hexagonalen Brennelemente ist eine gro\u00dfe technische Herausforderung\u201c, sagt Schneider.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">In Lingen bleibt Rosatom Gesch\u00e4ftspartner und Lizenzgeber und verdient so weiterhin Geld.\u00a0\u201eJeder neue Vertrag mit Rosatom tr\u00e4gt zur Finanzierung von Russlands Krieg gegen die Ukraine bei und vertieft die Abh\u00e4ngigkeit Europas von einem feindlichen Staat\u201c, warnt etwa Wladimir Sliwjak, Co-Chef der russischen Umweltorganisation Ecodefense, Tr\u00e4ger des Alternativen Nobelpreises und mittlerweile im Exil in Deutschland. Mache Deutschland den Weg f\u00fcr das Gesch\u00e4ft frei, \u00f6ffne das T\u00fcr und Tor f\u00fcr russischen Einfluss und Sabotage.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">So sehen das auch die Gr\u00fcnen im <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Bundestag\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bundestag<\/a>. \u201eIch halte das f\u00fcr geradezu blind\u201c, sagt deren atompolitischer Sprecher Harald Ebner. Man gew\u00e4hre Russland die M\u00f6glichkeit, auf deutschem Boden zu agieren. Wie man derart in ein Desaster stolpern k\u00f6nne, sei ihm schleierhaft.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Framatome h\u00e4lt diese Vorw\u00fcrfe f\u00fcr unbegr\u00fcndet, die Sabotagerisiken seien so nicht gegeben. \u201eWir haben die h\u00f6chsten Sicherheitsstandards unserer Branche. Unser Unternehmen wartet die Maschinen selbst, und die Software, die eh schon von unserem Partner Siemens stammt, wird zus\u00e4tzlich gepr\u00fcft\u201c, sagt Leberig. Rosatoms Personal werde in Deutschland in Zukunft nicht gebraucht. Zu dem Vorwurf, durch das Joint Venture w\u00fcrde Rosatom, das auch das russische Milit\u00e4r beliefern soll, finanziell profitieren, will Framatome sich nicht \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">F\u00fcr die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Bundesregierung\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bundesregierung<\/a> bleibt die Sache heikel. Einerseits l\u00e4uft das Verh\u00e4ltnis zu <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Frankreich\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Frankreich<\/a> ohnehin gerade nicht ganz ruckelfrei, etwa bei gemeinsamen Projekten wie dem Kampfjetsystem FCAS. Weshalb auch dem Kanzleramt daran gelegen ist, die Causa Lingen rasch im Sinne der deutsch-franz\u00f6sischen Freundschaft zu erledigen. Andererseits aber will Berlin keinesfalls den Eindruck entstehen lassen, man unterst\u00fctze auf Umwegen den Kreml. Eine gute L\u00f6sung, so scheint es, gibt es nicht.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Eine schnelle allerdings auch nicht. Denn am Ende entscheidet zwar das Land, aber im Einvernehmen mit dem Bund. Es m\u00fcsste also das Landesumweltministerium, wenn denn die finale Einsch\u00e4tzung des Bundes vorliegt, erst einmal in aller Sorgfalt \u00fcberpr\u00fcfen, wie damit zu verfahren ist, um anschlie\u00dfend den Bund wieder einzubinden und in einer weiteren Schleife m\u00f6gliche Einw\u00e4nde zu verarbeiten. In aller gebotenen Gr\u00fcndlichkeit, versteht sich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Atomkraft ist Ma\u00dfarbeit, jedenfalls wenn es an die Brennst\u00e4be geht. 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