{"id":828747,"date":"2026-02-27T03:41:12","date_gmt":"2026-02-27T03:41:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/828747\/"},"modified":"2026-02-27T03:41:12","modified_gmt":"2026-02-27T03:41:12","slug":"stuttgart-darum-holen-die-gruenen-in-baden-wuerttemberg-jetzt-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/828747\/","title":{"rendered":"Stuttgart | Darum holen die Gr\u00fcnen in Baden-W\u00fcrttemberg jetzt auf"},"content":{"rendered":"<p>Stuttgart (dpa) &#8211; Es sind ein paar Zahlen, die den bisher eher langweiligen Wahlkampf in Baden-W\u00fcrttemberg komplett auf den Kopf stellen &#8211; und ordentlich anfeuern: Die Gr\u00fcnen von Cem \u00d6zdemir, \u00fcber viele Monate in Umfragen weit abgeschlagen hinter der eigentlich siegessicheren CDU, liegen pl\u00f6tzlich fast gleichauf mit den Konservativen. Was passiert gerade im L\u00e4ndle?\u00a0<\/p>\n<p>Der Umfrage-Hammer<\/p>\n<p>Der Vorsprung der CDU im S\u00fcdwesten war zwar \u00fcber die vergangenen Monate immer weiter geschmolzen, galt aber zehn Tage vor der Wahl weiterhin als kaum einzuholen. Dann ver\u00f6ffentlichte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap am Donnerstag f\u00fcr die ARD Zahlen, die es in sich haben: Die Gr\u00fcnen liegen pl\u00f6tzlich bei 27 Prozent \u2013 nur einen Prozentpunkt hinter der CDU, bei einer Fehlertoleranz von zwei bis drei Punkten. Ende Januar lag der Abstand noch bei sechs, im Oktober noch bei neun Punkten. Im Oktober 2024 lag er bei 16 Punkten.<\/p>\n<p>F\u00fcr die repr\u00e4sentative Umfrage wurden 1.530 Wahlberechtigte in Baden-W\u00fcrttemberg zwischen dem 23. und 25. Februar befragt. Dabei ist es nicht so, dass die CDU in der neuen Umfrage viel schlechter dasteht. Auch wenn die Wahlk\u00e4mpfer im S\u00fcdwesten von der Bundespartei in den vergangenen Wochen eher Gegen- als R\u00fcckenwind erhielten: Die CDU hat nur einen Prozentpunkt eingeb\u00fc\u00dft. Die Gr\u00fcnen hingegen haben einfach deutlich zugelegt. \u00abDas ist schon ungew\u00f6hnlich\u00bb, sagt Joachim Behnke, Politikwissenschaftler an der Zeppelin Uni in Friedrichshafen zu dem Vier-Prozentpunkte-Sprung binnen weniger Wochen. Nun scheint das Rennen komplett offen.\u00a0<\/p>\n<p>Der K\u00f6pfe-Faktor\u00a0<\/p>\n<p>Sein Kollege Ulrich Eith, Politikwissenschaftler an der Uni Freiburg, erkl\u00e4rt sich die gr\u00fcne Aufholjagd mit der zunehmenden Bedeutung der Pers\u00f6nlichkeitswerte der Spitzenkandidaten &#8211; bei denen liegt der fr\u00fchere Bundeslandwirtschaftsminister \u00d6zdemir schon seit Beginn des Wahlkampfs klar vorn. \u00abDas muss so sein, dass der Pers\u00f6nlichkeitsfaktor zunehmend eine Rolle spielt\u00bb, sagte er. \u00abAnders ist das nicht erkl\u00e4rbar.\u00bb Die Gr\u00fcnen h\u00e4tten ja nichts an ihrem Programm ge\u00e4ndert. Als Partei pr\u00e4ferierten viele Baden-W\u00fcrttemberger die CDU, aber als Ministerpr\u00e4sident h\u00e4tten die Menschen lieber \u00d6zdemir als den noch relativ unbekannten CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel.\u00a0<\/p>\n<p>Das belegt auch die Umfrage: Wenn die Baden-W\u00fcrttemberger den Regierungschef direkt w\u00e4hlen k\u00f6nnten, w\u00fcrden sich derzeit 42 Prozent f\u00fcr \u00d6zdemir entscheiden, nur 21 Prozent f\u00fcr Hagel. \u00abDie Personalisierung des Wahlkampfs ist unglaublich stark\u00bb, meint auch Politologe Behnke. \u00abEs geht immer mehr um K\u00f6pfe &#8211; und \u00d6zdemir ist der popul\u00e4rste Kandidat.\u00bb Der habe sich im Wahlkampf extrem von seiner Partei abgegrenzt. \u00abDie Gr\u00fcnen kommen nicht mal auf dem Plakat vor. Das ist ganz auf die Person zugeschnitten &#8211; und das scheint sich gelohnt zu haben.\u00bb<\/p>\n<p>Das Hagel-Video\u00a0<\/p>\n<p>Liegt die Aufholjagd auch an Spr\u00fcchen \u00fcber eine Sch\u00fclerin mit \u00abrehbraunen Augen\u00bb? Mitten in der hei\u00dfen Phase des Wahlkampfs postet eine gr\u00fcne Bundestagsabgeordnete einen acht Jahre alten Clip in den sozialen Netzwerken, der CDU-Frontmann Hagel in einer Ulmer Gastst\u00e4tte bei einem Interview zeigt, damals 29 Jahre alt und Landtagsabgeordneter.\u00a0<\/p>\n<p>Hagel berichtet in der Szene von einem Schulbesuch. In der Klasse h\u00e4tten damals 80 Prozent M\u00e4dchen gesessen. \u00abAlso da gibt\u2019s f\u00fcr 29-j\u00e4hrige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen\u00bb, sagt Hagel. Dann geht er auf eine Sch\u00fclerin ein: \u00abIch werd\u2019s nie vergessen, die erste Frage, sie hie\u00df Eva, braune Haare, rehbraune Augen.\u00bb Diese S\u00e4tze sorgen nun f\u00fcr Wirbel &#8211; und heftige Kritik. \u00abDer Einstieg f\u00fcr dieses Interview 2018 war Mist\u00bb, r\u00e4umte Hagel k\u00fcrzlich ein.\u00a0<\/p>\n<p>Die Umfrage wurde genau in dem Zeitraum erhoben, in dem die Debatte hochkochte. Inwieweit sie sich in den Prozentwerten niederschl\u00e4gt, ist unklar. Vielleicht kostet sie Hagel aber auch in den n\u00e4chsten Tagen noch Zustimmung.<\/p>\n<p>\u00abSelbst wenn es nicht als schwerwiegender Makel empfunden wird: Es bleibt immer etwas h\u00e4ngen\u00bb, sagt Politologe Behnke. Die Video-Sache k\u00f6nne die Gr\u00fcnen mobilisieren. \u00abDas kann schon schaden\u00bb, findet auch Eith. Trotzdem: CDU-Stammw\u00e4hler seien eher fortgeschrittenen Alters und nicht auf diesen Plattformen unterwegs, die w\u00fcrden das nicht so stark wahrnehmen.\u00a0<\/p>\n<p>Strategisches Wahlverhalten<\/p>\n<p>Experten halten auch strategisches Verhalten linksgerichteter W\u00e4hler f\u00fcr eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung des gr\u00fcnen Aufwinds in den Umfragen. Denn die Linke hat verloren und muss mit 5,5 Prozent um den sicher geglaubten Einzug in den Landtag bangen. Die SPD kommt auf nur noch 7 Prozent und verliert damit erneut einen Prozentpunkt.\u00a0<\/p>\n<p>Einzige realistische Regierungsoption bleibt aktuell eine Koalition aus Gr\u00fcnen und CDU, wie derzeit unter Ministerpr\u00e4sident Winfried Kretschmann (Gr\u00fcne), der nicht mehr antritt. Wenn CDU und Gr\u00fcne fast gleichauf liegen, stellt sich die Machtfrage neu: Wer f\u00fchrt m\u00f6gliche Gespr\u00e4che? Wer hat Anspruch auf das Ministerpr\u00e4sidentenamt?\u00a0<\/p>\n<p>Wer f\u00fcr Sozialdemokraten oder Linke stimmt, l\u00e4uft Gefahr, seine Stimme einer k\u00fcnftigen Oppositionskraft oder bestenfalls einem Juniorpartner in einer Regierung zu geben. Eine gr\u00fcn gef\u00fchrte Regierung sei aus Sicht mancher SPD-Anh\u00e4nger immer noch besser als eine CDU-gef\u00fchrte, meint Behnke.<\/p>\n<p>Der Motivationsfaktor<\/p>\n<p>Klar ist: Umfragen sind keine Wahlen. Die Fehlertoleranz ist hoch, solche Erhebungen sind immer mit Unsicherheiten behaftet. Nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen erschweren den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der Daten.<\/p>\n<p>Auch Behnke sieht Umfragen mit Skepsis. Aber allein die Ver\u00f6ffentlichung der neuen Zahlen werde eine Wirkung entfalten, meint er. \u00abDas mobilisiert die linke Seite besonders stark\u00bb, sagt er. \u00abAber es kann auch der CDU nochmal Aufwind geben.\u00bb<\/p>\n<p>Das Kopf-an-Kopf-Rennen macht den Wahlkampf auf den letzten Metern nicht nur spannender &#8211; so ein offenes Rennen sei auch gut f\u00fcr die Demokratie, meinen die Experten. \u00abDas motiviert die Leute, zur Wahl zu gehen\u00bb, sagt Eith &#8211; auf beiden Seiten. Ein Viertel der W\u00e4hler sei zudem noch unentschlossen.\u00a0<\/p>\n<p>Es bleibt spannend bis zum 8. M\u00e4rz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stuttgart (dpa) &#8211; Es sind ein paar Zahlen, die den bisher eher langweiligen Wahlkampf in Baden-W\u00fcrttemberg komplett auf&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":828748,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[171087,1634,3364,29,30,1985,2403,1441,10563,2534],"class_list":{"0":"post-828747","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-ltwbw26","9":"tag-baden-wuerttemberg","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-landtag","14":"tag-partei","15":"tag-stuttgart","16":"tag-umfragen","17":"tag-wahl"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116140525776067268","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/828747","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=828747"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/828747\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/828748"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=828747"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=828747"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=828747"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}