{"id":828986,"date":"2026-02-27T05:59:17","date_gmt":"2026-02-27T05:59:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/828986\/"},"modified":"2026-02-27T05:59:17","modified_gmt":"2026-02-27T05:59:17","slug":"frankreichs-energiewende-energiegesetz-der-regierung-fuehrt-zum-misstrauensvotum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/828986\/","title":{"rendered":"Frankreichs Energiewende: Energiegesetz der Regierung f\u00fchrt zum Misstrauensvotum"},"content":{"rendered":"<p>27.02.2026 \u2013 Frankreichs Premierminister S\u00e9bastien Lecornu hat vor kurzem ein umstrittenes Energiegesetz per Dekret und ohne Abstimmung in der Nationalversammlung verabschiedet.<strong\/>Die Energie-Roadmap, die im Amtsblatt (Journal officiel) ver\u00f6ffentlicht wurde, legt fest, welcher Anteil in den kommenden zehn Jahren auf die einzelnen Bereiche \u2013 Atomkraft, Windenergie, Solarenergie, Wasserkraft \u2013 in der Energieerzeugung entf\u00e4llt. F\u00fcr den Zeitraum von 2025 bis 2035 geht die Regierung dabei von einer stagnierenden Stromnachfrage aus. Beim Ausbau von Wind- und Solarenergie will sie auf die Bremse treten und die Atomkraft weiter vorantreiben.<\/p>\n<p>Der erste Misstrauens-Antrag war vom rechtsextremen Rassemblement National (RN) eingebracht worden und erhielt nur 140 Stimmen, berichtet das franz\u00f6sische Nachrichtenportal France info. 289 Stimmen w\u00e4ren f\u00fcr einen Regierungssturz notwendig gewesen. Der zweite Antrag kam von der linksgerichteten Partei La France Insoumise (LFI) und erreichte mit 108 Abgeordneten-Stimmen ebenfalls nicht die Mehrheit.<\/p>\n<p>Der Energieplan wird seit \u00fcber zwei Jahren verhandelt. Im Juni letzten Jahres hatte die Nationalversammlung mithilfe von Stimmen der Rechten und Rechtspopulisten sogar noch einen vorl\u00e4ufigen Baustopp f\u00fcr neue Solar- und Windanlagen erreicht \u2013 die Entscheidung wurde jedoch revidiert. Premier Lecornu kritisierte denn auch die Initiative der Oppositionen als \u201eunn\u00f6tiges politisches Chaos\u201c, berichtet France info. RN warf er \u201eerfundene Zahlen\u201c vor, der LFI \u201elieber russisches Gas zu importieren, als franz\u00f6sischen, dekarbonisierten Atomstrom zu produzieren\u201c.<\/p>\n<p>Die Energiewende-Strategie war seit Jahren Gegenstand intensiver Debatten, insbesondere zur Rolle der Kernenergie und dem Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren Energien. Zur Begr\u00fcndung des R\u00fcckgriffs auf ein Dekret hatte Premierminister S\u00e9bastien Lecornu erkl\u00e4rt, eine weitere Verz\u00f6gerung sei \u201egrunds\u00e4tzlich gef\u00e4hrlich f\u00fcr unsere Souver\u00e4nit\u00e4t\u201c und f\u00fcr die Energieversorgung und -zukunft Frankreichs.<\/p>\n<p>Am 13. Februar 2026 wurde das <a href=\"https:\/\/www.legifrance.gouv.fr\/jorf\/id\/JORFTEXT000053464980\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Dekret<\/a> \u00fcber die mehrj\u00e4hrige Programmplanung f\u00fcr Energie (Programmation pluriannuelle de l\u2019\u00e9nergie,PPE 3) im Amtsblatt ver\u00f6ffentlicht, zusammen mit dem \u00fcber 300 Seiten langen <a href=\"https:\/\/www.legifrance.gouv.fr\/download\/pdf?id=UVMOuKNMrpZzIWK8_yvF4c1EHFQ2DgWXsjxXY-a5RFQ=\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Dokument<\/a> im Anhang, berichtet das deutsch-franz\u00f6sische B\u00fcro f\u00fcr die Energiewende. Die Energie-Roadmap legt die Energieziele des Landes f\u00fcr zwei aufeinanderfolgende F\u00fcnfjahreszeitr\u00e4ume fest, also die geplante Aufteilung zwischen den verschiedenen Energiequellen im franz\u00f6sischen Energiemix bis zum Jahr 2035.<\/p>\n<p>Verstrahlte Zukunft: Weniger Erneuerbare, mehr Atomkraft<\/p>\n<p>Der Energieplan best\u00e4tigt nun den von Pr\u00e4sident Macron bereits <a href=\"https:\/\/www.energiezukunft.eu\/politik\/frankreich-baut-atomkraft-aus\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">im Jahr 2022 angek\u00fcndigten massiven Ausbau der Atomenergie<\/a>. Die Produktion soll demnach auf 380 bis 420 Terawattstunden steigen. Ziel sei es, den Anteil fossiler Energiequellen an Frankreichs Versorgung von 58 Prozent im Jahr 2023 auf 40 Prozent bis 2030 zu senken. Der Ausbau der Onshore-Windkraft und der Solarenergie soll gedrosselt werden. Lecornu verwies dabei auf eine Stagnation des Stromverbrauchs in Frankreich.<\/p>\n<p>Die finanziell angeschlagene Grande Nation bleibt damit auf einem riskanten und vor allem immer teurer werdenden Atomkurs. Frankreich subventioniert die Atomkraft mit Steuergeldern, um die Verbraucherpreise im europ\u00e4ischen Vergleich niedrig zu halten \u2013 was die Staatsverschuldung seit Jahren erh\u00f6ht. Nun geht die \u00c4ra des g\u00fcnstigen Atomstroms zu Ende \u2013 nicht zuletzt aufgrund der notwendigen Sanierung des Kraftwerkparks und der Finanzierungsschieflage des Betreibers EDF, der durch hohe Verschuldung und Bauverz\u00f6gerungen bei neuen Reaktoren wie <a href=\"https:\/\/www.energiezukunft.eu\/wirtschaft\/bau-des-atomreaktors-flamanville-bleibt-ein-desaster\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Flamanville<\/a> finanziell stark belastet ist.<\/p>\n<p>57 Atomreaktoren erzeugen derzeit rund 70 Prozent des franz\u00f6sischen Stroms. Die geplante Abschaltung \u200cvon 14 Atomreaktoren soll r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden, vor allem, um den staatlichen Energieversorger EDF vermeintlich zu entlasten. Um alle laufenden Atommeiler am Netz zu halten, wird die Laufzeit auf 50 oder sogar 60 Jahre verl\u00e4ngert \u2013 dabei f\u00fchren M\u00e4ngel und Wartung von Atomkraftwerken schon seit Jahren zu Engp\u00e4ssen in der Stromversorgung. Zudem versch\u00e4rft die Klimakrise das Problem der <a href=\"https:\/\/www.energiezukunft.eu\/wirtschaft\/adieu-liberte-nucleaire-frankreich-rechnet-mit-stromausfaellen\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">nur scheinbar zuverl\u00e4ssigen Atomenergie<\/a>. Wasserknappheit und parallel steigende Flusstemperaturen im Sommer f\u00fchren mittlerweile dazu, dass im Sommer das K\u00fchlwasser f\u00fcr die Atommeiler fehlt und sie ihre Produktion drosseln m\u00fcssen. Dann laufen <a href=\"https:\/\/www.energiezukunft.eu\/wirtschaft\/atomenergieland-frankreich-braucht-jetzt-mehr-gas-und-oekostrom\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Gaskraftwerke hoch, und Deutschland liefert Strom aus Erneuerbaren Energien<\/a>.<\/p>\n<p>Die neue Strategie zur Energieversorgung des Landes beinhaltet zudem den Bau von sechs neuen Atomreaktoren vom <a href=\"https:\/\/www.energiezukunft.eu\/wirtschaft\/bau-des-atomreaktors-flamanville-bleibt-ein-desaster\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Typ EPR2<\/a> ab 2038, sowie eine Option zum Bau von acht weiteren Reaktoren. EDF hatte bereits angek\u00fcndigt, dass der Bau der sechs geplanten Atomreaktoren um etwa 40 Prozent teurer w\u00fcrde als vorgesehen. Der franz\u00f6sische Rechnungshof sch\u00e4tzte die reinen Baukosten f\u00fcr die sechs Reaktoren auf rund 80 Milliarden Euro.<\/p>\n<p>Erneuerbaren-Ziele werden heruntergefahren<\/p>\n<p>Die Ziele f\u00fcr den Ausbau Erneuerbarer Energien sollen indes gesenkt werden: Anstatt der bislang vorgesehenen 54 Gigawatt bis zum Jahr 2030 sollen nur noch 48 Gigawatt mit <a href=\"https:\/\/www.energiezukunft.eu\/erneuerbare-energien\/solarenergie\/keine-rueckwirkende-tarifkuerzung-fuer-photovoltaik-in-frankreich\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Solarenergie<\/a> produziert werden. Dabei brach die <a href=\"https:\/\/www.energiezukunft.eu\/erneuerbare-energien\/solarenergie\/europas-solarenergie-so-stark-wie-nie\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Solarstromerzeugung in vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern<\/a> noch in der ersten Jahresh\u00e4lfte 2025 Rekorde, in Frankreich steuerten Solaranlagen 15,1 Terawattstunden Strom bei.<\/p>\n<p>Reduzierung sieht der Energieplan auch bei den Ausbauzahlen f\u00fcr die Windkraft an Land vor \u2013 mit 31 Gigawatt statt wie bisher geplanten 33 Gigawatt. Bei der Onshore-Windenergie regt sich in Frankreich der heftigste Widerstand. Die Regierung erkl\u00e4rte, sie wolle dem Repowering bestehender Parks mit leistungsf\u00e4higeren Turbinen Vorrang geben, statt neue Anlagen zu errichten.<\/p>\n<p>Der Ausbau der Offshore-Windenergie wird etwas verschoben. Der Plan sieht einen beschleunigten Ausbau mit dem Ziel von 15 Gigawatt installierter Leistung bis 2035 vor, das Ziel von 18 Gigawatt ist nun erst f\u00fcr 2037 vorgesehen, um die Anschlusszeiten an das Stromnetz besser zu ber\u00fccksichtigen, hei\u00dft es im Plan.<\/p>\n<p>Wasserkraft dagegen soll wieder angekurbelt werden \u2013 sie gilt als die konsensf\u00e4higste der Erneuerbaren Energien, sowohl in der Politik als auch bei der Bev\u00f6lkerung. Die Kapazit\u00e4ten bestehender Staud\u00e4mme sollen laut Energieplan um 2,8 Gigawatt erh\u00f6ht werden, darunter 1,7 Gigawatt in Pumpspeicherkraftwerken.<\/p>\n<p>Geopolitische Probleme versch\u00e4rfen sich<\/p>\n<p>Mit dem Greenwashing der Atomkraft war Frankreich in der EU bereits 2022 erfolgreich: Macrons Fraktion hatte in Br\u00fcssel durchgesetzt, dass <a href=\"https:\/\/www.energiezukunft.eu\/politik\/europaeisches-parlament-entscheidet-sich-fuer-greenwashing-taxonomie\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Atomenergie in der gr\u00fcnen Taxonomie<\/a> anerkannt wird \u2013 \u00a0und auch im <a href=\"https:\/\/germany.representation.ec.europa.eu\/news\/net-zero-industry-act-kommission-will-bessere-bedingungen-und-mehr-investitionen-fur-saubere-2023-03-16_de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Net Zero Industry Act<\/a> gilt Kernkraft als saubere Technologie.<\/p>\n<p>Mit der Atomenergie behauptet Frankreich, die energetische Unabh\u00e4ngigkeit der Nation zu gew\u00e4hrleisten. Dabei sind viele AKW-Betreiber von Russlands Technologie abh\u00e4ngig, dazu geh\u00f6ren Ungarn, Tschechien, Bulgarien, die Slowakei, Finnland und auch Frankreich \u2013 daf\u00fcr hat Putin gesorgt und mit dem 2007 gegr\u00fcndeten Rosatom-Konzern Russlands Expertise zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/p>\n<p>Frankreich kann bspw. das in La Hague aufbereitete Uran im sibirischen Sewersk anreichern lassen, um es dann im franz\u00f6sischen AKW Cruas ein zweites Mal zu verwenden. Im Jahr 2024 waren laut Daten von EURATOM Russlands Importe f\u00fcr rund 35 Prozent des Bedarfs von angereichertem Uran in der EU verantwortlich. Auch <a href=\"https:\/\/www.energiezukunft.eu\/politik\/bundesregierung-genehmigt-russische-kooperation-bei-atomprojekt-in-deutschland\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Deutschland bleibt Teil der europ\u00e4ischen Versorgungskette<\/a>. Seit rund 45 Jahren produziert Advanced Nuclear Fuels \u2013 eine Tochterfirma des franz\u00f6sischen Atomkonzerns Framatome, der wiederum Tochter der EDF ist \u2013 im nieders\u00e4chsischen Lingen Brennelemente f\u00fcr den europ\u00e4ischen AKW-Markt. Das erkl\u00e4rte Ziel der Europ\u00e4er, Energieimporte aus Russland weitestgehend zu stoppen, wird mit solchen Abh\u00e4ngigkeiten zur Bankrotterkl\u00e4rung. Nicole All\u00e9<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"27.02.2026 \u2013 Frankreichs Premierminister S\u00e9bastien Lecornu hat vor kurzem ein umstrittenes Energiegesetz per Dekret und ohne Abstimmung in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":828987,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3974],"tags":[331,332,6303,1520,9700,548,663,3934,3980,156,13,3960,14,15,12],"class_list":["post-828986","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-frankreich","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-atomenergie","tag-energiewende","tag-erneuerbare-energien","tag-eu","tag-europa","tag-europe","tag-france","tag-frankreich","tag-headlines","tag-klimaziele","tag-nachrichten","tag-news","tag-schlagzeilen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116141068594514399","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/828986","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=828986"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/828986\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/828987"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=828986"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=828986"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=828986"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}